Als soziale Bewegung, die sich mit satirischen Mitteln Gehör verschaffte, engagierte sich das Projekt
`DUDELSTOPP– Musik ohne Zwang´ zunächst gegen unfreiwilligen Musikkonsum im öffentlichen Raum.
Man ging davon aus, dass der Widerstand gegen die von vielen als Symptom sozialer Verrohung
empfundenen aufgedrängten Tonkonserven wachsen würde. Heute ist man schlauer.
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DEESKALATION
Musik den Strom kappen ?
Der demographische Wandel und die zunehmende Vereinzelung verändern den sozialen Umgang der Menschen miteinander. Einfühlungsvermögen und Rücksicht verlieren an Bedeutung. Am Beispiel anderen aufgedrängten lauten Musikkonsums müssen Aktionen der `kreativen Mitte´ mäßigend sowohl auf rüpelhafte als auch auf leisetretende Widersacher einwirken.
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UNKLARHEIT
Freund oder Feind ?
Zwar unterstützt der umstrittene Liedermacher Leo Greller die 'Dudelstopp'-Initiative, er gibt sich jüngst allerdings irritiert darüber, ob man in Bezug auf Projekte wie unseres in den Medien heutzutage das Gegenteil von dem, was man denkt, sagen muss um weiterzukommen. Ein PR-Rohrkrepierer für unsere Bewegung ? Ist Hyperaktivität doch eine Behinderung ?
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GEMA
Pioniere des Protests
Bereits im Mai des Jahres 2007 froren sich die Dudelstopp-Aktivisten Katharina Gebhardt und Hartmut Lühr vor der GEMA-Zentrale am Wittenbergplatz in Berlin-Schöneberg die Füße ab, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, das seinerzeit zwar noch nicht ausreichend mit der Musikindustrie abgesprochen war, das aber dennoch Aufmerksamkeit erregte.
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# Videodokument der Musikaktivisten von Dudelstopp: Frieren für einen guten Zweck vor der GEMA
# 5 Jahre später wieder in Schöneberg: Gegen das drohende Aus von Discos auf die Straße gehen
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ZEITDOKUMENT
Die 'böse Musikindustrie'
An dieser Stelle eine larmoyante Polemik der alten 'Dudelstopp'-Besetzung, die behauptet, dass die Entscheidungsträger der Beschallungsindustrie gar nicht daran dächten, die mutwillig losgetretene Lärmlawine aufzuhalten. Der Dudelterror sei daher ein beklagenswertes Symptom für die soziale Verrohung unserer Zeit. Auch und vielleicht gerade in den oberen Etagen.
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"Das Berliner `Projekt Dudelstopp´ engagiert sich für Stille." (Oskar Piegsa in ZEIT-online)
"Die Initiative...möchte die Deutschen gegen ungebetene Musik...aufbringen."
(Michael Pilz in der WELT)
"Wir wünschen Herrn Lühr bei seinem Feldzug viel Glück." (Reinhard Jellen in heise.de)
"Meine Lautsprecher nerven die Umwelt - also bin ich." (Abwandlung eines klassischen Zitats für Dudelstopp)
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GESCHICHTE
Was bisher bei 'Dudelstopp' geschah
Zunächst polterte man unter dem Slogan `Musik ohne Zwang´ heftig gegen die Freunde kostenloser Hintergrundmusik und heimste damit zahlreiche Solidaritätsbekundungen überforderter Verbraucher ein. Mit Aussagen wie „unter einem wummernden Kophörer ist selten die Intelligenz, aber um so häufiger das ADS-Syndrom zu Hause“ wurde billiger Beifall eingeheimst.
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SOFTIS
Rücksicht fördert überholte Strukturen
Vorurteile sind nicht die Sache moderner Männer. Sie setzen sich vielmehr gegen Diskriminierung ein und beziehen mutig Stellung gegen den Hass. Rücksicht im täglichen Miteinander ist für sie hingegen kein Thema, assoziieren sie diese doch zu Recht mit vormodernen patriarchalen Gesellschaften und entlarven damit den autoritären Charakter dieser Eigenschaft.
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ZIVILGESELLSCHAFTLICHE INITIATIVEN UNTER DEM DACH VON moderne21:
DIE NAMEN DER BETEILIGTEN SIND AUF DEN JEWEILS VERLINKTEN SEITEN AUFGEFÜHRT
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STELLUNGNAHME
Tödliche Ruhestörung
Wegen lauter Partymusik beschwerte sich ein Gevelsberger Frührentner nachts bei seinem Nachbarn Giancarlo S., einem 25jährigen als `Gelegenheitskiffer´ beschriebenen Arbeitslosen. Darauf wurde der unter Schlaflosigkeit leidende 60jährige aus der Gruppe der Feiernden nach eigener Aussage mit dem Tod bedroht. Giovanni S. fühlte sich in die Enge gedrängt und erschoss seinen Nachbarn vor den Augen der Gäste. Nun wartet er auf sein Urteil.
Große Privatsender verbreiten täglich Gerichts- und `Reality´-Shows, deren Protagonisten sich aus häufig sehr geringem Anlass gegenseitig harsch bepöbeln und verbal bedrohen. Dies könnte den nächtlich feiernden jungen Gevelsbergern als Vorbild für ihr überzogenes Verhalten gegenüber dem älteren Mann gedient haben, das ihn zu der `Verzweiflungstat´ trieb. Es scheint dennoch unangebracht, Sendern wie RTL oder SAT1 eine Mitschuld an sozialer Verrohung zuzuweisen. Zudem sollte der Konsum `weicher´ Drogen im Umfeld von Giancarlo S. nicht als Argument für die Verteidigung des Rentners Giovanni S. herhalten, der Gruppe der feiernden jungen Leute von vornherein eine rücksichtslose Grundhaltung zu unterstellen. Wäre Aggression eine empirisch relevante Folge des Gebrauchs etwa von Marihuana, würden sich politische Parteien wie `die Linke´ und `die Grünen´ sicher nicht für eine Freigabe entsprechender Substanzen einsetzen. Auch den Herstellern von Unterhaltungselektronik ist keinesfalls eine moralische Mitverantwortung an durch Musiklärm hervorgerufenem Unfrieden aufzubürden. Die Industrie hat trotz tragischer Einzelfälle alles Recht der Welt, `normale´ Bürger, die oft mit wenig Einkommen und in kleinen Wohnungen leben, auch weiterhin mit Musikanlagen zu versorgen, mit denen sich technisch gesehen auch Großraumdiscos adäquat beschallen ließen.
Einige Initiativen, die sich für den Schutz vermeintlicher Lärm-Opfer einsetzen, kritisieren das Phänomen sogenannter `Gewaltmusik´, welche zunehmend als Waffe gegen Wehrlose eingesetzt werde. Die auf Kooperation mit der Musikindustrie setzende Gruppierung Dudelstopp grenzt sich jedoch hiervon ab und erwartet ein musikfreundliches Urteil der zuständigen Richterin Heike Hartmann-Garschagen im vorliegenden Ausnahmefall.
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BEHARRLICHKEIT
Gegner aggressiven Musikvertriebs legen nach
Der Hamburger Verein `Lautsprecher aus!´ unterstützt als Teil der weltweiten `Pipe down´- Bewegung die Initiative `Dudelstopp´ bei ihrem Vorstoß, den `Bundesdeutschen Musikverband e.V.´ (BVMI) zu einer Zusammenarbeit für mehr Verbraucherschutz zu bewegen. Der BVMI ignoriert bisher das Angebot der zivilgesellschaftlichen Initiative 'Dudelstopp', gemeinsam die Einrichtung eines Hilfsfonds für die Opfer aufgedrängter Musik im öffentlichen Raum voranzutreiben. Das Gesprächsangebot an den BVMI wird weiterhin aufrecht erhalten.
Durch die Solidarität des gemeinnützigen Vereins `Lautsprecher aus!´ mit dem Vorstoß der Dudelstopper erfahren diejenigen, die das Recht auf auditive Selbstbestimmung gestärkt sehen wollen, zusätzliche Unterstützung. Dietrich Claus vom Verein `Lautsprecher Aus !´, dessen Ziele unter anderem von Justus Franz, Kurt Masur und Dieter Hallervorden befürwortet werden, sieht sich dem `11.Gebot – Du sollst nicht lärmen!´ des Schriftstellers Robert Gernhardt verpflichtet: „Unfreiwillige Verbraucher sind letztendlich ebenfalls Verbraucher, denen ein Mindestmaß an Schutz nicht länger vorenthalten werden darf. Wir unterstützen daher das Vorgehen der Initiative `Dudelstopp´, die mit satirischen Mitteln ein Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, unter dem eine wachsende Anzahl von Menschen leidet.“ Die zivilgesellschaftliche Initiative `Dudelstopp´ sieht ihre Aufgabe darin, auf Entscheidungsträger der Musikindustrie zuzugehen, um sie auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Konkret schlagen die Dudelstopper die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds aus Abgaben auf Musikprodukte für diejenigen vor, die sich durch die Geräte der Unterhaltungsbranche beeinträchtigt fühlen. Mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand könnten Lärmschutzmaßnahmen und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden. Auf diese Weise würde zwischen den subjektiv Leidenden und den berechtigten Interessen der Wirtschaft ein Ausgleich geschaffen. Die Dudelstopper sind zuversichtlich, dass die Musikindustrie sich ihren berechtigten und zudem maßvollen Forderungen nicht mehr lange entziehen kann. |
AUSGLEICH
Fonds für unfreiwillige Musikhörer ?
Die Unterhaltungsindustrie versorgt Musikfreunde mit immer perfekteren Erzeugnissen. Sowohl der öffentliche als auch der private Raum werden folgerichtig seit Jahren zunehmend durch Gesang und anregende Rhythmen bereichert. Die allermeisten Menschen begrüßen dies. Aber auch diejenigen, die den Aspekt der Freiwilligkeit gestärkt und ihre Privatsphäre deutlicher geschützt sehen wollen, erfahren neuerdings Unterstützung. Sowohl durch zivilgesellschaftliche Initiativen als auch durch aufgeschlossene Vertreter der Wirtschaft.
Eine kleine Gruppe von Bürgern sieht ihre Lebensqualität durch die zunehmende Präsenz von Musikprodukten beeinträchtigt. Offenbar wird nicht aktiv nachgefragte Musik von diesen Zeitgenossen zunehmend als Gewalt empfunden, gegen die sie sich kaum wehren können und unter der sie leiden. Zwar wird der von einigen wenigen als aggressiv empfundene Einsatz dieser Erzeugnisse von den Herstellern mit Sicherheit nicht gutgeheißen, aber dennoch fühlt sich eine Minderheit unfreiwilliger Konsumenten in ihrem Bedürfnis nach auditiver Selbstbestimmung von der Gesellschaft und den Anbietern von Unterhaltungselektronik und Gebrauchsmusik alleine gelassen.
Zivilgesellschaftliche Initiativen wie 'Dudelstopp' greifen hier helfend ein, indem sie auf Entscheidungsträger der Industrie zugehen, um sie auf vereinzelte Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Konkret schlagen die 'Dudelstopper' die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds für diejenigen vor, die sich durch den immer häufiger als störend empfundenen Einsatz von Geräten der Unterhaltungsbranche beeinträchtigt fühlen. Damit könnten Lärmschutzmaßnahmen, therapeutische Hilfe und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden. So würde zwischen den subjektiv Leidenden und den berechtigten Interessen der Wirtschaft ein Ausgleich geschaffen.
Die 'Dudelstopp'-Aktivisten bieten an, den Prozess der Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds beratend zu begleiten, da sie bereits seit einigen Jahren mit der Problematik vertraut und für Belange des Minderheitenschutzes sensibilisiert sind. |
HARMONIE
 Frieden mit der Unterhaltungsindustrie
'Dudelstopp' ist eine zivilgesellschaftliche Initiative der offenen Politik- und Kunstplattform moderne21. Sie thematisiert die Zunahme der Musikbeschallung im öffentlichen als auch im privaten Raum und nutzt dabei satirische Mittel.
Die Mitstreiter werben zwar um Rücksicht für die kleine Minderheit von Menschen, die sich durch aufgedrängte Musik beeinträchtigt fühlt - im Supermarkt, durch Wohnungswände hindurch, im Wartezimmer. Hierbei treten sie aber auch für die berechtigten Interessen der Unterhaltungsindustrie und gegen die Verteufelung offensiven Musikkonsums ein, kurz: Die 'Dudelstopp'-Initiative setzt sich provokativ mit der Frage auseinander, wie eine Welt aussähe, in der Musik nur noch im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen dürfte.
Hinter 'Dudelstopp' stehen zum einen Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen wollen, die bevorzugt einen statt zu spalten, und das lieber als Gut- denn als Wutbürger. Zum anderen wird die Initiative von aufgeschlossenen Vertreterinnen und Vertretern der Industrie unterstützt, wie dem Verband der deutschen Beschallungsindustrie (VdBsI) mit der rastlosen Dr. Sonja Peters. Bei 'Dudelstopp' will man schlichten zwischen Menschen mit einer Abneigung vor den Musik-Emissionen anderer und Menschen mit einer Stille-Phobie, man will vermitteln zwischen der Unterhaltungsindustrie und vermeintlichen Musikopfern. Ziel ist ein Ausgleich zwischen subjektiv Leidenden und berechtigten Wirtschaftsinteressen. Eine Thematisierung der gesellschaftlichen Ursachen für schwindende Rücksichtnahme sowie der wachsenden Furcht vieler Bürger vor Stille und damit assoziierter Einsamkeit will 'Dudelstopp' vermeiden, denn die Veränderungen des Sozialverhaltens durch den demographischen Wandel gelten in den Massenmedien zu Recht als Tabu. Darüber hinaus ist es nicht bewiesen, dass das immer häufigere Fehlen von Geschwistern oder Vätern in der typischen modernen Familie automatisch zu egoistischerem Verhalten oder gar der Verrohung junger Menschen führt. Wissenschaftliche Beweise hierfür stehen aus oder werden aus guten Gründen nicht veröffentlicht. |
ENGAGEMENT
 Einsatz für die lauschende Mehrheit
Um konkrete Verbesserungen im Verhältnis zwischen Produzenten und freiwilligen als auch unfreiwilligen Konsumenten von Musikprodukten zu erreichen, wirbt die Initiative 'Dudelstopp' für die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds durch die Unterhaltungsindustrie. Er ist für diejenigen gedacht, die sich durch den zunehmenden Einsatz vermeintlich allgegenwärtiger Abspielgeräte beeinträchtigt fühlen. Mit Hilfe eines geringen finanziellen Beitrags der Hersteller von Unterhaltungselektronik könnten bereits in naher Zukunft Lärmschutzmaßnahmen, therapeutische Hilfe und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden.
Es handelt sich dabei nicht um den ersten Vorschlag der 'Dudelstopper': In der Vergangenheit forderten die Satire-Aktivisten bereits die Umkehr des Vergütungsprinzips der Gema und wollten so den Geldstrom weg von den Musikern in Richtung der Hörer umleiten. Obwohl die Gema allgemein als modern und aufgeschlossen gilt, wurde diese Idee bisher nicht aufgegriffen. Auch eine für die Hersteller von Abspielgeräten angeregte spezielle 'Dudelstopp'-Taste für DVD-Player zum An- und Ausschalten von Filmmusik wurde bisher nicht realisiert. Die Akteure der Initiative 'Dudelstopp' verblüffen unterdessen mit ungewöhnlich offenen und ehrlichen Positionen: So vertreten sie die These, dass die Bereitstellung von Gratisbeschallung im öffentlichen Raum ein Segen für alle diejenigen ist, die sich teure Musik nicht leisten könnten – hiermit wird nicht zuletzt eine Lanze für Millionen Hartz IV-Abhängige gebrochen. Übersensitiven Musikgegnern halten sie unterdessen vor, dass diese weitaus mehr Toleranz einfordern als Menschen mit einem gesunden Bedürfnis nach musikalischer Untermalung und Akzentuierung ihres Alltagslebens.
Auch Verschwörungstheorien wird eine klare Absage erteilt, wenn die Aktivisten um Dr. Sonja Peters und Hartmut Lühr bestreiten, dass durch das Zusammenspiel funktioneller Musik und zugegebenermaßen penetranter Stimmen beispielsweise von Radiomoderatorinnen altmodische und übertriebene Qualitätsansprüche abgesenkt werden sollen, um die Verbraucher abstumpfen und unkritischer werden zu lassen. Stattdessen werden konsequent alle Versuche zurückgewiesen, die freie Persönlichkeitsentfaltung, die einst hart erkämpft wurde, in Sachen Musik wieder zurückzuschrauben. |
WINTER 2010
Karstadt, Bushido und Hamburg
Die Kaufhauskette Karstadt musste 2009 ein Insolvenzverfahren beantragen. Wie bereits der ehemals mit 'Dudelstopp' befreundete Verein 'Pipedown - Lautsprecher aus !' auf seiner Homepage feststellt, zeichnen sich gerade die Karstadt-Restaurants durch weitgehende Stille im Vergleich zu anderen gastronomischen Einrichtungen aus. Wir hoffen, dass bei einer möglichen Neuausrichtung des Unternehmens endlich an die Musikfreunde unter der Kundschaft gedacht wird. Mit Rihanna und Beyonce schmeckt das Essen sicher nochmal so gut.
Bernd Eichinger hat einen neuen Film produziert. Das alleine ist bereits ein Grund zur Freude, gerade angesichts seines letzten den deutschen Herbst 1977 sicher nicht verharmlosenden Geniestreichs 'Der Baader Meinhof Komplex'. Nun heißt es vielversprechend 'Zeiten ändern Dich': In dem neuen Eichinger spielt ein gewisser Herr Bushido die Hauptrolle, der sich bereits seit Jahren durch ästhetisch ansprechende Rap-Musik und ethisch wertvolle Texte einen Namen gemacht hat. Dies ist unter anderem daran zu erkennen, dass er in letzter Zeit aus den Unterhaltungssendungen auch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens kaum noch wegzudenken ist und mit Preisen nur so überhäuft wird. Schön, dass wir ihn endlich auch auf der Leinwand bewundern dürfen. Danke, Bernd Eichinger und danke an den Deutschen Filmförderfonds, das Medienboard Berlin-Brandenburg, die Filmförderungsanstalt, den FilmFernsehFonds Bayern und die kulturelle Filmförderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dass sie dieses filmische Ereignis aus zum Teil öffentlichen Geldern mitfinanziert haben. So kommt Kultur in diesem Land voran.
Im Hamburger Theater 'Neue Flora' ist seit einiger Zeit das Disney-Musical 'Tarzan' zu bewundern, für dessen Kompositionen Phil Collins verantwortlich zeichnet, der Musikliebhabern aller Nationen seit Jahrzehnten besonders am Herzen liegt. Freunden der Kaufhaus- und Fahrstuhlmusik kann eine Reise in die schönste Stadt Deutschlands daher nur wärmstens empfohlen werden.
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Initiative Dudelstopp
 Wollen wir Friedhofsruhe ?
Eine Handvoll Initiativen fordert neuerdings die Einschränkung oder das Verbot kostenlos bereitgestellter Musik im öffentlichen Raum. Bedenken diese Profilneurotiker und Sonderlinge eigentlich die Folgen ihres Tuns ? Das Projekt `Dudelstopp - Wollen wir Friedhofsruhe ?´ setzt sich provokativ mit der Frage auseinander, wie eine Welt aussehen würde, in der Musik nur noch im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen dürfte.
Die Musikproduktion der Bundesrepublik befindet sich im internationalen Vergleich auf hohem Niveau. Der Ausstoß an Tonträgern ist jedes Jahr auf´s Neue rekordverdächtig und der Verfügbarkeit rhythmischer Tonmedien aller Art sind dank mp3-Playern räumlich wie zeitlich kaum noch Grenzen gesetzt. Natürlich kommt es im Tonträgergewerbe, an dem nach neuesten Schätzungen rund 300.000 Arbeitsplätze hängen, mitunter auch zu Fehlentwicklungen und negativen Auswüchsen. Diese werden von der Industrie sehr ernst genommen und einzudämmen versucht, auch wenn sie nur eine verschwindend geringe Zahl sich gestört oder gar belästigt fühlender überempfindlicher Personen betreffen. Letztere werden von der Betroffenheitsindustrie nur zu gerne als Vorwand missbraucht, um die musikalische und rhythmische Untermalung des oft genug grauen Alltags als `Gedudel´ zu diffamieren. Auch die gelegentlich geäußerte Vermutung, die schwindende Rücksichtnahme im täglichen sozialen Miteinander sei auf veränderte Familienstrukturen, in denen immer häufiger Geschwister und Väter fehlen, zurückzuführen, muss bis zur Vorlage eines soliden wissenschaftlichen Beweises zurückgewiesen werden. Viele Menschen sind allerdings heute bereits von der Tatsache betroffen, dass die Deutschen immer älter und in der Folge auch einsamer werden. Dies sollte eigentlich Grund genug sein, mit Hilfe technisch ausgereifter Erzeugnisse der Musikindustrie gegen die aufziehende Friedhofsruhe anzugehen. Ein tatsächlicher 'Dudelstopp' wäre dabei wenig hilfreich. Pulsierende Lautsprecher hingegen bringen heute schon Leben in die vergreisende Gesellschaft. Totalitäre Ruhe steht für Einsamkeit und Tod. |
FREUNDLICHE ÜBERNAHME
Frühere Gegnerin als Förderin von heute
Als im Jahr 2007 die damals frisch gegründete Aktion `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´ gegen Freunde der Hintergrundmusik öffentlich lospolterte und dabei auch noch jede Menge Solidaritätsbekundungen einheimste, hielt Dr. Sonja Peters vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie als eine der ganz wenigen mit guten Argumenten dagegen. Heute betreut sie in führender Position die neue Aktion `Dudelstopp´.
Über ihre Vorgänger sagt sie: „Bei den Gründern von Dudelstopp handelte es sich um verantwortungslos handelnde Akteure mit wirtschaftsfeindlichen Tendenzen, die offenbar ein Problem mit der gesellschaftlichen Realität der Bundesrepublik des Jahres 2007 hatten. Ihr Hauptfehler lag in der Verwechslung von Ursache und Wirkung: Geben Sie einem Gewalttäter ein Küchenmesser, woraufhin er jemanden damit ersticht - dann ist nicht der Hersteller des Messers Schuld an der Tat. Für die Musik in Händen von hyperaktiven Zappelphilippen ohne häusliche Ansprache aber dafür mit nervendem mp3-Player sind nicht die Produzenten von Musikerzeugnissen verantwortlich. Ebenso wenig für die rapide wachsende Zahl von Freizeithedonisten mit Aufmerksamkeitsdefizit und wummerndem Autoradio. Und erst recht nicht für Verkaufsleiter im Einzelhandel, die ihren Ramsch mit Produkten der Beschallungsindustrie aufzuwerten hoffen." Im Juli 2007 nahm Frau Dr. Sonja Peters die Einladung des Dudelstopp-Projekts für eine Podiumsdiskussion im Berliner Kunsthaus Tacheles an, obwohl sie damals eigentlich gerade sehr ausgelastet war mit der Öffentlichkeitsarbeit für das VDBSI-Projekt einer Hundert-Bahnhöfe-Beschallungsinitiative. Bei dieser Gelegenheit übernahm sie das Ruder von den sichtlich überforderten Dudelstopp-Gründungsaktivisten und sorgt seither mit Geschick und Eleganz für eine ausgewogenes und politisch korrektes Auftreten des Projekts. |
ZEITDOKUMENT
Die 'böse Musikindustrie' und ihre Helfer
Ohne äußeren Druck denken die Entscheidungsträger der Beschallungsindustrie nicht daran, die mutwillig losgetretene Lärmlawine aufzuhalten. Der Dudelterror ist wohl lediglich ein Symptom für die soziale Verrohung unserer Zeit. Auch und vielleicht gerade in den oberen Etagen.
Paradoxerweise ist es zudem nahezu unmöglich -zum Beispiel bei Kaufhausmusik- zugleich den Geschmäckern sowohl 15jähriger Schülerinnen als auch 45jähriger Büroangestellter gerecht zu werden. Leider hält die Aussichtslosigkeit dieses Vorhabens sich berufen fühlende Werbefachleute nicht von immer neuen untauglichen Versuchen ab, endlose Stunden vertonten Mittelmaßes auf die Menschen loszulassen. Hinzu kommt, dass die konsumfördernde Wirkung des Marketinginstruments `funktionelle Musik´ wissenschaftlich bis heute nicht bewiesen ist, auch wenn die Mitglieder des VDBSI -des Verbandes der deutschen Beschallungsindustrie- dies nicht wahrhaben wollen. Den einen ist funktionelle Musik wohl tatsächlich ihr Opium – den anderen ist es angetane Gewalt. In der Bundesrepublik mit ihrem täterorientierten Rechtssystem stellt sich die Frage danach, wer den Beistand des Staates in Sachen Gewaltmusik auf seiner Seite hat -Angreifer oder Angegriffene- daher nicht wirklich. Besonders zynisch geht bezeichnenderweise die US-Administration mit der Akustikwaffe um: In Guantanamo wird gezielt Musik als Folter gegen missliebige Personen eingesetzt. Wie viele Beweise brauchen wir noch ?
Die Sympathisanten von Dudelstopp registrieren, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich nicht über die zunehmende Verfügbarkeit funktioneller Musik freuen und die sich schon gar nicht von den Beteuerungen aus Medien und Wirtschaft einlullen lassen wollen, nach denen man mit dem sich ausbreitenden Gedudel doch nur den allgemeinen Verbraucherwünschen nachkomme. Wir können uns die Zwangsbeschallung schönreden oder wir können handeln. Wenn wir uns nur ein paar Nischen im Beschallungsnetz erobern; wenn wir uns trauen, öfter einmal um mehr Ruhe zu bitten, ist bereits viel gewonnen.
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ANTWORT AUF ZEITDOKUMENT
Selbstmord aus Angst vor dem Leben ?
Einst kämpfte man für die freie Persönlichkeitsentfaltung – heute will man sie in Sachen Musik wieder zurückschrauben ... ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ist die Individualisierung nun eine gute Sache oder neuerdings wieder nicht ? Akzeptieren wir musikbejahende Lebensstile als gleichberechtigt oder wollen wir vielleicht doch lieber ein bisschen gleicher sein als andere ?
Neue soziale Bewegungen, zu denen sich auch die Gruppe `Dudelstopp´ zählt, sind traditionell von fortschrittlicher Gesinnung. Dennoch bringen es die Musikfeinde fertig, die Angehörigen des in ihren Augen besonders rücksichtslosen 68er-Milieus, also unbestritten die Ziehväter und Ziehkinder moderner Protestinitiativen, als Unruhestifter in den Chefsesseln der Unterhaltungsindustrie auszumachen. Was die Dudelstopp-Aktivisten nicht wahrhaben wollen: Nicht der Lärm nimmt zu – wir haben es jedoch häufiger mit übersensitiven Personen zu tun ! Und anders als umgekehrt verhalten wir uns denen gegenüber tolerant: Der VDBSI versucht nicht Menschen, die die modernen Zivilisationsgeräuschen ablehnen, daran zu hindern, in Meditationsworkshops, Schweigeseminaren oder Klosterklausuren nach Stille suchen. Wir Musikbefürworter müssen übrigens ebenfalls ungefragt zuhören, wenn die Massenmedien über populistische Bürgerbewegungen wie Dudelstopp berichten und sind trotzdem souverän genug, hier nicht unsererseits einen Betroffenheits- bzw. Laberstopp zu fordern. Zum Totschlag-Argument 'Guantanamo': Musik kann also auch als Waffe eingesetzt werden ? Welch atemberaubende Erkenntnis ! Wie meinte Loriot doch einst: Marzipan in großen Mengen sei mindestens ebenso unbekömmlich wie konventionelle Schützenpanzerwagen ... Wir geben gerne zu, dass dies sicher auch für große Mengen an Gebrauchsmusik gilt. Aber wer bitte verbringt denn tatsächlich mehr als ein paar Stunden pro Woche in Warenhäusern oder musikbeschallten Wartezimmern von Arztpraxen ? Und ist Musik als Waffe -wenn sie denn als solche missbraucht wird- nicht tatsächlich anderen Gewaltmitteln vorzuziehen ? Ist ihr Einsatz nicht sympathischer als mit Messern aufeinander loszugehen und somit gar als zivilisatorischer Fortschritt zu sehen ? Eine solche Sichtweise erschließt sich einem allerdings nur dann, wenn man nicht hoffnungslos in der eigenen Opfermentalität verfangen ist. Hier ist der VDBSI bei den Dudelstopp-Sympathisanten leider wenig optimistisch. Aber wir wollen gerne weiter hoffen. |
WIE ALLES BEGANN I
Ausbleibende Friedhofsruhe
Das Projekt 'Dudelstopp' beschäftigt sich mit Gratismusik im öffentlichen Raum. Zunächst polterte man unter dem Slogan `Musik ohne Zwang´ heftig gegen die Freunde kostenloser Hintergrundmusik und heimste damit zahlreiche Solidaritätsbekundungen überforderter Verbraucher ein. Mit Aussagen wie „unter einem wummernden Kophörer ist selten die Intelligenz, aber um so häufiger das ADS-Syndrom zu Hause“ wurde billiger Beifall eingeheimst. Einer differenzierten Betrachtung der komplizierten Problematik um Hintergrundmusik, die für viele die Lebensqualität erhöht und sie für wenige reduziert, war das alles eher hinderlich.
Die Stopper führten Musikkonservenattacken von Jugendlichen -beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr- als Beleg für die Entzivilisierung junger Menschen an: Heranwachsende wüssten durch das immer häufigere Fehlen von Geschwistern oder Vätern in der typischen modernen Familie mit Werten wie `Rücksicht´ nichts mehr anzufangen. Aussagen dieser Art mussten ohne ausreichende wissenschaftliche Beweise haltlos bleiben und stießen verständlicherweise bei den Redakteurinnen der öffentlich-rechtlichen Massenmedien auf wenig Gegenliebe. Die Aktion drohte für die Öffentlichkeit in Vergessenheit zu geraten. Gegen die viel zu einseitige Vorgehensweise der Dudelstopper wandte sich Dr. Sonja Peters aus München-Schwabing: „Es muss ein fairer Ausgleich zwischen den Interessen der Musikindustrie und den wenigen Menschen herbeigeführt werden, die ihre Freiheit durch umsonst bereitgestellte Unterhaltungsprodukte aus welchen Gründen auch immer eingeschränkt sehen.“ Mit dieser klaren Kampfansage gegen allzu platten Populismus auf dem Rücken der durch die negativen sozialpsychologischen Begleiteffekte des demografischen Wandels ohnehin schwer angeschlagenen Jugend setzte sich die smarte BWL-Dozentin aus Bayern durch und wird in Zukunft das Image von Dudelstopp weiter entradikalisieren. Peters´ neuer Slogan für das Projekt lautet „Wollen wir Friedhofsruhe ?“.
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WIE ALLES BEGANN II
Desorientierende Pressemitteilung (2007)
Unter dem Titel `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´ unterstützt die Plattform moderne21 im Frühjahr 2007 ein Projekt gegen aufgezwängte Musik im öffentlichen Raum.
Die Regeln für das Trauerspiel der akustischen Umweltverschmutzung in Deutschland -ein profitables Geschäft für wenige Nutznießer- stehen seit vielen Jahren fest: Überall, wo in Kaufhäusern Konsumenten mehr oder weniger unfreiwillig mit den Werken von Xavier Naidoo oder Christina Aguilera beschallt, wo in den Wartezimmern der Arztpraxen ohnehin kranke Menschen noch zusätzlich mit Dudelradio auf HundertKommaKrampf geschwächt werden und wo in Restaurants und Bars von den Besuchern trotz Bushido oder Pur tapfer gute Miene zum bösen Spiel zu machen versucht wird, kassieren die GEMA und in ihrem Gefolge die Medienverlage Gebühren für die vor vielen ungefragt aufgeführte Musik. Meinungsmacher, Politiker und Wirtschaftslobbyisten behaupten leider nach wie vor das Erwünschtsein allgegenwärtiger Beschallung und entmutigen so Millionen Geschädigte, sich gegen die Auswüchse öffentlicher Berieselung zur Wehr zu setzen.
In die immer wieder verschleppte Debatte um aufgedrängte Klangerzeugnisse kommt jedoch seit einiger Zeit erneut Bewegung: Gestützt von moderne21 wird erstmals öffentlich über die Umkehr der Vergütungsprinzipien nachgedacht, wonach Pauschalzahlungen an die durch unfreiwilligen Musikkonsum geschädigten Hörer entrichtet werden könnten. Die Musikindustrie ist daher aufgerufen, auf die Bürger zuzugehen und die von ihr verursachten und leider nach wie vor vom Staat gestützten akustischen Zumutungen auf ein erträgliches Maß zurückzufahren - und sei es nur, um die möglicherweise sonst bald fälligen Zahlungen an die Geschädigten einzudämmen.
Wegen der mittlerweile erfolgten inhaltlichen Neuausrichtung von `Dudelstopp´ distanzieren wir uns von obenstehender Pressemitteilung. Sie hat lediglich archivarischen Charakter.
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ZENSUR ?
Das Anliegen der 'Alt'-Dudelstopper
Der Part des kritischen und politisch unkorrekten Historikers wurde bei der Neuauflage des ursprünglichen Dudelstopp-Videoclips weggelassen. Seltsam eigentlich: Er war der einzige, mit dem die neue 'Dudelstopp'-Führung leben konnte. Ein Fall von Zensur ? Hier der Originaltext, der seinerzeit von Frank C. Marx gespielt wurde:
"Als Historiker frage ich mich, ob man in diesen modernen Zeiten nicht einfach schon ein bisschen sehr verweichlicht ist ? Uns geht’s doch im Großen und Ganzen recht gut in Europa, oder ? Ich meine, bis vor 60 Jahren hatten wir hier noch einen gigantischen grausamen Krieg mit Abertausenden von Toten. Im Mittelalter wütete die Kirche mit ihrer Inquisition und wollte am liebsten jeden verbrennen, der an sowas wie Vernunft im Menschen glaubte. Und wenn sie sie nicht gleich umbrachten, haben sie ihre aufgeklärt denkenden Opfer wenigstens gefoltert, ihnen Daumenschrauben angelegt oder sonst was Fieses. Also ich meine, im Vergleich dazu ist diese ärgerliche akustische Verfolgung durch Volksmusik und Hiphop wirklich `ne ganze Ecke weniger schlimm. Die kann man durchaus aushalten, davon stirbt man nicht.
Die Geschichte wird letztendlich zeigen, welcher Entwurf in Sachen Lebensqualität sich jetzt zu Beginn des neuen Jahrtausends durchsetzen wird. Ob Menschen, die Ruhe zum neuen Luxus erhoben haben, mit ihrem Projekt zur Huldigung des Phänomens `Stille´ in einer von den staatlich gestützten Anmaßungen des Lärms geplagten Umwelt eine Chance haben gegen die Wir-lassen-überall-das-Radio-spielen-Welle und das Wenn-das-Gedudel-aussetzt-bekommen-wir-Angstzustände der Beschallungssüchtigen. `Volle Dröhnung für freie Bürger´ oder `Weniger ist mehr für die Asketen unserer Tage´ ? Opium für´s Volk ? Musik für die Massen ? Dezibel für die Werktätigen ? Die Diktatur der satten Bässe und der extatischen Höhen ? Wer will sich denn hier davonstehlen aus der kollektiven sleazy-listening-Orgie ? Sie etwa ? Na hören Sie mal !"
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"EXPERTIN"
Durchgeknallte Medizinerin als Leumund
Das alte Projekt 'Dudelstopp' gab einer Quacksalberin Gelegenheit, gegen vermeintlich gesundheitsschädliche Musikuntermalung zu polemisieren. Dies wurde seinerzeit sogar ins Englische übersetzt:
"Eigentlich bin ich ja Ärztin geworden, weil ich Menschen helfen wollte. Ich hab´ das während des Studiums mitbekommen, dass `Helfen´ durchaus auch ein gängiger Gedanke bei Kommilitonen war neben dem Mittwoch als Ruhetag. Die kriegen selbst die vielen Gesundheitsreformen nicht ganz aus einem raus, diese altruistische Grundeinstellung. Und deshalb hab´ ich da oft so´n ungutes Gefühl, wenn die Leute mit `ner gemeinen Grippe, mit Durchfall oder mit Ausschlag in meine Praxis kommen und ich lasse sie im Wartezimmer dann noch mit Radio HundertKommaKrampf zwangsbeschallen. Irgendwelche Verbandsfunktionäre haben nun einmal in den 90er Jahren festgelegt, dass die Gesellschaft der Sucht dieser bedauernswerten Lärmjunkies mit ihrer Stille-Phobie ebenso zu entsprechen hat wie beispielsweise dem Bedürfnis männlicher Singles über vierzig nach dem unbehelligten jährlichen Thailand-Urlaub.
Ich bin sicher, dass es positive Auswirkungen auf die Gesundheit hätte, würden die Produzenten von Musikkonserven gezwungen, Entschädigungen an unfreiwillige Zuhörer zu zahlen. Mit einer Vergütungsregelung unter umgekehrten Vorzeichen würde die Emittierung von Lärmprodukten für die Unterhaltungsindustrie wesentlich teurer, so dass sie sich sicher zweimal überlegen würde, wie häufig sie die Bevölkerung mit ihren Produkten `erfreuen´ will. Ich gehe für diesen Fall von einer deutlichen Reduktion der Belastung aus. Aber auch, wenn es so käme: Die Großen würden vermutlich zunächst überleben. Starke angelsächsische Typen wie Phil Collins oder Madonna würden sich wohl erst einmal weiterhin halten. Aber man könnte immerhin hoffen, dass die einheimischen Varianten wie Catterfield oder Sido zurückgedrängt würden oder wenigstens auf ihre natürliche Umgebung beschränkt blieben - schattige Hinterhöfe und Sozialquartiere - was natürlich ebenfalls nicht hinnehmbar wäre."
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