Initiative `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´Initiative `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´



Als soziale Bewegung, die sich u.a. mit satirischen Mitteln Gehör verschafft, engagiert sich die Initiative
`DUDELSTOPP– Musik ohne Zwang´ gegen unfreiwilligen Musikkonsum im alltäglichen Leben.
Handelt es sich bei diesen Leuten um Profilneurotiker und Sonderlinge oder haben sie tatsächlich recht,
wenn sie eine Gesellschaft fordern, in der Musik möglichst im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen soll ?



Lobbyistin
SEITENWECHSEL

Frühere Gegnerin als Förderin von heute

Als im Jahr 2007 die damals frisch gegründete Aktion `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´ gegen Freunde der Hintergrundmusik mobilisierte, hielt Dr. Sonja Peters (inzw.: Schmidt-Peters) vom Verband der dt. Beschallungsindustrie (VDBSI) als eine der wenigen Besonnenen mit nüchternen Argumenten dagegen. Heute arbeitet sie für uns.

# Hilfe für die Opfer musikalischer Bereicherung: Eine neu zu gründende Stiftung soll versöhnen

# Von wegen `Lärm macht krank´: Frieden und Harmonie mit der Unterhaltungsindustrie




Bahnfahrer
JUGEND

Musikeinsatz und körperliche Gewalt

Die Inhalte von Privatsendern wie RTL2 oder Pro7 lassen die Jugend nicht aggressiv werden oder verrohen, sondern bereiten sie im Gegenteil darauf vor, alltägliche Probleme in zivilisierter Form mit Hilfe von Argumenten in den Griff zu bekommen. Es gibt also Grund zur Hoffnung auf weiterhin angemessene Umgangsformen in der Bundesrepublik.

# Gegen überzogenen Schutz vor Smudo und Beyoncé: Einsatz für die lauschende Mehrheit




Katharina Gebhard beim legendären ersten Protest vor der Berliner GEMA-Zentrale, 2007
VORWURF

Streit um GEMA-Tarifreform

Durch die geplanten Tarifsteigerungen der Rechtegesellschaft GEMA für das öffentliche Abspielen von Musik sehen sich viele Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Nun geriet auch die Initiative `Dudelstopp´ in die Kritik: Mit ihrem Engagement soll sie den Boden für das umstrittene Vorgehen der Gema bereitet haben. Ein schwerer Vorwurf !

# Sich als Junkies enttarnende GEMA-Gegner: Da fällt einem glatt das Bier aus der Hand !




Bewerber Hardy Klaschka
AKTIVIST

Hardy Klaschka

Der ehemalige Musiker Hardy Klaschka versucht, unserer Initiative Fördergelder einer Hamburger Stiftung zu sichern. Um die Wirtschaft nicht zu verprellen, gibt er sich unter dem Deckmantel der `Satire´ vorübergehend tolerant gegenüber den Verteidigern und Profiteuren von Wartezimmer-, Fahrstuhl- und anderer Konservenmusik.

# Jetzt reicht´s uns aber mit dem demographischen Wandel: Kein Spielen der `Familienkarte´

# Klaschka fordert Augenmaß vom BMUB: Ermahnende Stellungnahme zum 'Tag gegen Lärm'


Initiative DUDELSTOPP
Impressum, Datenschutz




Hörspiel
'Abgesang auf Leo G.'
Realisiert von Hartmut Lühr
Wegen seiner zahlreichen Eskapaden verläuft die Karriere des Liedermachers Leo Greller nur mäßig erfolgreich. Aus seinem Revier, der Hamburger Reeperbahn, berichten Freunde und Bekannte von seinen Verstrickungen: Seine in erotischer Hinsicht frustrierte Freundin, die Barfrau einer Szenekneipe vom St.Pauli-Kiez, eine ältere Kolumnistin, die ihn verführen will, sein Manager, der sich wie ein Zuhälter aufführt, und ein ehemaliger Schulkamerad, den ein feuchtfröhliches Musikvideo von Greller ziemlich durcheinander bringt. So entsteht die aberwitzige Kurzbiografie eines eigenwilligen Künstlers, der sich an seiner Umwelt reibt, chaotisch ist und es ablehnt, sich vom Medienmarkt korrumpieren zu lassen.
mit Leo Greller (Musiker), Nina Ernst
(Freundin), Tom Wlaschiha (Schul-
kamerad), Branka Hanisch (Kolumnistin),
Thor W. Müller (Manager), Kerstin
Faude (Schwester), Uta V. Kohlen-
brenner (Barfrau)
40 Min. | 36 MB | DOWNLOAD / PLAY




Diese Satire entstammt der Politik- und Kunstplattform 'moderne21'



Aktionsvideo
'Aktionsvideo'
AKTIONSVIDEO

Video
Kritik am alten 'Dudelstopp'-Projekt
KRITIK AN UNS




Interviews über die Dudelstopp-Initiative / Dies sind keine Hyperlinks, sondern lediglich unverbindliche Hinweise auf Orte im Internet !
HR2 - youtu.be/BXL2m6w0aP0
DLR - youtu.be/A7HJB7l_lY0
DLF - youtu.be/-gMd_oyKHE4
DLF - youtu.be/BfPwPiCIhyI




Video
'Gema-Aktion 2007'
GEMA-AKTION

Video
'Zoff in der S-Bahn'
S-BAHN-CLIPP




an dieser Initiative beteiligte Aktivisten und Schauspieler
Katharina Gebhardt,
Nadia Panknin, Udo Wiegand,
Ingmar Skrinjar, Cem Atalay,
Judith Bareiß, Björn Roth.






"Ein paar Verwegene machen den Mund auf." (Der Verein LAUTSPRECHER AUS über Dudelstopp)
"Mit seiner Aktionskunst stößt [H. Lühr] auf viel Wohlwollen" (Manuela Braun in der KÖLNISCHEN RUNDSCHAU-online)
"Dudelstopp fragt provokativ: Wollen wir Friedhofsruhe?" (Sandra Lukosek auf TAGESSPIEGEL-online)




Ingmar Skrinjar (für die Initiative 'Dudelstopp')
BEHARRLICHKEIT

Ausbleibende Friedhofsruhe

Mit einer Klaren Kampfansage stellt sich die neue Dudelstopp-Crew gegen allzu platten Populismus im Kampf gegen vermeintliche Rücksichtslosigkeit: Es müsse ein fairer Ausgleich zwischen den Interessen der Musikindustrie und den wenigen Menschen herbeigeführt werden, die ihre Freiheit durch Unterhaltungsprodukte eingeschränkt sähen.

# Was Rocko Schamoni für die 'Hörstadt' ... das ist Leo Greller für 'Dudelstopp'




Katharina Gebhardt (für die Initiative 'Dudelstopp')
UMGANGSFORMEN

Flüche im öffentlichen Nahverkehr

Als die Aktion 'Dudelstopp' noch nicht vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie (VdBsi) beraten wurde, veröffentlichte sie ein grenzwertiges Video, mit dem sie den Bogen eindeutig überspannte. Darin hindert ein jugendlicher Fahrgast eine Frau in der S-Bahn durch überlautes Musikhören daran, ein Buch zu lesen, so dass die Situation eskaliert.

# Gegen Ästhetik-Fundamentalismus: Kritik an piepsenden und kehligen Stimmen oft überzogen




Cem Atalay (für die Initiative 'Dudelstopp')
ZEITDOKUMENT

Die 'böse Musikindustrie'

An dieser Stelle eine larmoyante Polemik der alten 'Dudelstopp'-Besetzung, die behauptet, dass die Entscheidungsträger der Beschallungsindustrie gar nicht daran dächten, die mutwillig losgetretene Lärmlawine aufzuhalten. Der Dudelterror sei daher ein beklagenswertes Symptom für die soziale Verrohung unserer Zeit. Auch und vielleicht gerade in den oberen Etagen.

# Die Musikindustrie und der Respekt vor dem Kommerz: Selbstmord oder Leben ?




Judith Bareiß (für die Initiative 'Dudelstopp')
GESCHICHTE

Was bisher bei 'Dudelstopp' geschah

Zunächst polterte man unter dem Slogan `Musik ohne Zwang´ heftig gegen die Freunde kostenloser Hintergrundmusik und heimste damit zahlreiche Solidaritätsbekundungen überforderter Verbraucher ein. Mit Aussagen wie „unter einem wummernden Kophörer ist selten die Intelligenz, aber um so häufiger das ADS-Syndrom zu Hause“ wurde billiger Beifall eingeheimst.

# Verbraucher-Initiative auf Selbstfindungs-Kurs: Desorientierende Pressemitteilung von 2007


Video
Dudelstopper bei der Arbeit
DUDELSTOPPER I

Video
Dudelstopper im ÖPNV
DUDELSTOPPER II




Information
Tag gegen Lärm 2023: am 26.04.
Dudelstopp: Diskussions-Protokoll




Interviews über die Dudelstopp-Initiative / Dies sind keine Hyperlinks, sondern lediglich unverbindliche Hinweise auf Orte im Internet !
Radio - youtu.be/Ma0lECEOfQY
Radio - youtu.be/0WpG4oy4-AQ
Radio - youtu.be/9DnJFJn5i-g
Radio - youtu.be/Ho90cheafiM




Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL1

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL2





Im Kontext zum Thema
GEMA
Bundesverband Musikindustrie
Hörstadt
Deutscher Musikrat




Initiative DUDELSTOPP
Fotostrecke, Teil 2








ZIVILGESELLSCHAFTLICHE INITIATIVEN UNTER DEM DACH VON moderne21:

DIE NAMEN DER BETEILIGTEN SIND AUF DEN JEWEILS VERLINKTEN SEITEN AUFGEFÜHRT





INITIATIVE

Über 'Dudelstopp - Musik ohne Zwang'

'Dudelstopp' ist eine zivilgesellschaftliche Initiative der offenen Politik- und Kunstplattform moderne21. Sie thematisiert seit sieben Jahren die Zunahme der Musikbeschallung im öffentlichen als auch privaten Raum und bedient sich dabei mitunter satirischer Mittel.

Die Mitstreiter werben zwar um Rücksicht für die kleine Minderheit von Menschen, die sich durch von Privatpersonen oder im kommerziellen Umfeld aufgedrängte Musik beeinträchtigt fühlt – im Supermarkt, durch Wohnungswände hindurch, im Wartezimmer und anderswo. Hierbei treten sie aber ebenso für die berechtigten Interessen der Unterhaltungsindustrie und gegen die Verteufelung offensiven Musikkonsums ein, kurz: Die Dudelstopp-Initiative setzt sich provokativ mit der Frage auseinander, wie eine Welt aussähe, in der Musik nur noch im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen dürfte.

Hinter Dudelstopp stehen zum einen Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen wollen, die bevorzugt einen statt zu spalten, und das lieber als Gut- denn als Wutbürger. Zum anderen wird die Initiative von aufgeschlossenen Vertreterinnen und Vertretern der Industrie unterstützt. Die Verfechter auditiver Selbstbestimmung wollen schlichten zwischen Menschen mit einer Abneigung vor den Musik-Emissionen anderer und Menschen mit einer Stille-Phobie. Man will vermitteln zwischen der Unterhaltungsindustrie und vermeintlichen Musikopfern. Ziel ist ein Ausgleich zwischen subjektiv Leidenden und berechtigten Wirtschaftsinteressen.

Eine Thematisierung der gesellschaftlichen Ursachen für schwindende Rücksichtnahme sowie der wachsenden Furcht vieler Bürger vor Stille und damit assoziierter Einsamkeit will Dudelstopp vermeiden, denn die hierfür ursächlichen Veränderungen des Sozialverhaltens durch den demographischen Wandel gelten in den Massenmedien zu Recht als Tabu. Darüber hinaus ist nicht bewiesen, dass das immer häufigere Fehlen von Geschwistern oder Vätern in der typischen modernen Familie automatisch zu egoistischerem Verhalten oder gar der Verrohung junger Menschen führt. Wissenschaftliche Belege hierfür stehen aus oder werden aus guten Gründen nicht veröffentlicht.

Um konkrete Verbesserungen im Verhältnis zwischen Produzenten und freiwilligen als auch unfreiwilligen Konsumenten von Musikprodukten zu erreichen, forderten die Satire-Aktivisten in der Vergangenheit bereits die Umkehr des Vergütungsprinzips der GEMA und wollten so den Geldstrom weg von den Musikern in Richtung der Hörer umleiten. Obwohl die GEMA allgemein als modern und aufgeschlossen gilt, wurde diese Idee bisher nicht aufgegriffen. Auch eine für die Hersteller von Abspielgeräten angeregte spezielle 'Dudelstopp'-Taste für DVD-Player zum An- und Ausschalten von Filmmusik wurde bisher nicht realisiert.

Verschwörungstheorien wird eine klare Absage erteilt, wie etwa der, nach welcher durch das Zusammenspiel funktioneller Musik und zugegebenermaßen oftmals penetranter Stimmen beispielsweise von Radiomoderatoren altmodische und übertriebene Qualitätsansprüche abgesenkt werden sollen, um die Verbraucher abstumpfen und unkritischer werden zu lassen. Reißerische Slogans aus den frühen Tagen der Dudelstopp-Initiative á la „Unter einem wummernden Kopfhörer steckt selten ein wacher Geist aber häufig das ADS-Syndrom“ werden von den Aktivisten mittlerweile ebenfalls ausdrücklich abgelehnt. Stattdessen weist man heute alle Versuche zurück, die freie Persönlichkeitsentfaltung, die einst hart erkämpft wurde, in Sachen Musik wieder zurückzuschrauben. Nur sollte sich diese Freiheit nicht nur auf aktiv nachgefragte Beschallung beziehen, sondern auch auf passiv erlittene.


QUIET HOURS

Erste Lernerfolge in südäquatorialen Supermärkten

Nach verschiedenen Pressemeldungen haben Neuseeländische Supermärkte mit sogenannten 'Quiet Hours', während deren unter anderem die Musikbeschallung ausgesetzt wird, gute Erfahrungen gemacht und werden diesen Service fortsetzen beziehungsweise weiter ausbauen. Ursprünglich war die Maßnahme für autistische Besucher gedacht, fand aber schnell über diesen Personenkreis hinaus Zuspruch.


ZWANGLOS

Frühere Gegnerin als Förderin von heute

Als im Jahr 2007 die damals frisch gegründete Aktion `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´ gegen Freunde der Hintergrundmusik öffentlich lospolterte und dabei auch noch jede Menge Solidaritätsbekundungen einheimste, hielt Dr. Sonja Peters vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie als eine der ganz wenigen mit guten Argumenten dagegen. Heute betreut sie in führender Position die neue Aktion `Dudelstopp´.

Dr. Sonja Peters (Projekt 'Dudelstopp')Über ihre Vorgänger sagt sie: „Bei den Gründern von Dudelstopp handelte es sich um verantwortungslos handelnde Akteure mit wirtschaftsfeindlichen Tendenzen, die offenbar ein Problem mit der gesellschaftlichen Realität der Bundesrepublik des Jahres 2007 hatten. Ihr Hauptfehler lag in der Verwechslung von Ursache und Wirkung: Geben Sie einem Gewalttäter ein Küchenmesser, woraufhin er jemanden damit ersticht - dann ist nicht der Hersteller des Messers Schuld an der Tat. Für die Musik in Händen von hyperaktiven Zappelphilippen ohne häusliche Ansprache aber dafür mit nervendem mp3-Player sind nicht die Produzenten von Musikerzeugnissen verantwortlich. Ebenso wenig für die rapide wachsende Zahl von Freizeithedonisten mit Aufmerksamkeitsdefizit und wummerndem Autoradio. Und erst recht nicht für Verkaufsleiter im Einzelhandel, die ihren Ramsch mit Produkten der Beschallungsindustrie aufzuwerten hoffen."
Im Juli 2007 nahm Frau Dr. Sonja Peters die Einladung des Dudelstopp-Projekts für eine Podiumsdiskussion im Berliner Kunsthaus Tacheles an, obwohl sie damals eigentlich gerade sehr ausgelastet war mit der Öffentlichkeitsarbeit für das VDBSI-Projekt einer Hundert-Bahnhöfe-Beschallungsinitiative. Bei dieser Gelegenheit übernahm sie das Ruder von den sichtlich überforderten Dudelstopp-Gründungsaktivisten und sorgt seither mit Geschick und Eleganz für eine ausgewogenes und politisch korrektes Auftreten des Projekts.


AUSGLEICH

Stiftung für unfreiwillige Musikhörer ?

Die Unterhaltungsindustrie versorgt Musikfreunde mit immer perfekteren Erzeugnissen. Sowohl der öffentliche als auch der private Raum werden folgerichtig seit Jahren zunehmend durch Gesang und anregende Rhythmen bereichert. Die allermeisten Menschen begrüßen dies. Aber auch diejenigen, die den Aspekt der Freiwilligkeit gestärkt und ihre Privatsphäre deutlicher geschützt sehen wollen, erfahren neuerdings Unterstützung. Sowohl durch zivilgesellschaftliche Initiativen als auch durch aufgeschlossene Vertreter der Wirtschaft.

Befürworter auditiver Selbstbestimmung gehen auf die Industrie zu Eine kleine Gruppe von Bürgern sieht ihre Lebensqualität durch die zunehmende Präsenz von Musikprodukten beeinträchtigt. Offenbar wird nicht aktiv nachgefragte Musik von diesen Zeitgenossen zunehmend als Gewalt empfunden, gegen die sie sich kaum wehren können und unter der sie leiden. Zwar wird der von einigen wenigen als aggressiv empfundene Einsatz dieser Erzeugnisse von den Herstellern mit Sicherheit nicht gutgeheißen, aber dennoch fühlt sich eine Minderheit unfreiwilliger Konsumenten in ihrem Bedürfnis nach auditiver Selbstbestimmung von der Gesellschaft und den Anbietern von Unterhaltungselektronik und Gebrauchsmusik alleine gelassen.
Zivilgesellschaftliche Initiativen wie 'Dudelstopp' greifen hier helfend ein, indem sie auf Entscheidungsträger der Industrie zugehen, um sie auf vereinzelte Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Konkret schlagen die 'Dudelstopper' die Einrichtung einer gemeinnützigen Stiftung für diejenigen vor, die sich durch den immer häufiger als störend empfundenen Einsatz von Geräten der Unterhaltungsbranche beeinträchtigt fühlen. Damit könnten Lärmschutzmaßnahmen, therapeutische Hilfe und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden. So würde zwischen den subjektiv Leidenden und den berechtigten Interessen der Wirtschaft ein Ausgleich geschaffen.
Die 'Dudelstopp'-Aktivisten bieten an, den Prozess der Einrichtung einer solchen Stiftung beratend zu begleiten, da sie bereits seit einigen Jahren mit der Problematik vertraut und für Belange des Minderheitenschutzes sensibilisiert sind.


HARMONIE

Frieden mit der Unterhaltungsindustrie

'Dudelstopp' ist eine zivilgesellschaftliche Initiative der offenen Politik- und Kunstplattform moderne21. Sie thematisiert die Zunahme der Musikbeschallung im öffentlichen als auch im privaten Raum und nutzt dabei satirische Mittel.

Die Mitstreiter werben zwar um Rücksicht für die kleine Minderheit von Menschen, die sich durch aufgedrängte Musik beeinträchtigt fühlt - im Supermarkt, durch Wohnungswände hindurch, im Wartezimmer. Hierbei treten sie aber auch für die berechtigten Interessen der Unterhaltungsindustrie und gegen die Verteufelung offensiven Musikkonsums ein, kurz: Die 'Dudelstopp'-Initiative setzt sich provokativ mit der Frage auseinander, wie eine Welt aussähe, in der Musik nur noch im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen dürfte.

Hinter 'Dudelstopp' stehen zum einen Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen wollen, die bevorzugt einen statt zu spalten, und das lieber als Gut- denn als Wutbürger. Zum anderen wird die Initiative von aufgeschlossenen Vertreterinnen und Vertretern der Industrie unterstützt, wie dem Verband der deutschen Beschallungsindustrie (VdBsI) mit der rastlosen Dr. Sonja Peters. Bei 'Dudelstopp' will man schlichten zwischen Menschen mit einer Abneigung vor den Musik-Emissionen anderer und Menschen mit einer Stille-Phobie, man will vermitteln zwischen der Unterhaltungsindustrie und vermeintlichen Musikopfern. Ziel ist ein Ausgleich zwischen subjektiv Leidenden und berechtigten Wirtschaftsinteressen.
Eine Thematisierung der gesellschaftlichen Ursachen für schwindende Rücksichtnahme sowie der wachsenden Furcht vieler Bürger vor Stille und damit assoziierter Einsamkeit will 'Dudelstopp' vermeiden, denn die Veränderungen des Sozialverhaltens durch den demographischen Wandel gelten in den Massenmedien zu Recht als Tabu. Darüber hinaus ist es nicht bewiesen, dass das immer häufigere Fehlen von Geschwistern oder Vätern in der typischen modernen Familie automatisch zu egoistischerem Verhalten oder gar der Verrohung junger Menschen führt. Wissenschaftliche Beweise hierfür stehen aus oder werden aus guten Gründen nicht veröffentlicht.


JUGENDGEWALT

Musikeinsatz und körperliche Gewalt

Als die Aktion 'Dudelstopp' noch nicht vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie (VdBsi) beraten wurde, veröffentlichte sie ein grenzwertiges Video, mit dem sie den Bogen eindeutig überspannte.

Im Video hindert ein jugendlicher Fahrgast eine junge Frau in der S-Bahn durch überlautes Musikhören daran, ein Buch zu lesen. Als diese ihm sein Fehlverhalten verdeutlichen will, bedroht er sie wiederholt, so dass sie schließlich den Sitzplatz wechseln muss. Man wollte mit Hilfe des Clipps, vermutlich Verständnis wecken für Menschen mit so wenig Selbstbewusstsein, dass ein junger Mann einen mit seiner offen zur Schau getragenen Liebe zur Musik ausfallend werden lässt. Die damaligen Dudelstopper verstiegen sich sogar zu der völlig unhaltbaren These, der gesellschaftliche Wandel mit seinen Auswirkungen auf die Familienstrukturen würde die Menschen im direkten Umgang miteinander rücksichtsloser agieren lassen. Diese Single-feindliche Unterstellung wurde jedoch schnell anhand der Zuschauerkommentare widerlegt:
Darsteller von der Initiative 'Dudelstopp'"Die Alte kann echt froh sein, dass der Hunk ihr nicht ordentlich was auf die Fresse gegeben hat ",
"Diese eingebildete Buchleserin hat wirklich mit dem Feuer gespielt: nur weil der junge Rüpel auf Musik abfährt, heißt das ja wohl noch lange nicht, dass er aus verrüteten Familienverhältnissen stammen muss. Und wenn, dann wäre das vielleicht nur reiner Zufall".

Diese Zitate belegen, dass es um die Diskussionskultur in diesem Land längst nicht so schlecht bestellt ist, wie uns Kulturpessimisten dies seit Jahren einreden wollen. Die Inhalte von Privatsendern wie RTL2 oder Pro7 lassen die Jugend eben gerade NICHT verrohen und Aggressionen aufbauen, sondern bereiten sie ganz im Gegenteil darauf vor, alltägliche Probleme in unaufgeregter Form mit Hilfe von Argumenten in den Griff zu bekommen. Es gibt also ausreichend Grund zur Hoffnung auf weiterhin zivilisierte Umgangsformen in der Bundesrepublik - egal, ob junge Menschen in altmodischen Familien aufwachsen oder schon früh autonom auf sich selbst gestellt sind. Das Selbstverständis des neuen Projekts 'Dudelstopp' berücksichtigt diese Einsicht bei ihren für die nahe Zukunft geplanten Aktionen.


ÄSTHETIK

Kritik an sog. 'Piepsstimmen' ist frauenfreindlich

Die ganz überwiegende Mehrheit der Bundesdeutschen hat sich längst daran gewöhnt, bei der medialen Präsenz weiblicher Schauspielerinnen, Politikerinnen oder Expertinnen über deren teilweise als sehr unangenehm empfundenen Sprechstimmen tolerant `hinwegzuhören´. Auf dem Weg zu einer gerechteren Mediengesellschaft ohne Diskriminierungen ist diese Entwicklung zweifellos zu begrüßen.

Frauen mit unzumutbarer Stimme dürfen massenmedial nicht ausgegrenzt werdenDurften Zuschauerinnen und Zuschauer, Zuhörerinnen und Zuhörer von Fernseh- und Radioprogrammen seit Beginn der elektronischen Massenmedien hierzulande bis in die Achtziger Jahre hinein die wohlklingenden Stimmen von Dagmar Berghoff, Angelika Unterlauf oder Karin Anselm angenehm auf sich wirken lassen, so haben sie heute mit den enervierenden verbalen Emissionen von Barbara Salesch, Heidi Klum oder Charlotte Roche zu leben gelernt.
Lange vorbei sind die Zeiten als nur Frauen mit einer angenehmen Stimme es in die Programme der Fernseh- und Radiosender schafften und solche mit einem entsprechenden landläufig als unangenehm empfundenen `schrillen´ oder `piepsigen´ Organ empfohlen wurde, ihrem für andere unzumutbaren Manko mit Hilfe einer logopädischen Behandlung zu Leibe zu rücken.

Die von einer politisch unkorrekten und möglicherweise latent frauenfeindlichen Minderheit als unangenehm empfundenen Sprechstimmen gewisser Schauspielerinnen, Journalistinnen und anderer Aktricen des medialen und öffentlichen Lebens signalisieren dem modernen Teil der Bevölkerung, dass die Angleichung der Geschlechter auf einem guten Weg ist, wenn von weiblichen Menschen nicht mehr automatisch erwartet wird, angenehm auf ihre Umwelt zu wirken. Die Sozialdemokratisierung der elektronischen Medien seit der Einführung der Privatsender hat ihren Beitrag dazu geleistet. Das einst schöne und ästhetisch anspruchsvollere Geschlecht hat sich besonnen und tritt mittlerweile zum Glück ebenso aggressiv und bisweilen eben auch `nervig´ auf, wie das ehemals `starke´ Geschlecht.

Der geschlechterbezogenen Fairness halber sei angemerkt, dass es natürlich ebenfalls eines stabilen (Trommel-)Felles bedarf, Til Schweiger und Hannes Jaenicke beim Nuscheln oder Martin Semmelrogge beim Lallen zuzuhören. Für die männlichen Promi-Stimmen stellt sie jedoch Anfang und zugleich auch schon Abschluss der entsprechenden Täterliste dar.


EN DETAIL

Flüche im öffentlichen Nahverkehr

Die Projektreihe 'Dudelstopp' ist das älteste, der vier gesellschaftspolitischen Unternehmungen der freien Kunst- und Politikplattform moderne21 aus Berlin. Es startete unter großer öffentlicher Anteilnahme bereits im Frühjahr 2007 und nähert sich seither auf Zickzackkurs seinem eigentlichen Anliegen.

Unter der Erstbesetzung des Projekts ging man bei den damaligen 'Dudelstoppern' alles andere als zimperlich mit Andersdenkenden um. So wurde trotz der Brisanz des Themas selbst vor polemischen Slogans wie `Unter einem wummernden Kopfhörer steckt selten ein wacher Geist´ nicht zurückgeschreckt. Im Internet kursierte ein leider sehr populärer Videoclip zum Thema. Im August 2007 fand ebenfalls noch unter der alten Projektleitung im Berliner Kunsthaus Tacheles eine Podiumsdiskussion zum überambitionierten Thema `Musik ohne Zwang´ statt. Hierbei war glücklicherweise erstmals auch die offizielle Vertreterin der deutschen Beschallungsindustrie zugegen, Frau Sonja Peters, die heute übrigens unser neuausgerichtetes Projekt mit Rat und Tat unterstützt. Der `Verband der deutschen Beschallungsindustrie´ (VDBSI) reagierte damals offiziell auf das Dudelstopp-Projekt: In einer Presseerklärung wurde den damaligen Dudelstopp-Mitgliedern unfairer Umgang mit der Musikindustrie vorgeworfen. Auf den Dudelstopp-Essay `Wer nicht hören will muss leiden´ konterte VDBSI mit dem Text einer fähigen Mitarbeiterin. Im Mai 2008 wurde der polemische Dudelstopp-Clipp "Zoff in der S-Bahn wegen Musik" (bzw. 'Hater gegen Tussi') veröffentlicht und im Berliner `Kunsthaus Tacheles´ vorgestellt. Mit diesem auf jugendliche Internetsurfer ausgerichteten Clipp hatte man eindeutig überzogen, was die Beschallungsindustrie den damaligen 'Dudelstopp'-Verantwortlichen glücklicherweise nachhaltig deutlich machen konnte. Seither steht das Projekt unter neuer Aufsicht durch Frau Sonja Peters.
Für 2010 sind nun weitere konstruktive und mit der Musik- und Unterhaltungsindustrie abgestimmte Aktionen geplant, bei denen auf den zwanglosen Ausgleich zwischen der großen Masse der Musikbefürworter und der kleinen Minderheit von Musikabstinenzlern abgezielt werden wird. Die aggressiven und provokativen Töne aus den frühen Tagen des Projekts 'Dudelstopp' gehören hierbei ganz bewusst der Vergangenheit an. Ein harmonisches Miteinander scheint nach langer Zeit des Missvergnügens auf beiden Seiten möglich.


MOTTI

Berliner Fuckparade für Tacheles

Im August 2012 fand in Berlin die jährliche `Fuckparade´ statt. An dem inoffiziellen Loveparade-Ersatz nahmen Tausende junge Menschen mit sichtbaren leichten, mittleren und auch schweren Drogenproblemen teil. Somit leistete die Veranstaltung einen wichtigen Beitrag zur prophylaktischen Integration von Menschen, die absehbar in wenigen Jahren schwer krank sein und das Gesundheitssystem belasten werden.

Dass weniger Kritik und mehr Mitleid mit den jungen Chillern angebracht ist, wurde bereits auf der Anfahrt zum Treff- und Ausgangspunkt der FuPa um 15 Uhr am Mauerpark (Eberswalder Strasse) deutlich: In der berühmtberüchtigten `Partytram´ M10 der Berliner Verkehrsbetriebe, in der man bereits tagsüber unter der Woche scheele Blicke von den Mitfahrenden erntet, wenn man keine gut sichtbare Bierflasche (besser noch: Whiskey) bei sich trägt, zeugen Gegröle und sinnloses Gelalle von der guten Laune der anreisenden Demo-Teilnehmer.

Dass die Mehrzahl der Teilnehmer auf legalen sowie illegalen Drogen war, konnte man unschwer an zwei der mit Hilfe der FuPa vorgetragenen Anliegen erkennen: Zum einen wurde vehemente Kritik an der geplanten Gebührenreform der GEMA geübt. Hierzu muss man wissen, dass die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte seit Jahrzehnten erfolgreich für eine Reihe von Musikern und Textern in Bundesrepublik tätig ist, und dass man sich in Deutschland aus gutem Grunde instinktiv dagegen sträubt, große bürokratische Strukturen auf ihre Sinnfälligkeit zu überprüfen (Siehe auch die sogenannten ARGEs). Zum anderen meinten die Veranstalter der Demonstration, sich mit dem akut von Zwangsräumung bedrohten weltbekannten Berliner `Kunsthaus Tacheles´ solidarisieren zu müssen, obwohl die für den 04. September 2012 angesetzte Zwangsräumung auf Initiative der seriösen SOS Mordbank, der nur Miesmacher und Erbsenzähler vorwerfen, ein marodes Kreditinstitut su sein, zustande kam.


ENGAGEMENT

Einsatz für die lauschende Mehrheit

Um konkrete Verbesserungen im Verhältnis zwischen Produzenten und freiwilligen als auch unfreiwilligen Konsumenten von Musikprodukten zu erreichen, wirbt die Initiative 'Dudelstopp' für die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds durch die Unterhaltungsindustrie. Er ist für diejenigen gedacht, die sich durch den zunehmenden Einsatz vermeintlich allgegenwärtiger Abspielgeräte beeinträchtigt fühlen. Mit Hilfe eines geringen finanziellen Beitrags der Hersteller von Unterhaltungselektronik könnten bereits in naher Zukunft Lärmschutzmaßnahmen, therapeutische Hilfe und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden.

Es handelt sich dabei nicht um den ersten Vorschlag der 'Dudelstopper': In der Vergangenheit forderten die Satire-Aktivisten bereits die Umkehr des Vergütungsprinzips der Gema und wollten so den Geldstrom weg von den Musikern in Richtung der Hörer umleiten. Obwohl die Gema allgemein als modern und aufgeschlossen gilt, wurde diese Idee bisher nicht aufgegriffen. Auch eine für die Hersteller von Abspielgeräten angeregte spezielle 'Dudelstopp'-Taste für DVD-Player zum An- und Ausschalten von Filmmusik wurde bisher nicht realisiert.
Die Akteure der Initiative 'Dudelstopp' verblüffen unterdessen mit ungewöhnlich offenen und ehrlichen Positionen: So vertreten sie die These, dass die Bereitstellung von Gratisbeschallung im öffentlichen Raum ein Segen für alle diejenigen ist, die sich teure Musik nicht leisten könnten – hiermit wird nicht zuletzt eine Lanze für Millionen Hartz IV-Abhängige gebrochen. Übersensitiven Musikgegnern halten sie unterdessen vor, dass diese weitaus mehr Toleranz einfordern als Menschen mit einem gesunden Bedürfnis nach musikalischer Untermalung und Akzentuierung ihres Alltagslebens.
Auch Verschwörungstheorien wird eine klare Absage erteilt, wenn die Aktivisten um Dr. Sonja Peters und Hartmut Lühr bestreiten, dass durch das Zusammenspiel funktioneller Musik und zugegebenermaßen penetranter Stimmen beispielsweise von Radiomoderatorinnen altmodische und übertriebene Qualitätsansprüche abgesenkt werden sollen, um die Verbraucher abstumpfen und unkritischer werden zu lassen. Stattdessen werden konsequent alle Versuche zurückgewiesen, die freie Persönlichkeitsentfaltung, die einst hart erkämpft wurde, in Sachen Musik wieder zurückzuschrauben.


WIE ALLES BEGANN I

Ausbleibende Friedhofsruhe

Das Projekt 'Dudelstopp' beschäftigt sich mit Gratismusik im öffentlichen Raum. Zunächst polterte man unter dem Slogan `Musik ohne Zwang´ heftig gegen die Freunde kostenloser Hintergrundmusik und heimste damit zahlreiche Solidaritätsbekundungen überforderter Verbraucher ein. Mit Aussagen wie „unter einem wummernden Kophörer ist selten die Intelligenz, aber um so häufiger das ADS-Syndrom zu Hause“ wurde billiger Beifall eingeheimst. Einer differenzierten Betrachtung der komplizierten Problematik um Hintergrundmusik, die für viele die Lebensqualität erhöht und sie für wenige reduziert, war das alles eher hinderlich.

Zuviel Stille schadet der psychischen Gesundheit Die Stopper führten Musikkonservenattacken von Jugendlichen -beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr- als Beleg für die Entzivilisierung junger Menschen an: Heranwachsende wüssten durch das immer häufigere Fehlen von Geschwistern oder Vätern in der typischen modernen Familie mit Werten wie `Rücksicht´ nichts mehr anzufangen. Aussagen dieser Art mussten ohne ausreichende wissenschaftliche Beweise haltlos bleiben und stießen verständlicherweise bei den Redakteurinnen der öffentlich-rechtlichen Massenmedien auf wenig Gegenliebe. Die Aktion drohte für die Öffentlichkeit in Vergessenheit zu geraten.
Gegen die viel zu einseitige Vorgehensweise der Dudelstopper wandte sich Dr. Sonja Peters aus München-Schwabing: „Es muss ein fairer Ausgleich zwischen den Interessen der Musikindustrie und den wenigen Menschen herbeigeführt werden, die ihre Freiheit durch umsonst bereitgestellte Unterhaltungsprodukte aus welchen Gründen auch immer eingeschränkt sehen.“ Mit dieser klaren Kampfansage gegen allzu platten Populismus auf dem Rücken der durch die negativen sozialpsychologischen Begleiteffekte des demografischen Wandels ohnehin schwer angeschlagenen Jugend setzte sich die smarte BWL-Dozentin aus Bayern durch und wird in Zukunft das Image von Dudelstopp weiter entradikalisieren. Peters´ neuer Slogan für das Projekt lautet „Wollen wir Friedhofsruhe ?“.


dudelstopp-box


WIE ALLES BEGANN II

Desorientierende Pressemitteilung (2007)

Unter dem Titel `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´ unterstützt die Plattform moderne21 im Frühjahr 2007 ein Projekt gegen aufgezwängte Musik im öffentlichen Raum.

Die Regeln für das Trauerspiel der akustischen Umweltverschmutzung in Deutschland -ein profitables Geschäft für wenige Nutznießer- stehen seit vielen Jahren fest: Überall, wo in Kaufhäusern Konsumenten mehr oder weniger unfreiwillig mit den Werken von Xavier Naidoo oder Christina Aguilera beschallt, wo in den Wartezimmern der Arztpraxen ohnehin kranke Menschen noch zusätzlich mit Dudelradio auf HundertKommaKrampf geschwächt werden und wo in Restaurants und Bars von den Besuchern trotz Bushido oder Pur tapfer gute Miene zum bösen Spiel zu machen versucht wird, kassieren die GEMA und in ihrem Gefolge die Medienverlage Gebühren für die vor vielen ungefragt aufgeführte Musik. Meinungsmacher, Politiker und Wirtschaftslobbyisten behaupten leider nach wie vor das Erwünschtsein allgegenwärtiger Beschallung und entmutigen so Millionen Geschädigte, sich gegen die Auswüchse öffentlicher Berieselung zur Wehr zu setzen.
Katharina Gebhardt (ursprüngliches Projekt 'Dudelstopp') In die immer wieder verschleppte Debatte um aufgedrängte Klangerzeugnisse kommt jedoch seit einiger Zeit erneut Bewegung: Gestützt von moderne21 wird erstmals öffentlich über die Umkehr der Vergütungsprinzipien nachgedacht, wonach Pauschalzahlungen an die durch unfreiwilligen Musikkonsum geschädigten Hörer entrichtet werden könnten. Die Musikindustrie ist daher aufgerufen, auf die Bürger zuzugehen und die von ihr verursachten und leider nach wie vor vom Staat gestützten akustischen Zumutungen auf ein erträgliches Maß zurückzufahren - und sei es nur, um die möglicherweise sonst bald fälligen Zahlungen an die Geschädigten einzudämmen.

Wegen der mittlerweile erfolgten inhaltlichen Neuausrichtung von `Dudelstopp´ distanzieren wir uns von obenstehender Pressemitteilung. Sie hat lediglich archivarischen Charakter.


GEGENPOSITION

Selbstmord aus Angst vor dem Leben ?

Einst kämpfte man für die freie Persönlichkeitsentfaltung – heute will man sie in Sachen Musik wieder zurückschrauben ... ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ist die Individualisierung nun eine gute Sache oder neuerdings wieder nicht ? Akzeptieren wir musikbejahende Lebensstile als gleichberechtigt oder wollen wir vielleicht doch lieber ein bisschen gleicher sein als andere ?

Musik als Waffe ? Neue soziale Bewegungen, zu denen sich auch die Gruppe `Dudelstopp´ zählt, sind traditionell von fortschrittlicher Gesinnung. Dennoch bringen es die Musikfeinde fertig, die Angehörigen des in ihren Augen besonders rücksichtslosen 68er-Milieus, also unbestritten die Ziehväter und Ziehkinder moderner Protestinitiativen, als Unruhestifter in den Chefsesseln der Unterhaltungsindustrie auszumachen. Was die Dudelstopp-Aktivisten nicht wahrhaben wollen: Nicht der Lärm nimmt zu – wir haben es jedoch häufiger mit übersensitiven Personen zu tun ! Und anders als umgekehrt verhalten wir uns denen gegenüber tolerant: Der VDBSI versucht nicht Menschen, die die modernen Zivilisationsgeräuschen ablehnen, daran zu hindern, in Meditationsworkshops, Schweigeseminaren oder Klosterklausuren nach Stille suchen. Wir Musikbefürworter müssen übrigens ebenfalls ungefragt zuhören, wenn die Massenmedien über populistische Bürgerbewegungen wie Dudelstopp berichten und sind trotzdem souverän genug, hier nicht unsererseits einen Betroffenheits- bzw. Laberstopp zu fordern.
Zum Totschlag-Argument 'Guantanamo': Musik kann also auch als Waffe eingesetzt werden ? Welch atemberaubende Erkenntnis ! Wie meinte Loriot doch einst: Marzipan in großen Mengen sei mindestens ebenso unbekömmlich wie konventionelle Schützenpanzerwagen ... Wir geben gerne zu, dass dies sicher auch für große Mengen an Gebrauchsmusik gilt. Aber wer bitte verbringt denn tatsächlich mehr als ein paar Stunden pro Woche in Warenhäusern oder musikbeschallten Wartezimmern von Arztpraxen ? Und ist Musik als Waffe -wenn sie denn als solche missbraucht wird- nicht tatsächlich anderen Gewaltmitteln vorzuziehen ? Ist ihr Einsatz nicht sympathischer als mit Messern aufeinander loszugehen und somit gar als zivilisatorischer Fortschritt zu sehen ? Eine solche Sichtweise erschließt sich einem allerdings nur dann, wenn man nicht hoffnungslos in der eigenen Opfermentalität verfangen ist. Hier ist der VDBSI bei den Dudelstopp-Sympathisanten leider wenig optimistisch. Aber wir wollen gerne weiter hoffen.


BEHARRLICHKEIT

Gegner aggressiven Musikvertriebs legen nach

Der Hamburger Verein `Lautsprecher aus!´ unterstützt als Teil der weltweiten `Pipe down´- Bewegung die Initiative `Dudelstopp´ bei ihrem Vorstoß, den `Bundesdeutschen Musikverband e.V.´ (BVMI) zu einer Zusammenarbeit für mehr Verbraucherschutz zu bewegen. Der BVMI ignoriert bisher das Angebot der zivilgesellschaftlichen Initiative 'Dudelstopp', gemeinsam die Einrichtung eines Hilfsfonds für die Opfer aufgedrängter Musik im öffentlichen Raum voranzutreiben. Das Gesprächsangebot an den BVMI wird weiterhin aufrecht erhalten.

Auch der Hamburger Verein `Lautsprecher aus!´ kritisiert die schädlichen Auswüchse der Unterhaltungsindustrie Durch die Solidarität des gemeinnützigen Vereins `Lautsprecher aus!´ mit dem Vorstoß der Dudelstopper erfahren diejenigen, die das Recht auf auditive Selbstbestimmung gestärkt sehen wollen, zusätzliche Unterstützung. Dietrich Claus vom Verein `Lautsprecher Aus !´, dessen Ziele unter anderem von Justus Franz, Kurt Masur und Dieter Hallervorden befürwortet werden, sieht sich dem `11.Gebot – Du sollst nicht lärmen!´ des Schriftstellers Robert Gernhardt verpflichtet: „Unfreiwillige Verbraucher sind letztendlich ebenfalls Verbraucher, denen ein Mindestmaß an Schutz nicht länger vorenthalten werden darf. Wir unterstützen daher das Vorgehen der Initiative `Dudelstopp´, die mit satirischen Mitteln ein Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, unter dem eine wachsende Anzahl von Menschen leidet.“
Die zivilgesellschaftliche Initiative `Dudelstopp´ sieht ihre Aufgabe darin, auf Entscheidungsträger der Musikindustrie zuzugehen, um sie auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Konkret schlagen die Dudelstopper die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds aus Abgaben auf Musikprodukte für diejenigen vor, die sich durch die Geräte der Unterhaltungsbranche beeinträchtigt fühlen. Mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand könnten Lärmschutzmaßnahmen und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden. Auf diese Weise würde zwischen den subjektiv Leidenden und den berechtigten Interessen der Wirtschaft ein Ausgleich geschaffen. Die Dudelstopper sind zuversichtlich, dass die Musikindustrie sich ihren berechtigten und zudem maßvollen Forderungen nicht mehr lange entziehen kann.


EVENTKULTUR

Stellungnahme zum 'Tag gegen Lärm'

Initiative fordert Umweltbundesamt zu Augenmaß gegenüber Musikindustrie auf

Seit sieben Jahren setzt sich die Initiative 'DUDELSTOPP' sowohl politisch als auch künstlerisch mit dem Phänomen unfreiwilligen Musikkonsums auseinander: Als soziale Bewegung, die sich unter anderem mit satirischen Mitteln Gehör verschaffte, engagierte sich `DUDELSTOPP´ zunächst gegen den häufig als aggressiv empfundenen Einsatz kommerziell genutzter Musik im öffentlichen Raum. Ging man anfangs noch davon aus, dass der Widerstand gegen die von vielen als Symptom sozialer Verrohung empfundenen aufgedrängten Tonkonserven wachsen würde, ist man mittlerweile schlauer und bietet sich der Musikindustrie als kompetenter Ansprechpartner an.

LautsprecherAuch in diesem Jahr wird das Anliegen verminderter Musikemissionen unterstützt durch den 'Tag gegen Lärm' ('International Noise Awareness Day' - Link) der Deutschen Gesellschaft für Akustik e.V. am 29.April. Gefördert wird die Aktion vom Umweltbundesamt im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Das BMUB wiederum tat sich jüngst hervor, indem es jenseits wissenschaftlicher Neutralität Journalisten mit abweichender Meinung zum Klimaschutz, wie Dirk Maxeiner und Michael Miersch von der WELT, in einer offiziellen Broschüre negativ heraus-, manche sagten auch 'an den Pranger' stellte.
Die Initiative 'DUDELSTOPP', die sich mitnichten - wie mancherorts behauptet - von der Musikindustrie kaufen ließ und die auf ihrem Logo neuerdings provokativ fragt 'Wollen wir Friedhofsruhe ?', möchte den Beamten des BMUB ausdrücklich davon abraten, im Fall des vermeintlichen Musiklärm-Phänomens ebenso unorthodox zu verfahren, wie beim Klimawandel, und Zweifler sowie Abweichler öffentlich abzustrafen.
Vielmehr sollten positive Beispiele besser herausgestellt werden, wie etwa der Hamburger Verein 'PIPEDOWN - Lautsprecher aus', der zwar wenig Sensibilität für die berechtigten Belange der Unterhaltungsindustrie erkennen lässt, jedoch musikgeplagten Bürgern immerhin ein Forum bietet, ihrem Frust Luft zu machen.

Hardy Klaschka von 'Dudelstopp': "Das BMUB hat sich am Beispiel des unleugbaren 'Klimawandels' jüngst einen Namen gemacht, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen geschickt unter seinem Dach zusammenzuführen. Nun ist es allerdings gefordert, beim künstlich aufgebauschten Reizthema 'Musik-Emissionen' Augenmaß zu beweisen und nicht über das Ziel hinauszuschießen."


HALTLOSER VORWURF

`Dudelstopp´ dementiert Einflussnahme auf Gema

Durch die geplanten Tarifsteigerungen der Musikrechtegesellschaft Gema für das öffentliche Abspielen von Musik sehen sich viele Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Nun geriet auch die Initiative `Dudelstopp´ in die Kritik: Mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement gegen unfreiwilligen Musikkonsum im öffentlichen Raum soll sie den Boden für das umstrittene Vorhaben der Gema bereitet haben. Die Kulturaktivisten weisen die Vorwürfe von sich.

`Dudelstopp´-Sprecherin dementiert Einflussnahme auf GemaEs wird erwartet, dass die enormen Tarifsteigerungen der Gema die Verbreitung von Musik für kleine und mittelständische Unternehmungen nahezu unbezahlbar machen würden: Große Handelsketten könnten sich die extrem verteuerten Klangerzeugnisse vermutlich weiterhin leisten, die gerade bei jungen Leuten beliebten Discotheken und Clubs gerieten hingegen voraussichtlich wirtschaftlich ins Straucheln.
Daher wird gemeinnützigen Vereinen wie `Pipedown´ aus Hamburg und musikkritischen Initiativen wie `Dudelstopp´ aus Berlin in diesen Tagen unterstellt, sie würden das Unglück der Club- und Diskothekenbetreiber hinter vorgehaltener Hand begrüßen. Schließlich führten die Pläne der Gema mit den aus ihnen resultierenden Kostensteigerungen für das Unterhaltungsgewerbe vielerorts de facto zur Unbezahlbarkeit von Musik in der Öffentlichkeit - `Pipedown´ und `Dudelstopp´ hätten ein wichtiges Teilziel ihrer jeweiligen Agenda erreicht.

Um diesen unguten Eindruck entgegenzutreten, stellt der Sprecher Jens-Martin Scharf für die Initiative `Dudelstopp´ klar: `Unsere zivilgesellschaftliche Bewegung hat zu keinem Zeitpunkt politischen oder finanziellen Einfluss auf die Gema ausgeübt, um den öffentlichen Raum in der Bundesrepublik zu beruhigen.´ Daher ruft Scharf zur Teilnahme an der für den 25. Juni geplanten Protestkundgebung vor dem Frannz-Club im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg auf, wo die Gema ein Mitgliederfest veranstaltet.


RENEGAT

Barden, Straßenmusikanten und anderer Pöbel

Der ehemalige Hamburger Liedermacher und Provokateur Leo Greller gehört seit einiger Zeit zu den umtriebigsten Aktivisten der zivilgesellschaftlichen Initiative `Dudelstopp´. Hieran wird immer wieder Kritik laut - manch einer stößt sich an der vermeintlichen Unberechenbarkeit des unangepassten Künstlers. Daher scheint es sinnvoll, einen Blick auf seine Biographie zu werfen:

Im Alter von 17 neben Musikerkollegen Nivek O.Geboren in Heide (Holst.) absolviert Leo 1986 die mittlere Reife. Er leistet seinen Zivildienst in einer Pschiatrie ab und beginnt danach eine Ausbildung als Bauzeichner, die er kurz darauf abbricht. Greller leidet seither unter einer Phobie vor hohen Gebäuden und fühlt sich daher in Hamburg gut aufgehoben, wohin er 1986 umzieht. Aber in der Hafenstraße wird es ihm schnell zu unruhig. Es folgen Verschiedene Jobs ohne nennenswerte künstlerische Perspektive. Einzige Ausnahme: Seine Tätigkeit als Straßenmusikant, welche Leo jedoch schon bald wegen zu häufiger Erkältungen aufgeben musste.
1989 übernimmt Greller die Koordination kreativer Störaktionen anlässlich der sogenannten `Volkszählung´. Es folgen testosterongeschwängerte Auftritte mit seiner Electro-Hardcore-Kombo `Abortive Gasp´ im `Stairways´ und im `Kir´. Nach deren Auflösung entwickelt sich Leo 1990 mit der Organisation des Workshops `Schöner Wohnen mit weniger Kohlen´ weiter. Er lebt inzwischen in St. Pauli und der Workshop hat nur Wenige Teilnehmer, erregt jedoch einiges Medieninteresse. Greller gründet mit Mitteln aus der Erbschaft einer älteren Hamburger Unternehmerin einen eigenen Musikverlag (Pauli-Platten) begleitet von bösen Gerüchten innerhalb der örtlichen Musikszene über die Natur des Verhältnisses zwischen Leo und besagter Dame. Um diesen schlechten Schwingungen aus dem Weg zu gehen, verbringt er bis 1991 ungefähr ein Jahr mit seiner persönlichen `Ich-Findung´ in Amsterdam. Wieder nach Hamburg heimgekehrt, zieht Greller sich wegen schwerer finanzieller Verluste aufgrund kaufmännischer Fehlentscheidungen aus dem Musikverlagsgeschäft zurück.
1991 kommt es erstmals zur Zusammenarbeit mit Manager Ludo Kamberlein. Leo gibt aus gereifter Überzeugung sein Vorhaben der Gründung einer nach eigenen Bedürfnissen maßgeschneiderten Gewerkschaft (für "Barden, Straßenmusikanten und anderen Pöbel") auf, da die potentielle Mitgliederzahl behördlicherseits als zu geringfügig eingeschatzt wird. Künftig will er verstärkt als politischer Liedermacher und Aktionskünstler in Erscheinung treten. Außerdem kooperierte er im Coronajahr 2020 mit dem Berliner Musiker und DJ Ruben Parra Neira für frische Remixe alter Abortive-Gasp-Songs.


INTEGRATION

Von Schwarzer und Spießermusik

Die neue Initiative 'Subkultur & Integration' entstand im Umfeld der Musik ohne Zwang-Bewegung des alternativen Berliner Kunsthauses Tacheles und bringt sich mit Aktionen und Anregungen in die Bundeskulturpolitik ein. Sie hat als Ziel die Erhaltung musikkultureller Vielfalt und möchte insbesondere subkulturell beheimatete Veranstalter, Labels und Künstler für einen offenen Ideenaustausch gewinnen. Hierbei richtet sie besonderes Augenmerk auf die Gefahr des Missbrauchs der Kunstfreiheit, um Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus und religiöse Intoleranz zu verbreiten.
Als erste Handlung thematisiert die Initiative die Familienfeindlichkeit der 'Schwarzen Musikszene' um Musiker wie Skinny Puppy und den erst kürzlich medial in Ungnade gefallenen Marilyn Manson, die Zugewanderte ausgrenzt und ruft Bands, Magazine, Clubs und Festivals der Goth- und Darkwave-Szene auf, sich darüber bewusst zu werden, für welche politische Haltung sie stehen und wie sie Diversität glaubhaft leben wollen. Man sollte diesen Kämpfern für eine 'wokere' Musikszene viel Erfolg wünschen.

Es wird berichtet, dass der international bekannte Popstar vergangener Tage Phil Collins mit Unmut darauf reagiert hat, dass bei einer Kundgebung des US-Präsidenten Domald Trump sein Song 'In The Air Tonight' zur Untermalung abgespielt wurde. Offenbar gilt es in musikindustriellen Kreisen als unschicklich, in die Nähe konservativer Politik gerückt zu werden. Ob sich der in den letzten Jahrzehnten vom progressiven Rock- zum gefürchteten kommerziellen Schnulzensänger mutierte Brite Collins der Ironie seiner Beschwerde bewusst ist angesichts der Tatsache, dass es Millionen geschädigter Menschen gibt, die seine musikalischen Ergüsse unfreiwillig, ungeschützt und vor allem unerfreut in Kaufhäusern, Fahrstühlen und Telefonwarteschleifen ertragen mussten, wogegen sich unter anderem die zivilgesellschaftliche Initiative DUDELSTOPP engagierte, ist allerdings kaum zu vermuten.


UNTERPRIVILEGIERUNG ?

Einfluss von Hiphop-Musik auf Jugendliche

Schon seit langem beschreibt die bundesdeutsche Musikwissenschaft den Einfluss, den gesellschaftliche Entwicklungen auf die jeweils aktuelle populäre Musik haben können und tatsächlich haben. Wesentlich seltener wird die umgekehrte Richtung untersucht und die Frage gestellt, wie z.B. importierte Popmusik auf vornehmlich männliche Jugendliche wirken kann und tatsächlich wirkt.

Am liebsten werden US-amerikanische Originale in Rap, R&B oder Soul konsumiert. Wenn deutsche Produkte gehört werden, dann solche, die den amerikanischen Stil dieser Musikrichtungen in Inhalt, Form und Habitus weitestgehend kopieren. Es wird von Bildungspolitikern, Eltern und Kulturschaffenden schon seit langem als scheinbar nicht zu hinterfragende Gegebenheit akzeptiert, dass deutsche Jugendliche weitaus besser über die Slums von New York oder die Suburbs von Los Angeles Bescheid wissen als etwa über South London oder auch die Trabantenstädte von Paris, die an sozialem Konfliktstoff sicher nicht weniger hergeben als ihre Pendants in Übersee.

Was ist schlimm daran, wenn durch Popmusik vermittelte Lebenswelten mit denen der Konsumenten nicht übereinstimmen. Gehört es nicht gerade zur Natur populärer Musik, ihre Hörer in fremde, vermeintlich erstrebenswertere Gefühls- und Phantasiewelten zu entführen ?
Bis zu einem gewissen Grad, ja. Es sollte jedoch beachtet werden, dass gerade bei Hiphop die Diskrepanz zwischen propagierten und tatsächlich vorhandenen Lebensentwürfen enorm ist. Es wird eine Opferattitüde gegenüber der Mehrheitsgesellschaft transportiert, die in der Bundesrepublik kaum gerechtfertigt ist. Und auch in den Vereinigten Staaten stellt die (noch 'weiße') Bevölkerungsmajorität nicht das eigentliche Problem der (weniger weißen) unteren sozialen Milieus dar, sondern deren mangelnder Erfolg innerhalb des Bildungssystems. Letzterer wird bedauerlicherweise in den USA durch die meisten privaten Massenmedien unterstützt, was seit einigen Jahren auch zunehmend für die Bundesrepublik zutrifft.