Initiative `Wir-sind-wichtig - Der Wirtschaft zuliebe !´Initiative `Wir-sind-wichtig - Der Wirtschaft zuliebe !´




Es gibt sehr wohl eine Gesellschaft ! ÜBER UNS II

Es gibt sehr wohl eine Gesellschaft !

... und was für eine: Sie wird immer vollkommener und perfekter, dank der Experten und der Fachleute, die von Staats wegen daran arbeiten, die elementaren Besonderheiten menschlicher Existenz mit den berechtigten Interessen der Wirtschaft in Einklang zu bringen.

Die Aktivisten von Wir-sind-wichtig helfen dem Staat, die altmodische Illusion schutzspendender sozialer Bindungen in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft als gefährlich zu entlarven. Deren vermeintliche Funktion als `Sicherheitsspender´ wurde insbesondere von Soziologen bereits im vorigen Jahrhundert als Trugbild entlarvt und von vorausschauenden Politikern durch einen soliden und großzügigen Wohlfahrtsstaat ersetzt. Dieser sorgt weitgehend frei von menschlicher Irrationalität seither für Verlässlichkeit im Leben der Deutschen und garantiert so das Funktionieren von Wirtschaft im Großen und Privatleben im Kleinen. Wegen der Unverzichtbarkeit beruflichen Erfolgs für die Selbstverwirklichung hatten bereits führende Vertreter der 68er-Generation einengende gesellschaftliche Normen und Werte als Hindernisse für den Individualismus erkannt und erfolgreich bekämpft. Ihre geistigen Erben verstehen es sehr gut, ökonomisch funktionalisierte Sexualität mit den Grundsätzen des Feminismus und der Single-Gesellschaft zu verknüpfen. Ungünstig wirkt sich hierbei allenfalls die wegen politisch gebotener Maßnahmen wie dem Gender-Mainstreaming rapide abnehmende Anziehung zwischen den ehemals sehr gegensätzlichen Geschlechtern aus.
Der Initiative zufolge sind moderne Gesellschaften, deren Sozialstrukturen sich – unterstützt von Wirtschaft und Politik - radikal im Umbau befinden, von einer grundsätzlich positiven Haltung gegenüber staatlichem Wirken geprägt. Antietatistische Einstellungen, wie etwa Margaret Thatchers Aussage, nach der es keine Gesellschaft gäbe, sondern „nur Individuen, die für ihre Familie und ihre Nachbarn sorgen“, können daher keine Oberhand gewinnen. Die Akzeptanz staatlicher Sozialleistungen ist im Gegenteil gestiegen, da das Arbeitseinkommen wegen wachsender Abgabenquoten selbst für Alleinstehende und Kinderlose oft nicht ausreicht. `Wir-sind-wichtig´ kritisiert jedoch, dass viele Massenmedien noch immer zu einseitig über die sehr subjektiven Schattenseiten karriereorientierter Lebensbiografien berichten. Das Phänomen `Einsamkeit in der Single-Gesellschaft´ wird unnötig dramatisiert – bewährte Lösungen, wie beispielsweise Haustiere, werden hingegen zu selten aufgezeigt.


SPD-Bundeszentrale in Berlin REALISMUS

Rückendeckung durch progressive Kräfte

Die bundesrepublikanische Wirtschaft kann mit der politischen Linken im Land ausgesprochen zufrieden sein, bei der der Verteilungsgedanke nach wie vor uneingeschränkt im Vordergrund steht. Bei Grünen, Linken und Sozialdemokraten haben alternative utopisch anmutende Überlegungen zum Glück keine Chance - etwa die, nach der wirtschaftliche Faktoren für das Leben der Menschen in einer Gesellschaft, in der angeblich längst alle Grundbedürfnisse der Bevölkerung abgedeckt sind, auf ein Minimum zurückgefahren werden sollten.

Solch eine nur von ganz wenigen Außenseitern eingeforderte einseitige Ausrichtung der großen Unternehmen sowie der Politik auf das vermeintliche 'Lebensglück' der einfachen Menschen könnte für ein Land, das dem internationalen und globalisierten Wettbewerb um Ressourcen und Wachstum ausgesetzt ist, verheerende Auswirkungen in den Rankings und Statistiken haben und wurde daher von den bundesdeutschen Entscheidungsträgern zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise als alternatives Politikziel in Erwägung gezogen.
Es gab in den frühen achtziger Jahren kurzzeitig bei den 'Grünen' Bestrebungen, das Primat der Wirtschaft für das Leben der Bürger in Frage zu stellen. Dieses unrealistische Ansinnen wurde jedoch sehr schnell durch verantwortungsbewusste mediale, gewerkschaftliche und vermutlich auch - Ehre wem Ehre gebührt - sozialdemokratische Einflüsse zurückgedrängt und ist zum Glück längst weitestgehend in Vergessenheit geraten. Initiativen wie 'Berliner MehrWert' helfen dabei, den Menschen in der gesamten Republik am Fallbeispiel der Hauptstadt zu verdeutlichen, wie mit Hilfe konsequenten Gender-Mainstreamings, professionell betriebener Gleichstellung und gerechter Quotierung sowie einer vertretbaren Staatsverschuldung und moderaten Inflation die Interessen von Wirtschaft, Politik und Bürgern harmonisch in Einklang zu bringen sind, ohne dass es zu Irritationen oder gar offenen Konflikten kommen muss.


Spaziergängerin (Projekt 'Wir-sind-wichtig') BETROFFENHEIT II

Ego-Industrie weiter auf Wachstumskurs

Eine wachsende Anzahl von Menschen sieht sich konfrontiert mit steigendem Druck vom Arbeitsmarkt, fortschreitender Vereinsamung und dem Ausbleiben elementarer Glückserfahrungen. Früher kritisierte man diese Phänomene als `Entfremdung´ - heute hat man sich längst mit ihnen abgefunden. Massenmedien wie das Internet und das Privatfernsehen reagieren auf ihre Weise und nähren mit Blogs und Casting-Shows bei Unzufriedenen und Sinnsuchenden die Illusion von der eigenen Wichtigkeit. Das tröstet für den Moment.

Mit ihrem Leben unzufriedene Bürger werden von der boomenden Selbstverwirklichungsindustrie in dem Glauben bestärkt, anders als ihre Mütter und Väter etwas ganz Besonderes zu sein. So erscheinen ihnen ihre vielfach verkümmerten Biografien erträglicher. Tatsächlich fördert diese Einstellung nur die bedingungslose Unterwerfung moderner Frauen und Männer hinsichtlich der Zumutungen durch die globalisierte Marktwirtschaft. Elementare soziale Bindungen, auf die sich frühere Generationen verlassen konnten und wollten, werden gleichzeitig immer mehr verdrängt und vom Sozialstaat nur unzureichend durch Geldleistungen ersetzt. Individualisierung und Marktwirtschaft gehen schon seit einiger Zeit eine für beide vorteilhafte Allianz ein, bei der Glück und Lebenssinn vieler Menschen auf der Strecke bleiben. Die Idee, die eigene Existenz weitestgehend den Erfordernissen einer ungebremsten Ökonomie anzupassen, hat sich in allen politischen Lagern durchgesetzt. Beruflicher Erfolg soll dabei Einsamkeit ausgleichen, Konsumexzesse fehlende Anerkennung ersetzen und Freizeit ausbleibenden Sinn.
Von der Politik und den Massenmedien sind keine Impulse für eine Umkehr vom eingeschlagenen Weg zu erwarten. So bleibt es kleinen Satireprojekten wie `Wir-sind-wichtig´ vorbehalten, die immer deutlicher zutage tretenden Negativfolgen der Individualisierung zu thematisieren und den Menschen Mut zu machen für Veränderungen.


Nadja Grotefendt (Projekt 'Wir-sind-wichtig') BETROFFENHEIT III

Einsamkeit als Preis
für ein marktkonformes Leben

Beruflicher Erfolg ist der Fetisch der modernen Zeit. Über seine Schattenseiten für die Lebensqualität vieler Menschen, bei denen seelische Störungen stetig zunehmen, wird jedoch erstaunlich oft geschwiegen. Dabei treten sie immer sichtbarer zutage.

Geschäftsmänner sind gesellschaftlich hoch angesehen, Karrierefrauen werden gefördert und bewundert. Häufig sind es ungebundene Singles, die sich einen komfortablen Lebensstil leisten können - verbunden mit dem Bewusstsein, eine wichtige Rolle für ihr Unternehmen zu spielen. Was jedoch in ihnen vorgeht, wenn sie abends die Tür zu ihrer leeren Wohnung hinter sich zuziehen oder wenn sie an einem schönen Tag alleine auf einer Parkbank sitzen und wieder einmal niemanden zum unterhalten haben, darüber wird nur selten in den Massenmedien berichtet. Einsamkeit hat keinen hohen Nachrichtenwert. Für viele mehr oder weniger beruflich erfolgreiche Alleinstehende beginnt spätestens in der Mitte ihres Lebens das große Zweifeln über die Richtigkeit längst getroffener Entscheidungen zugunsten der Karriere und gegen traditionelle familiäre Bindungen. Dies gilt für Frauen und Männer gleichermaßen, auch wenn sich bei ihnen die sichtbarsten Auswirkungen unterentwickelter sozialer Bindungen voneinander unterscheiden: Frauen flüchten sich oftmals in Depressionen, Männer verweigern häufig das Erwachsenwerden. Es stellt sich schon seit langem die Frage, ob durchökonomisierte moderne Biografien nicht weit über ein erträgliches Maß hinaus den Anforderungen des kapitalistischen Marktsystems Rechnung zollen.
Die Berliner Aktions- und Politikplattform moderne21 widmet sich der Furcht moderner Individualisten vor der Einsicht, ihr Leben allzu sehr nach den Erfordernissen der Marktwirtschaft westlicher Prägung auszurichten und einen viel zu hohen Preis dafür zu zahlen oder bereits unwiderruflich gezahlt zu haben. Der Name der neuen Projektreihe `Wir sind wichtig´ spielt auf den von Politik, Wirtschaft und Medien immer wieder neu genährten Mythos an, ausschließlich über beruflichen Erfolg und `Karriere´ könne der eigenen Existenz Bedeutung verliehen werden.


KLARTEXT

Warnung vor Karriereschäden durch Kinder

Fortschrittliche Kampagne aus Brüssel thematisiert die Gefahren durch FamiliennachwuchsDie Europäische Kommission wirbt aktuell mit einer Anzeigenkampagne für mehr wirtschaftliche Gleichstellung zwischen Frauen und Männern. Hierbei wurde auch das Bildmotiv einer Kleinfamilie verwendet, das mit der Frage "Wird ein Kind meiner Karriere schaden ?" übertitelt ist. Die Alleinstehenden-Initiative `Wir-sind-wichtig´ begrüßt diese indirekte Warnung vor Familiennachwuchs bei anhaltender Benachteiligung von Frauen.

Im Anzeigentext heißt es: "Familiäre Pflichten sind ungleich verteilt. Bei Frauen tritt häufiger eine Unterbrechung der Berufstätigkeit auf und sie arbeiten anschließend oft nicht mehr Vollzeit. Dies ist der Grund, warum Frauen durchschnittlich 17,5% weniger verdienen als Männer." Zwar gibt die Anzeigenserie vor, Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sollten überwunden werden, gleichzeitig werden durch den gewählten Slogan `Wird ein Kind meiner Karriere schaden ?´ jedoch Mädchen und Jungen in ein sehr kritisches Licht gestellt. In einer aus Steuergeldern finanzierten Kampagne geschah dies bisher noch nie so deutlich wie im vorliegenden Fall.

Ursula Reifenstein-Herbig von der Initiative `Wir-sind-wichtig´ lobt den Mut der Europäischen Kommission zur Ehrlichkeit: "Durch diese Kampagne fühlen meine MitstreiterInnen und ich uns nachhaltig in unserem Engagement unterstützt, die berufliche Karriere als Dreh- und Angelpunkt modernen Lebens gegenüber der überkommenen Institution `Familie´ aufzuwerten. Die Aussagen der EU-Kommission können unserer Ansicht nach als moderates Plädoyer gegen Kinder interpretiert werden, denn anderenfalls würde es sich der Logik zufolge ja um Erpressung handeln - nach dem Motto `entweder die Frauen in Europa bekommen 17,5% mehr Geld oder sie treten in einen Gebärstreik´." Eine derartige Drohung sei aus der Anzeige jedoch nicht herauszulesen.
Ebenfalls sehr lobenswert, so Reifenstein-Herbig, sei die konsequente Vermeidung der emotional aufgeladenen Begriffe `Mutter´ und `Vater´ in der gesamten Anzeigenserie. Die mit diesen Reizworten oftmals verbundene Familienperspektive entspreche ohnehin kaum noch der Lebenswirklichkeit moderner EuropäerInnen. Dass die EU-Kommission zudem bei der Kampagne nicht der Versuchung erliege, die vermeintlich gerechte gleiche Entlohnung für kindererziehende Hausfrauen und beispielsweise PädagogInnen zu fordern, beweise der unter anderem mit satirischen Mitteln arbeitenden Initiative `Wir-sind-wichtig´ zufolge wirtschaftsfreundliche und familienkritische Weitsicht.


Daniel Fallenstein und Sonja Peters GERECHTIGKEIT

Führt finanzielle Solidarität
zu kreativer Faulheit ?

Seit einiger Zeit ist das Phänomen des 'Berliner Mehrwerts' Gegenstand einer neuen Gerechtigkeitsdiskussion um die nicht zuletzt durch den Länderfinanzausgleich bedingte finanzielle Besserstellung der Hauptstädter auf Kosten der Steuerzahler in anderen Bundesländern. Die gesellschaftspolitische Vorreiterrolle Berlins, die durch großes Vertrauen in staatliche Transferleistungen und Überwindung traditioneller Sozialstrukturen gekennzeichnet ist, gilt bei politischen Entscheidungsträgern aller couleur als besonders förderungswürdig: Berliner sind de facto 'mehr wert' als Münchner und Düsseldorfer. Ob dies tatsächlich gerechtfertigt ist, darüber diskutierten Sonja Peters vom in Berlin ansässigen 'Bündnis für die Beibehaltung der Einwohnerhöherwertung' und der libertäre Journalist Daniel Fallenstein ('the European') im 'Kunsthaus Tacheles'.

Als größter Aktivposten der Spreemetropole wurde von Peters deren soziokultureller Output betont, den ein freier Markt nicht genügend honorieren würde. Kultur und soziales Engagement basierten jedoch auf geleisteter Arbeit und müssten auch entsprechend entlohnt werden: „Kultur darf schließlich nicht zur Subkultur werden. Der Rest der Republik muss das verhindern helfen.“
Fallenstein wies auf den Widerspruch hin, dass sich Berlins spezifischer 'Mehrwert' zwar nicht monetär ausdrücken lasse, er aber dennoch durch den Rest der Republik monetär abgegolten werden solle. Die Förderung moderner Lebensstile in der Hauptstadt sieht der Journalist skeptisch: „Das Geld, das die Berliner von Steuerzahlern aus anderen Teilen der Republik erhalten, ohne dass letztere eine andere Wahl haben als zu zahlen, stellt keine wirkliche Förderung der Kreativität dar, sondern führt mittelfristig zu kreativer Faulheit.“ Fallenstein gab ebenfalls zu bedenken, dass neben der Wirtschaft durchaus ein 'Markt für gesellschaftliche Vorbilder' existiere, auf dem Berlin einen sehr guten Stand habe und daher eigentlich keine Subventionierung benötige.


Den Geldfluss für die Hauptstadt sichern ! MEHRWERT

Weitere Pluspunkte für Berlin

Die durch den Gesetzgeber geförderte Angleichung der Geschlechter, die in Berlin bereits besonders weit fortgeschritten ist und die das tägliche Zusammenleben weiblich und männlich geprägter Menschen weitaus erträglicher macht als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war, ist nur ein Aspekt für die Fortschrittsorientierung der Hauptstadt. Bei genauerer Betrachtung werden weitere Beispiele deutlich, die die Förderungswürdigkeit der Spreemetropole unterstreichen.

So sucht die nahezu uneingeschränkte städtische Unterstützung freier und öffentlicher Sexualität bundesweit ihresgleichen – selbstverständlich im Rahmen geltender Gesetze, aber immer auch mit einem klaren Sympathiebonus für gesellschaftliche Minderheiten, die durch den Konformitätsdruck einschlägiger Massenmedien sowie kulturell tradierter Normen und Werte schließlich schon genug zu leiden haben.
Das sich immer vertraulicher und intimer gestaltende Zusammenleben von Mensch und Haustier in der Metropole kann ebenfalls als ein weit über die Stadtgrenzen hinaus sichtbares hoffnungsvolles Signal gesehen werden, das der stark wachsenden Zahl vereinsamter Menschen als Vorbild dient. Die soziale Entwurzelung, die durch die Konzentration auf das Erwerbsleben unvermeidlich ist, kann damit ein gutes Stück verträglicher gestaltet werden.
Auch die Förderung von mehr sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit unter den Berlinerinnen und Berlinern sowie die hiermit eng zusammenhängende politische Abkehr vom fragwürdigen Leistungsprinzip berechtigen zu der Bitte nach mehr finanzieller Unterstützung der modernen Spreemetropole durch die restliche Republik: Berliner sind für die künftige Entwicklung des gesamten Landes de facto „mehr wert“ als Einwohner in Landesteilen, die sich der Zukunft einer gerechten, toleranten und fortschrittlichen Gesellschaft weit weniger nachhaltig verschrieben haben.


Würde, Mut und Trost ÜBER UNS I

Würde, Mut und Trost

'Wir sind wichtig' ist eine zivilgesellschaftliche Initiative der offenen Politik- und Kunstplattform moderne21. Sie unterstützt seit drei Jahren Politik und Wirtschaft dabei, die berufliche Karriere als Dreh- und Angelpunkt modernen Lebens aufzuwerten.

Eine wachsende Zahl von Menschen tritt wegen ihrer subjektiv empfundenen beruflichen Unentbehrlichkeit in ihrem Sozialleben immer kürzer. Unabhängig davon, ob sie tatsächlich unersetzbar sind oder nicht, bringen sie große Opfer für das Funktionieren der Wirtschaft und damit das Gemeinwohl. Der daraus sehr häufig resultierende Verzicht auf Familienleben, elementare Glückserfahrungen und emotionale Stabilität ist nicht zu leugnen. Die Millionen Einzelkämpfer müssen daher von Initiativen wie 'Wir-sind-wichtig' gewürdigt, ermutigt und getröstet werden. Den Menschen soll ihr Unbehagen genommen und mit Hilfe von Aktionen, Diskussionen und der Dokumentation moderner Biographien gezeigt werden, dass sich Individualisierung und Marktwirtschaft sehr gut miteinander vereinbaren lassen.
Hinter Wir-sind-wichtig stehen neben Vertretern aus Politik, der boomenden Selbstverwirklichungsindustrie und Gewerkschaften Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen und gleichzeitig der Notwendigkeit ihrer Opfer für die Wirtschaft vergewissern wollen. Es sollte vor allem von der Politik aufrichtiger als bisher kommuniziert werden, dass beruflicher Erfolg nun einmal der Fetisch der modernen Zeit ist, dessen Nebenerscheinungen wie Einsamkeit und familiäre Entwurzelung adäquat durch Geld, Sozialarbeit oder neue Medien zu lösen sind. Durch Konsumchancen können Einsamkeitsgefühle kompensiert werden, beruflicher Erfolg kann fehlende Bestätigung im sozialen und familiären Bereich ersetzen. Den Menschen wird heute statt zu Hause in ihren Unternehmen vermittelt, dass sie einzigartig und wichtig sind. Sie fühlen sich dort unabkömmlich und wollen nicht riskieren, ihre Lebens-kraft und ihre Kreativität für anfällige soziale Bindungen drohendem Verschleiß auszusetzen.


Streetart (Hamburg)MODERNES LEBEN

Schnittmenge zwischen Kunst und Erotik

Von den Milliarden-Umsätzen der Erotikindustrie ist die bundesdeutsche Kunstszene weit entfernt. Es fragt sich jedoch, ob beide Märkte tatsächlich so unterschiedlicher Natur sind, wie es auf den ersten Blick anmuten mag: Kunstschaffende und Pornodarstellerinnen sind auch nur Menschen. Alle sind glücklich, wenn sie im Rampenlicht stehen und deprimiert, wenn sie nachts in eine leere Wohnung heimkehren und in ein leeres Bett steigen müssen.

Im Jahr 1990 verblüffte die Nachricht von der Feststellung des Bundesverfassungsgerichts, dass auch Pornografie Kunst sein kann. Die Erotik- und auch die Lifestyleindustrie hat dies sicher gefreut. Jährlich stellt sie im Berliner ICC ihre Neuheiten zum Thema auf einer internationalen Fachmesse aus. In der Vergangenheit wurde das Event in der Hauptstadt mit großflächigen und freizügigen Werbeplakaten angekündigt, die lediglich von Menschen mit geringem Fachwissen nicht sofort als 'Kunst' erkannt wurden. Aufmerksamkeit ist dem heutzutage vor allem im Zusammenhang mit Escortagenturen, Potenzmitteln und Swingerclubs in Erscheinung tretenden Gewerbe auf jeden Fall gewiss. Wobei es ein wenig sexistisch und überholt anmutet, dass wiederum die Frauen ganz im Vordergrund der Koberer und Werbestrategen stehen.
Sich langweilende und erotisch unterforderte ältere Damen (sogenannte 'Cougars') sowie schwule Männer würden Venus sicher ein wenig Gesellschaft durch Mars gönnen. Dies könnte je nach Spezial-Vorliebe und Geschmack entweder für Ernüchterung oder Begeisterung sorgen. Würde auch nur ein Zehntel der Mittel, die jährlich in deutsche Schmuddelproduktionen fließen, in der Kunstfilm- oder B-Movie-Szene landen und dort ähnlich enthusiastische Reaktionen verursachen, könnte sich die kreative Mitte glücklich schätzen. Dass dies ganz offensichtlich nicht so ist, legt die Frage nahe, warum bundesdeutsche Satire- und Kunstfilmer DVD-Käufer nicht ähnlich zu fesseln vermögen, wie die Damen und Herren aus der Halbwelt. Wobei es ja noch nicht einmal so ist, dass es zwischen beiden Milieus überhaupt keine Schnittmenge gäbe, wie Jeff Koons Liaison mit Cicciolina hinreichend bewiesen hat.



Rotes Rathaus Berlin DISKUSSION

Diskussion über den 'Berliner Mehrwert'

Was hat es mit dem Schlagwort des 'Berliner Mehrwerts' auf sich, das gegenwärtig in Feuilletons und politischen Kommentaren die Runde macht ? Dem mit diesem sarkastischen Begriff einhergehenden Vorwurf, den Hauptstädtern ginge es – da sie faktisch 'mehr Wert' seien - auf Kosten der restlichen Republik finanziell zu gut, widmet sich eine neue Initiative des Projekts 'Wir-sind-wichtig'.

Seit einiger Zeit ist der sogenannte 'Berliner Mehrwert' Gegenstand der Diskussion um Verteilungsgerechtigkeit in der Bundesrepublik. Es wird suggeriert, die Hauptstädter seien dank der für die Spree-Metropole segensreichen Auswirkungen des Länderfinanzausgleichs de facto 'mehr wert' als Bürgerinnen und Bürger in anderen Teilen der Republik, die die Wohltaten für Berlin mit Steuergeldern finanzieren müssen. Die Initiative 'Wir-sind-wichtig' hält den Unmut über die vermeintliche Privilegierung der Hauptstädter für ungerechtfertigt, plädiert aber dennoch dafür, mögliche Konflikte beim Namen zu nennen und intelligent zu moderieren, damit sie eines Tages nicht eskalieren.
Die gesellschaftliche Vorreiterrolle Berlins ist durch die Konzentration postmoderner Lebensstile in der Hauptstadt besonders augenfällig: Die Angleichung der Geschlechter sowie die endgültige Überwindung traditioneller Familienstrukturen bringen die Metropolenbewohner einerseits zwar der angestrebten weitestgehenden Selbstverwirklichung näher, sie verlangen ihnen andererseits jedoch auch nicht zu unterschätzende Opfer ab, was Lebensfreude, Gesundheit und nachhaltige soziale Bindungen anbelangt. Als Ausgleich hierfür ist es gerechtfertigt, dass die Hauptstädter weniger hart für ihren Wohlstand arbeiten müssen als Bürger in anderen Teilen der Republik. Um den gesellschaftspolitischen Pionierstatus Berlins weiterhin sicherzustellen, ist es darüber hinaus sogar überlegenswert, die ökonomische Unterstützung durch die anderen Bundesländer, die früher oder später allesamt von den Erfahrungen der Spreemetropole profitieren werden, weiter auszubauen.


JUGEND

Mehr Geld für Sexyness – mehr Gerechtigkeit

Benjamin Krause (Projekt 'Wir-sind-wichtig')Im Zuge der Aktion 'Wir Berliner sind wichtig(er)' wurden Bewohner der Hauptstadt über ihre Meinung zum Verhältnis zwischen der einzigen deutschen Metropole und dem Rest der Republik befragt. Darunter befand sich auch ein junger Szenegänger, der sich mittels eines chilligen Spaziergangs durch die Stadt von einer schweisstreibenden Party in Mitte erholte:

„Es ist ja kein Geheimnis, dass man im Süden der Republik eher reich und weniger sexy ist. Und eben auch zu dezent: Der Berliner pöbelt los, wenn ihm das Geld nicht reicht. Damit ist er immer gut gefahren. Der verkriecht sich nicht verschämt in die Ecke, das entspricht einfach nicht seinem Naturell. Und Dank dieser Kodder- schnauze wissen alle bis nach Bayern runter, woran sie sind und können aushelfen.“, so der junge Mann, der im Abkühlung spendenden Schatten der Schweizer Botschaft in unmittelbarer Nähe des Reichstags Auskunft über seine Einschätzung zum innerdeutschen Finanzausgleich gab.
Zusätzlich bezog er noch Stellung zu der Art Kritik, wie sie von Seiten vermeintlich kreativer Köpfe gegenüber dem zunehmend hedonistischen Charakter der jüngeren Generationen in Berlin ertönt - Dank der im Großen und Ganzen politisch sehr korrekten Massenmedien zum Glück jedoch nur sehr vereinzelt: „Wenn fiese Stückeschreiber unsere Szenepartygänger runtermachen als 'Verhärmte Großstadt-Amazonen, tumbe Stiernacken mit Glatze, graue Mäuse und halbe Portionen' dann spricht daraus einerseits sicher Futterneid. Es zeigt aber andererseits auch, dass unser Senat immer noch nicht genug ausgibt für Aufklärungskampagnen über freie und öffentliche Sexualität. Dafür brauchen wir dringend mehr Geld.“ Dieser Einschätzung des bereits leicht alkoholisierten jungen Mannes und Szenehoppers können wir vom `Berliner Mehrwert´-Bündnis uns nur voll und ganz anschließen, denn 'in vino veritas' !


Dirk Eykenboom (Projekt 'Wir-sind-wichtig') GLEICHSTELLUNG

Sühne als Chance

Jungen Frauen gehört die Zukunft in Deutschland. Lange genug haben sie darauf warten müssen. Und jungen Männern ? Oder Männern überhaupt ? Für sie wird vielleicht auch ein bisschen was vom Kuchen abfallen, auch wenn sie es nicht wirklich verdienen, da sie sich immer noch nicht vollständig von tradierten Rollenbildern losgelöst haben.

Sie spüren instinktiv, dass sie in den gesellschaftspolitischen Projektionen der Entscheidungsträger_Innen lediglich eine untergeordnete Rolle spielen und überspielen dies zumeist hilflos mit überspitzt klischeehaften Verhalten à la 'großer Junge', 'Chaot', 'testosterongesteuert' usw. Damit bestätigen sie allerdings, dass es richtig ist, sie politisch und gesellschaftlich nicht mehr zu bevorzugen, wie dies seit Jahrhunderten der Fall war – mit den bekannten traurigen Ergebnissen für Frauen, Kinder, Greise und junge Hunde. Wenn man Angehörige der digitalen Bohéme, 'urbane Penner' oder Sozialpädagogen auf Zeitgenossen anspricht, die sich mit der für sie vorgesehenen Sühnerrolle nicht abfinden und die moderne sowie gerechte Bundesrepublik verlassen wollen, reagieren manche dieser Herren folgerichtig etwas trotzig: „Jedes Jahr verlassen zigtausend junge Fachkräfte Deutschland, weil sie hier keine 'Zukunft' für sich sehen. Die können sich gerne verziehen mit ihrem wertvollen Expertenwissen ! Wir Überlebenskünstler bleiben der Hauptstadt treu. Hier sind unsere Ausbildungen in Sozial- und Verwaltungswissenschaften gefragt und die stehen ethisch und moralisch sowieso viel höher als IT- oder Ingenieurs-Knowhow.“
Konsequenterweise wird auch die Bildungspolitik unter einem neuen gerechteren Vorzeichen gesehen: „In der Hauptstadt ist man zum Glück überhaupt nicht elitär drauf und das ist auch gut so. Es wird hier nicht gerne gesehen, wenn sich manche mit unsozialem Verhalten oder Talent Vorteile im Leben verschaffen wollen. Dass sich bei uns immer mehr Privatschulen breitmachen, bei denen es um Auslese und Leistung geht, dagegen legen wir uns mächtig ins Zeug. Das sollte stärker gefördert und honoriert werden.“ Honoriert ? Hoppla, das ist aber wieder sehr gewinnorientiert gedacht. Davon wollten wir uns doch alle lösen, oder ? Aber das wird schon noch.


LIFESTYLE

Die Frau auf der urbanen Straße gibt Auskunft

Ingrid Gokeler (Projekt 'Wir-sind-wichtig')Wenn man die Themen 'quasi-staatlicher Zwang zu hedonistischen Lebensstilen', 'Selbstausbeutung in der digitalen Bohème' und 'Vereinsamung durch Individualismus' behandelt, kommt man um eine Bestandsaufnahme über das Leben in der Hauptstadt Berlin nicht herum.

Glücklicherweise erweisen sich viele Einwohner der Metropole an der Spree als ausgesprochen auskunftsfreudig wann immer ihnen ein Mikrophon vor die Nase gehalten wird, selbst was eher intime Angelegenheiten wie etwa das Gefühlsleben anbelangt. So ließ sich auch eine junge Frau aus dem trendigen Szenestadtteil Prenzlauer Berg nicht lange bitten als sie um ihre Einschätzung über die zwischenmenschlichen Trends in ihrem Lebensumfeld gebeten wurde: „Die Stadt ist quasi ein riesiges Experimentierfeld für neue moderne Lebensstile, die von den Politikern vorgegeben werden und für die wir alle uns zur Verfügung stellen. Unter Opfern - soziale Experimente können auch misslingen. Wir sind schließlich keine Laborratten sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Die Folgen tragen wir, denn Medikamente und Psychiater kosten Geld. Wenigstens das sollte man uns stellen.“
Diese Einschätzung der jungen Frau klingt ehrlich und authentisch. Darüber hinaus ließ sie keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Menschen in Berlin sich zu Recht als Teil einer modernen Avantgarde begreifen können, was moderne urbane Lebensstile anbelangt, die ja von weniger qualifizierter und nicht selten konservativer Seite immer mal wieder auch kritisiert werden: „In vielen Dingen ist man an der Spree schon weiter. Mensch und Tier leben hier zum Beispiel viel enger und, ja, inniger zusammen als selbst auf dem Land. Wenn deutsche Hunde und Katzen die freie Wahl hätten, würden sie nach Berlin ziehen und ich finde, das sagt einiges über die Lebensqualität dieser Stadt aus: Sie ist längst auf den Hund gekommen und ich meine das im positiven Sinne.“


EN DETAIL

Was bisher bei 'WIR-SIND-WICHTIG' geschah

Die sich satirischer Mittel bedienende Projektreihe `Wir-sind-wichtig´ startete Ende 2008 und stieß von Beginn an auf reges Interesse der Öffentlichkeit sowie der veröffentlichten Meinung.

Die neue Projektreihe wurde umgehend im Internet diskutiert u.a. im Erwerbslosen Forum. Zum Auftakt fand im Oktober 2008 im Berliner Kunsthaus Tacheles in Berlin eine Podiumsdiskussion (Ausschnitt) mit Daniel Fallenstein und weiteren 'Freunden der offenen Gesellschaft' statt. Über die Aktionsreihe berichteten u.a. der WDR sowie der Deutschlandfunk.
Vor drei Jahren gab es bereits ein Vorläuferprojekt von Wir-sind-wichtig in Form eines satirischen Hedonisten-Bashings mit dem Titel 'Groupiedämmerung'. Es hatte eher unterhaltenden Charakter und wurde als Hörbuch vertont. Der 'Hörspiegel' schrieb damals: "Hier wird in 38 Minuten ein Bild erschaffen, welches sich von den üblichen Themen von Hörspielen abhebt. Interessante Unterhaltung mit Nachwirkung." Und auch die taz-Berlin stimmte ein: "Lühr nutzt das Medium Hörspiel, um auf das Meinungsmonopol der Massenmedien aufmerksam zu machen.", vermutlich jedoch ohne sich dabei selbst als marktbeherrschend einzustufen.
Einen großen Schub an Glaubwürdigkeit und Boulevard-Credibility sicherte sich 'Wir-sind-wichtig' durch die Zusammenarbeit mit der bekannten Hamburger Journalistin und Kolumnistin Ursula Reifenstein-Herbig ("Die überbewerteten Unterschiede", "Singlefrauen - alleine und glücklich"), die das Projekt als Patin betreut. Die eloquente Powerfrau hat sich mittlerweile wieder mit dem moderne21-Aktivisten Leo Greller und dessen Manager Ludwig 'Ludo' Kamberlein ausgesöhnt, nachdem der zu Kurzschluss-handlungen neigende Liedermacher Greller unbewiesenermaßen ein Filmrequisit aus der Winterhuder Villa der Erfolgsautorin entwendet hatte, das inzwischen erfreulicherweise wieder auf seinen alten Platz im Hause Reifenstein-Herbig zurückgefunden hat.

Projekt 'Wir-sind-wichtig' Initiative WIR-SIND-WICHTIG

Die Wirtschaft dankt - das alleine zählt

Immer mehr Menschen treten wegen ihrer Unentbehrlichkeit in Beruf und neuen Medien in ihrem Sozialleben kürzer. Sie bringen große Opfer für das Funktionieren der Wirtschaft und damit das Gemeinwohl. Der daraus häufig resultierende Verzicht auf Familienleben und Geselligkeit ist kein Pappenstiel. Das Projekt 'Wir-sind-wichtig' zollt den modernen Bürgern zusammen mit der Politik daher größten Respekt.

Die berufliche Karriere ist der Dreh- und Angelpunkt der modernen Welt. Erfolgreiche Menschen richten ihr Leben heutzutage nach den Anforderungen der Wirtschaft aus und zahlen dafür oft den Preis mangelnder oder sogar gänzlich fehlender sozialer Bindungen. Nur wenigen beneidenswerten Frauen und Männern gelingt es, ihre jeweiligen Karrierepläne unter einen Hut zu bekommen und ein gemeinsames Leben in gegenseitiger Verantwortung aufzubauen. Das ist gewiss bedauerlich - es sollte die weniger glücklichen Bürgerinnen und Bürger dennoch nicht davon abhalten, ihren Teil für das Funktionieren einer modernen und konkurrenzfähigen Wirtschaft in Deutschland beizutragen. Die Politik und das Projekt 'Wir-sind-wichtig' helfen ihnen dabei.
Die Einsicht, dass uneingeschränkter Individualismus und beruflicher Erfolg für moderne erwerbsorientierte Existenzen und eine starke Volkswirtschaft unverzichtbar sind, verdanken wir der 68er-Generation, die einengende gesellschaftliche Normen und Werte schon früh als Hindernisse für die individuelle und berufliche Selbstverwirklichung erkannt und erfolgreich bekämpft hat. Gefährliche Illusionen schutzspendender sozialer Bindungen in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft wurden insbesondere von Soziologen bereits in den sechziger Jahren als Trugbilder entlarvt und von Politikern durch einen soliden und großzügigen Wohlfahrtsstaat ersetzt, der weitgehend frei von menschlicher Irrationalität seither für Sicherheit im Leben der Deutschen sorgt. Die neue Projektreihe `Wir-sind-wichtig´ dokumentiert moderne Biographien in der Bundesrepublik, in der der gut ausgebaute Sozialstaat für das Funktionieren von Wirtschaft im Großen und Privatleben im Kleinen garantiert.


NOISE AWARENESS DAY

`Tag gegen Lärm´ sollte inhaltlich weiter gefasst werden

Am Mittwoch, den 27.04.2011, fand der diesjährige `Tag gegen Lärm´ der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) statt. Aus diesem Anlass plädiert die zivilgesellschaftliche Initiative `Dudelstopp´ dafür, den Kampf gegen auditive Emissionen auch auf unerwünschte Musikbeschallung im öffentlichen Raum auszudehnen: Man wisse um das gewachsene Problembewusstsein bei der Musikindustrie sowie den einschlägigen Verwertungsgesellschaften und hielte die Thematisierung aggressiver Musik-Emissionen am `Tag gegen Lärm´ daher für zukunftsweisend.

Die zivilgesellschaftliche Initiative `Dudelstopp´ aus Berlin geht auf Entscheidungsträger der Musikindustrie zu, um sie auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Konkret schlagen die mitunter auch auf satirische Aktionsformen zurückgreifenden Dudelstopper die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds aus Abgaben auf Musikprodukte für diejenigen vor, die sich durch die Geräte der Unterhaltungsbranche beeinträchtigt fühlen. Mit relativ geringem finanziellen Aufwand könnten Schutzmaßnahmen vor Lärm und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden. Auf diese Art würde zwischen den subjektiv Leidenden und den legitimen Interessen der Wirtschaft ein Ausgleich geschaffen. Die Dudelstopper sind optimistisch, dass die Musikindustrie ihrer Verantwortung für die Lebensqualität einer großen Zahl von Menschen gerecht werden und früher oder später auf die berechtigten und moderaten Forderungen eingehen wird.
Mehrere konkrete Anfragen bezüglich des vorgeschlagenen Hilfsfonds beim Bundesverband Musikindustrie e.V. blieben allerdings bisher unbeantwortet. Daher begrüßt `Dudelstopp´-Aktivistin Sonja Peters den International Noise Awareness Day: „Der `Tag gegen Lärm´ wird die Professoren und Doktoren aus den Vorständen der organisierten Musikprofiteure möglicherweise noch einmal an ihre Verantwortung gegenüber der kleinen Minderheit von Menschen erinnern, die ihr Recht auf auditive Selbstbestimmung gestärkt sehen wollen.“


Vera Göpfert (Projekt 'Wir-sind-wichtig') INDIVIDUALISIERUNG

Der Blick auf uns selbst

Der Name 'Wir-sind-wichtig' des jüngsten Projekts beschreibt eine stark verbreitete Selbsteinschätzung moderner Individuen. Sich ihrer Einzigartigkeit bewusste und von Bindungszwängen weitestgehend befreite Menschen sind das Rückrad einer leistungsfähigen Wirtschaft und eines expandierenden Wohlfahrtsstaats. Bei der Kunstplattform moderne21 hat man die stetig wachsende Zahl durchökonomisierter Biografien, die den Anforderungen des kapitalistischen Marktsystems voll und ganz gerecht werden, bereits seit mehreren Jahren aufmerksam verfolgt und will die Millionen Einzelkämpfer mit dem neuen Projekt würdigen, ermutigen und trösten.

Die Hamburger People-Journalistin Ursula Reifenstein-Herbig, die das Projekt betreut, hält es für wichtig, dass die psychologischen Folgen des Wirkens mehrerer Generationen von Sozial- und Wirtschaftspolitikern sowie von Managern „endlich einmal im Rahmen einer ambitionierten und ungewöhnlich ehrlichen Projektreihe dokumentiert werden.“ Die Bürger bringen mittlerweile große private Opfer für das reibungslose Funktionieren von Wirtschaft und Sozialstaat, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wären. In der Folge fühlen sie sich berechtigterweise einfach zu wichtig, um ihre Lebenskraft und ihre Kreativität für anfällige soziale Bindungen in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft drohendem Verschleiß auszusetzen. „Dass viele als Ausgleich für wachsende Einsamkeit auf Konsum und Selbstverwirklichung setzen, ist doch nur zu verständlich. Sollen wir ihnen ihren einzigen Trost etwa madig machen ?“, fragt Reifenstein-Herbig und klingt dabei ehrlich bekümmert.
Zusätzliche Identitäten und riesige anonyme Freundschaftsnetzwerke im Internet sind im Kommen und nichts, weswegen moderne Individualisten sich schämen sollten. Die Menschen mögen früher lebenslange und verlässliche soziale Bindungen miteinander eingegangen sein – heute kann sich jeder mit seinen vielen Talenten überall wenn nicht ständig als Superstar so doch wenigstens als ewiger Geheimtipp im Netz oder in der kleinen Galerie nebenan fühlen. Die Macher von Wir-sind-wichtig interpretieren das als zivilisatorischen Fortschritt, den sie moralisch unterstützen wollen.


Christoph Drobig (Projekt 'Wir-sind-wichtig') BETROFFENHEIT I

Die Opfer der Individualisierung

Der Aktion 'Wir-sind-wichtig' geht es um die Verlierer der Individualisierung, um die Opfer des gelebten modernen Kapitalismus. Wir betrachten mit Sorge, dass die zum Teil sehr negativen Auswirkungen der Single-Gesellschaft in Politik und Medien sehr selten und wenn, dann sehr einseitig thematisiert werden. Es existiert eine Schweigespirale in Hinblick auf extreme Vereinsamungs- und Entfremdungsprozesse in der Bevölkerung. Dahinter steht keine Verschwörung, sondern ein enormer Konformitätsdruck. Einsamkeit ist ein `Loserthema´ mit einem sehr niedrigen Coolnessfaktor.

Der Titel `Wir-sind-wichtig´ beschreibt einen Gemütszustand durch den sich immer breitere Bevölkerungsschichten über individuell verpfuschte Lebensbiografien hinwegzutrösten versuchen. Nach dem Motto „Ich bin zwar einsam und unglücklich – aber ich habe mich ja schließlich für etwas Höheres, Wichtigeres aufgeopfert: Für meinen Beruf, für meine einzigartigen Hobbys, für meine kurze Berühmtheit in Fernsehen oder im Internet oder für andere, die weniger privilegiert leben müssen als ich usw.“ Das ist nicht für alle aber für VIELE Menschen ein gefährlicher Trugschluss. Individualisierung und Marktwirtschaft vertragen sich sehr gut miteinander. Vielleicht zu gut.
Wir wollen eine ehrliche gesellschaftliche Diskussion darüber, wieweit wirtschaftliche und ideologische Faktoren bereits Einfluss auf die Lebensgestaltung, auf Glück und Unglück der Menschen gewonnen haben. Ob der Preis für Selbstverwirklichung und Erfolg auf dem Arbeitsmarkt nicht doch zu hoch ist. Wir wollen Politik und Medien dazu bringen, ehrlich zu sagen: „Wenn Ihr Euch für die Single-Gesellschaft entscheidet, aus materiellen Gründen oder warum auch immer, ist das natürlich Euer gutes Recht – aber steht dann bitte auch für die Folgen gerade! Die Single-Gesellschaft ist nun einmal häufig egoistisch, kalt und rücksichtslos.“ Es dürfen natürlich keinesfalls Lebensstile kritisiert werden. Aber genauso wenig dürfen negative Auswirkungen verharmlost oder schöngeredet werden: Die Politik macht den Leuten vor, Probleme wie Einsamkeit und familiäre Entwurzelung seien irgendwie durch Geld oder Sozialarbeit zu lösen. Das sind sie nicht und das werden sie auch nicht sein.


'Wir-sind-wichtig' ist eine Initiative der Politik- und Kunstplattform 'moderne21'




Initiative WIR-SIND-WICHTIG
Impressum, Selbstverständnis




an dem Projekt beteiligte Schauspielerinnen und Schauspieler
Christoph Drobig (Redakteur)
Vera Göpfert (Realistin)
Nadja Grotefendt (Sinnierende)
Anthony Krauskopf (Blogger)




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