moderne21 - Politik, Satire, Zivilgesellschaft

Katharina Gebhardt, Marco Ammer, Anita Puppe, Anthony Krauskopf, Björn Roth, Alice Grinda, Carl von Hollen, Ingrid Gokeler (diverse moderne21-Initiativen)

Allgegenwärtige Musik erhöht die Lebensqualität
Menschen, die musikalische Untermalungen kritisieren, macht die Initiative DUDELSTOPP auf negative Folgen übertriebener Stille aufmerksam.

Vertrauen in die politische Klasse Deutschlands
Jede Gesellschaft hat die Politiker, die sie verdient. Wir akzeptieren das und stellen uns mit einer klaren WAHLZUSAGE hinter unsere Volksvertreter.

Beim Staat ist das Gewaltmonopol gut aufgehoben
Die menschliche Natur ist tendenziell etwas brutal. Daher will die Initiative GEWALT-GEHT-IMMER Klartext reden und mit rosaroten Illusionen aufräumen.

Die Vorteile des modernen Lebens überwiegen klar
Die Initiative WIR-SIND-WICHTIG soll ausgebrannte und entwurzelte Werktätige moralisch dabei unterstützen, weiterhin Opfer für die Wirtschaft zu bringen.



Alice Grinda (Initiative 'Wahlzusage')
MEHR POLITIK, WENIGER DEMOKRATIE

Initiative 'Wahlzusage'

Die bei ihrem Start zunächst noch populistisch angehauchte Initiative 'Wahlabsage' setzte sich bereits vor ihrer Umbenennung mit dem Nichtwählerphänomen auseinander. Unter der Devise „Mehr Demokratie, weniger Politik“ wurden leider auch schräge Töne angeschlagen, bis man sich zum Glück auf staatstragendere Aktionen einigen konnte.

# Klaus Wowereit duldete Räumung des Tacheles: Empfindlicher Verlust für Berliner Freigeister

# Unerwartete Schützenhilfe aus dem Süden d. Republik: Lob aus Baden für Initiative 'Wahlzusage'




Björn Roth (Initiative 'Dudelstopp')
WOLLEN WIR FRIEDHOFSRUHE ?

Initiative 'Dudelstopp'

Zunächst polterte man unter dem Slogan `Musik ohne Zwang´ heftig gegen die Freunde kostenloser Hintergrundmusik und heimste damit Sympathiebekundungen überforderter Verbraucher ein. Mit Aussagen wie „unter einem wummernden Kophörer ist selten die Intelligenz, aber um so häufiger das ADS-Syndrom zu Hause“ wurde billiger Beifall eingeheimst.

# Initiative `Dudelstopp´ dementiert entschieden Einflussnahme auf Gema: Wir sind unschuldig !

# Hilfsfonds für unfreiwillige Musikhörer ?: Schwierige Verhandlungen mit der Musikindustrie




Eva Math (Initiative 'Gewalt geht immer')
VIOLARE HUMANUM EST

Initiative 'Gewalt geht immer'

Öffentliche Diskussionen über Kriminalpolitik drehen sich meistens um Schlagzeilen-Phänomene wie Amokläufe, Killerspiele oder Vergewaltigungen. Verantwortliche aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft müssen sich häufig dem Unmut vieler Bürger über paradox wirkende Urteile aus der Strafjustiz und die angeblich zunehmende Gewaltbereitschaft stellen.

# Der Souverän vor der Mattscheibe steht auf `korrekte´ Gewalt: Hauptsache, dem Publikum gefällt´s

# Kritischer Kriminologe Dr. Eberhard Klaschka: Qualitätspolitik garantiert mehr Sicherheit




Anthony Krauskopf (Initiative 'Wir sind wichtig')
DER WIRTSCHAFT ZULIEBE

Initiative 'Wir-sind-wichtig'

Der ungewöhnliche Name dieser neuen Initiative beschreibt eine sich immer weiter ausbreitende Selbsteinschätzung moderner Individualisten. Sich ihrer Einzigartigkeit bewusste und von Bindungszwängen weitestgehend befreite Menschen bilden das Rückrad einer leistungsfähigen Wirtschaft sowie eines expandierenden Wohlfahrtsstaats. Und das ist gut so.

# Auch, wenn sie als `Softies´ und `Weicheier´ verunglimpft werden: Neue Männer braucht das Land

# Warnung vor Karriereschäden durch Kinder: Unsere Initiative sieht sich von der EU unterstützt


moderne21
Impressum, Basis, Sitemap, rss




Video
'Gewalt geht immer' (Satire)
GEWALT GEHT I.

Video
'Wahlzusage' (Satire)
WAHLZUSAGE




Informationen als pdf-Datei [ es gilt das Impressum auf http://www.moderne21.de/impressu.htm ]
Extra: 'Handzahme Systemkritik'
Resonanz: Pressespiegel 'm21'
Basis: 'm21-Selbstverständnis'
Initiator: Hartmut Lühr




Video
Initiative `Dudelstopp - Wollen wir Friedhofsruhe ?´
DUDELSTOPP

Video
Initiative `Wir sind wichtig - Der Wirtschaft zuliebe´
WIR SIND WICHTIG




Information
Der Inhaber dieser Seite ist zertifizier-
ter Künstler des zwangsgeräumten
Berliner Kunsthauses Tacheles.




Diskussion
Diskussion zum Thema 'Political Correctness in der Kunst'
KREATIVE MITTE

Diskussion
Diskussion zum Thema 'Berliner Mehrwert' (Zusammenfassung)
BERL. MEHRWERT




Zum HÖRSPIELer-Portal


ZIVILGESELLSCHAFTLICHE INITIATIVEN UND POLITISCHE SATIRE BEI moderne21:

ANGELA JEHRING, BENJAMIN KRAUSE, INGRID GOKELER, DIRK EYKENBOOM, NADJA GROTEFENDT, ANTHONY KRAUSKOPF, VERA GÖPFERT, CHRISTOPH DROBIG,
CARO KUNDE, BJÖRN ROTH, JUDITH BAREIß, CEM ATALAY, KATHARINA GEBHARDT, INGMAR SKRINJAR, NADIA PANKNIN, PEER GAHMERT, ANITA PUPPE, LARS MÖHRING,
EVA MATH, CARL VON HOLLEN, ASAD SCHWARZ-MSESILAMBA, BENJAMIN HIRT, LORENA MANZ, JOSEF GEREGA, MALAH HELMAN, ALICE GRINDA, MARCO AMMER.





Tacheles-Aktivistin in Berlin
MENETEKEL FÜR DIE REPUBLIK

Informationen zum `Tacheles-Skandal´

Das weltbekannte Kunsthaus Tacheles wehrt sich gegen die Machenschaften einer enthemmten Finanzindustrie. Berliner Politiker - wie etwa Kultursenator Klaus Wowereit - können oder wollen den Künstlern nicht helfen. Unterstützung für die Künstler kommt jedoch bereits im fünften Jahr von der Politik- und Satireplattform moderne21 mit ihren staatsnahen Initiativen.

# Eine Kultur-Institution ist Vergangenheit: Berliner Kultursenat setzt sich gegen `Tacheles´ durch

# Theoretische Betrachtungen und Nachrichten aus der `Kreativen Mitte´: Reiters Kritikdesign




Diskutant Daniel Fallenstein
DIE HAUPTSTADT GEHT VOR

Bündnis `Berliner Mehrwert´

Seit einiger Zeit ist das Phänomen des 'Berliner Mehrwerts' Gegenstand einer neuen Gerechtigkeitsdiskussion um die nicht zuletzt durch den Länderfinanzausgleich bedingte finanzielle Besserstellung der Hauptstädter auf Kosten der Steuerzahler in anderen Bundesländern. Berlin hat unbestreitbar eine gesellschaftspolitische Vorreiterrolle inne.

# Mit besten Empfehlungen der sexy Armen: Berliner Bündnis als Vorbild für Nordrhein Westfalen

# Der Süden der Republik sollte es endlich begreifen: Moderne Berlinerinnen sind keine Tussis




Unterstützer des 'Kunsthauses Tacheles' in Berlin-Mitte
POLITISCH KORREKT

Bündnis 'Kreative Mitte'

Seit langem schon geben Politik und Verwaltung vor, was gut und was richtig ist. Aber neuerdings will eine wachsende Zahl von Menschen nicht mehr auf sie hören und diese Entscheidungen für sich selber treffen. Die Mandatsträger sind verunsichert. Sollte vielleicht die Kunst für die Mächtigen in die Bresche springen und mehr politische Korrektheit fördern ?

# Mauern in den Köpfen einreissen, Gräben zuschütten, Brücken bauen: Die kreative Mitte Berlins

# Gegen totalitäre Denkverbote und ideologische Scheuklappen: Die 'Political Correctness' der Mitte




Monika Gossmann (Hörspiel 'Gewalt geht immer')
MATRIARCHAT

Verschlußsache `Verrat auf dem Land´

Im ländlichen Brandenburg wollte die junge Vera W. zusammen mit anderen alternativen Aussteigern ihre Idee eines freien, autonomen und gerechten Lebens verwirklichen. Sie hatte allerdings weder damit gerechnet, dass 'Mutter Staat' solcherlei potentiell gefährliche Vorhaben auf keinen Fall erlauben kann, noch dass Leo Greller auf ihrem Bauernhof als V-Mann agiert.

# Angeblich könnte es so schön sein ohne die anderen: Aussteiger hierzulande im Hintertreffen

# Die grassierende Staatskritik ist ja wohl etwas übertrieben: Wir fühlen uns noch nicht als Sklaven


unverbindliche Empfehlungen (externe Links)
Satirisch, böse, erotisch: ClickPix
Politik und Fußball: Lizas Welt




Diskussion
Diskussion zum Thema 'Nichtwähler'
NICHTWÄHLER

Diskussion
Diskussion zum Thema 'politische Aktionskunst'
AKTIONSKUNST




Fotostrecken
Wir-sind-wichtig, Dudelstopp,
Wahlzusage, Gewalt-geht-immer,
Leo Greller, Kreative-Mitte.




Video
Satirevideo 'Kreativen Mitte'
KREATIVE MITTE

Video
Satirevideo 'Berliner Mehrwert'
BERL. MEHRWERT




Ungekürzte Diskussion
"Kann politisch korrekte Kunst uns
vor zu viel Freiheit schützen ?"
Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 1-3




Extra
Die erste moderne21-Präsenz von ca. 2008
ARCHIV 2008

Extra
Eine Auswahl von Mitwirkenden an allen Initiativen und Projekten der letzten acht Jahre (namentliche Nennung auf der Seite der jeweiligen Initiative bzw. des jeweiligen Projekts)
MITWIRKENDE




Information
Unser zivilgesellschaftliches
Engagement zugunsten eines expandierenden Staatswesens benötigt Solidarität. Wir danken daher für alle Verlinkungen auf moderne21 durch Webmaster und Blogger.






Zitate aus den moderne21-Initiativen

"Unser Sozialsystem hinkt im Vergleich mit Wolkenkuckucksheim seit Jahrzehnten hinterher." (Initiative GEWALT-GEHT-IMMER)

"Eine Partei gegen Arschlöcher hätte beim Wahlvolk doch gar keine Chance." (Initiative WAHLZUSAGE)

"Manchen Menschen scheinen ihre Lebenslügen wirklich verdammt viel fremdes Geld wert zu sein." (Initiative DUDELSTOPP)

"Wenn man nicht berühmt ist, lebt man trotzdem. Die Körperfunktionen setzen nicht aus." (Initiative WIR-SIND-WICHTIG)




abgeknippster Lautsprecher GEWALTMUSIK I

Tödliche Schüsse wegen Hiphop-Party

Der Gevelsberger Frührentner Giovanni S. wurde nachts regelmäßig von seinem jungen Nachbarn mit lauter Hiphop-Musik mitbeschallt und litt daher unter starken Schlafstörungen. Als er sich an einem Samstagmorgen um vier erneut beim lautstark mit Freunden feiernden Giancarlo S. beschwerte, drohte ihm die Gruppe seiner Aussage nach mit dem Tod, falls er sich wegen der Ruhestörung an die Polizei wende. Daraufhin erschoss der Frührentner den arbeitslosen und als `Gelegenheitskiffer´ beschriebenen 25jährigen vor den Augen seiner Gäste in dessen Wohnung, ließ sich danach von der Polizei verhaften und wartet nun auf sein Urteil.

Da bei der Urteilsfindung der vorsitzenden Richterin Heike Hartmann-Garschagen medienwissenschaftliche Aspekte vermutlich keine größere Rolle spielen werden, sieht sich die Initiative `Dudelstopp´ zu einer Stellungnahme veranlasst, die einer moralisch motivierten Kritik an Medienkonzernen sowie Politik im Zusammenhang mit dem tragischen Tod des 25jährigen vorbeugen helfen soll:

In ersten Meldungen hieß es, aus dem Kreis der Feiernden sei eine Todesdrohung an Giovanni S. ausgesprochen worden, wenn er wegen der nächtlichen Ruhestörung die Polizei rufen würde. Nun verbreiten große Privatsender wie RTL und SAT1 seit über einem Jahrzehnt täglich um die Nachmittagszeit, wenn besonders viele Jugendliche und Arbeitslose vor dem TV-Gerät sitzen, Gerichts- und sogenannte Reality-Formate, bei denen sich Angehörige bildungsferner Milieus aus häufig sehr geringfügigen Anlässen gegenseitig harsch bepöbeln und verbal bedrohen.
Daher ist es möglicherweise kommunikationssoziologisch zu erklären, dass die nächtlich feiernden Gevelsberger bei ihrer Reaktion auf die Beschwerde des älteren Mannes ein Verhalten aufzeigten, das dieser falsch einordnen musste und ihn zu der weit überzogenen Reaktion veranlasste.


Gegen Lärm sollten in einer zivilisierten Gesellschaft keine schweren Geschütze aufgefahren werden müssen GEWALTMUSIK II

Keine mildernden Umstände für Todesschützen

Im Fall der tödlichen Schüsse wegen nächtlicher Hiphop-Musik in Gevelsberg äußert sich die industrienahe Musik-Initiative `Dudelstopp´ erneut. Man ist offenbar besorgt, dass ein zu mildes Urteil gefällt gegen den Täter Giovanni S. werden könnte.

Das Opfer Giancarlo S. wird in Presseberichten als Gelegenheitskiffer beschrieben. Es ist jedoch nicht so, wie häufig von unqualifizierter medizinischer oder psychologischer Weise behauptet wird, dass aus dem wiederholten Gebrauch sogenannter `weicher Drogen´ wie Marihuana tatsächlich zwingend Probleme für das soziale Miteinander der Bürger resultieren müssen – etwa aus einem mit drogenbedingten Persönlichkeitsveränderungen einhergehendes aggressiveres Verhalten. Wäre letzteres der Fall, würden sich seriöse politische Parteien wie `die Piraten´ und auch `die Linke´ in ihren jeweils aktuellen Programmen sicher nicht leichtfertig für eine Freigabe dieser Stoffe einsetzen. Der gelegentliche Drogenkonsum des Opfers kann daher sicher nicht als Indiz für die Verteidigung des Rentners Giovanni S. herhalten, der Gruppe der feiernden Jungen Leute eine aggressive und rücksichtslose Grundstimmung zu unterstellen. Dies würde vermutlich auch Jens Jessen vom ZEIT-Feuilleton so sehen, der jugendlichen Gewaltausbrüchen gegenüber autoritär eingestellten älteren Menschen bereits in der Vergangenheit viel Verständnis entgegen gebracht und sich damit wohltuend vom opferorientierten Bürger-Mob abgehoben hat.

Nicht selten ist in den kruden Thesen verschiedener Initiativen, die sich für den Schutz vermeintlicher Lärm-Opfer einsetzen, die Rede von sogenannter `Gewaltmusik´, die im zwischenmenschlichen Bereich als Waffe gegen Unterlegene eingesetzt werde. Die sich um die Zusammenarbeit mit der Musikindustrie bemühende Gruppierung `Dudelstopp´ bildet hier eine wohltuende Ausnahme und hofft, dass sich die zuständige Richterin Heike Hartmann-Garschagen von keinerlei Propaganda irgendwelcher selbsternannter Aktivisten beeinflussen lassen und sachlich urteilen wird.


Hauptstadtjournalist (Initiative `Wir-sind-wichtig´) KONFORMISMUS

Wir sind wichtig und angepasst

Ausschnitte aus zwei Videos der Initiativen `Wir sind wichtig´ und `Wahlzusage´ stellen ansatzweise den Kontrast zwischen dem Primat eines starken Staates (in diesem Fall à la Russland) sowie einer starken Wirtschaft (à la Bundesrepublik) und ihren Auswirkungen für die Menschen heraus.

Ein Journalist bekennt: „Ich habe mich gerade beim Fernsehen beworben, denn ich bin Journalist und muss an meine Zukunft denken. Als Zusatzqualifikation kann ich anführen, dass ich gerade ein Jahr auf Volontariat in Russland war. Wie die Obrigkeit sich fürsorglich um ihre Bürger kümmert, weiß man dort sehr genau. Ich hab da einiges lernen können. Inzwischen machen mich abweichende, schädliche Meinungen richtig wütend.
Dann gibt es natürlich noch `Angst´ als ganz wichtigen Gegenstand für die Arbeit bei den Medien. Dafür hab´ ich zum Glück ebenfalls ein gutes Gespür. Die nächste Vogelgrippe kommt ganz bestimmt. Und falls nicht, werden gute Redakteure gebraucht, die Ersatz finden. Zulässige Alternativen sind Armut -ganz groß im Kommen- , Alter, Kriminalität ... Gegen die helfen natürlich nur die Experten vom Staat. Und der wird demnächst hoffentlich auch für meine Bezahlung sorgen.“

Eine Marktliberale erzählt: „Die Wirtschaft braucht den Menschen. Der könnte zwar auch ohne sie existieren, aber das wäre sicher ein sehr armes Leben. Wir haben nun einmal ein sehr hohes Konsumniveau erreicht, von dem er jetzt schlecht wieder herunter können. Sollen wir uns etwa zurückentwickeln ? Wieder in Familienverbänden leben und freiwillig auf Einkommen verzichten ? Das können doch auch die machen, die sonst nichts können.
Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht: Aber wenn die Wirtschaft dieses Jahr nicht wächst, sondern vielleicht sogar schrumpft, wird mir Angst und Bange. Um diese Katastrophe abzumildern, brauchen wir noch mehr Opferbereitschaft bei den Bürgern, mehr Flexbilität. Sinnfragen müssen jetzt mal etwas hintenanstehen. Trotzdem dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass die Wirtschaft dem Menschen dient und nicht umgekehrt.“


BILANZ

Nun mach mal halblang !

Eine junge Frau sitzt einsam und zweifelnd auf einer Parkbank. Mit einem Mal hört sie eine innere Stimme sprechen:

Hauptstadtjournalist (Initiative `Wir-sind-wichtig´)„Niemand mit einem lebendigen Innenleben ist wirklich `einsam´ zu nennen. Was sind schon Freunde gegen ein gutes Buch, in dem man abends gemütlich auf dem Sofa liest ? Was ist ein Liebhaber oder Ehemann gegen die einzigartige Musik von Bach auf einer unvergänglichen CD oder die perfekt inszenierte Traumwelt auf einer romantischen DVD ? Was sind schreiende und plärrende Kinder gegen einen ergebenen Vierbeiner an Deiner Seite ?“ Die junge Frau ist nicht überzeugt und stellt fest „Was das eine gegen das andere ist ? Also, ich komme immer mehr zu dem Schluss: eine ganze Menge ! Wenn ich tauschen könnte, würde ich nicht zögern. Ich würde gerne anders leben - inzwischen.“

Ihre innere Stimme stellt fest: „Du kannst nicht mehr tauschen. Du hast schon vor Jahren die Weichen für ein modernes Single-Dasein gestellt.“, und verabschiedet sich mit den Worten „Einen Moment, bitte – mein Typ will gerade was von mir. Er wartet so ungern. Bin gleich wieder da.“, um dann aber erneut zu erscheinen als die junge Frau mit ihrer Bilanz fortfährt: „Alle - ohne Ausnahme - haben mir zu einer erfolgreichen Karriere geraten.“ Die Stimme ergänzt: „Starke Frauen, moderne Männer, Politiker, Wirtschaftsfunktionäre, Freunde, Bekannte, Kollegen ... Niemand einzelnes sondern die Summe aller. Der Zeitgeist der letzten drei Jahrzehnte.“ Die Frau geht scheinbar darauf ein und konstatiert: „Alle wollen sie mein Bestes. Das perfekte Leben: mobil und flexibel. Schade nur, dass es niemand mit mir teilt außer Dir.“ Die innere Stimme versucht zu beruhigen: „Du hast getan, was die Gesellschaft von Dir erwartet und große Opfer gebracht.“ Die junge Frau zeigt sich jedoch unversöhnlich: „Ja. Ich würde mich nur zu gerne bei jemandem persönlich dafür bedanken.“ Daraufhin verabschiedet sich die innere Stimme: „Ich haue ab, ich hab´ noch was anderes vor.“


TACHELES BIENNALE 2012

Kunst, Politik und Bankenwahnsinn

Udo Wiegand vom iXeS*studio-theater als Banker mit Blume bei einer der `Save-the-Tacheles´-DemonstrationenVom elften Februar bis zum ersten Mai bäumt sich das Berliner Kunsthaus Tacheles mit einer Biennale unter dem Motto `Kunst & Politik´ erneut gegen den hochsubventionierten Bankenwahnsinn hierzulande auf.

Gegenwärtig wird das fünfte Obergeschoss der von Zwangsräumung bedrohten Kunst-Institution in Berlin-Mitte von privater Security besetzt, nachdem der weißrussische Exil-Maler Alexander Rodin unter massiver Gewaltanwendung aus seinem dort gelegenen Atelier vertrieben wurde. Es stehen nach wie vor Vermutungen im Raum, für dieses in rechtsstaatlicher Hinsicht höchst zweifelhafte Vorgehen sei die durch die Finanzkrise angeschlagene SOS Mordbank mitverantwortlich, die das Haus für künftige Investoren attraktiver machen wolle. Dies wäre nach der kruden Logik der Banker und potentieller Investoren offenbar nur ohne die Künstler der Fall, die zum Teil seit vielen Jahren das Tacheles betreiben und seinen international hervorragenden Ruf, von dem Berlin zweifellos profitiert, weitestgehend ohne staatliche Subventionen erschaffen haben.
Gegen die ehemaligen Spitzenmanager um Ex-SOS-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenschacher hat die Hamburger Staatsanwaltschaft inzwischen Anklage wegen Untreue und Bilanzfälschung erhoben. Dies veranlasst den neuen Vorstand der Bank jedoch offenbar nicht zu einem moderateren Agieren in heiklen Fragen, wie den auch von Politik und Medien kritisierten und teilweise martialisch anmutenden Umgang mit den Tacheles-Künstlern.

Auf der Seite der unermüdlich Schaffenden und Werkelnden im Tacheles steht seit fünf Jahren auch die Politik- und Kunstplattform `moderne21´, die ebenfalls auf der am 13.02. ab 19 Uhr startenden Biennale vertreten ist: Von ihr wird eine Video-Zusammenstellung aus vier in den letzten Jahren mit Unterstützung des Kunsthauses veranstalteten politischen Diskussionen zu Themen wie `Kann politisch korrekte Kunst uns vor zu viel Freiheit schützen ?´ zu sehen sein. Zudem steuert die Plattform einen satirisch angehauchten Video-Essay zum Phänomen der sogenannten `Kreativen Mitte´ bei - einem Terminus, der nach dem `Plattmachen´ der Kunstoase in der Oranienburgerstraße ebenfalls deutlich weniger Bedeutung im kulturpolitischen Diskurs hätte als dies gegenwärtig und hoffentlich auch noch in Zukunft der Fall sein wird.


Polizeiwagen GLEICHSTELLUNG

Weibliche Polizisten stehen ihren Mann

Dank moderner Kriminalpolitik sind auf den Straßen unserer Städte immer häufiger Frauen in Polizeiuniform zu bewundern. Sie versehen ihren Einsatz im Duo mit anderen Polizistinnen oder mit männlichen Polizeikollegen (die es ebenfalls nach wie vor gibt). Oder sie sind hoch zu Ross zu bestaunen zum Schutz der Bevölkerung bei Großveranstaltungen, wie Fußballspielen. Leider sind aus einschlägigen (Verbrecher-)kreisen häufig Schmähungen und Herabsetzungen bezüglich der vermeintlichen `Feminisierung´ der Sicherheitsorgane zu vernehmen. Dies ist von wehrhaften Demokraten auch unter Toleranz-Aspekten keinesfalls hinzunehmen.

Bei der Herabwürdigung weiblicher Polizisten wird unsportlicherweise immer wieder auf die biologisch bedingte deutlich geringere Kampfkraft des weiblichen Geschlechts verwiesen, was in krisenhaften Einsatzsituationen die Sanktionsmöglichkeiten der Vertreterinnen der Staatsmacht gegenüber gewaltbereiten kriminellen Elementen stark schmälern und zugleich die Gefahrenlage für bedrohte Bürger im Vergleich zur Verwendung männlicher Sicherheitsbeamter vergrößern würde. Bedrängte Bürger in kritischen oder bedrohlichen Situationen sollten dennoch Vertrauen in die neue von Gleichstellungsgrundsätzen geprägte Personalpolitik der diversen bundesdeutschen Polizeibehörden haben. Es ist einfach nicht wahr, dass weibliche Beamte, die sich zugegebenermaßen gegenüber männlichen Kollegen nicht selten durch das halbe Körpergewicht bei doppelt so hoher Stimmlage auszeichnen, gegenüber aggressiven Individuen, die erschwerenderweise gerade in Großstädten oft aus anderen - darunter leider auch weniger `modernen´ - Kulturkreisen stammen, nicht den nötigen Respekt einfordern können. Wo gutes Reden gegenüber potentiellen Gewalttätern als auch Gewaltopfern nicht hilft, sollte der Gesetzgeber erwägen, mangelnden Respekt gegenüber weiblichen Streifenpolizisten als Beleidigung zu werten und zu ahnden. Hierbei sollte es sich jedoch wirklich nur um die Ultima Ratio handeln.


guter Roter (Wein)NEUSPRECH

Unwörter und eine Unmenge Unmenschen

Das Auswahlergebnis zu den Unwörtern des Jahres 2011 ist erfreulicherweise zu einer vorbildlichen und verantwortungsvollen Demonstration politischer Reife und Korrektheit geraten: Die umsichtige Sprecherin der `Unwort´-Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, gab als `Sieger´ der Wahl zum Unwort des Jahres 2011 den mehr als unguten Begriff `Döner-Morde´ bekannt.

"Damit wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet", wobei es sich jedoch um eine sachlich unangemessene, folkloristisch-stereotype Etikettierung handele. Ebenfalls ausgewählt wurden die Begriffe `Gutmensch´, bei dem das ethisch hochstehende Ideal des `guten Menschen´ in hämischer Weise verunglimpft werde, sowie der Begriff `marktkonforme Demokratie´, eine unzulässige Relativierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Die Kritik am Begriff des "Gutmenschen" ("Gutmensch zu sein ist doch nichts Schlechtes" - Klaus Wowereit im Interview der Berliner Morgenpost vom 16. Oktober 2011) `outet´ mitnichten die Darmstädter Jury aus vier Sprachwissenschaftlern, einem Journalisten sowie einem jährlich wechselnden Mitglied aus dem öffentlichen Kultur- und Medienbetrieb als typische Objekte ebenjenes in der politischen Auseinandersetzung immer populärer werdenden, zu recht gescholtenen Ausdrucks. Für 2012 sollte die Jury schon einmal die menschenverachtenden Ausdrücke `EU-Knecht´ und `EU-Liebchen´ als potentielle Unwörter des Jahres vormerken. Die Zustimmung der staatsnah orientierten sowie rechtschaffenden Bürgerinnen und Bürger - und damit natürlich auch der Aktivistinnen und Aktivisten von moderne21 - wäre ihnen so gut wie sicher.
Die ganz speziellen und natürlich höchst subjektiven moderne21-Wörter-des-Jahres-2011 sind aus naheliegenden Gründen wie bereits 2010 und 2009 `SOS-Mordbank´ sowie `Harm Meier-Spreer´ und `Stundus Gruppe´.


Innehalten und Lauschen im EinkaufsstressNEUE WELT

Völkerverbindende Einkaufsmusik

Die sich immer wieder durch kontroverse Diskussionsbeitäge ins Spiel bringende Initiative `Dudelstopp´ profilierte sich jüngst sowohl als Fürsprecherin für freie unternehmerische Entfaltung als auch für gegenseitiges interkulturelles Besingen im Dienste des Weltfriedens.

Kampagnenaktivisten und Sympathisanten der Linzer Hörstadt haben sich erneut angemaßt, Geschäftstreibende dafür zu kritisieren, die Kunden in ihren Läden mit Gratismusik zu versorgen. Die zweifelhafte Auszeichnung als 'Zwangsbeschaller des Jahres 2011' ging dem Vernehmen nach an ein spanisches Modeunternehmen in Österreich, bei dem durchgeführte Schallpegelmessungen im Testkaufverfahren am Westbahnhof in Wien einen durchschnittlichen Schallpegel von 81 Dezibel und Spitzen bis zu 101 Dezibel ergaben. Die Initiative `Dudelstopp - wollen wir Friedhofsruhe ?´ verurteilt die Attacke auf den Servicegedanken als markt- und konsumfeindlich und sieht - verursacht durch fanatische Musikgegner - bereits weiteren Sturm aufziehen:
Es bedarf nämlich leider durchaus keiner prophetischen Fähigkeiten um vorherzusagen, dass der dieses Jahr in Aserbaidschan - genauer in dessen Hauptstadt Baku - stattfindende European Song Contest ebenfalls wieder einmal die Gegner unfreiwilligen Musikkonsums auf den Plan rufen könnte. Diesmal wird ihr nerviges Agieren jedoch - so ist zu hoffen - besonders wirkungslos verpuffen, denn niemand kann abstreiten, dass dem Gesangswettbewerb ein eindeutig völkerverbindender Aspekt bei aller Kritik am vermeintlich konformen Plastik-Folklore-Sound der Veranstaltung ernsthaft nicht abzusprechen ist. Bleibt nur zu hoffen, dass keiner der Kritiker den unschönen Gedanken ins Spiel bringen wird, die autoritär regierte vorderasiatische Kaukasus-Republik Aserbaidschan gehöre geographisch und kulturell nicht wirklich zu Europa. Das würde möglicherweise ein wenig Luft aus der ganzen gut gemeinten Veranstaltung nehmen, die die Aktivisten der Initiative `Dudelstopp´ ausdrücklich aus vollem Herzen unterstützen.


MEDIENGEWALT

Hauptsache dem Publikum gefällts

Wenn das Talkshow-Publikum zum Mob wirdIn einer Winter-Ausgabe der ZDF-Qualitätstalkshow von Markus Lenz (Nachfolger von Johannes `Autobahn´ Kerner) erntete die mittlerweile Achtzigjährige Schauspielerin und ehemalige Kabarettistin (Münchner Lach- und Schießgesellschaft) Ingrid Van Bergen tosenden Beifall für ihre Entscheidung, aus dem Mühlen- und insbesondere dem Schützen-(!)-Verein ihres Heimatdorfes in der Lüneburger Heide auszutreten, nachdem der dortige Bürgermeister sich vorgeblich wegen der Teilnahme Bergens an dem `unterirdischen´ RTL-Dschungelcamp offenbar weigerte, ihr die von ihr erwartete gebührende Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. Immerhin ist an der überlieferten Begründung für das Dissen der Schauspiel-Diva durch den Bürgermeister nichts auszusetzen: Wesentlich unerquicklicher wäre es gewesen, wenn er die tödlichen Schüsse Van Bergens 1977 auf ihren 33jährigen Geliebten als Hinderungsgrund für ein glanzvolles Wirken der Schauspielerin unter dem Dach des örtlichen Schützenvereins benannt hätte. Vermutlich wäre in diesem Fall auch der Beifall des ZDF-Saalpublikums an diesem grauen Tag im Januar 2012 wesentlich bescheidener ausgefallen.

Gewalt kommt zu jeder Zeit bei nahezu jedwedem Publikum ausgesprochen gut an. Bestätigt sehen darf sich in dieser Einschätzung auch unsere Initiative Gewalt-geht-immer, die sich in hilfreicher Weise mit der Verleihung des Integrations-Bambis an den in Sachen `Gewaltmusik´ äußerst verdienstvollen Rapper Bushido auseinandergesetzt hat. Nach den Worten von Sprecher Dr. Eberhard Klaschka ist diese Aktion noch gelungener als die Förderung ehemaliger Gewaltverbrecher mit Hilfe ausgerechnet von Boxsport ("KICK im Boxring" u.a. mit Vitali Klitschko) durch Firmen wie Mercedes-Benz. Selbst ewiggestrige Nörgler wie der Sänger Heino können nicht darüber hinwegtäuschen, dass politischer Masochismus in diesem Land wunderschöne Blüten treibt.


Mit dem Fahrrad gelangt man in Windeseile von Charlottenburg nach NeuköllnPROMINENTE

Zwei Berliner, bitte !

Der eine wohnt im ollen Berlin-Charlottenburg, der andere im hippen Berlin-Neukölln: Der Sprechsänger Sido logiert in Charlottenburg, der krude Bestseller-Autor Sarrazin in Neukölln. Oder war´s doch umgekehrt ?

Zum Film Blutzbrüdaz wurde auf dem Intellektuellen-Sender `Kabel 1´ um 17:30 Uhr (!) ein Ausschnitt gezeigt, in dem eine Frau den Protagonisten Sido fragt `Schatzi ? Soll ich dir einen blasen ?´, worauf dieser antwortet `Nee, mach ich selber.´ Dem Vernehmen nach wurde das überaus wichtige und wertvolle Werk mitfinanziert von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, dem Deutschen Filmförderfonds, der Filmförderungsanstalt und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Da fragt man sich ersthaft: Warum fördert eigentlich das Institut für deutsche Sprache die `Blutzbrüdaz´ nicht ?

Öffentliche Institutionen sind indes nicht gegenüber allen Bürgern derart nachsichtig und großzügig - zwischen Fördern und Abwatschen verläuft in diesem Land oft nur eine schmale Linie: So wurde der ehemalige Bundesbanker und Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) in Medien und Öffentlichkeit heftig für seinen Aktionismus rund um sein Kondolenzbuch `Deutschland schafft sich ab´ kritisiert. Dies scheint insofern ungerechtfertigt als `die Deutschen´ sich ja tatsächlich zum allerersten Mal in ihrer Geschichte anschicken auszusterben. Diese Möglichkeit erschien weder nach dem 30-jährigen- noch nach dem zweiten Weltkrieg realistisch. Würde hingegen Sarrazin sein Buch erst in 300 Jahren schreiben, wenn `die Deutschen´ die Erfahrung des Aussterbens bereits zwei- oder dreimal hinter sich gebracht hätten, schiene es hingegen deutlich berechtigter als heuer, einen wichtigtuerischen Ex-Politiker für die von ihm mitverantwortete Panikmache zu schelten.


Das ungarische Parlament in Budapest INTERNATIONALES

Zwei Hauptstädte, zwei Schicksale

Das ungarische Budapest und das verniedersächsischte Berlin haben mehr gemeinsam als man denkt. Durch beide Städte ziehen sich Flüsse und im beiden sind mehr oder weniger spannende und geschickt agierende Politiker beheimatet. Gute Orte für politische Satire ...

Die Enthüllungen um Bundespräsident Christian Wulff bezüglich seiner Billigkredite sowie die angewandte Salami-Taktik bei der Aufklärung erinnern an die im Drama Gehobene Narrenfreiheit geschilderten Politiker. Womit nicht angedeutet werden soll, dass das Staatsoberhaupt - wie das o.g. Hörspiel im Zusammenhang mit Berufspolitikern nahelegt - jemals Kontakt zu bewusstseinsverändernden Drogen gehabt haben könnte, wohl aber, dass dessen Wahrnehmung zeitweise deutlich von der der `einfachen Bürger´ abwich.

Weit unangenehmere politische Schwulitäten scheint es in Ungarn zu geben: Aufgrund der Bestrebungen zu mehr Medienkontrolle und der überwiegend nationalkonservativen Politik seiner `Fidesz´-Bürgerbund-Partei wird dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán von vielen Medien Demokratiefeindlichkeit vorgeworfen. Auf den ersten Blick scheint die Sorge um die junge ungarische Demokratie berechtigt. Aus einer anderen Perspektive ergibt sich jedoch ein abweichendes Bild: Die Ungarn haben erst 2010 eine sozialistische Regierung abgewählt und damit nicht gerade Weitsicht und Moral bewiesen. Vielleicht kann eine straffer gelenkte Demokratie, wie sie Orbán offenbar vorschwebt, dazu beitragen, künftig Vorgaben aus der EU-Zentrale in Brüssel, die bei vielen einfachen und ungebildeten Europäern - so auch in Ungarn - zunehmend auf Misstrauen und Vorbehalte treffen, zum Wohle der Menschen besser durchzusetzen, ohne dass erklärten EU-Gegnern (sogenannte Menschenrechts fundamentalisten, Individualisten oder gar Nationalisten - man braucht hier nur den Blick über die ungarische Grenze zu Tschechiens Václav Klaus zu werfen) zu viele demokratische Mittel zur übertriebenen Einflussnahme eingeräumt werden.


VIKTIMOLOGIE

Schwenk auf die Opferperspektive

Staatsanwalt (Initiative `Gewalt-geht-immer´)Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Philologe, Literaturwissenschaftler, Essayist, politische Publizist und Mäzen Jan Philipp Reemtsma in seiner Eigenschaft als Stifter und Vorstand des `Hamburger Instituts für Sozialforschung´ in seinem Schaffen darauf hingewirkt hätte, die sozialwissenschaftliche Perspektive im Bereich der Kriminologie, wie es sich gehört, voll und ganz auf das Elend der in der kapitalistischen Gesellschaft quasi automatisch zum Tätersein gezwungenen Gewaltverbrecher zu fokussieren und nicht etwa auf die Leiden der Opfer dieser für den Neoliberalismus so typischen und unvermeidbaren äußerst unschönen Phänomene. Es kam nun allerdings anders, da Jan Philipp Reemtsma 1996 im Rahmen eines Erpressungsversuches selber Opfer einer Verschleppung wurde, eine unwürdige Gefangenschaft durchmachen und bange auf seine Befreiung hoffen musste, die glücklicherweise gelang. Auch den gewalttätigen Erpresser ließ er später dingfest machen. Dass er sich publizistisch danach in übertriebener Weise mit der Perspektive der Opfer von Gewaltverbrechen auseinandersetzte, ist vor diesem biographischen Hintergrund nicht nur erklär- sondern auch entschuldbar.

Opfer werden ist in der Tat nicht sehr schwer: Wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen und einem offenbar gefährlichen Mann kam es zu tödlichen Schüssen auf einen Staatsanwalt am Dachauer Amtsgericht, woraus kurzfristig - die Aufmerksamkeit der Medien kann lediglich für einige Stunden als garantiert gelten - eine Sicherheitsdebatte entbrannte. Wie auch immer diese Diskussion um Vorschriften und Kriminalpolitik ausgehen mag - Nach den Worten von Dr. Eberhard Klaschka von der Initiative `Gewalt-geht-immer´ haben die täglichen Gerichtsshows im deutschen Privatfernsehen (`Barbara Salesch´, `Richter Alexander Hold´ - beide SAT 1) keinesfalls die Aggressions-Hemmschwellen im öffentlichen Raum - speziell im Gerichtsraum - abgesenkt und damit einen tragischen Vorfall, wie den vorliegenden, wahrscheinlicher gemacht als wenn es im Fernsehen ausschließlich bei verantwortungsvollen aber krawallarmen Justiz-Sendungen wie etwa dem gemächlich-sachlichen `Streit um drei´ des öffentlich- rechtlichen ZDF mit Richter Guido Neumann geblieben wäre.


EXTREMISMUS

Wo Rechtsaußen und Linksaußen ineinander fließen

Ernst-Thälmann-Denkmal in Berlin-Prenzlauer PergNachdem die Delegierten DER LINKEN auf ihrem Erfurter Parteitag die Legalisierung `harter´ wie `weicher´ Drogen und die Delegierten der PIRATENPARTEI auf ihrem Parteitag in Offenbach ein bedingungsloses Grundeinkommen gefordert haben, scheint es an der Zeit, dass eine weitere dem linken Meinungsspektrum zuzurechnende Partei arbeitsteilig die Forderung nach einem Recht auf kostenlosen Geschlechtsverkehr - vulgo: Sex - mit attraktiven Dienstleisterinnen und Dienstleistern aufstellen sollte. Hier käme demnach die SPD, CDU oder FDP in Frage. Die Bürger würden solcherlei Ansinnen aller Erfahrung nach mit einer Wahlzusage bei den nächsten Urnengängen goutieren.

Der Gedanke an grassierenden Irrsinn beschleicht einen freilich auch bei sich weniger politisch gebenden Zeitgenossen der `bereichernden´ Art: Der Sprechsänger `Bushido´ (bürgerlich Anis Mohamed Youssef Ferchichi) ist ein Berliner Gangsta-Rapper, dessen veröffentlichte, nach wie vor zum Erwerb freigegebene Texte für viele sich politisch links definierende Zeitgenossen den Anschein starker Menschenverachtung und extremer Frauen-, Amerika-, Israel- und Schwulenfeindlichkeit haben. Er wird von der überwältigenden Mehrheit deutschsprachiger Massenmedien dennoch nicht als rechtsradikal kritisiert. Die Begründung hierfür liegt auf der Hand. Das gleiche gilt für seinen Sprechgesangs-Kollegen `Sido´ (bürgerlich Paul Würdig), ebenfalls aus Berlin. Dessen Bemerkung während einer Wiener Gala „Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat!“ ist keinesfalls als rechtsradikale Sympathiebekundung einzuordnen. Da beide Sprechsänger also politisch nicht zu kritisieren oder gar als Gegner beim ebenfalls staatlich geförderten sogenannten `Kampf gegen rechts´ zivilgesellschaftlich zu bekämpfen sind, ist es als vollkommen unproblematisch einzustufen, dass ihre diversen (v.a. Film-)Projekte mit hohen Summen öffentlichen Geldes unterstützt (Deutscher Filmförderfonds u.a.) wurden. Hier wurde vielmehr sogar aktiv Integration betrieben.


Irgendein Gewächs, das herhalten muss, bis wir uns an dieser Stelle richtige Rosen leisten können NIVELLIERUNG

Rote Rosen sollen für alle regnen

Wie weit die Demokratisierung - böse Stimmen sprechen auch von Vulgarisierung oder Sozialdemokratisierung - der elektronischen Massenmedien mittlerweile fortgeschritten ist, konnte kürzlich im Fernsehen bestaunt werden - bei einer 90minüten Dokumentation (`Hilde Knef - Ein Weltstar aus Berlin´) von Jens Rübsam über das Leben von Hildegard Knef, der bislang letzten deutschen Diva in den Bereichen Schauspiel, Gesang und Literatur.

Anlässlich ihres zehnten Todestages berichteten Freunde, Verwandte und Wegbegleiter der Legende aus dem westlichen Nachkriegsdeutschland, wie Schauspielkollege Thomas Fritsch, Musiker Till Brönner, Tochter Christina Palastanga ihre Eindrücke und Erinnerungen. Daneben durfte auch der bunte Paradiesvogel Hella Von Sinnen - offensichtlich bar aller Selbstzweifel, ob sie stilistisch oder gar `künstlerisch´ überhaupt etwas mit der Knef verbindet - Stellung zu Lebensstationen der Diva beziehen. Es ist bemerkenswert mutig vom öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen, bisherige Standards in punkto Niveau so offensiv abzusenken und damit auch hinsichtlich ihres Bildungsstands benachteiligten und ausgegrenzten Gebührenzahlern die Möglichkeit zu geben, sich an das kulturelle Zeitgeschehen vergangener Jahrzehnte `von einer der ihren´ heranführen zu lassen.
Womöglich wäre dieses Experiment noch vielversprechender ausgegangen, wenn man neben den Auslassungen Von Sinnens auch Kommentare von Trash-Ikonen wie Vera Int-Veen oder Barbara Salesch zugelassen hätte. Es war natürlich auch unvermeidlich, dass Kai Havaii in der Dokumentation erscheinen durfte. Der Sänger der NDW-Band Extrabreit hatte zu einem Zeitpunkt, zu dem die Diva altersbedingt offenbar schon nicht mehr über aureichend Widerstandskraft verfügte, mit ihr gemeinsam ihren größten Plattenerfolg Für mich soll´s rote Rosen regnen marktkonform `verdudelt´ beziehungsweise `verrockt´ und somit weit mehr als `nur´ das Spaßpublikum von der Hamburger Reeperbahn mit den Klängen der menschenverachtenden Vor-68er-Ära versöhnt.


Justizvollzugsanstalt (JVA) KONTRASTE

Die Niedertracht und der Hype

Es kommt selten vor, dass die Informations- und Unterhaltungsmedien ihr Augenmerk fast zum selben Zeitpunkt auf zwei Jugendliche recht ähnlichen Alters richten, deren Schicksal kontrastreicher nicht sein könnte: Auf der einen Seite steht das Leiden des Hermann Heibach in der JVA Siegburg, das ein tödliches Ende nahm, auf der anderen Seite die Freuden der Lena Meyer-Landrut, die von den Menschenmassen geliebt wird. Ist das Leben gerecht ? Oder wenigstens die Medien ?

Mit `Picco´ kam ein sehr ernster Film von Philip Koch in die Kinos, der unter anderem den grausamen Foltermord an einem jugendlichen Insassen der Justizvollzugsanstalt Siegburg durch dessen Zellengenossen thematisiert - dem Film zufolge nur die Spitze des Eisbergs im bundesdeutschen Gefängnisalltag. Auf keinen Fall dürfen jedoch offenkundige und skandalöse Misstände im Strafvollzug zu der völlig absurden These verleiten, die Justiz hätte ein Interesse an der sozialen Weitergabe krimineller und gewalttätiger Verhaltensweisen in ihrem unmittelbaren Einflussbereich. Gegen diese Annahme spricht bereits, dass die 2007 zuständige Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) nach Bekanntwerden der Tat sowie der Tatumstände nicht zurückgetreten ist.
Ebenfalls präsent in den Medien ist Lena Meyer-Landrut, die lediglich in den Ohren miesepetriger Spielverderber über keine geeignete Sangesstimme verfügt und die 2010 den Eurovision Song Contest in Oslo mit dem Lied `Satellite´ gewann. Es ist im positiven Sinne bezeichnend für die deutsche Musik- und Unterhaltungsindustrie, dass sie an Lenas in den Ohren nicht ganz weniger Menschen recht kehligem und eintönigem Gesangstil keinerlei Anstoß nahm und die sehr junge Frau im großen Umfang vermarktete, so dass man ihren Darbietungen in den Medien kaum entgehen konnte. Beeindruckend ist ebenfalls, dass `Lena´ und ihr Förderer Stefan Raab sich nicht mit falscher Bescheidenheit aufhalten und 2011 erneut zum Eurovision Song Contest antreten.


guter Roter (Wein)EINZELHANDEL

Kein Kauf von Hundefutter ohne Snoop Dogg

Selbstverständlich schlägt es den Menschen auf die Stimmung, wenn sie beim morgendlichen Brötchenkauf mit so etwas wie Xavier Naidoo konfrontiert werden. Da stellt sich vermutlich jedem die Frage: `Was habe ich eigentlich verbrochen ? Hab´ ich gestern aus Versehen das Hunde- mit dem Katzenfutter verwechselt oder den Müll falsch getrennt oder was ? Oder war ich in meinem vorigen Leben so ein schlechter Mensch, dass man mich deshalb mit Lady Gaga bestraft, wenn ich mir heute einen Slip kaufen gehe in `nem Kaufhaus ?´ Moderne Shopping-Läden sind nun einmal ziemlich anonym und automatisiert, da kommen die mit ihrem Gedudel durch. Sonst würde man die Einkaufenden vermutlich nicht so konfrontieren, wenn man ihnen beim live-Singen in die Augen schauen müsste !

Die neueste kulturpolitische Entwicklung besteht nun darin, dass die Vergütungsprinzipien der Rechteverwertungsgesellschaften, wie der GEMA, umgedreht werden sollen: Nicht die Produzenten von Musik erhielten finanzielle Ausschüttungen, sondern die Konsumenten.
Sollte es tatsächlich so kommen, dass für die musikalische Lärmbelästigung bald Geld gezahlt werden muss, dann heißt das auch, dass viele Menschen die ganze Zeit doch nicht ganz falsch gelegen haben: Dass das Gefühl für Recht und Unrecht sie doch nicht getrogen hat und sie durchaus zwischen gut und schlecht unterscheiden können. Sie galten tatsächlich schnell als angestaubt, wenn sie sich nicht richtig über das Gestammel und Gegreine aus den Lautsprechern freuen konnten. Wenn dies jedoch in absehbarer Zeit wegfällt, können die einen oder anderen Kunden des Einzelhandels miteinander tatsächlich hin und wieder ein freundliches Wort wechseln oder auch mit den bedauernswerten Verkäufern. Es erscheint allerdings fraglich, ob die Geschäftsleiter sich darüber freuen würden, wenn sich Kunden lieber miteinander unterhalten, statt einzukaufen. Falls der vermeintliche Lärm dennoch weiterlaufen sollte, könnten sich zumindest viele von der fälligen Entschädigung, über die jetzt alle reden, ein paar Dosen Hundefutter mehr kaufen.


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