Initiative `Wir-sind-wichtig - Der Wirtschaft zuliebe !´Initiative `Wir-sind-wichtig - Der Wirtschaft zuliebe !´




Ein Stein auf dem anderen STRATEGIE I

Handzahme Systemkritik ?

Bis vor kurzem galt die Politik- und Satireplattform moderne21 noch als aggressiv und unversöhnlich. Inzwischen geben sich ihre Aktivisten moderater. Und haben damit Erfolg.

Die Macher von moderne21 betreuen von Berlin aus vier Projektreihen. Das ist deutlich weniger als stark unterstützte Initiativen wie „die Gesellschafter“ oder die parteinahen Stiftungen anbieten und schlägt daher laut Initiator Hartmut Lühr lediglich „mit Kosten im Promillebereich entsprechender offizieller Budgets“ zu Buche. Was der Aktionskünstler verschweigt ist, dass der Grad der Selbstausbeutung seiner Mitstreiter, die allesamt der neu entstandenen 'digitalen Bohéme' (Sascha Lobo, Holm Friebe) zuzuordnen sind, sehr hoch sein dürfte. Möglicherweise macht aber auch die inhaltliche Konzentration auf besonders sinnbildliche Probleme moderner Gesellschaften - wie Entwurzelung und Gewalt - die Stärke der ausgewählten Projekte aus, die in erster Linie über Videos und öffentliche Diskussionen ihr Publikum finden. Auf der Startseite des eigenen Internetauftritts heißt es bescheiden: „Wir geben jenen Fehlgeleiteten eine Stimme und ein wenig Halt, die fälschlicherweise meinen, sie würden von staatlichen Institutionen bevormundet, von Politikern übervorteilt oder von der Wirtschaft ausgebeutet.“ Das klingt wenig spektakulär aber möglicherweise lassen sich gerade mit diesem wenig subversiven und dafür umso gefühlsbetonteren Stil bereits verloren geglaubte desillusionierte Menschen für das System der parlamentarischen Demokratie zurückgewinnen.
Vor etwas mehr als einem Jahr hielt man bei moderne21 noch die Selbstbestimmung des Individuums als Ideal hoch und kritisierte im Rahmen der vier Projekte Wir-sind-wichtig, Wahlabsage, Dudelstopp und Gewalt-geht-immer Phänomene wie politische Denkverbote oder die Zunahme vorzivilisatorischer Verhaltensweisen im täglichen Leben. Inzwischen hat man sich weiter entwickelt, hat sich der grundsätzlichen Kritik am Kapitalismus durch die maßgeblichen politischen Kräfte angeschlossen und mahnt folgerichtig einen kontinuierlichen Ausbau des Wohlfahrtsstaates an.


Kindergarten STRATEGIE II

Späte Einsicht oder gar Reue ?

Bei der Berliner Politikplattform moderne21 hat man eingesehen, dass dem Staat wachsende Verantwortung für die Bürger zukommt, die - in die richtigen Bahnen gelenkt – möglicherweise sogar Zufriedenheit und Zuversicht bei den Menschen stärken kann.

Die Aktivisten um Hartmut Lühr haben man begriffen, dass Bestrebungen nach mehr individuellen Freiheiten durch den rapiden Abbau familiärer und sozialer Bindungen der Menschen immer mehr der Boden entzogen wird. Vor diesem Hintergrund an sozialemanzipatorischen Zielen festzuhalten, hieße die Lebenswirklichkeit einer wachsenden Bevölkerungsmehrheit zu ignorieren und so das Unbehagen der durch ihren rasanten Wandel zutiefst verunsicherten Gesellschaft unnötig zu verstärken. Mit dem neuen moderateren Stil hat man bei moderne21 offenbar viel dazugelernt. Ob die Einsicht in frühere Fehler authentisch ist, innerer Überzeugung entspringt oder einfach nur Teil einer neuen Verwirrungsstrategie gegenüber der gutgläubigen Öffentlichkeit ist, muss sich erst noch herausstellen. Jedenfalls könnte es das demokratische Miteinander in der Bundesrepublik tatsächlich stärken, wenn es gelänge, ehemals unberechenbare Freigeister in offene Politik- und Kunstplattformen wie moderne21 einzubinden, damit sie sich dort an einer fruchtbaren öffentlichen Diskussion über die Zukunft der Gesellschaft beteiligen. Tatsächlich scheint die Bindungskraft der parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik größer als lange Zeit angenommen.
Der Beweis, dass die Akteure um Lühr nach früheren Misstönen tatsächlich geläutert ihrer Verantwortung als öffentliche Meinungsmacher gerecht werden, steht noch aus. Zunächst sollten sie einfach beim Wort genommen werden, wenn sie vorgeben, den konstruktiven Dialog mit den Mächtigen suchen und auf diese zugehen zu wollen, „um sie brüderlich zu umarmen“. Letzteres ist hoffentlich nicht doch als versteckte Drohung zu interpretieren.


STEUERN

Akzeptanz von Steuern in Gefahr

Immer mehr Menschen wollen dem Staat das ihm zustehende Geld vorenthaltenWie sich sehr positive und humanistische Phänomene durch destruktive Kräfte in ihr Gegenteil verkehren lassen, ist gegenwärtig anhand eines unschönen Phänomens zu beobachten: Öffentliche ideologische Bekenntnisse von Bürgern und Prominenten. In Deutschland trat unterstützt durch die Sozialdemokratie in den siebziger Jahren eine beachtliche Anzahl von Frauen ins Rampenlicht der Massenmedien mit dem engagierten und mutigen Bekenntnis, abgetrieben zu haben. So weit so gut für die gerechte Gesellschaft.

Nun sehen sich neuerdings jedoch ermutigt durch den politischen Liberalismus (Wahlkampfslogan `Mehr Netto vom Brutto´) hierzulande Normalbürger verstärkt dazu berufen, ihren Unmut gegenüber einer vermeintlich zu hohen Steuerlast hierzulande kundzutun. Noch haben sich mit dem für seine politischen Geisterfahrten bekannten Provokationskünstler Leo Greller (`Ich würde meine Steuergelder lieber für mich selbst ausgeben´) allenfalls Prominente der `D-Kategorie´ zu diesem gefährlichen Irrsinn bekannt - aber es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann auch höherwertige Personen des öffentlichen Lebens diesem unguten Trend folgen werden. Glücklicherweise haben sich für ihren eigenen Kopf und Starrsinn bekannte Persönlichkeiten wie etwa Karl Lagerfeld, Henryk M. Broder, Dieter Bohlen oder Robert Geiss bislang nicht zum Thema `Lebensfreude durch Steuernzahlen´ geäussert - dies wird jedoch erfahrungsgemäß nur eine Frage der Zeit sein.

Daher erscheint es notwendig, eine Ächtung oder auch eine juristische Generalprävention gegen die Gefährlichkeit des öffentlichen Leugnens der Notwendigkeit, Steuern an den (Sozial-)Staat zu zahlen, ins Leben zu rufen. Es wäre zu überlegen, sogar von mentaler Gewalt - ähnlich wie bei Rufmord oder Beleidigung - zu sprechen, wenn Menschen öffentlich erklären, dass sie wichtige und von verlässlichen Steuereingang abhängige Funktionen des Staates nicht mehr unterstützen möchten, wie die Beseitigung der Ungleichheit zwischen den Menschen, die Stärkung der Europäischen Einheit in Brüssel, die Unterstützung neuer vielfältiger urbaner Lebensstile und die Integration von Migranten. Es muss vorbeugend dagegen vorgegangen werden, dass solche menschenverachtenden Ansichten verstärkt in Umlauf gebracht werden.


Manager beim Golfspiel SYMPATHIETRÄGER I

Die Möglichkeit von Profitum

Immer mehr Menschen glauben, dass ihnen von den Massenmedien ein falsches Bild der Realität vermittelt wird, dass sie von den großen und mächtigen Wirtschaftsunternehmen ausgebeutet und dass sie von Politikern der verschiedensten Parteien übervorteilt werden. Wir interessieren uns bei all diesen Themenkomplexen lediglich für die jeweilige „Möglichkeit von Profitum“.

Daher plädieren wir dafür, dass die Massenmedien ihre Konsumenten möglichst professionell informieren – egal, ob sie diese nun mit Szenarien unausweichlich erscheinender Bürgerkriege in Europa verängstigen oder ob sie sie mit der Aussicht auf sichere Renten und einen harmonisch vonstatten gehenden Bevölkerungsaustausch beruhigen. Ebenfalls möchten wir ausschließlich Profis in den Führungsetagen der großen Unternehmen sehen – unabhängig davon, ob deren Manager sich für den Erhalt oder gar den Ausbau von Arbeitsplätzen verantwortlich fühlen oder ob sie jungen Menschen, die im passenden Alter für Familiengründungen sind, das Leben mit Forderungen nach mehr räumlicher Mobilität erschweren. Schließlich würden wir es begrüßen, wenn die Politiker der führenden Parteien so profihaft wie möglich regieren würden – ganz gleich, ob sie planen, den Bürgern in Zukunft mehr Freiheiten zugestehen zu wollen oder ob sie vorhaben, deren Abhängigkeit von staatlichen Kontrollinstanzen weiter zu vergrößern.
Wir plädieren für die Möglichkeit von mehr Profitum in allen diesen wichtigen Bereichen – dies ist für uns ein Wert an sich, zu dem wir stehen und dies nicht nur im Rahmen dieser politisch korrekten Satire. Wir wollen damit der freien Politik- und Kunstplattform moderne21 den Rücken stärken, deren Macher nun bereits seit einigen Jahren ebenfalls ein gutes Beispiel für die professionelle Unterstützung der Mächtigen innerhalb eines politischen Systems liefern.


Rotes Rathaus Berlin DISKUSSION

Diskussion über den 'Berliner Mehrwert'

Was hat es mit dem Schlagwort des 'Berliner Mehrwerts' auf sich, das gegenwärtig in Feuilletons und politischen Kommentaren die Runde macht ? Dem mit diesem sarkastischen Begriff einhergehenden Vorwurf, den Hauptstädtern ginge es – da sie faktisch 'mehr Wert' seien - auf Kosten der restlichen Republik finanziell zu gut, widmet sich eine neue Initiative des Projekts 'Wir-sind-wichtig'.

Seit einiger Zeit ist der sogenannte 'Berliner Mehrwert' Gegenstand der Diskussion um Verteilungsgerechtigkeit in der Bundesrepublik. Es wird suggeriert, die Hauptstädter seien dank der für die Spree-Metropole segensreichen Auswirkungen des Länderfinanzausgleichs de facto 'mehr wert' als Bürgerinnen und Bürger in anderen Teilen der Republik, die die Wohltaten für Berlin mit Steuergeldern finanzieren müssen. Die Initiative 'Wir-sind-wichtig' hält den Unmut über die vermeintliche Privilegierung der Hauptstädter für ungerechtfertigt, plädiert aber dennoch dafür, mögliche Konflikte beim Namen zu nennen und intelligent zu moderieren, damit sie eines Tages nicht eskalieren.
Die gesellschaftliche Vorreiterrolle Berlins ist durch die Konzentration postmoderner Lebensstile in der Hauptstadt besonders augenfällig: Die Angleichung der Geschlechter sowie die endgültige Überwindung traditioneller Familienstrukturen bringen die Metropolenbewohner einerseits zwar der angestrebten weitestgehenden Selbstverwirklichung näher, sie verlangen ihnen andererseits jedoch auch nicht zu unterschätzende Opfer ab, was Lebensfreude, Gesundheit und nachhaltige soziale Bindungen anbelangt. Als Ausgleich hierfür ist es gerechtfertigt, dass die Hauptstädter weniger hart für ihren Wohlstand arbeiten müssen als Bürger in anderen Teilen der Republik. Um den gesellschaftspolitischen Pionierstatus Berlins weiterhin sicherzustellen, ist es darüber hinaus sogar überlegenswert, die ökonomische Unterstützung durch die anderen Bundesländer, die früher oder später allesamt von den Erfahrungen der Spreemetropole profitieren werden, weiter auszubauen.


Vera Göpfert (Projekt 'Wir-sind-wichtig') INDIVIDUALISIERUNG

Der Blick auf uns selbst

Der Name 'Wir-sind-wichtig' des jüngsten Projekts beschreibt eine stark verbreitete Selbsteinschätzung moderner Individuen. Sich ihrer Einzigartigkeit bewusste und von Bindungszwängen weitestgehend befreite Menschen sind das Rückrad einer leistungsfähigen Wirtschaft und eines expandierenden Wohlfahrtsstaats. Bei der Kunstplattform moderne21 hat man die stetig wachsende Zahl durchökonomisierter Biografien, die den Anforderungen des kapitalistischen Marktsystems voll und ganz gerecht werden, bereits seit mehreren Jahren aufmerksam verfolgt und will die Millionen Einzelkämpfer mit dem neuen Projekt würdigen, ermutigen und trösten.

Die Hamburger People-Journalistin Ursula Reifenstein-Herbig, die das Projekt betreut, hält es für wichtig, dass die psychologischen Folgen des Wirkens mehrerer Generationen von Sozial- und Wirtschaftspolitikern sowie von Managern „endlich einmal im Rahmen einer ambitionierten und ungewöhnlich ehrlichen Projektreihe dokumentiert werden.“ Die Bürger bringen mittlerweile große private Opfer für das reibungslose Funktionieren von Wirtschaft und Sozialstaat, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wären. In der Folge fühlen sie sich berechtigterweise einfach zu wichtig, um ihre Lebenskraft und ihre Kreativität für anfällige soziale Bindungen in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft drohendem Verschleiß auszusetzen. „Dass viele als Ausgleich für wachsende Einsamkeit auf Konsum und Selbstverwirklichung setzen, ist doch nur zu verständlich. Sollen wir ihnen ihren einzigen Trost etwa madig machen ?“, fragt Reifenstein-Herbig und klingt dabei ehrlich bekümmert.
Zusätzliche Identitäten und riesige anonyme Freundschaftsnetzwerke im Internet sind im Kommen und nichts, weswegen moderne Individualisten sich schämen sollten. Die Menschen mögen früher lebenslange und verlässliche soziale Bindungen miteinander eingegangen sein – heute kann sich jeder mit seinen vielen Talenten überall wenn nicht ständig als Superstar so doch wenigstens als ewiger Geheimtipp im Netz oder in der kleinen Galerie nebenan fühlen. Die Macher von Wir-sind-wichtig interpretieren das als zivilisatorischen Fortschritt, den sie moralisch unterstützen wollen.


Würde, Mut und Trost ÜBER UNS I

Würde, Mut und Trost

'Wir sind wichtig' ist eine zivilgesellschaftliche Initiative der offenen Politik- und Kunstplattform moderne21. Sie unterstützt seit drei Jahren Politik und Wirtschaft dabei, die berufliche Karriere als Dreh- und Angelpunkt modernen Lebens aufzuwerten.

Eine wachsende Zahl von Menschen tritt wegen ihrer subjektiv empfundenen beruflichen Unentbehrlichkeit in ihrem Sozialleben immer kürzer. Unabhängig davon, ob sie tatsächlich unersetzbar sind oder nicht, bringen sie große Opfer für das Funktionieren der Wirtschaft und damit das Gemeinwohl. Der daraus sehr häufig resultierende Verzicht auf Familienleben, elementare Glückserfahrungen und emotionale Stabilität ist nicht zu leugnen. Die Millionen Einzelkämpfer müssen daher von Initiativen wie 'Wir-sind-wichtig' gewürdigt, ermutigt und getröstet werden. Den Menschen soll ihr Unbehagen genommen und mit Hilfe von Aktionen, Diskussionen und der Dokumentation moderner Biographien gezeigt werden, dass sich Individualisierung und Marktwirtschaft sehr gut miteinander vereinbaren lassen.
Hinter Wir-sind-wichtig stehen neben Vertretern aus Politik, der boomenden Selbstverwirklichungsindustrie und Gewerkschaften Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen und gleichzeitig der Notwendigkeit ihrer Opfer für die Wirtschaft vergewissern wollen. Es sollte vor allem von der Politik aufrichtiger als bisher kommuniziert werden, dass beruflicher Erfolg nun einmal der Fetisch der modernen Zeit ist, dessen Nebenerscheinungen wie Einsamkeit und familiäre Entwurzelung adäquat durch Geld, Sozialarbeit oder neue Medien zu lösen sind. Durch Konsumchancen können Einsamkeitsgefühle kompensiert werden, beruflicher Erfolg kann fehlende Bestätigung im sozialen und familiären Bereich ersetzen. Den Menschen wird heute statt zu Hause in ihren Unternehmen vermittelt, dass sie einzigartig und wichtig sind. Sie fühlen sich dort unabkömmlich und wollen nicht riskieren, ihre Lebenskraft und ihre Kreativität für anfällige soziale Bindungen drohendem Verschleiß auszusetzen.


Es gibt sehr wohl eine Gesellschaft ! ÜBER UNS II

Es gibt sehr wohl eine Gesellschaft !

... und was für eine: Sie wird immer vollkommener und perfekter, dank der Experten und der Fachleute, die von Staats wegen daran arbeiten, die elementaren Besonderheiten menschlicher Existenz mit den berechtigten Interessen der Wirtschaft in Einklang zu bringen.

Die Aktivisten von Wir-sind-wichtig helfen dem Staat, die altmodische Illusion schutzspendender sozialer Bindungen in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft als gefährlich zu entlarven. Deren vermeintliche Funktion als `Sicherheitsspender´ wurde insbesondere von Soziologen bereits im vorigen Jahrhundert als Trugbild entlarvt und von vorausschauenden Politikern durch einen soliden und großzügigen Wohlfahrtsstaat ersetzt. Dieser sorgt weitgehend frei von menschlicher Irrationalität seither für Verlässlichkeit im Leben der Deutschen und garantiert so das Funktionieren von Wirtschaft im Großen und Privatleben im Kleinen. Wegen der Unverzichtbarkeit beruflichen Erfolgs für die Selbstverwirklichung hatten bereits führende Vertreter der 68er-Generation einengende gesellschaftliche Normen und Werte als Hindernisse für den Individualismus erkannt und erfolgreich bekämpft. Ihre geistigen Erben verstehen es sehr gut, ökonomisch funktionalisierte Sexualität mit den Grundsätzen des Feminismus und der Single-Gesellschaft zu verknüpfen. Ungünstig wirkt sich hierbei allenfalls die wegen politisch gebotener Maßnahmen wie dem Gender-Mainstreaming rapide abnehmende Anziehung zwischen den ehemals sehr gegensätzlichen Geschlechtern aus.
Der Initiative zufolge sind moderne Gesellschaften, deren Sozialstrukturen sich – unterstützt von Wirtschaft und Politik - radikal im Umbau befinden, von einer grundsätzlich positiven Haltung gegenüber staatlichem Wirken geprägt. Antietatistische Einstellungen, wie etwa Margaret Thatchers Aussage, nach der es keine Gesellschaft gäbe, sondern „nur Individuen, die für ihre Familie und ihre Nachbarn sorgen“, können daher keine Oberhand gewinnen. Die Akzeptanz staatlicher Sozialleistungen ist im Gegenteil gestiegen, da das Arbeitseinkommen wegen wachsender Abgabenquoten selbst für Alleinstehende und Kinderlose oft nicht ausreicht. `Wir-sind-wichtig´ kritisiert jedoch, dass viele Massenmedien noch immer zu einseitig über die sehr subjektiven Schattenseiten karriereorientierter Lebensbiografien berichten. Das Phänomen `Einsamkeit in der Single-Gesellschaft´ wird unnötig dramatisiert – bewährte Lösungen, wie beispielsweise Haustiere, werden hingegen zu selten aufgezeigt.


GLEICHBERECHTIGUNG

Moderne Frauen

vornehmlich weiblicher MenschWer würde nicht auf Dauer Verhärmt oder frustriert, wenn einem immer wieder der zustehende Respekt und die verdiente Anerkennung für geleistete Arbeit und für Opfer vorenthalten werden ? Moderne Frauen jedenfalls widerstehen dieser Versuchung - auch wenn sie vielfach gegen bösartige Klischees ankämpfen müssen, die von `glücklichen´ Familienmüttern oder konservativen Männern in die Welt gesetzt wurden, um den fortschrittlichen Liliths ihr selbstbestimmtes Leben zu versauern.

Auf musikalischer Ebene legten vor 16 Jahren die frechen Tic Tac Toe in der Bundesrepublik den Grundstein für gleichberechtigtes Gedudel. Sabrina Setlur, deren feminine Ausstrahlung durch ihre Vorliebe für Fäkalausdrücke keinen Schaden nahm, konnte erfolgreich darauf aufbauen. Vollendet wurde diese Entwicklung schließlich von der pornorappenden Lady Bitch Ray. Die Multikulti-Gesellschaft bescherte damit diesem Land eine Reihe ausgezeichneter Sängerinnen, die ihren Macho-Kollegen kein bisschen nachstehen.
Auch im Privatleben sehen sich in Karriere und Beruf erfolgreiche Frauen häufig von fortschrittsblinden Männern ignoriert oder mit der `Begründung´ zurückgewiesen, dass `man(n) sich lieber an das Original halte´, seine Freizeit daher bevorzugt mit seinen Kumpels verbringe und seine übrigen sexuellen Bedürfnisse mit Hilfe von Liebesarbeiterinnen bewältige. Da Prostitution hierzulande anders als im fortschrittlicheren Schweden für die männlichen Freier noch nicht strafbar ist, muss diese Haltung als diskriminierend gesehen werden.

Militärisch ist es ein Fortschritt, wenn Feinde der offenen Gesellschaft künftig von Frauen und Männern gleichermaßen staatlich angeordnete körperliche Gewalt zugefügt bekommen. Die geringere Kampfkraft von Frauen, die Jahrtausende bei der Kriegführung berücksichtigt wurde, ist im High-Tech-Zeitalter obsolet geworden. Moderne Frauen sind damit nicht nur die besseren, die `neuen´ Männer, sondern auch die vollkommeneren Kämpferinnen.
Schließlich tritt dadurch, dass die harmonische Konsensfindung zunehmend an Bedeutung gewinnt, die harte Konfrontation zwischen unterschiedlichen Meinungen immer mehr in den Hintergrund. Die Political Correctness - gestützt von den Expertinnen und Experten aus Brüssel - setzt sich auf allen Ebenen immer mehr durch und auch die Politik in Deutschland wird dank Quotenregelungen erfreulicherweise immer femininer.



GLEICHSTELLUNG

Moderne Männer

vornehmlich männlicher MenschMit wem sollen moderne Frauen im Einklang die Basis für eine gerechte und gute Gesellschaft legen, wenn nicht mit einer neuen Generationen fortschrittlicher Männer ? Diese sehen sich allerdings immer noch häufig Schmähungen und Spott von Seiten nach wie vor dem Patriarchat höriger altmodischer Frauen sowie sogenannter `richtiger´ Männer ausgesetzt, die Gender-Mainstreaming fälschlicherweise für einen ganz schlechten Scherz und Frauenbeauftragte für die Rache enttäuschter `Emanzen´ halten.

`Was sind das für altmodische Männer, die im öffentlichen Raum andere anherrschen, ihre Musik leiser zu stellen ? Auf was für ungute Normen und Werte aus düsteren deutschen Zeiten berufen sie sich ? Waren das nicht sehr autoritär - also patriarchalisch - geprägte, unmenschliche Zeiten ?´, fragen sich fortschrittliche Männer heutzutage zu recht. Deshalb haben sie für Appelle [ein Ausdruck aus dem Militär-Jargon] an die `Rücksicht´ vornehmlich vaterlos aufwachsender junger und hoffnungsvoller Störenfriede wenig bis kein Verständnis.
Moderne und gerechte Gesellschaften haben kein Problem mit dauerpubertierenden, erwachsenen Männern, die sich mit Computerspielen und Jugendfilmen vor gereifter Verantwortung `drücken´: Besser, die erwachsenen männlichen Bürger der Bundesrepublik bleiben `große Jungs´ als dass sie `echte Männer´ werden - mit allen negativen Begleiterscheinungen. Volker Beck und Andrea Nahles würden dieser Einsicht sicher nicht widersprechen.

Völlig überbewertet werden verantwortungsvolle Berichte der Boulevardmedien, nach denen häusliche durch Frauen ausgeführte Gewalt gegen Männer ein nicht zu unterschätzendes Problem in der Bundesrepublik darstellt, das den Blick auf das Gesamtphänomen `Macht´ nachhaltig verändern dürfte. Die Tatsache, dass diese vermeintliche Form von Gewalt kaum in einschlägigen Statistiken auftaucht, hat mit Sicherheit nichts mit tradiertem männlichen Schamgefühl in dieser Beziehung zu tun.
Seit Jahrhunderten schließlich hat von Männern dominierte Politik überwiegend Unglück vor allem über Frauen gebracht. Mit der neuen Quotenpolitik, die von der politischen Linken bis zur politischen `Bürgerlichen´ (um an dieser Stelle kein vollkommen zu recht diskreditiertes Adjektiv zu verwenden) unterstützt wird, neigt sich diese Ära ihrem Ende entgegen. Es wird eine Zeit folgen, die vollständig vom exakten Gegenteil geprägt sein wird.


KLARTEXT

Warnung vor Karriereschäden durch Kinder

Fortschrittliche Kampagne aus Brüssel thematisiert die Gefahren durch FamiliennachwuchsDie Europäische Kommission wirbt aktuell mit einer Anzeigenkampagne für mehr wirtschaftliche Gleichstellung zwischen Frauen und Männern. Hierbei wurde auch das Bildmotiv einer Kleinfamilie verwendet, das mit der Frage "Wird ein Kind meiner Karriere schaden ?" übertitelt ist. Die Alleinstehenden-Initiative `Wir-sind-wichtig´ begrüßt diese indirekte Warnung vor Familiennachwuchs bei anhaltender Benachteiligung von Frauen.

Im Anzeigentext heißt es: "Familiäre Pflichten sind ungleich verteilt. Bei Frauen tritt häufiger eine Unterbrechung der Berufstätigkeit auf und sie arbeiten anschließend oft nicht mehr Vollzeit. Dies ist der Grund, warum Frauen durchschnittlich 17,5% weniger verdienen als Männer." Zwar gibt die Anzeigenserie vor, Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sollten überwunden werden, gleichzeitig werden durch den gewählten Slogan `Wird ein Kind meiner Karriere schaden ?´ jedoch Mädchen und Jungen in ein sehr kritisches Licht gestellt. In einer aus Steuergeldern finanzierten Kampagne geschah dies bisher noch nie so deutlich wie im vorliegenden Fall.

Ursula Reifenstein-Herbig von der Initiative `Wir-sind-wichtig´ lobt den Mut der Europäischen Kommission zur Ehrlichkeit: "Durch diese Kampagne fühlen meine MitstreiterInnen und ich uns nachhaltig in unserem Engagement unterstützt, die berufliche Karriere als Dreh- und Angelpunkt modernen Lebens gegenüber der überkommenen Institution `Familie´ aufzuwerten. Die Aussagen der EU-Kommission können unserer Ansicht nach als moderates Plädoyer gegen Kinder interpretiert werden, denn anderenfalls würde es sich der Logik zufolge ja um Erpressung handeln - nach dem Motto `entweder die Frauen in Europa bekommen 17,5% mehr Geld oder sie treten in einen Gebärstreik´." Eine derartige Drohung sei aus der Anzeige jedoch nicht herauszulesen.
Ebenfalls sehr lobenswert, so Reifenstein-Herbig, sei die konsequente Vermeidung der emotional aufgeladenen Begriffe `Mutter´ und `Vater´ in der gesamten Anzeigenserie. Die mit diesen Reizworten oftmals verbundene Familienperspektive entspreche ohnehin kaum noch der Lebenswirklichkeit moderner EuropäerInnen. Dass die EU-Kommission zudem bei der Kampagne nicht der Versuchung erliege, die vermeintlich gerechte gleiche Entlohnung für kindererziehende Hausfrauen und beispielsweise PädagogInnen zu fordern, beweise der unter anderem mit satirischen Mitteln arbeitenden Initiative `Wir-sind-wichtig´ zufolge wirtschaftsfreundliche und familienkritische Weitsicht.


Daniel Fallenstein und Sonja Peters GERECHTIGKEIT

Führt finanzielle Solidarität
zu kreativer Faulheit ?

Seit einiger Zeit ist das Phänomen des 'Berliner Mehrwerts' Gegenstand einer neuen Gerechtigkeitsdiskussion um die nicht zuletzt durch den Länderfinanzausgleich bedingte finanzielle Besserstellung der Hauptstädter auf Kosten der Steuerzahler in anderen Bundesländern. Die gesellschaftspolitische Vorreiterrolle Berlins, die durch großes Vertrauen in staatliche Transferleistungen und Überwindung traditioneller Sozialstrukturen gekennzeichnet ist, gilt bei politischen Entscheidungsträgern aller couleur als besonders förderungswürdig: Berliner sind de facto 'mehr wert' als Münchner und Düsseldorfer. Ob dies tatsächlich gerechtfertigt ist, darüber diskutierten Sonja Peters vom in Berlin ansässigen 'Bündnis für die Beibehaltung der Einwohnerhöherwertung' und der libertäre Journalist Daniel Fallenstein ('the European') im 'Kunsthaus Tacheles'.

Als größter Aktivposten der Spreemetropole wurde von Peters deren soziokultureller Output betont, den ein freier Markt nicht genügend honorieren würde. Kultur und soziales Engagement basierten jedoch auf geleisteter Arbeit und müssten auch entsprechend entlohnt werden: „Kultur darf schließlich nicht zur Subkultur werden. Der Rest der Republik muss das verhindern helfen.“
Fallenstein wies auf den Widerspruch hin, dass sich Berlins spezifischer 'Mehrwert' zwar nicht monetär ausdrücken lasse, er aber dennoch durch den Rest der Republik monetär abgegolten werden solle. Die Förderung moderner Lebensstile in der Hauptstadt sieht der Journalist skeptisch: „Das Geld, das die Berliner von Steuerzahlern aus anderen Teilen der Republik erhalten, ohne dass letztere eine andere Wahl haben als zu zahlen, stellt keine wirkliche Förderung der Kreativität dar, sondern führt mittelfristig zu kreativer Faulheit.“ Fallenstein gab ebenfalls zu bedenken, dass neben der Wirtschaft durchaus ein 'Markt für gesellschaftliche Vorbilder' existiere, auf dem Berlin einen sehr guten Stand habe und daher eigentlich keine Subventionierung benötige.


Den Geldfluss für die Hauptstadt sichern ! MEHRWERT

Weitere Pluspunkte für Berlin

Die durch den Gesetzgeber geförderte Angleichung der Geschlechter, die in Berlin bereits besonders weit fortgeschritten ist und die das tägliche Zusammenleben weiblich und männlich geprägter Menschen weitaus erträglicher macht als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war, ist nur ein Aspekt für die Fortschrittsorientierung der Hauptstadt. Bei genauerer Betrachtung werden weitere Beispiele deutlich, die die Förderungswürdigkeit der Spreemetropole unterstreichen.

So sucht die nahezu uneingeschränkte städtische Unterstützung freier und öffentlicher Sexualität bundesweit ihresgleichen – selbstverständlich im Rahmen geltender Gesetze, aber immer auch mit einem klaren Sympathiebonus für gesellschaftliche Minderheiten, die durch den Konformitätsdruck einschlägiger Massenmedien sowie kulturell tradierter Normen und Werte schließlich schon genug zu leiden haben.
Das sich immer vertraulicher und intimer gestaltende Zusammenleben von Mensch und Haustier in der Metropole kann ebenfalls als ein weit über die Stadtgrenzen hinaus sichtbares hoffnungsvolles Signal gesehen werden, das der stark wachsenden Zahl vereinsamter Menschen als Vorbild dient. Die soziale Entwurzelung, die durch die Konzentration auf das Erwerbsleben unvermeidlich ist, kann damit ein gutes Stück verträglicher gestaltet werden.
Auch die Förderung von mehr sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit unter den Berlinerinnen und Berlinern sowie die hiermit eng zusammenhängende politische Abkehr vom fragwürdigen Leistungsprinzip berechtigen zu der Bitte nach mehr finanzieller Unterstützung der modernen Spreemetropole durch die restliche Republik: Berliner sind für die künftige Entwicklung des gesamten Landes de facto „mehr wert“ als Einwohner in Landesteilen, die sich der Zukunft einer gerechten, toleranten und fortschrittlichen Gesellschaft weit weniger nachhaltig verschrieben haben.


SPD-Bundeszentrale in Berlin REALISMUS

Rückendeckung durch progressive Kräfte

Die bundesrepublikanische Wirtschaft kann mit der politischen Linken im Land ausgesprochen zufrieden sein, bei der der Verteilungsgedanke nach wie vor uneingeschränkt im Vordergrund steht. Bei Grünen, Linken und Sozialdemokraten haben alternative utopisch anmutende Überlegungen zum Glück keine Chance - etwa die, nach der wirtschaftliche Faktoren für das Leben der Menschen in einer Gesellschaft, in der angeblich längst alle Grundbedürfnisse der Bevölkerung abgedeckt sind, auf ein Minimum zurückgefahren werden sollten.

Solch eine nur von ganz wenigen Außenseitern eingeforderte einseitige Ausrichtung der großen Unternehmen sowie der Politik auf das vermeintliche 'Lebensglück' der einfachen Menschen könnte für ein Land, das dem internationalen und globalisierten Wettbewerb um Ressourcen und Wachstum ausgesetzt ist, verheerende Auswirkungen in den Rankings und Statistiken haben und wurde daher von den bundesdeutschen Entscheidungsträgern zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise als alternatives Politikziel in Erwägung gezogen.
Es gab in den frühen achtziger Jahren kurzzeitig bei den 'Grünen' Bestrebungen, das Primat der Wirtschaft für das Leben der Bürger in Frage zu stellen. Dieses unrealistische Ansinnen wurde jedoch sehr schnell durch verantwortungsbewusste mediale, gewerkschaftliche und vermutlich auch - Ehre wem Ehre gebührt - sozialdemokratische Einflüsse zurückgedrängt und ist zum Glück längst weitestgehend in Vergessenheit geraten. Initiativen wie 'Berliner MehrWert' helfen dabei, den Menschen in der gesamten Republik am Fallbeispiel der Hauptstadt zu verdeutlichen, wie mit Hilfe konsequenten Gender-Mainstreamings, professionell betriebener Gleichstellung und gerechter Quotierung sowie einer vertretbaren Staatsverschuldung und moderaten Inflation die Interessen von Wirtschaft, Politik und Bürgern harmonisch in Einklang zu bringen sind, ohne dass es zu Irritationen oder gar offenen Konflikten kommen muss.


Projekt 'Wir-sind-wichtig' Initiative WIR-SIND-WICHTIG

Die Wirtschaft dankt - das alleine zählt

Immer mehr Menschen treten wegen ihrer Unentbehrlichkeit in Beruf und neuen Medien in ihrem Sozialleben kürzer. Sie bringen große Opfer für das Funktionieren der Wirtschaft und damit das Gemeinwohl. Der daraus häufig resultierende Verzicht auf Familienleben und Geselligkeit ist kein Pappenstiel. Das Projekt 'Wir-sind-wichtig' zollt den modernen Bürgern zusammen mit der Politik daher größten Respekt.

Die berufliche Karriere ist der Dreh- und Angelpunkt der modernen Welt. Erfolgreiche Menschen richten ihr Leben heutzutage nach den Anforderungen der Wirtschaft aus und zahlen dafür oft den Preis mangelnder oder sogar gänzlich fehlender sozialer Bindungen. Nur wenigen beneidenswerten Frauen und Männern gelingt es, ihre jeweiligen Karrierepläne unter einen Hut zu bekommen und ein gemeinsames Leben in gegenseitiger Verantwortung aufzubauen. Das ist gewiss bedauerlich - es sollte die weniger glücklichen Bürgerinnen und Bürger dennoch nicht davon abhalten, ihren Teil für das Funktionieren einer modernen und konkurrenzfähigen Wirtschaft in Deutschland beizutragen. Die Politik und das Projekt 'Wir-sind-wichtig' helfen ihnen dabei.
Die Einsicht, dass uneingeschränkter Individualismus und beruflicher Erfolg für moderne erwerbsorientierte Existenzen und eine starke Volkswirtschaft unverzichtbar sind, verdanken wir der 68er-Generation, die einengende gesellschaftliche Normen und Werte schon früh als Hindernisse für die individuelle und berufliche Selbstverwirklichung erkannt und erfolgreich bekämpft hat. Gefährliche Illusionen schutzspendender sozialer Bindungen in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft wurden insbesondere von Soziologen bereits in den sechziger Jahren als Trugbilder entlarvt und von Politikern durch einen soliden und großzügigen Wohlfahrtsstaat ersetzt, der weitgehend frei von menschlicher Irrationalität seither für Sicherheit im Leben der Deutschen sorgt. Die neue Projektreihe `Wir-sind-wichtig´ dokumentiert moderne Biographien in der Bundesrepublik, in der der gut ausgebaute Sozialstaat für das Funktionieren von Wirtschaft im Großen und Privatleben im Kleinen garantiert.


KUNST UNTER MUTTI

Politische Farbenlehre spielt kaum eine Rolle

Patrique Stach ('Bleib passiv') und Markus Wegner ('Prenzlbasher'), 2009 im Berliner 'Kunsthaus Tacheles'Im Berliner 'Kunsthaus Tacheles' diskutierten Filmproduzent Sven Wegner und Politaktivist Patrique Stach mit dem Mediensoziologen Hartmut Lühr die Frage, ob politische Aktionskunst in den letzten Jahren zu `handzahm´ geworden ist. Die Antwort fiel uneinheitlich aus. Dass sich mit der neuen schwarzgelben Bundesregierung die Bedingungen für künstlerische Kritik an gesellschaftlichen Misständen ebenfalls verändert hätten, wurde hingegen mehrheitlich verneint.

Wegner, der zuletzt mit dem Webisode-Projekt Prenzlbasher auf MySpace gegen das neue Spießertum im einstigen Berliner Avantgarde-Stadtteil Prenzlauer Berg zu Felde zog, räumte ein, dass man sich insbesondere im Internet den modernen Sehgewohnheiten der Netzgemeinde ein gutes Stück anpassen müsse, wenn man gegen die überwältigende Konkurrenz gänzlich unpolitischer Spaßvideos bestehen wolle. Subtilität als Stilmittel sei in der Konkurrenz mit den Sidos und Lemmys leider nicht das Mittel der Wahl, wenn man möglichst viele Zuschauer erreichen wolle. Dennoch seien eine Reihe von Medienprofis, wie z.B. der RBB und auch Teile der Berliner CDU, zunächst auf die satirischen Attacken gegen Windhundebesitzer, Doppelkinderwagen-Schieberinnen und Exil-Schwaben hereingefallen.
Die ideologische Färbung der jeweils amtierenden Bundesregierung spielt nach Patrique Stach vom Projekt Bleib passiv für politische Aktionskunst kaum eine Rolle. Zwar erwarte er, dass nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen "noch einige Masken fallen werden", er empfinde die Frage nach den jeweils dominanten Parteien und Politikern innerhalb der gegenwärtigen Machtstrukturen in der Bundesrepublik jedoch als nachrangig und nahezu beliebig. Seine Arbeit im eher basisdemokratisch ausgerichteten Projekt 'Bleib passiv' ziele in erster Linie darauf ab, Menschen auf den permanenten Konsumdruck und andere Ablenkungsmanöver der herrschenden Klasse aufmerksam zu machen, die eine demokratischere Gesellschaft verhinderten.
Hartmut Lühr von der Satireplattform moderne21 stimmte sowohl mit Patrique Stach als auch mit Sven Wegner darin überein, dass für die Zukunft unter Schwarzgelb kein Mangel an wichtigen Themen für politische Aktionskunst zu befürchten sei.