Initiative `Dudelstopp - Wollen wir Friedhofsruhe ?´Initiative `Dudelstopp - Wollen wir Friedhofsruhe ?´



Eine Handvoll Initiativen fordert neuerdings die Einschränkung oder das Verbot kostenlos bereitgestellter Musik
im öffentlichen Raum. Bedenken diese Profilneurotiker und Sonderlinge eigentlich die Folgen ihres Tuns ?
Die Initiative `Dudelstopp - Wollen wir Friedhofsruhe ?´ setzt sich provokativ mit der Frage auseinander,
wie eine Welt aussähe, in der Musik nur noch im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen dürfte.Weiteres zum Selbstverständnis der Initiative `DUDELSTOPP - Wollen wir Friedhofsruhe ?´



Nadia Panknin (Initiative 'Dudelstopp')
FREUNDLICHE ÜBERNAHME

Frühere Gegnerin als Förderin von heute

Als im Jahr 2007 die damals frisch gegründete Aktion `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´ gegen Freunde der Hintergrundmusik öffentlich lospolterte und dabei auch noch jede Menge Solidaritätsbekundungen einheimste, hielt Dr. Sonja Peters vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie als eine der ganz wenigen mit guten Argumenten dagegen.

# Hilfe für Verlierer der musikalischen Bereicherung: Ein neu zu gründender Fonds soll versöhnen

# Von wegen `Lärm macht krank´: Frieden und Harmonie mit der Unterhaltungsindustrie




Darsteller bei der Initiative 'Dudelstopp'
JUGEND

Musikeinsatz und körperliche Gewalt

Die Inhalte von Privatsendern wie RTL2 oder Pro7 lassen die Jugend nicht verrohen und Aggressionen aufbauen, sondern bereiten sie ganz im Gegenteil darauf vor, alltägliche Probleme in zivilisierter Form mit Hilfe von Argumenten in den Griff zu bekommen. Es gibt also ausreichend Grund zur Hoffnung auf weiterhin angemessene Umgangsformen in der Bundesrepublik.

# Überschätzte Kopfschmerzen: Ein weiterer Verein muckt gegen die Musikindustrie auf

# Gegen überzogenen Schutz vor Lady Gaga und Justin Bieber: Einsatz für die lauschende Mehrheit




Teilnehmerin bei der `Gegen-GEMAinheiten´-Demonstration am 06.09.2012 in Berlin
VORWURF

Streit um GEMA-Tarifreform

Durch die geplanten Tarifsteigerungen der Rechtegesellschaft GEMA für das öffentliche Abspielen von Musik sehen sich viele Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Nun geriet auch die Initiative `Dudelstopp´ in die Kritik: Mit ihrem Engagement soll sie den Boden für das umstrittene Vorgehen der Gema bereitet haben. Die Kulturaktivisten weisen die Vorwürfe von sich.

# Guter Slogan, fehlgeleitete Graswurzelbewegung: GEMAinsam gegen Gemeinheiten

# Da haben einige wohl zuviel gedudelt: Die GEMA-Tarifreform 2013 soll gestoppt werden




Leo Greller (Initiative 'Dudelstopp')
NGOs

Der Kampf um die besten Ideen

Unsere Initiative bewirbt sich in diesem Jahr um Gelder der moderne21-Stiftung. Der Spendenmarkt der Weltverbesserer ist hart umkämpft: Kampagnen und Projekte benötigen Ressourcen, bringen aber mitunter auch viel Geld ein. Der Dudelstopp-Vertreter für die m21-Bewerbung ist der Hamburger Liedermacher und ehemalige Provokationskünstler Leo Greller.

# Die Stille-Fanatiker geben einfach keine Ruhe: Plädoyer für Lärmbewusstsein und Distanz

# Dudelfähige Mitstreiter(innen) gesucht: Bezahlung erfolgt in Luft und Liebe


'Dudelstopp' ist eine Initiative der Politik- und Kunstplattform 'moderne21'




Initiative DUDELSTOPP
Impressum, Basis, Alte Version




Aktionsvideo
'Aktionsvideo'
AKTIONSVIDEO

Video
Kritik am alten 'Dudelstopp'-Projekt
KRITIK AN UNS




weitere Initiativen und Bündnisse unter dem Dach von `moderne21´
Verdrossenheit, ade: Wahlzusage
Achtung, Singles !: Wir sind wichtig
Justitia wacht: Gewalt geht immer




Video
'Gema-Aktion 2007'
GEMA-AKTION

Video
'Zoff in der S-Bahn'
S-BAHN-CLIPP




an dieser Initiative beteiligte Aktivisten und Schauspieler
Katharina Gebhardt,
Nadia Panknin, Udo Wiegand,
Ingmar Skrinjar, Cem Atalay,
Judith Bareiß, Björn Roth.




Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL I

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL II




Information
Tag gegen Lärm: am 25.04.2013






"Ein paar Verwegene machen den Mund auf." (Der Verein LAUTSPRECHER AUS über Dudelstopp)
"Unsere Zeit arbeitet daran, den Menschen auf breitester Front die Ohren zu nehmen." (Peter Sloterdijk in "Gefährliches Denken")
"[...] etwaigen Lärmquellen gegenüber zeige ich immer mehr Undankbarkeit." (Reinhard Mohr auf TELEPOLIS-online)
"... ich misstraue zutiefst Filmen und Fernsehspielen, die zugemüllt sind mit Musik. [...] Spannung mittels Musik
zu kreieren finde ich absolut unlauter.
"
(Regisseur und Oscar-Preisträger Michael Haneke im Spiegel 8/2013)





Ingmar Skrinjar (Initiative 'Dudelstopp')
RÜCKBLICK

Ausbleibende Friedhofsruhe

Mit einer Klaren Kampfansage stellt sich die neue Dudelstopp-Crew gegen allzu platten Populismus im Kampf gegen vermeintliche Rücksichtslosigkeit: Es müsse ein fairer Ausgleich zwischen den Interessen der Musikindustrie und den wenigen Menschen herbeigeführt werden, die ihre Freiheit durch Unterhaltungsprodukte eingeschränkt sähen.

# Die neuen Dudelstopper gehen auf Distanz: Das 'Akustische Manifest' spaltet statt zu einen

# Rocko Schamoni und Charlotte Roche für Urheberrecht: Nix mit digitaler Anarchie




Katharina Gebhardt (Initiative 'Dudelstopp')
UMGANGSFORMEN

Flüche im öffentlichen Nahverkehr

Als die Aktion 'Dudelstopp' noch nicht vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie (VdBsi) beraten wurde, veröffentlichte sie ein grenzwertiges Video, mit dem sie den Bogen eindeutig überspannte. Darin hindert ein jugendlicher Fahrgast eine Frau in der S-Bahn durch überlautes Musikhören daran, ein Buch zu lesen, so dass die Situation eskaliert.

# Ursächlicher Zusammenhang mit Gewaltbereitschaft ist nicht erwiesen: Laute Musik im ÖPNV

# Elke Pohn droht der Generation `Kopfhörer´: Selbstjustiz denkbar, Gewaltexzesse möglich


Video
Dudelstopper bei der Arbeit
DUDELSTOPPER

Empfehlung
Legaler Hörspiel-Download von `Gut gebrüllt, Leo´ (empfohlen ab 12 Jahren) | Nähere Informationen und Credits zur Satire über die Abgründe der Hamburger Medienbranche finden Sie auf http://www.hörbuch-podcast.de/
MUSIKBUSINESS




Interviews über die Dudelstopp-Initiative
MotorFM (3:31 Min)
YouFM (3:03 Min)
StarFM (1:42 Min)
InfoRadio RBB (3:11 Min)







ZIVILGESELLSCHAFTLICHE INITIATIVEN UNTER DEM DACH VON moderne21:

DIE NAMEN DER BETEILIGTEN SIND AUF DEN JEWEILS VERLINKTEN SEITEN AUFGEFÜHRT





VORWÜRFE

Initiative `Dudelstopp´ dementiert Einflussnahme auf Gema

`Dudelstopp´-Sprecher dementiert Einflussnahme auf GemaDurch die geplanten Tarifsteigerungen der Musikrechtegesellschaft Gema für das öffentliche Abspielen von Musik sehen sich viele Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Nun geriet auch die Initiative `Dudelstopp´ in die Kritik: Mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement gegen unfreiwilligen Musikkonsum im öffentlichen Raum soll sie den Boden für das radikale Vorgehen der Gema bereitet haben. Die Kulturaktivisten weisen die Vorwürfe von sich.

Es wird erwartet, dass die enormen Tarifsteigerungen der Gema die Verbreitung von Musik für kleine und mittelständische Unternehmungen nahezu unbezahlbar machen würden: Große Handelsketten könnten sich die extrem verteuerten Klangerzeugnisse vermutlich weiterhin leisten, die gerade bei jungen Leuten beliebten Discotheken und Clubs gerieten hingegen voraussichtlich wirtschaftlich ins Straucheln.
Daher wird gemeinnützigen Vereinen wie `Pipedown´ aus Hamburg und musikkritischen Initiativen wie `Dudelstopp´ aus Berlin in diesen Tagen unterstellt, sie würden das Unglück der Club- und Diskothekenbetreiber hinter vorgehaltener Hand begrüßen. Schließlich führten die Pläne der Gema mit den aus ihnen resultierenden Kostensteigerungen für das Unterhaltungsgewerbe vielerorts de facto zur Unbezahlbarkeit von Musik in der Öffentlichkeit - `Pipedown´ und `Dudelstopp´ hätten ein wichtiges Teilziel ihrer jeweiligen Agenda erreicht.

Um diesen unguten Eindruck entgegenzutreten, stellt der Sprecher Jens-Martin Scharf für die Initiative `Dudelstopp´ klar: `Unsere zivilgesellschaftliche Bewegung hat zu keinem Zeitpunkt politischen oder finanziellen Einfluss auf die Gema ausgeübt, um den öffentlichen Raum in der Bundesrepublik zu beruhigen.´ Daher ruft Scharf zur Teilnahme an der für den 25. Juni geplanten Protestkundgebung vor dem Frannz-Club im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg auf, wo die Gema ein Mitgliederfest veranstaltet.


ERLÖSUNG

Phil Collins plant offenbar den Ausstieg

5 Minuten nach 12Er war und ist ein ganz Großer der Unterhaltungsindustrie: Gegenüber Pressevertretern verkündete der scheinbar von Selbstzweifeln geplagte Superstar Phil Collins ("Don't Lose My Number", "Something Happened on the Way to Heaven"), demnächst seine Popkarriere beenden zu wollen - unter anderem angeblich ausgelöst durch die fortwährend geübte Häme von Kollegen und Musikkritikern an seiner Arbeit. Die Presse wertete diese Ankündigung als Sensation - sie käme einem mittleren Erdbeben in der Unterhaltungswelt gleich, in der der 60jährige Brite mittlerweile als moderner Klassiker gelte. Sein Ausscheiden aus der aktiven Musikproduktion wäre ein schwerer Schlag für die Gebrauchsmusik-Industrie.
In den unmittelbar betroffenen Branchen vor allem des Einzelhandels und der Callcenter-Firmen herrschte nach Bekanntwerden von Collins Plänen zunächst Ratlosigkeit: Mit welchen Inhalten sollte man jetzt Fahrstuhlkabinen, Telefon-Warteschleifen und Einkaufscenter beschallen, wenn der inoffizielle `Pate der Gebrauchsmusik´ in absehbarer Zeit kein neues Material mehr liefern würde ? Die Vorteile von Phil Collins musikalischen Erzeugnissen wurden über (gefühlte) Jahr(zehnt)e darin gesehen, dass sie ihre Konsumenten nie mit übertrieben anspruchsvollen oder gar ausgefallenen melodischen Strukturen überforderten, so dass sowohl die freiwilligen als auch die unfreiwilligen Zuhörer nebenher noch gut anderen Tätigkeiten, wie Einkaufen oder Warten, nachgehen konnten.
Die Initiative `Dudelstopp - wollen wir Friedhofsruhe ?´ warnt indes davor, dass mit Hohn und Spott durch Qualitätsmusiker bedachte und in die Enge getriebene bundesdeutsche Showgrößen, wie etwa Herbert Grönemeyer, Marius Müller-Westernhagen oder Lena Meyer-Landrut, dem Beispiel von Phil Collins folgen könnten. Die gesamtwirtschaftlichen Folgen solcher Entscheidungen wären kaum abzusehen. Die Mitstreiter der Initiative warnen daher vor übereiltem Aktionismus oder Kurzschlussreaktionen und empfehlen als Alternative eine längere Auszeit für von Zweifeln oder Selbstvorwürfen geplagte Prominente der Unterhaltungsindustrie.


NOISE AWARENESS DAY

`Tag gegen Lärm´ sollte inhaltlich weiter gefasst werden

Frieden, Ruhe, AusgeglichenheitAm Mittwoch, den 27.04.2011, fand der diesjährige `Tag gegen Lärm´ der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) statt. Aus diesem Anlass plädiert die zivilgesellschaftliche Initiative `Dudelstopp´ dafür, den Kampf gegen auditive Emissionen auch auf unerwünschte Musikbeschallung im öffentlichen Raum auszudehnen: Man wisse um das gewachsene Problembewusstsein bei der Musikindustrie sowie den einschlägigen Verwertungsgesellschaften und hielte die Thematisierung aggressiver Musik-Emissionen am `Tag gegen Lärm´ daher für zukunftsweisend.

Die zivilgesellschaftliche Initiative `Dudelstopp´ aus Berlin geht auf Entscheidungsträger der Musikindustrie zu, um sie auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Konkret schlagen die mitunter auch auf satirische Aktionsformen zurückgreifenden Dudelstopper die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds aus Abgaben auf Musikprodukte für diejenigen vor, die sich durch die Geräte der Unterhaltungsbranche beeinträchtigt fühlen. Mit relativ geringem finanziellen Aufwand könnten Schutzmaßnahmen vor Lärm und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden. Auf diese Art würde zwischen den subjektiv Leidenden und den legitimen Interessen der Wirtschaft ein Ausgleich geschaffen. Die Dudelstopper sind optimistisch, dass die Musikindustrie ihrer Verantwortung für die Lebensqualität einer großen Zahl von Menschen gerecht werden und früher oder später auf die berechtigten und moderaten Forderungen eingehen wird.
Mehrere konkrete Anfragen bezüglich des vorgeschlagenen Hilfsfonds beim Bundesverband Musikindustrie e.V. blieben allerdings bisher unbeantwortet. Daher begrüßt `Dudelstopp´-Aktivistin Sonja Peters den International Noise Awareness Day: „Der `Tag gegen Lärm´ wird die Professoren und Doktoren aus den Vorständen der organisierten Musikprofiteure möglicherweise noch einmal an ihre Verantwortung gegenüber der kleinen Minderheit von Menschen erinnern, die ihr Recht auf auditive Selbstbestimmung gestärkt sehen wollen.“


STUDENTENPROBLEME

Gebt uns bitte noch einen Dudelsender ! [1997]

Den Neu-Hamburgern unter den Erstsemestern ist beim Absuchen der hiesigen UKW-Skala nach Interessantem und Informativem wahrscheinlich die beneidenswerte Vielfalt dieser Stadt an Radiostationen, die sicher nicht im Verdacht stehen, ihre Hörer durch ein möglicherweise zu hohes Gesprächsniveau abzuschrecken, aufgefallen. Bei meinem letzten Check waren es mindestens zehn an der Zahl (von NDR 2 bis Radio Hamburg). Da könnte man eigentlich meinen, in Anbetracht lediglich zweier überregionaler Informationssender, die diesen Namen auch verdienen und der Flut an belangloser Berieselung als einzige etwas entgegenzusetzen haben, sei dies irgendwie genug - weit gefehlt !
Das Deutschlandradio-Berlin, welches mit dem bundesweit höchsten Wortanteil das Programmangebot dieser Stadt seit etwas über einem Jahr auf einer eigenen Frequenz in ausgesprochen wohltuender Weise bereichert (nahezu jeden zweiten Tag wird hier z.B. der aussterbenden Gattung `Hörspiel´ ein fester Programmplatz eingeräumt), hat nun neuerdings einen leider ziemlich lästigen Untermieter aufgedrückt bekommen: Täglich muss es einige Stunden Sendezeit am frühen Abend an das `FSK´ (das sog. Freie Sender-Kombinat) abgeben. Wenn dieser Name doch nur annähernd halten würde, was er verspricht !

Aber einen Unterschied zu anderen Dudelstationen kann man bis auf die mangelnde Professionalität leider nicht ausmachen. Und dass sich in der Organisation des `FSK´ vor allem Studenten hervortun, macht es leider auch nicht besser (Moderator Holger beim Kaschieren einiger Unzulänglichkeiten seines `Scripts´: “Der Text hier ist etwas unlogisch: Es kommen Worte doppelt vor und es fehlen Worte...“; Studiogast Elena von der Band Stella: „Im Tonstudio schlafe ich meistens ein...“).
Der Offene Kanal, der früher das `FSK´ betreuen musste, bevor es eine eigene Frequenz bekam, wird sicher glücklich darüber sein, dass er sein Programm jetzt wieder vollständig weniger eitlen und trotzdem interessanten Akteuren und ihren Beiträgen widmen kann. Es sei ihm gegönnt. Und den Verantwortlichen von staatlicher Seite, die für diese Entlastung des Offenen Kanals gesorgt haben, sei an dieser Stelle demütig dafür gedankt, dass sie den Einschnitt in das Programm des Deutschlandradios auf gerade eben noch erträgliche drei Stunden täglich begrenzt haben.


NEUE WELT

Völkerverbindende Einkaufsmusik

Innehalten und Lauschen im EinkaufsstressDie sich immer wieder durch kontroverse Diskussionsbeitäge ins Spiel bringende Initiative `Dudelstopp´ profilierte sich jüngst sowohl als Fürsprecherin für freie unternehmerische Entfaltung als auch für gegenseitiges interkulturelles Besingen im Dienste des Weltfriedens.

Kampagnenaktivisten und Sympathisanten der Linzer Hörstadt haben sich erneut angemaßt, Geschäftstreibende dafür zu kritisieren, die Kunden in ihren Läden mit Gratismusik zu versorgen. Die zweifelhafte Auszeichnung als 'Zwangsbeschaller des Jahres 2011' ging dem Vernehmen nach an ein spanisches Modeunternehmen in Österreich, bei dem durchgeführte Schallpegelmessungen im Testkaufverfahren am Westbahnhof in Wien einen durchschnittlichen Schallpegel von 81 Dezibel und Spitzen bis zu 101 Dezibel ergaben. Die Initiative `Dudelstopp - wollen wir Friedhofsruhe ?´ verurteilt die Attacke auf den Servicegedanken als markt- und konsumfeindlich und sieht - verursacht durch fanatische Musikgegner - bereits weiteren Sturm aufziehen:
Es bedarf nämlich leider durchaus keiner prophetischen Fähigkeiten um vorherzusagen, dass der dieses Jahr in Aserbaidschan - genauer in dessen Hauptstadt Baku - stattfindende European Song Contest ebenfalls wieder einmal die Gegner unfreiwilligen Musikkonsums auf den Plan rufen könnte. Diesmal wird ihr nerviges Agieren jedoch - so ist zu hoffen - besonders wirkungslos verpuffen, denn niemand kann abstreiten, dass dem Gesangswettbewerb ein eindeutig völkerverbindender Aspekt bei aller Kritik am vermeintlich konformen Plastik-Folklore-Sound der Veranstaltung ernsthaft nicht abzusprechen ist. Bleibt nur zu hoffen, dass keiner der Kritiker den unschönen Gedanken ins Spiel bringen wird, die autoritär regierte vorderasiatische Kaukasus-Republik Aserbaidschan gehöre geographisch und kulturell nicht wirklich zu Europa. Das würde möglicherweise ein wenig Luft aus der ganzen gut gemeinten Veranstaltung nehmen, die die Aktivisten der Initiative `Dudelstopp´ ausdrücklich aus vollem Herzen unterstützen.


BESCHALLUNG

Hier spielt die Musik

Politiker der Piratenpartei in einer öffentlich-rechtlichen Veranstaltung (hoffentlich ordnungsgemäß angemeldet bei der GEMA) Ein Hamburger Nachrichtenmagazin veröffentlichte kürzlich ein Streitgespräch zwischen dem als `Musiker´ titulierten Hamburger Jan Delay - der vermutlich mit einem Dolmetscher ins Redaktionsbüro kam - und dem Berliner Abgeordneten der Piratenpartei Christopher Lauer, in dem diese um die Frage stritten, ob Musik im Internet straf- und kostenlos herunterzuladen sei. Im Zuge der Unterhaltung offenbarte der von den Mainstreammedien hochgeschriebene und bejubelte Delay sein Kunstverständnis folgendermaßen: "Ich bin HipHopper. Wir malen nachts Züge an ! Wir klauen Musik und machen daraus neue Musik ! Das ist unsere Kunst." - eine Äußerung des allem Anschein nach unter Dysglossie leidenenden Delay, bei der alle sozialkritischen Spiegel- und Zeit-Journalisten sowie natürlich sämtliche Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen aus den feinen Hamburger Stadtteilen Eppendorf und Winterhude ins Schwärmen geraten sein dürften. Zum Abschluss des Gesprächs verkündete Delay, der Vertreter der Piratenpartei habe sich eine Abmahnung eingehandelt, da er im Verlauf des Gespräches zugegeben habe, illegal eine Folge von `Family Guy´ aus dem Netz heruntergeladen zu haben. Dass die Schilderungen des Kunstverständnisses des Medienlieblings Delay `Wir malen nachts Züge an !´ irgendwelche rechtlichen Konsequenzen haben könnten, davon ist indes nicht auszugehen.

Mit Freude haben indes die Aktivisten der Musikindustrie aufgenommen, dass Wirtschaftsminister Philipp Rösler Mitglied des ZDF-Fernsehrats wird. Es sei davon auszugehen, dass der FDP-Experte seinen Einfluss geltend mache und die Programmmacher in ihrem bisherigen Tun und Machen für ein konstruktives und staatsbejahendes Fernsehen bestärken werde. Vermeintlich bedenkliche musikalische Sendereihen wie `Willkommen bei Carmen Nebel´ oder der `Eurovision Song Contest´ im `Schwesterkanal´ ARD hätten vom ehemaligen Gesundheitsminister Rösler nichts zu befürchten - schon gar nicht, dass Argumente, sie schadeten der Gesundheit vieler Menschen (Blutdruck, psychische Störungen etc.) über Gebühr Einzug in die Expertengremien der Fernsehverantwortlichen fänden. Auch für das in libertären Kreisen gerne bemühte Schreckensbild eines mit Hilfe der GEZ finanzierten Zwangsgebühren-Fernsehens zeigte sich der Minister der ehemals `liberal´ gescholtenen freidemokratischen Partei bisher glücklicherweise nicht anfällig.


COURAGE

Handyraub im Elbvorort

In der Idylle der Hamburger Elbvororte geschah das Unfassbare In einer Hamburger S-Bahn wurde kürzlich einer lautstark telefonierenden Frau ihr etwa 700 Euro teures Smartphone von einem 46jährigen Fahrgast entrissen und aus dem Fenster geworfen.

Dem Vernehmen nach hatten mehrere Mitreisende die offenbar unter Alkoholeinfluss stehende Dame vergeblich darum gebeten, ihre Stimme während des Telefonats zu senken. Die S-Bahn wurde unmittelbar nach dem Vorfall angehalten, woraufhin die Bundespolizei erfolglos mit mehreren Beamten die Gleise nach dem kostspieligen Gerät absuchte. Vier weitere Züge fuhren wegen des Zwischenfalls mit Verspätungen. Gegen den mutmaßlichen Gewalttäter wurde Strafanzeige gestellt.

Die S-Bahn der Linie 1 war am frühen Freitagmorgen offenbar auf dem Weg von Altona nach Wedel als sich der Zwischenfall ereignete. Damit befand sich der Unglückszug in unmittelbarer Nähe zur Heimat des Initiators der zivilgesellschaftlichen Initiative `Dudelstopp - wollen wir Friedhofsruhe ?´ Hartmut Lühr, der sich daher zu einer kurzen Stellungnahme veranlasst sah:
"Die Medien sollten den äußerst bedenklichen Vorfall nicht zu einem Akt vermeintlich bürgerlicher Zivilcourage hochstilisieren: Nach allem, was wir wissen, handelt es sich um eine Straftat. Wenn ich mich in die Lage der Frau versetze, der ihr teures Handy entwendet wurde, wobei ihr angetrunkener Zustand in besonders perfider Manier ausgenutzt wurde, wird mir ganz anders. Hier sieht man einmal mehr, wozu die Verfechter von mehr Stille und Ruhe im öffentlichen Raum hinter der Maske der Rücksicht und vermeintlichen Toleranz fähig sind. Wenn charakterlich ungeeignete Personen versuchen, das - in diesem Fall redselige - Naturell der Menschen zu verändern, endet das schnell in Anarchie oder Faschismus.
Die Menschen in Deutschland dürfen von den Bewohnern der Hamburger Elbvororte kein falsches Bild bekommen, daher sollten der mutmaßliche Täter hart bestraft und das Opfer großzügig entschädigt werden. Ich betone noch einmal: DER Täter und das Opfer - nicht etwa DIE Täterin und das Opfer. Wir leben schließlich in Deutschland."


RÜCKSICHT

An die Alster mit dem Schienenersatzverkehr

Schienenersatzverkehr à la Hamburg Unerwähnt lässt ein ansonsten sehr schöner und realistischer Artikel (z.B. die Aussage, dass auch die Hamburgerinnen an der Alster längst lieber Hunde als Babys großziehen) über den überbordenden und unbequemen Schienenersatzverkehr in der deutschen Hauptstadt leider die Belange derjenigen Fahrgäste, die sich während der Fahrt nicht von Musikkonserven volldudeln lassen wollen, aber von Mitfahrern nicht selten dazu gezwungen werden. Zivilgesellschaftliche Initiativen ziehen seit Jahren dagegen zu Felde, mit wenig Unterstützung durch die Medien.

Die Initiative gegen aufgedrängte Musik im öffentlichen Raum `Dudelstopp´ macht vielen Menschen Mut, beklemmende Alltagserscheinungen nicht einfach so hinzunehmen. Außerdem wird sie einerseits viel angefeindet und andererseits von den Massenmedien - vermutlich in Hinblick auf potentielle Werbekunden sowie die politische Räson einer Allparteienkoalition - beinahe hundertprozentig erfolgreich totgeschwiegen. Das spricht vermutlich für sie.

Zur Frage, was gute Blockbuster-Movies ausmache, äußerte sich ein Vertreter der Initiative `Dudelstopp´: `Gute Filme mit einem starken Drehbuch zeichnen sich durch den knappen und pointierten Einsatz von Hintergrundmusik aus. Wenn im Hintergrund eine halbe Oper abgedudelt werden muss, um von fehlender Dramatik abzulenken, hat jemand seine Arbeit nicht erledigt.

Rocko Schamoni, Charlotte Roche und andere haben sich gegen eine Aufweichung des Urheberrechts ausgesprochen. Sie sind Künstler - unter ihnen auch Musiker - aus der Kreativen Mitte der Gesellschaft und wirken daher im Gegensatz etwa zu der Piratenpartei sehr glaubwürdig in ihrem Engagement gegen die Aufweichung des Urheberrechts. Dumm nur, dass die Piraten gar nicht vorhaben, was man ihnen permanent unterstellt. Im Gegenteil: Von der durch sie ins Spiel gebrachten Kultur-Flatrate würden eher auch weniger prominente Schaffende profitieren.



NIVELLIERUNG

Rote Rosen sollen für alle regnen

Irgendein Gewächs, das herhalten muss, bis wir uns an dieser Stelle richtige Rosen leisten könnenWie weit die Demokratisierung - böse Stimmen sprechen auch von Vulgarisierung oder Sozialdemokratisierung - der elektronischen Massenmedien mittlerweile fortgeschritten ist, konnte kürzlich im Fernsehen bestaunt werden - bei einer 90minüten Dokumentation (`Hilde Knef - Ein Weltstar aus Berlin´) von Jens Rübsam über das Leben von Hildegard Knef, der bislang letzten deutschen Diva in den Bereichen Schauspiel, Gesang und Literatur.

Anlässlich ihres zehnten Todestages berichteten Freunde, Verwandte und Wegbegleiter der Legende aus dem westlichen Nachkriegsdeutschland, wie Schauspielkollege Thomas Fritsch, Musiker Till Brönner, Tochter Christina Palastanga ihre Eindrücke und Erinnerungen. Daneben durfte auch der bunte Paradiesvogel Hella Von Sinnen - offensichtlich bar aller Selbstzweifel, ob sie stilistisch oder gar `künstlerisch´ überhaupt etwas mit der Knef verbindet - Stellung zu Lebensstationen der Diva beziehen. Es ist bemerkenswert mutig vom öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen, bisherige Standards in punkto Niveau so offensiv abzusenken und damit auch hinsichtlich ihres Bildungsstands benachteiligten und ausgegrenzten Gebührenzahlern die Möglichkeit zu geben, sich an das kulturelle Zeitgeschehen vergangener Jahrzehnte `von einer der ihren´ heranführen zu lassen.
Womöglich wäre dieses Experiment noch vielversprechender ausgegangen, wenn man neben den Auslassungen Von Sinnens auch Kommentare von Trash-Ikonen wie Vera Int-Veen oder Barbara Salesch zugelassen hätte. Es war natürlich auch unvermeidlich, dass Kai Havaii in der Dokumentation erscheinen durfte. Der Sänger der NDW-Band Extrabreit hatte zu einem Zeitpunkt, zu dem die Diva altersbedingt offenbar schon nicht mehr über aureichend Widerstandskraft verfügte, mit ihr gemeinsam ihren größten Plattenerfolg Für mich soll´s rote Rosen regnen marktkonform `verdudelt´ beziehungsweise `verrockt´ und somit weit mehr als `nur´ das Spaßpublikum von der Hamburger Reeperbahn mit den Klängen der menschenverachtenden Vor-68er-Ära versöhnt.


ÄSTHETIK

Kritik an sog. 'Piepsstimmen' ist frauenfreindlich

Die ganz überwiegende Mehrheit der Bundesdeutschen hat sich längst daran gewöhnt, bei der medialen Präsenz weiblicher Schauspielerinnen, Politikerinnen oder Expertinnen über deren teilweise als sehr unangenehm empfundenen Sprechstimmen tolerant `hinwegzuhören´. Auf dem Weg zu einer gerechteren Mediengesellschaft ohne Diskriminierungen ist diese Entwicklung zweifellos zu begrüßen.

Frauen mit unzumutbarer Stimme dürfen massenmedial nicht ausgegrenzt werdenDurften Zuschauerinnen und Zuschauer, Zuhörerinne und Zuhörer von Fernseh- und Radioprogrammen seit Beginn der elektronischen Massenmedien hierzulande bis in die Achtziger Jahre hinein die wohlklingenden Stimmen von Dagmar Berghoff, Angelika Unterlauf oder Karin Anselm angenehm auf sich wirken lassen, so haben sie heute mit den enervierenden verbalen Emmissionen von Barbara Salesch, Heidi Klum oder Charlotte Roche zu leben gelernt.
Lange vorbei sind die Zeiten als nur Frauen mit einer angenehmen Stimme es in die Programme der Fernseh- und Radiosender schafften und solche mit einem entsprechenden landläufig als unangenehm empfundenen `schrillen´ oder `piepsigen´ Organ empfohlen wurde, ihrem für andere unzumutbaren Manko mit Hilfe einer logopädischen Behandlung zu Leibe zu rücken.

Die von einer politisch unkorrekten und möglicherweise latent frauenfeindlichen Minderheit als unangenehm empfundenen Sprechstimmen gewisser Schauspielerinnen, Journalistinnen und anderer Aktricen des medialen und öffentlichen Lebens signalisieren dem modernen Teil der Bevölkerung, dass die Angleichung der Geschlechter auf einem guten Weg ist, wenn von weiblichen Menschen nicht mehr automatisch erwartet wird, angenehm auf ihre Umwelt zu wirken. Die Sozialdemokratisierung der elektronischen Medien seit der Einführung der Privatsender hat ihren Beitrag dazu geleistet. Das einst schöne und ästhetisch anspruchsvollere Geschlecht hat sich besonnen und tritt mittlerweile zum Glück ebenso aggressiv und bisweilen eben auch `nervig´ auf, wie das ehemals `starke´ Geschlecht.

Der geschlechterbezogenen Fairness halber sei angemerkt, dass es natürlich ebenfalls eines dicken Fells bedarf, Til Schweiger beim Nuscheln zuzuhören. Für die männlichen Promi-Stimmen stellt er jedoch Anfang und zugleich auch schon Abschluss der entsprechenden Täterliste dar.


EINZELHANDEL

Kein Kauf von Hundefutter ohne Snoop Dogg

Will gut gefüllt sein: EinkaufswagenSelbstverständlich schlägt es den Menschen auf die Stimmung, wenn sie beim morgendlichen Brötchenkauf mit so etwas wie Xavier Naidoo konfrontiert werden. Da stellt sich vermutlich jedem die Frage: `Was habe ich eigentlich verbrochen ? Hab´ ich gestern aus Versehen das Hunde- mit dem Katzenfutter verwechselt oder den Müll falsch getrennt oder was ? Oder war ich in meinem vorigen Leben so ein schlechter Mensch, dass man mich deshalb mit Lady Gaga bestraft, wenn ich mir heute einen Slip kaufen gehe in `nem Kaufhaus ?´ Moderne Shopping-Läden sind nun einmal ziemlich anonym und automatisiert, da kommen die mit ihrem Gedudel durch. Sonst würde man die Einkaufenden vermutlich nicht so konfrontieren, wenn man ihnen beim live-Singen in die Augen schauen müsste !

Die neueste kulturpolitische Entwicklung besteht nun darin, dass die Vergütungsprinzipien der Rechteverwertungsgesellschaften, wie der GEMA, umgedreht werden sollen: Nicht die Produzenten von Musik erhielten finanzielle Ausschüttungen, sondern die Konsumenten.
Sollte es tatsächlich so kommen, dass für die musikalische Lärmbelästigung bald Geld gezahlt werden muss, dann heißt das auch, dass viele Menschen die ganze Zeit doch nicht ganz falsch gelegen haben: Dass das Gefühl für Recht und Unrecht sie doch nicht getrogen hat und sie durchaus zwischen gut und schlecht unterscheiden können. Sie galten tatsächlich schnell als angestaubt, wenn sie sich nicht richtig über das Gestammel und Gegreine aus den Lautsprechern freuen konnten. Wenn dies jedoch in absehbarer Zeit wegfällt, können die einen oder anderen Kunden des Einzelhandels miteinander tatsächlich hin und wieder ein freundliches Wort wechseln oder auch mit den bedauernswerten Verkäufern. Es erscheint allerdings fraglich, ob die Geschäftsleiter sich darüber freuen würden, wenn sich Kunden lieber miteinander unterhalten, statt einzukaufen. Falls der vermeintliche Lärm dennoch weiterlaufen sollte, könnten sich zumindest viele von der fälligen Entschädigung, über die jetzt alle reden, ein paar Dosen Hundefutter mehr kaufen.


MOTTI

Berliner Fuckparade für Tacheles

Nüchterner Fuckparade-Teilnehmer (Berlin, 2012)Im August 2012 fand in Berlin die jährliche `Fuckparade´ statt. An dem inoffiziellen Loveparade-Ersatz nahmen Tausende junge Menschen mit sichtbaren leichten, mittleren und auch schweren Drogenproblemen teil. Somit leistete die Veranstaltung einen wichtigen Beitrag zur prophylaktischen Integration von Menschen, die absehbar in wenigen Jahren schwer krank sein und das Gesundheitssystem belasten werden.

Dass weniger Kritik und mehr Mitleid mit den jungen Chillern angebracht ist, wurde bereits auf der Anfahrt zum Treff- und Ausgangspunkt der FuPa um 15 Uhr am Mauerpark (Eberswalder Strasse) deutlich: In der berühmtberüchtigten `Partytram´ M10 der Berliner Verkehrsbetriebe, in der man bereits tagsüber unter der Woche scheele Blicke von den Mitfahrenden erntet, wenn man keine gut sichtbare Bierflasche (besser noch: Whiskey) bei sich trägt, zeugen Gegröle und sinnloses Gelalle von der guten Laune der anreisenden Demo-Teilnehmer.

Dass die Mehrzahl der Teilnehmer auf legalen sowie illegalen Drogen war, konnte man unschwer an zwei der mit Hilfe der FuPa vorgetragenen Anliegen erkennen: Zum einen wurde vehemente Kritik an der geplanten Gebührenreform der GEMA geübt. Hierzu muss man wissen, dass die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte seit Jahrzehnten erfolgreich für eine Reihe von Musikern und Textern in Bundesrepublik tätig ist, und dass man sich in Deutschland aus gutem Grunde instinktiv dagegen sträubt, große bürokratische Strukturen auf ihre Sinnfälligkeit zu überprüfen (Siehe auch die sogenannten ARGEs). Zum anderen meinten die Veranstalter der Demonstration, sich mit dem akut von Zwangsräumung bedrohten weltbekannten Berliner `Kunsthaus Tacheles´ solidarisieren zu müssen, obwohl die für den 04. September 2012 angesetzte Zwangsräumung auf Initiative der seriösen SOS Mordbank, der nur Miesmacher und Erbsenzähler vorwerfen, ein marodes Kreditinstitut su sein, zustande kam.


RENEGAT

Barden, Straßenmusikanten und anderer Pöbel

Im Alter von 17 neben Musikerkollegen Nivek O.Der ehemalige Hamburger Liedermacher und Provokateur Leo Greller gehört seit einiger Zeit zu den umtriebigsten Aktivisten der zivilgesellschaftlichen Initiative `Dudelstopp´. Hieran wird immer wieder Kritik laut - manch einer stößt sich an der vermeintlichen Unberechenbarkeit des unangepassten Künstlers. Daher scheint es sinnvoll, einen Blick auf seine Biographie zu werfen:

Geboren in Heide (Holst.) absolviert Leo 1986 die mittlere Reife. Er leistet seinen Zivildienst in einer Pschiatrie ab und beginnt danach eine Ausbildung als Bauzeichner, die er kurz darauf abbricht. Greller leidet seither unter einer Phobie vor hohen Gebäuden und fühlt sich daher in Hamburg gut aufgehoben, wohin er 1986 umzieht. Aber in der Hafenstraße wird es ihm schnell zu unruhig. Es folgen Verschiedene Jobs ohne nennenswerte künstlerische Perspektive. Einzige Ausnahme: Seine Tätigkeit als Straßenmusikant, welche Leo jedoch schon bald wegen zu häufiger Erkältungen aufgeben musste.
1989 übernimmt Greller die Koordination kreativer Störaktionen anlässlich der sogenannten `Volkszählung´. Es folgen testosterongeschwängerte Auftritte mit seiner Electro-Hardcore-Kombo `Abortive Gasp´ im `Stairways´ und im `Kir´. Nach deren Auflösung entwickelt sich Leo 1990 mit der Organisation des Workshops `Schöner Wohnen mit weniger Kohlen´ weiter. Er lebt inzwischen in St. Pauli und der Workshop hat nur Wenige Teilnehmer, erregt jedoch einiges Medieninteresse. Greller gründet mit Mitteln aus der Erbschaft einer älteren Hamburger Unternehmerin einen eigenen Musikverlag (Pauli-Platten) begleitet von bösen Gerüchten innerhalb der örtlichen Musikszene über die Natur des Verhältnisses zwischen Leo und besagter Dame. Um diesen schlechten Schwingungen aus dem Weg zu gehen, verbringt er bis 1991 ungefähr ein Jahr mit seiner persönlichen `Ich-Findung´ in Amsterdam. Wieder nach Hamburg heimgekehrt, zieht Greller sich wegen schwerer finanzieller Verluste aufgrund kaufmännischer Fehlentscheidungen aus dem Musikverlagsgeschäft zurück.
1991 kommt es erstmals zur Zusammenarbeit mit Manager Ludo Kamberlein. Leo gibt aus gereifter Überzeugung sein Vorhaben der Gründung einer nach eigenen Bedürfnissen maßgeschneiderten Gewerkschaft (für "Barden, Straßenmusikanten und anderen Pöbel") auf, da die potentielle Mitgliederzahl behördlicherseits als zu geringfügig eingeschatzt wird. Künftig will er verstärkt als politischer Liedermacher und Aktionskünstler in Erscheinung treten.


SKANDALE

Mangelnde Ehrfucht vor Traditionen

Moderator des Hamburger Privatsenders K.O.-RadioDer schillernde `Dudelstopp´-Aktivist Leo Greller spaltet die Geister bei dieser zivilgesellschaftlichen Initiative, die eng mit der Musikindustrie zusammenarbeitet, um Vorbehalte und Ressentiments zwischen Medienanbietern und Medienkonsumenten abzubauen. Daher hier ein weiterer Überblick über das Leben und Schaffen des Hamburgers:

1992 nahm Greller an der Besetzung des Hamburger Privatsenders `O.K.-Radio´ unter dem Motto `ästhetische Notwehr´ teil, was für ihn drei Wochen ersatzweise Haftstrafe wegen wiederholtem Hausfriedensbruch zur Folge hatte. Wieder auf freiem Fuss kommt es 1994 zu einem neuerlichen Skandal: Leos angeblich fingierte 3-monatige Entführung durch 4 weibliche Mitglieder einer fruchtbarkeitsverehrenden Sekte nach Brasilien wird durch Reporter eines Lifestyle-Magazins aufgedeckt. Immerhin wird die Anzeige wegen `Vortäuschung einer schweren Straftat´ 1996 zurückgezogen. Leo bleibt indes weiterhin bei seiner Version.
1999 gibt er seine Verlobung mit der Heidekönigin von 1998, Bettina Hansen, bekannt. Hierfür erhält er viel Aufmerksamkeit seitens der bürgerlichen Hamburger Lokalpresse. Es folgen ernsthafte Überlegungen Grellers, in die Lüneburger Heide zu ziehen, das Singen aufzugeben, fortan Schafe zu züchten und sich desweiteren einem möglichen Familiendasein zu widmen. Freunde raten ab. Sie scheinen recht zu behalten: Im Jahr 2000 kommt es zur Entlobung mit o.g. Dame, die Leo alsbald mangelnde Ehrfurcht vorm Monarchismus regionaler Prägung vorwirft. Nicht zuletzt unter dem Eindruck dieses von Leo als persönliche Niederlage empfundenen Schicksalsschlages entsteht das Lied `Halblang, Kleines !´.
2001 muss Greller die Anzeige einer bekannten Kolumnistin wegen `Beischlafdiebstahls´ über sich ergehen lassen. Entwendet wurde eine Original-Hans-Albers-Matrosenmütze aus dem Film `Reeperbahn bei Nacht´. Als angeblicher Beischläfer wurde Leo benannt. Dieser bestreitet beide Vorfürfe entschieden. Die Kolumnistin erhält die Mütze zurück und widerruft die Anzeige. Genervt zieht Greller 2002 unpatriotischerweise nach Berlin, wo ein vom RBB produziertes Radio-Feature über Leo und die sogenannte `Hamburger Schule´ deutschsprachiger Popmusik vollständig misslingt und das Verhältnis zwischen Greller und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nachhaltig beschädigt.


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