Initiative `Dudelstopp - Musik ohne ZwangInitiative `Dudelstopp - Musik ohne Zwang



STELLUNGNAHME

Tödliche Ruhestörung

Wegen lauter Partymusik beschwerte sich ein Gevelsberger Frührentner nachts bei seinem Nachbarn Giancarlo S., einem 25jährigen als `Gelegenheitskiffer´ beschriebenen Arbeitslosen. Darauf wurde der unter Schlaflosigkeit leidende 60jährige aus der Gruppe der Feiernden nach eigener Aussage mit dem Tod bedroht. Giovanni S. fühlte sich in die Enge gedrängt und erschoss seinen Nachbarn vor den Augen der Gäste. Nun wartet er auf sein Urteil.

Stiller Protest: Keine Gewalt !Große Privatsender verbreiten täglich Gerichts- und `Reality´-Shows, deren Protagonisten sich aus häufig sehr geringem Anlass gegenseitig harsch bepöbeln und verbal bedrohen. Dies könnte den nächtlich feiernden jungen Gevelsbergern als Vorbild für ihr überzogenes Verhalten gegenüber dem älteren Mann gedient haben, das ihn zu der `Verzweiflungstat´ trieb. Es scheint dennoch unangebracht, Sendern wie RTL oder SAT1 eine Mitschuld an sozialer Verrohung zuzuweisen.
Zudem sollte der Konsum `weicher´ Drogen im Umfeld von Giancarlo S. nicht als Argument für die Verteidigung des Rentners Giovanni S. herhalten, der Gruppe der feiernden jungen Leute von vornherein eine rücksichtslose Grundhaltung zu unterstellen. Wäre Aggression eine empirisch relevante Folge des Gebrauchs etwa von Marihuana, würden sich politische Parteien wie `die Linke´ und `die Grünen´ sicher nicht für eine Freigabe entsprechender Substanzen einsetzen.
Auch den Herstellern von Unterhaltungselektronik ist keinesfalls eine moralische Mitverantwortung an durch Musiklärm hervorgerufenem Unfrieden aufzubürden. Die Industrie hat trotz tragischer Einzelfälle alles Recht der Welt, `normale´ Bürger, die oft mit wenig Einkommen und in kleinen Wohnungen leben, auch weiterhin mit Musikanlagen zu versorgen, mit denen sich technisch gesehen auch Großraumdiscos adäquat beschallen ließen.

Einige Initiativen, die sich für den Schutz vermeintlicher Lärm-Opfer einsetzen, kritisieren das Phänomen sogenannter `Gewaltmusik´, welche zunehmend als Waffe gegen Wehrlose eingesetzt werde. Die auf Kooperation mit der Musikindustrie setzende Gruppierung Dudelstopp grenzt sich jedoch hiervon ab und erwartet ein musikfreundliches Urteil der zuständigen Richterin Heike Hartmann-Garschagen im vorliegenden Ausnahmefall.


GEWALTMUSIK I

Tödliche Schüsse wegen Hiphop-Party

abgeknippster LautsprecherDer Gevelsberger Frührentner Giovanni S. wurde nachts regelmäßig von seinem jungen Nachbarn mit lauter Hiphop-Musik mitbeschallt und litt daher unter starken Schlafstörungen. Als er sich an einem Samstagmorgen um vier erneut beim lautstark mit Freunden feiernden Giancarlo S. beschwerte, drohte ihm die Gruppe seiner Aussage nach mit dem Tod, falls er sich wegen der Ruhestörung an die Polizei wende. Daraufhin erschoss der Frührentner den arbeitslosen und als `Gelegenheitskiffer´ beschriebenen 25jährigen vor den Augen seiner Gäste in dessen Wohnung, ließ sich danach von der Polizei verhaften und wartet nun auf sein Urteil.

Da bei der Urteilsfindung der vorsitzenden Richterin Heike Hartmann-Garschagen medienwissenschaftliche Aspekte vermutlich keine größere Rolle spielen werden, sieht sich die Initiative `Dudelstopp´ zu einer Stellungnahme veranlasst, die einer moralisch motivierten Kritik an Medienkonzernen sowie Politik im Zusammenhang mit dem tragischen Tod des 25jährigen vorbeugen helfen soll:

In ersten Meldungen hieß es, aus dem Kreis der Feiernden sei eine Todesdrohung an Giovanni S. ausgesprochen worden, wenn er wegen der nächtlichen Ruhestörung die Polizei rufen würde. Nun verbreiten große Privatsender wie RTL und SAT1 seit über einem Jahrzehnt täglich um die Nachmittagszeit, wenn besonders viele Jugendliche und Arbeitslose vor dem TV-Gerät sitzen, Gerichts- und sogenannte Reality-Formate, bei denen sich Angehörige bildungsferner Milieus aus häufig sehr geringfügigen Anlässen gegenseitig harsch bepöbeln und verbal bedrohen.
Daher ist es möglicherweise kommunikationssoziologisch zu erklären, dass die nächtlich feiernden Gevelsberger bei ihrer Reaktion auf die Beschwerde des älteren Mannes ein Verhalten aufzeigten, das dieser falsch einordnen musste und ihn zu der weit überzogenen Reaktion veranlasste.


GEWALTMUSIK II

Keine mildernden Umstände für Todesschützen

Gegen Lärm sollten in einer zivilisierten Gesellschaft keine schweren Geschütze aufgefahren werden müssenIm Fall der tödlichen Schüsse wegen nächtlicher Hiphop-Musik in Gevelsberg äußert sich die industrienahe Musik-Initiative `Dudelstopp´ erneut. Man ist offenbar besorgt, dass ein zu mildes Urteil gefällt gegen den Täter Giovanni S. werden könnte.

Das Opfer Giancarlo S. wird in Presseberichten als Gelegenheitskiffer beschrieben. Es ist jedoch nicht so, wie häufig von unqualifizierter medizinischer oder psychologischer Weise behauptet wird, dass aus dem wiederholten Gebrauch sogenannter `weicher Drogen´ wie Marihuana tatsächlich zwingend Probleme für das soziale Miteinander der Bürger resultieren müssen – etwa aus einem mit drogenbedingten Persönlichkeitsveränderungen einhergehendes aggressiveres Verhalten. Wäre letzteres der Fall, würden sich seriöse politische Parteien wie `die Piraten´ und auch `die Linke´ in ihren jeweils aktuellen Programmen sicher nicht leichtfertig für eine Freigabe dieser Stoffe einsetzen. Der gelegentliche Drogenkonsum des Opfers kann daher sicher nicht als Indiz für die Verteidigung des Rentners Giovanni S. herhalten, der Gruppe der feiernden Jungen Leute eine aggressive und rücksichtslose Grundstimmung zu unterstellen. Dies würde vermutlich auch Jens Jessen vom ZEIT-Feuilleton so sehen, der jugendlichen Gewaltausbrüchen gegenüber autoritär eingestellten älteren Menschen bereits in der Vergangenheit viel Verständnis entgegen gebracht und sich damit wohltuend vom opferorientierten Bürger-Mob abgehoben hat.

Nicht selten ist in den kruden Thesen verschiedener Initiativen, die sich für den Schutz vermeintlicher Lärm-Opfer einsetzen, die Rede von sogenannter `Gewaltmusik´, die im zwischenmenschlichen Bereich als Waffe gegen Unterlegene eingesetzt werde. Die sich um die Zusammenarbeit mit der Musikindustrie bemühende Gruppierung `Dudelstopp´ bildet hier eine wohltuende Ausnahme und hofft, dass sich die zuständige Richterin Heike Hartmann-Garschagen von keinerlei Propaganda irgendwelcher selbsternannter Aktivisten beeinflussen lassen und sachlich urteilen wird.





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