Initiative `Gewalt geht immer / violare humanum est'Initiative `Gewalt geht immer / violare humanum est'





GENDER

Licht am Ende des Tunnels

Die Gleichstellungsbeauftragte Manu Peinrich stellt fest, dass es sich bei kriminellen Gewalttätern nach wie vor überwiegend um Männer handelt. Licht am Ende des Tunnels sieht sie erst, wenn beide Geschlechter 'vereinheitlicht' sind. Enttäuschte Bürger warnt Peinrich, das Gewaltmonopol, das der Staat einst vom Souverän geschenkt bekam, zurückzufordern.

Gleichstellungsbeauftragte Manuela Peinrich vor der Berliner Polizei Kriminelle Gewalttäter sind nach wie vor ganz überwiegend männlich. Das ist strukturell bedingt und verwundert wenig. So sieht es jedenfalls Manu Peinrich, Gleichstellungsbeauftragte und somit auch Gender-Expertin, bei der Berliner Polizei. Viele von ihr kritisierte Männer entziehen sich Peinrichs Beobachtung nach den staatlichen Gleichstellungs- und Gender-Vorgaben. Erst wenn beide Geschlechter vereinheitlicht seien - mit leichtem Vorteil für weibliche Eigenschaften - werde deutlich werden, dass sich vor den `neuen Menschen´ keiner zu fürchten braucht: Sobald sie die öffentliche Bühne beträten, werde niemand mehr aus der Rolle fallen und Männergewalt sei dann passé.
Eines gelte Peinrichs Ansicht nach im Großen, wie im Kleinen: Geschenke gebe man nicht zurück, auch wenn man nichts mit ihnen anfangen könne oder möge. Und Wiederholen sei gestohlen, selbst wenn offensichtlich wäre, dass man den Falschen bedacht hätte mit seiner Gabe. Wenn nun also die Bürger dem Staat das Gewaltmonopol als Geschenk anvertraut haben, dann dürften sie es nicht zurückfordern, auch wenn sie sähen, dass Polizei, Justiz und Politik mit seiner Pflege hoffnungslos überfordert schienen. Das täte man einfach nicht. Ein kleiner innenpolitischer `Knigge´, wie ihn Manuela Peinrich hier locker und unverkrampft präsentiert, kann der Diskussion um die Sicherheit in diesem Land nur gut tun und damit helfen, das Thema vor dem leider nicht zu unterschätzenden Einfluss der Stammtische zu schützen.


ZENTRUM

Gewalt in der `kreativen Mitte´

Der vorbildliche Umgang mit Gewaltkriminalität durch Polizei und Justiz wird von vielen Bürgern nicht mit Vertrauen belohnt. Aktionen der kreativen Mitte haben daher zusammen mit Medien und Politik dafür zu sorgen, dass die Täterperspektive nicht zusehends ins Abseits gerät.

Mitherausgeber des Internet-Magazins `Eine Zeitung´Gewaltkriminalität haftet aller Aufklärungsarbeit zum Trotz nach wie vor etwas Unseriöses und Clandestines an. Aktivisten der `kreativen Mitte´ engagieren sich zusammen mit der Politik daher dafür, die Täterperspektive nicht zusehends ins Abseits geraten zu lassen. Die gute digitale und optische Erfassung von Gewaltverbrechen spielt hierbei eine immer wichtigere Rolle. Und schließlich sorgen die Massenmedien dafür, dass entsprechende Ereignisse ihre gebührende Würdigung im öffentlichen Leben erhalten und nicht etwa von gewaltarmen Banalitäten verdrängt werden.
Manche selbsternannten Experten behaupten, geduldete Gewaltkriminalität würde den Mächtigen dazu dienen, die Bevölkerung zu verunsichern. Wie aber die einfachen Bürger die Entscheidungsträger hierzulande verunsichern, wird leider kaum thematisiert. Dies scheint etwas unausgewogen - daher wäre es gerade hier dringend erforderlich, die tatsächliche Mitte zu finden. Der Mitherausgeber des Internet-Magazins `Eine Zeitung´ hat es zusammen mit den Aktivisten der `kreativen Mitte´ versucht.
Leider gingen diese Bemühungen im Getöse des Überlebenskampfes des Berliner `Kunsthauses Tacheles´ etwas unter, das - vermutlich aus wirtschaftlichen Interessen - leider von einer großen Bank zwangsgeräumt und geschlossen werden musste. Das betreffende Kreditinstitut ist über jeden moralischen Zweifel erhaben: Es wurde im Zuge der Finanzkrise mit Millionen von Steuergeldern unterstützt. Dies wäre wohl kaum bei einer unseriös agierenden Bank geschehen.


BASIS

Violare humanum est - heute wie früher

Der Umgang mit Gewaltkriminalität durch Polizei, Justiz und Politik ist vorbildlich und wird von den Bürgern mit großem Vertrauen belohnt. Dennoch bleibt Gewalt ein natürlicher Teil der sozialen Ordnung, mit dem gelebt werden muss. Verantwortungsbewusste Frauen und Männer sollten sich deshalb bemühen, aggressive Menschen nicht durch übertrieben selbstbewusstes oder unnötig couragiertes Verhalten zu provozieren.

Projekt 'Gewalt-geht-immer' Mit wachsendem Unmut reagieren Teile der Öffentlichkeit auf den vermeintlich zu `laschen´ Umgang mit gefährlichen Straftätern. Es verbreitet sich die absurde Ansicht, das Strafrecht wirke nicht abschreckend, weil immer mehr Gewaltverbrecher in Deutschland ohne gerichtliche Verurteilung davonkommen. Sinnvolle kriminologische Relativierungen und Erklärungen wie die, dass sich eine Mehrzahl von gefährlichen Schlägern bei genauerem Hinsehen lediglich als etwas zu groß geratene Jungs entpuppt, stoßen bei Laien auf vorschnelle Ablehnung. Dabei wird gerne übersehen, dass insbesondere jungen Tätern ein förmliches Strafverfahren oft mehr schadet als nutzt. Die bundesdeutsche Kriminalpolitik verfolgt keinesfalls das Ziel, durch Verharmlosung oder gar Duldung von Gewaltverbrechen sowie angeblich überzogenen Täterschutz die Bevölkerung zu verängstigen, damit diese in der Hoffnung auf mehr Sicherheit für Leib und Leben eine Vergrößerung des Staatsapparates akzeptiert. Eine solche Strategie würde den Interessen der Bürger entgegenlaufen, daher ist diese Unterstellung abwegig.
Moderne Menschen tun gut daran, sich mit alltäglich gewordenen Gewaltdelikten -mögen sie im einzelnen auch noch so unangenehm erscheinen- abzufinden und zu arrangieren. Die Projektreihe `Gewalt-geht-immer´ leistet hierzu einen Beitrag, indem sie übertriebene Erwartungen zum Thema `Kriminalitätsbekämpfung´ mit der notwendigen political correctness konfrontiert und so Enttäuschungen vorbeugt.


KRIMINOLOGIE

Gewalttäter sind Opfer der Gesellschaft

Eine engagierte Stiftung schaltete kürzlich eine Anzeigenserie zum Thema Jugendgewalt. Sie unterstützte darin die These, potentielle Gewalttäter könnten ihre Aggressionen beim Boxsport in sozial verträglicher Form abreagieren. Konkret stellte sie ein Box-Projekt vor, mit dem gewaltbereite Berliner Jugendliche `von der Straße´ geholt werden sollen.

Präsentiert werden in der Anzeige drei durch schwere Gewaltdelikte vorbelastete junge Männer - Maximilian, Moritz und Fabian (Namen geändert) aus Berlin-Neukölln. Der Begleittext assoziiert mit diesem Stadtteil vollkommen zu Recht Parallelgesellschaft, Bildungsferne, Drogenhandel, Jugendgewalt und Kriminalität. Denn an den Grundsatz, Menschen aus prekären Milieus könnten mit Selbstbewusstsein und Ehrgeiz sozial aufsteigen, glaubt schon lange niemand mehr. Die Annahme, man(n) könne sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen, hat sich politischen Entscheidungsträgern zufolge längst als gefährlicher Irrweg erwiesen, vielleicht gerade noch für frühere Generationen junger Männer gangbar - als `die Gesellschaft´ noch nicht als Hauptursache für sämtliche individuelle Defizite enttarnt war. Folgerichtig wird auch die Tatsache, dass junge vor Kraft und Gesundheit strotzende und sicher auch nicht unintelligente Gewalttäter primär Opfer der Gesellschaft sind, lediglich von jenen in Abrede gestellt, die aufgrund mangelnder Vorsicht selbst zum Objekt tätlicher Angriffe wurden.

Der Anzeigentext beschreibt, wie die für große Teile des Hartz-IV- sowie des Migrantenmilieus unausweichliche Spirale aus Diebstahl, gefährlicher Körperverletzung und dem vergleichsweise harmlos erscheinenden `Stress mit den Eltern´ mit Hilfe des Kampfsports `Boxen´ überwunden werden kann, so dass einer bürgerlichen Existenz mit Vorbildfunktion nichts mehr im Wege steht. Bei Maximilian, Moritz und Fabian hat diese Idee bereits voll `eingeschlagen´.


PRIORITÄTEN

Zu wenig Aufmerksamkeit für die Täter

Wir von der Initiative `Gewalt geht immer – violare humanum est´ fühlen uns in unserem zivilgesellschaftlichen Engagement für einen toleranteren Umgang mit gewaltanfälligen Menschen und insbesondere Jugendlichen durch die Projekte wie das im voranstehenden Artikel beschriebene bestätigt.

Besonders positiv hervorzuheben ist in unseren Augen der totale Verzicht auf die Darstellung der Leiden der Opfer von Gewalt: Durch übertriebene Rührseligkeit oder gar den `moralischen Zeigefinger´ werden bei einfachen Bürgern nur allzu oft unerfüllbare Erwartungen geweckt nach einer möglichen Eindämmung von Gewalt. Dabei ist es unter staatlichen und staatsnahen Experten unstreitig, dass Gewaltdelikte auch aus modernen Gesellschaften nicht wegzudenken sind. Die Sozialindustrie bietet ein enormes Arsenal an Fachpersonal und Knowhow, wie violentes Verhalten dauerhaft und sozial verträglich in die Gesellschaft integriert werden kann. Dessen ungeachtet haben die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft selbstverständlich kein Interesse an der Aufrechterhaltung eines hohen Angstpegels bei den Bürgern, die aus der vermeintlich unzureichenden Bekämpfung von Gewaltdelikten resultiert.

Wir von der Initiative `Gewalt geht immer´ unterstützen das Konzept, Kampfsport als Mittel zu positivem sozialem Wandel einzusetzen, also konkret Gewalt mit noch mehr Gewalt(sport) zu bekämpfen. Man hätte daher unserer festen Überzeugung nach weder von der Politik noch von der veröffentlichten Meinung etwas zu befürchten, wenn man beispielsweise das Box-Projekt noch zusätzlich durch einen `Thrill im Schützenverein´ ergänzen würde, bei dem junge Männer aus den geschilderten Milieus unter sachkundiger Anleitung den Umgang mit Schussfeuerwaffen erlernen könnten.
Denn gerade diese `Problemkids´ bilden in demografischer Hinsicht zu einem wachsenden Teil die Zukunft dieses Landes. Wir wären daher gut beraten, ihnen einen Vertrauensvorschuss einzuräumen. Sollte dieser im einen oder anderen Fall enttäuscht werden, wäre dies zu verschmerzen, denn wie gerade erst am Beispiel des Bambi- Preisträgers `Bu**ido´ deutlich wurde, erwartet die Öffentlichkeit, dass vorbildlichem Verhalten für Problemkids zunächst schwerste Verfehlungen vorausgehen sollten, um authentisch und damit glaubwürdig zu sein. Wir von der Initiative `Gewalt geht immer´, die unter anderem auch mit satirischen Mitteln arbeitet, würden uns freuen, in Zukunft mit anderen wegweisenden `Anti´-Gewalt-Projekten zu kooperieren.

GLEICHSTELLUNG

Weibliche Polizisten stehen ihren Mann

Dank moderner Kriminalpolitik sind auf den Straßen unserer Städte immer häufiger Frauen in Polizeiuniform zu bewundern. Sie versehen ihren Einsatz im Duo mit anderen Polizistinnen oder mit männlichen Polizeikollegen (die es ebenfalls nach wie vor gibt). Oder sie sind hoch zu Ross zu bestaunen zum Schutz der Bevölkerung bei Großveranstaltungen, wie Fußballspielen. Leider sind aus einschlägigen (Verbrecher-)kreisen häufig Schmähungen und Herabsetzungen bezüglich der vermeintlichen `Feminisierung´ der Sicherheitsorgane zu vernehmen. Dies ist von wehrhaften Demokraten auch unter Toleranz-Aspekten keinesfalls hinzunehmen.

PolizeiwagenBei der Herabwürdigung weiblicher Polizisten wird unsportlicherweise immer wieder auf die biologisch bedingte deutlich geringere Kampfkraft des weiblichen Geschlechts verwiesen, was in krisenhaften Einsatzsituationen die Sanktionsmöglichkeiten der Vertreterinnen der Staatsmacht gegenüber gewaltbereiten kriminellen Elementen stark schmälern und zugleich die Gefahrenlage für bedrohte Bürger im Vergleich zur Verwendung männlicher Sicherheitsbeamter vergrößern würde. Bedrängte Bürger in kritischen oder bedrohlichen Situationen sollten dennoch Vertrauen in die neue von Gleichstellungsgrundsätzen geprägte Personalpolitik der diversen bundesdeutschen Polizeibehörden haben. Es ist einfach nicht wahr, dass weibliche Beamte, die sich zugegebenermaßen gegenüber männlichen Kollegen nicht selten durch das halbe Körpergewicht bei doppelt so hoher Stimmlage auszeichnen, gegenüber aggressiven Individuen, die erschwerenderweise gerade in Großstädten oft aus anderen - darunter leider auch weniger `modernen´ - Kulturkreisen stammen, nicht den nötigen Respekt einfordern können. Wo gutes Reden gegenüber potentiellen Gewalttätern als auch Gewaltopfern nicht hilft, sollte der Gesetzgeber erwägen, mangelnden Respekt gegenüber weiblichen Streifenpolizisten als Beleidigung zu werten und zu ahnden. Hierbei sollte es sich jedoch wirklich nur um die Ultima Ratio handeln.


DISKUSSION I

Medien verstärken Furcht vor Gewalt

Hans-Günter Mahr (Weißer Ring) bei der Diskussion um Gewaltkriminalität Öffentliche Diskussionen über Kriminalpolitik haben Seltenheitswert. Die Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft bleiben lieber unter sich als sich dem Unmut vieler Bürger über zunehmende Gewaltbereitschaft und paradox wirkende Urteile aus der Strafjustiz auszusetzen. In Berlin sprachen Hans-Günter Mahr vom `Weißen Ring´ und Birte Brodkorb vom Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie der FU Berlin mit Hartmut Lühr von der satirischen Projektreihe Gewalt-geht-immer darüber, wie die Bürger den offiziellen Umgang mit Gewaltverbrechen wahrnehmen.

Hans-Günter Mahr verwies auf das Motto des Weißen Rings „Wenn alle dem Täter hinterher rennen, wer kümmert sich dann um das Opfer ?“, mit dem auf die nach wie vor bestehende Täterfixierung der bundesdeutschen Kriminalpolitik aufmerksam gemacht und zum Nachdenken angeregt werden solle. Eine Gefahr, dass Bürger durch überspitzte Slogans wie diesen verunsichert würden, sähe er nicht. Der Weiße Ring habe schließlich kein Interesse daran, die Furcht vieler Menschen, Opfer von Verbrechen zu werden, noch zu verstärken, wie dies etwa manche Massenmedien täten. Mit der Angst vor Gewalt ließen sich zwar vortrefflich politische Interessen verfolgen. Die gesellschaftliche Verrohung bekomme man mit Hilfe von Kriminalpolitik jedoch vor allem auf längere Sicht nicht in den Griff.
Laut Mahr wurden die Menschen im Verlauf ihrer gesamten Geschichte zur Beachtung traditioneller Werte angehalten und dennoch sei immer wieder gemordet, geraubt, gestohlen und betrogen worden. Heute würden in manchen Lebensbereichen diese traditionellen Werte nicht mehr gelten: „Wenn z.B. nach einem gewaltsamen Angriff oder einer Schlägerei ein Opfer am Boden liegt, dann wird noch mit dem beschuhten Fuß heftig nachgetreten. Eine Rückbesinnung auf Werte wäre durchaus überlegenswert.“


DISKUSSION II

Gegen marktschreierische
Hau-drauf-Politik

Diskutantin bei der Diskussion um GewaltkriminalitätDa die Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft lieber unter sich bleiben als sich dem Unmut vieler Bürger über zunehmende Gewaltbereitschaft und paradox wirkende Urteile aus der Strafjustiz auszusetzen, haben öffentliche Diskussionen über Kriminalpolitik Seltenheitswert. In Berlin sprachen Birte Brodkorb vom Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie der FU Berlin und Hans-Günter Mahr vom `Weißen Ring´ mit Hartmut Lühr von der Kunst- und Politikplattform moderne21 darüber, wie die Bürger den offiziellen Umgang mit Gewaltverbrechen wahrnehmen.

Birte Brodkorb gab zu bedenken, dass Strafverfahren aus guten Gründen keine Orte der Opferhilfe seien, auch wenn dies vielen wünschenswert erscheine. Kriminalitätsopfer spielten für die auf Prävention bedachte Justiz jedoch nur eine untergeordnete Rolle, da sie keinen Einfluss darauf hätten, ob Gewalttaten sich wiederholen könnten. Der Angst vieler Bürger vor zunehmender Gewaltkriminalität stünden zudem sinkende Verbrechensstatistiken gegenüber.
Die in den allermeisten Fällen unbegründete Furcht, Opfer von Gewaltkriminalität zu werden, stelle durchaus ein gesellschaftliches Problem dar, das durch die oftmals reißerische Berichterstattung der Boulevardmedien leider noch verstärkt werde. Hierdurch könne eine problematische Ursache-Wirkungs-Spirale entstehen: „Je mehr Angst erzeugt wird, desto lauter wird der Ruf nach härterem Durchgreifen und umso mehr kann dann repressive Kriminalpolitik stattfinden, die wiederum mehr Angst freisetzt.“
Birte Brodkorb plädierte nachdrücklich gegen eine allzu marktschreierische Hau-drauf-Politik und für mehr Prävention im Bereich `Gewaltverbrechen´. Gerade die neuere progressive deutsche Kriminologie könne hier einen wichtigen Beitrag leisten, wenn mehr auf sie gehört würde. Hier werden von der Gesellschaft wichtige Ressourcen nicht ausreichend genutzt.


ARBEITSKREIS 'GEWALTVERBRECHEN - NEIN DANKE!' I

Kriminalpolitik sollte kompetenten
Fachkräften überlassen werden

Aufgrund exzessiver Meinungsvielfalt innerhalb des Mediums `Internet´ gelang es in letzter Zeit höchst zweifelhaften Akteuren, die Bühne der Verbrechenspolitik zu betreten. Angeblich zivilgesellschaftliche Bewegungen vom Schlage `Gewalt-geht-immer´ präsentieren sich fernab anerkannter und verlässlicher Vereine wie dem `weißen Ring´ als selbsternannte moralische Anwälte für Opfer brutaler Gewaltkriminalität, deren Anzahl von den Medien regelmäßig unnötig dramatisiert wird.

Die Aktion `Gewalt-geht-immer´ bietet ausgewiesenen Fachkräften der Verbrechenspolitik leutselig an, offen ihre sogenannten `Misserfolge´ einzugestehen, um so den Weg für einen Neubeginn im Bereich der Justiz freizumachen. Das ist bestenfalls Satire, der allerdings eine mangelnde Sensibilität im Umgang mit VertreterInnen der institutionalisierten Verbrechensbekämpfung vorzuwerfen ist. Wir vom überparteilichen Arbeitskreis `Gewaltverbrechen – nein Danke !´ plädieren dafür, die heikle Frage des Umgangs mit Schwerverbrechen den bewährten Experten aus Rechtsprechung, Sozialarbeit und Politik zu überlassen. Wir schämen uns nicht dafür, an das Gute im Menschen zu glauben. Niemand ist von Natur aus schlecht. Straftaten sind nahezu ausnahmslos auf soziale Ursachen zurückzuführen. Ein Umstand, dem in der öffentlichen Berichterstattung leider nach wie vor nur ungenügend Aufmerksamkeit gezollt wird.
Es ist sehr tragisch, dass Bürgerinnen und Bürger unvorsichtigerweise immer wieder Opfer von Gewaltkriminalität werden. Nicht selten begeben sich allerdings Menschen auch freiwillig in gefährliche Situationen, so dass leider oftmals ebenso von einer nicht unerheblichen Mitschuld von Verbrechensopfern gesprochen werden muss. Dass durch die renommierte Hamburger Zeitung `die Zeit´ ähnliche Ansichten verbreitet wurden, bestätigt uns in unserem Vertrauen gegenüber der offiziellen Kriminalpolitik.

UNPARTEILICHKEIT

Mit Qualitätspolitik für mehr Sicherheit

Carl von Hollen (Projekt 'Gewalt-geht-immer')Das Projekt Gewalt-geht-immer thematisiert unter dem Motto `violare humanum est´ den für Laien häufig paradox anmutenden offiziellen Umgang mit Gewaltkriminalität. Die Ansicht, das Strafrecht wirke nicht abschreckend, weil immer mehr Gewaltverbrecher in Deutschland ohne gerichtliche Verurteilung davonkommen, ist tatsächlich weit verbreitet und nicht ganz von der Hand zu weisen. Allzu oft wird hierbei allerdings übersehen, dass die Begleitumstände von Gewaltkriminalität unverzichtbare Voraussetzung für hochprofessionelle Berufszweige in Justiz, Sozialarbeit oder der Sicherheitsindustrie sind. Deren Interessen sind naturgemäß wesentlich besser organisiert als die zusammengeschlagener Jugendlicher oder vergewaltigter Frauen. Diesen Zusammenhang stellen die Satiriker von moderne21 deutlich heraus.

Ihr Projekt steht keiner politischen Partei, keiner staatlichen Institution und noch nicht einmal einem großen Medienunternehmen nahe, weshalb sie kein Blatt vor den Mund nehmen müssen: „Es ist tragisch, dass Bürgerinnen und Bürger Gewaltkriminalität immer ohnmächtiger gegenüber stehen. Nicht selten begeben sich allerdings Menschen auch freiwillig in gefährliche Situationen, so dass leider oft von einer erheblichen Mitschuld der Verbrechensopfer gesprochen werden muss“, heißt es auf der Homepage des Projekts.
„Das scheinen maßgebliche Politiker tatsächlich so zu sehen. Ehrlich darüber sprechen können sie nicht, sonst würden sie das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellen“, bedauert der Jurist und MODERNE21-Unterstützer Dr. Eberhard Klaschka. Offenbar ist es zeitgemäß und zudem wichtig, den neuen Trend zur Kriminalisierung von Opfern schwerer Gewalttaten mit satirischen Mitteln aufzuzeigen. Gefährdeten Menschen kann auf diesem Wege verdeutlicht werden, welche Risiken sie mit übertrieben couragiertem oder einfach auch nur selbstbewusstem Verhalten eingehen, wenn sie mit aggressiven Tätern konfrontiert werden: Wegsehen oder Abhauen ist oft die gesündere Alternative.


EXTREMISMUS

Wo Rechtsaußen und Linksaußen
ineinander fließen

Ernst-Thälmann-Denkmal in Berlin-Prenzlauer PergNachdem die Delegierten DER LINKEN auf ihrem Erfurter Parteitag die Legalisierung `harter´ wie `weicher´ Drogen und die Delegierten der PIRATENPARTEI auf ihrem Parteitag in Offenbach ein bedingungsloses Grundeinkommen gefordert haben, scheint es an der Zeit, dass eine weitere dem linken Meinungsspektrum zuzurechnende Partei arbeitsteilig die Forderung nach einem Recht auf kostenlosen Geschlechtsverkehr - vulgo: Sex - mit attraktiven Dienstleisterinnen und Dienstleistern aufstellen sollte. Hier käme demnach die SPD, CDU oder FDP in Frage. Die Bürger würden solcherlei Ansinnen aller Erfahrung nach mit einer Wahlzusage bei den nächsten Urnengängen goutieren.

Der Gedanke an grassierenden Irrsinn beschleicht einen freilich auch bei sich weniger politisch gebenden Zeitgenossen der `bereichernden´ Art: Der Sprechsänger `Bu**ido´ ist ein Berliner Gangsta-Rapper, dessen veröffentlichte, nach wie vor zum Erwerb freigegebene Texte für viele sich politisch links definierende Zeitgenossen den Anschein starker Menschenverachtung und extremer Frauen-, Amerika-, Israel- und Schwulenfeindlichkeit haben. Er wird von der überwältigenden Mehrheit deutschsprachiger Massenmedien dennoch nicht als rechtsradikal kritisiert. Die Begründung hierfür liegt auf der Hand. Das gleiche gilt für seinen Sprechgesangs-Kollegen `Sido´ (bürgerlich Paul Würdig), ebenfalls aus Berlin. Dessen Bemerkung während einer Wiener Gala „Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat!“ ist keinesfalls als rechtsradikale Sympathiebekundung einzuordnen. Da beide Sprechsänger also politisch nicht zu kritisieren oder gar als Gegner beim ebenfalls staatlich geförderten sogenannten `Kampf gegen rechts´ zivilgesellschaftlich zu bekämpfen sind, ist es als vollkommen unproblematisch einzustufen, dass ihre diversen (v.a. Film-)Projekte mit hohen Summen öffentlichen Geldes unterstützt (Deutscher Filmförderfonds u.a.) wurden. Hier wurde vielmehr sogar aktiv Integration betrieben.


GEWALTMUSIK I

Tödliche Schüsse wegen Hiphop-Party

abgeknippster LautsprecherDer Gevelsberger Frührentner Giovanni S. wurde nachts regelmäßig von seinem jungen Nachbarn mit lauter Hiphop-Musik mitbeschallt und litt daher unter starken Schlafstörungen. Als er sich an einem Samstagmorgen um vier erneut beim lautstark mit Freunden feiernden Giancarlo S. beschwerte, drohte ihm die Gruppe seiner Aussage nach mit dem Tod, falls er sich wegen der Ruhestörung an die Polizei wende. Daraufhin erschoss der Frührentner den arbeitslosen und als `Gelegenheitskiffer´ beschriebenen 25jährigen vor den Augen seiner Gäste in dessen Wohnung, ließ sich danach von der Polizei verhaften und wartet nun auf sein Urteil.

Da bei der Urteilsfindung der vorsitzenden Richterin Heike Hartmann-Garschagen medienwissenschaftliche Aspekte vermutlich keine größere Rolle spielen werden, sieht sich die Initiative `Dudelstopp´ zu einer Stellungnahme veranlasst, die einer moralisch motivierten Kritik an Medienkonzernen sowie Politik im Zusammenhang mit dem tragischen Tod des 25jährigen vorbeugen helfen soll:

In ersten Meldungen hieß es, aus dem Kreis der Feiernden sei eine Todesdrohung an Giovanni S. ausgesprochen worden, wenn er wegen der nächtlichen Ruhestörung die Polizei rufen würde. Nun verbreiten große Privatsender wie RTL und SAT1 seit über einem Jahrzehnt täglich um die Nachmittagszeit, wenn besonders viele Jugendliche und Arbeitslose vor dem TV-Gerät sitzen, Gerichts- und sogenannte Reality-Formate, bei denen sich Angehörige bildungsferner Milieus aus häufig sehr geringfügigen Anlässen gegenseitig harsch bepöbeln und verbal bedrohen.
Daher ist es möglicherweise kommunikationssoziologisch zu erklären, dass die nächtlich feiernden Gevelsberger bei ihrer Reaktion auf die Beschwerde des älteren Mannes ein Verhalten aufzeigten, das dieser falsch einordnen musste und ihn zu der weit überzogenen Reaktion veranlasste.


GEWALTMUSIK II

Keine mildernden Umstände
für Todesschützen

Im Fall der tödlichen Schüsse wegen nächtlicher Hiphop-Musik in Gevelsberg äußert sich die industrienahe Musik-Initiative `Dudelstopp´ erneut. Man ist offenbar besorgt, dass ein zu mildes Urteil gefällt gegen den Täter Giovanni S. werden könnte.

Gegen Lärm sollten in einer zivilisierten Gesellschaft keine schweren Geschütze aufgefahren werden müssenDas Opfer Giancarlo S. wird in Presseberichten als Gelegenheitskiffer beschrieben. Es ist jedoch nicht so, wie häufig von unqualifizierter medizinischer oder psychologischer Weise behauptet wird, dass aus dem wiederholten Gebrauch sogenannter `weicher Drogen´ wie Marihuana tatsächlich zwingend Probleme für das soziale Miteinander der Bürger resultieren müssen – etwa aus einem mit drogenbedingten Persönlichkeitsveränderungen einhergehendes aggressiveres Verhalten. Wäre letzteres der Fall, würden sich seriöse politische Parteien wie `die Piraten´ und auch `die Linke´ in ihren jeweils aktuellen Programmen sicher nicht leichtfertig für eine Freigabe dieser Stoffe einsetzen. Der gelegentliche Drogenkonsum des Opfers kann daher sicher nicht als Indiz für die Verteidigung des Rentners Giovanni S. herhalten, der Gruppe der feiernden Jungen Leute eine aggressive und rücksichtslose Grundstimmung zu unterstellen. Dies würde vermutlich auch Jens Jessen vom ZEIT-Feuilleton so sehen, der jugendlichen Gewaltausbrüchen gegenüber autoritär eingestellten älteren Menschen bereits in der Vergangenheit viel Verständnis entgegen gebracht und sich damit wohltuend opferorientierten Bürger-Mob abgehoben hat.

Nicht selten ist in den kruden Thesen verschiedener Initiativen, die sich für den Schutz vermeintlicher Lärm-Opfer einsetzen, die Rede von sogenannter `Gewaltmusik´, die im zwischenmenschlichen Bereich als Waffe gegen Unterlegene eingesetzt werde. Die sich um die Zusammenarbeit mit der Musikindustrie bemühende Gruppierung `Dudelstopp´ bildet hier eine wohltuende Ausnahme und hofft, dass sich die zuständige Richterin Heike Hartmann-Garschagen von keinerlei Propaganda irgendwelcher selbsternannter Aktivisten beeinflussen lassen und sachlich urteilen wird.


SYMPATHIETRÄGER II

Provokationen für die Berliner Republik

Für fehlgeleitete Zeitgenossen eine ProvokationWir schreiben das Jahr 2011. Noch nie war es so einfach, die Menschen in Deutschland mit medialen Inhalten zu provozieren und zu schockieren.

Ein neues Stilmittel, das seit Jahrzehnten in den Massenmedien tabuisiert wurde, ist die Darstellung von Gewalt. Unvorstellbar dass Frauen, Männer und Kinder zu jeder denkbaren Tages- und Nachtzeit im Fernsehen oder auf DVD mit der Abbildung körperlicher Roh- und Gemeinheit konfrontiert werden. Auch vom Anblick von Leichen und der detaillierten Schilderung von Tötungsvorgängen blieben wir Film- und Fernsehgucker und Zeitungsleser in den letzten Jahrzehnten glücklicherweise weitgehend verschont. Dies will die Kunst- und Politikplattform moderne21 mit Hilfe von Satire ändern und die Menschen aus ihren Wolkenkuckucksheimen herausholen.
Ebenfalls ein Schattendasein führte das Zeigen sexueller Handlungen, kurz 'Sex', in Film, Fernsehen und Internet. Die Zuschauer und auch die Verantwortlichen hatten vor der natürlichsten Sache der Welt, der sich begehrende Menschen in der Regel auf dezente Weise nachgehen, zu viel Ehrfurcht und Respekt als das sie ihre Programmplätze und Webseiten damit füllen würden. Die marktradikalen Macher von der moderne21-Plattform sind jedoch der Auffassung, dass sich derlei intime Dinge nicht länger dem Wertschöpfungsprozess entziehen dürfen und werden daher demnächst auf ihrer Seite selbst voll loslegen.
Zuguterletzt war man bei den Film-, Fernseh- und Videoproduzenten schon lange der Ansicht, dass die niederen tiefenpsychologischen Bedürfnisse von Zuschauern nach Darstellungen, die Ekel und Abscheu hervorrufen können, nicht aus Profitgier bedient werden sollten. Das Ignorieren urtümlicher menschlicher Affekte, die durch Ekelgefühle hervorgerufen werden, sollten jedoch als zivilisatorische und sozialemanzipatorische Errungenschaften der postmodernen Gesellschaft angesehen werden, die ebenfalls mit gutem Gewissen kommerziell ausgewertet werden dürfen. Wir von moderne21 werden bald damit beginnen.
Legaler Hörspiel-Download


GRUNDLAGEN

Kein Fortschritt zwischen Befürwortern
und Gegnern täterorientierter
Kriminalpolitik

Anlässlich einer Podiumsdiskussion am 15.05.2008 im Berliner `Kunsthaus Tacheles´ kritisierte Frau Dr. Ines Hochkamp vom überparteilichen Arbeitskreis `Gewaltverbrechen – nein, danke !´ das jüngst gestartete Projekt `Gewalt-geht-immer´, das mit unkonventionellen darstellerischen Formen moderne Verbrechenspolitik vorantreiben will. So fordern dessen Vertreter unter anderem eine Versöhnung zwischen Gewaltkriminalität und Gesellschaft sowie das Ende der Legende eines möglichen Abbaus gefährlicher Kapitalverbrechen. Frau Dr. Hochkamp warf dem neuen Projekt wegen des satirischen Vorgehens bei einem ernsten Thema „mangelnde Sensibilität im Umgang mit Vertretern der institutionalisierten Verbrechensbekämpfung“ vor.

'Gewalt-geht-immer' - Podiumsdiskussion im Mai`08Dem entgegnete Hartmut Lühr von `Gewalt-geht-immer´, dass Vereine und Bewegungen wie der Arbeitskreis, für den Frau Dr. Hochkamp spreche, im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit beim derzeit vorherrschenden täterfixierten Klima in Justiz und Medien anscheinend noch nicht einmal zugeben könnten, dass „die Opfer schwerer Gewalttaten ja durchaus ebenfalls Menschen seien“ ohne mit solchen „ungehörigen Eingeständnissen“ ihre Unterstützung durch den Staat auf´s Spiel zu setzen.

Die Vertreterin des Arbeitskreises `Gewaltverbrechen – nein, danke !´ hielt dieser Einschätzung entgegen, dass aktuellen Umfragen zufolge immerhin noch knapp zwei Drittel der Bundesbürger der Justiz vertrauten, was angesichts von Globalisierung und neoliberaler Politik ein „vollkommen akzeptabler Wert“ sei. Dieses Maß an Zuspruch solle man nicht leichtfertig durch das von der Initiative `Gewalt-geht-immer´ vorgeschlagene reinigende Eingeständnis schwerer Systemfehler bei der bundesdeutschen Rechtsprechung auf´s Spiel setzen. Der Arbeitskreis `Gewaltverbrechen – Nein, danke !´ sehe in solch einem symbolhaften Handeln, so Frau Dr. Hochkamp, einen gefährlichen Schritt in Richtung Anarchie und Faustrecht, der für einen modernen Staat nicht gangbar sei.


ANACHRONISMUS

Schmerz statt Kommerz

Harald Geil als ReporterKritiker zweifeln regelmäßig die inhaltliche Ausgewogenheit der öffentlich-rechtlichen Massenmedien an: Da deren Aufsichtsgremien seit Jahrzehnten direkt und indirekt von Vertretern der politischen Parteien sowie anderer durchsetzungsstarker Interessengruppen dominiert würden, bliebe weltanschauliche Neutralität in den Fernseh- und Hörfunkbeiträgen ein frommer Wunsch, so die verbreitete Meinung unabhängiger Beobachter. Der Soziologe und Satiriker Hartmut Lühr ist allerdings anderer Auffassung und nutzt sein neues Hörspiel 'Gewalt geht immer', um eine Lanze für die verantwortungsbewusste Berichterstattung namentlich des RBB zu brechen.

In dem Stück verübt ein geistig verwirrter Gewalttäter auf dem Olivaer Platz in Charlottenburg Attacken gegen unbeteiligte Passanten und Gegenstände. Seine Motivation scheint aus einem Hang zu verklärter Nostalgie gegenüber den vermeintlich klar umrissenen Feindbildern aus der Zeit des 'kalten Krieges' herzurühren. Dies würde jedenfalls erklären, warum er es vor allem auf russische Opfer abgesehen hat.
Da das Medium 'Hörspiel' nur bedingt zur farbenfrohen Schilderung extremer Gewalt á la 'Tatort' oder 'Quentin Tarantino' geeignet ist, behilft sich der Autor mit dem Einsatz einer zusätzlichen Erzählebene mit einer Radiomoderatorin und einem Reporter eines fiktiven Hörfunkmagazins. Die beiden Figuren bilden zwei Gegenpole in der Bewertung des Geschehens: Der Reporter lässt im Verlauf des Dramas vor Ort zunehmend Sympathien für den antiquiert erscheinenden Einzelkämpfer durchblicken, während die Moderatorin im Studio mit kühlem Kopf die staatlich propagierte Haltung für den Umgang mit Gewaltkriminalität sowie die Ablehnung tradierten männlichen Rollenverhaltens vertritt.

Hätte man das Hörspiel 'Gewalt geht immer' im Programm des eigentlich zuständigen RBB vorgestellt, hätte dies als Selbstbeweihräucherung missverstanden werden können. Daher präsentierte der Autor H.Lühr den ca. 20minütigen ersten Teil am 13.05.2010 im 'Kunsthaus Tacheles'.


EN DETAIL

Was bisher bei 'GEWALT-GEHT-IMMER'
geschah

Im Mai 2008 fand eine Podiumsdiskussion zum Thema statt, bei der sich u.a. auch Frau Dr. Ines Hochkamp vom `Arbeitskreis - Gewaltverbrechen, nein Danke !´ in der Oranienburgerstraße einfand. Die aufschlussreiche Veranstaltung fand in nüchterner und freundlicher Atmosphäre statt, während der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden jedoch auch Misstöne laut. Die ebenfalls anwesende Kriminalsoziologin Frau Dr. Ines Hochkamp ließ sich während der Veranstaltung dazu hinreißen, dem Projekt `Gewalt-geht-immer´ "mangelnde Sensibilität im Umgang mit Vertretern der institutionalisierten Verbrechensbekämpfung" vorzuwerfen. Dies wurde entschieden zurückgewiesen. Mittlerweile wurde Frau Dr. Hochkamp an leitender Stelle in das nunmehr zivilgesellschaftlicher ausgerichtete Projekt eingebunden und unterstützt ihre Mitstreiter seither mit Sachverstand und Kompetenz.
Auf einer Berliner Diskussion unter dem Titel 'gewalt=relativ' sprachen Hans-Günter Mahr vom `Weißen Ring´ und Birte Brodkorb vom Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie der FU Berlin mit Hartmut Lühr von `Gewalt-geht-immer´ im August 2009 darüber, wie die Bürger den offiziellen Umgang mit Gewaltverbrechen wahrnehmen. Auch die aus dem Publikum vorgebrachten Beispiele vermeintlich haarstreubend harter Urteile gegenüber leichten Gesetzesvergehen verleiteten die anwesenden Experten nicht zu übereilten populistischen Aussagen.
Das Jahr 2010 startete bedauerlicherweise mit einem Gewaltexzess in der Berliner Innenstadt, der eine wochenlange Diskussion in den Massenmedien auslöste: Ein geistig verwirrter Mann lief dort aus nur schwer begreiflichen Motiven Amok, wobei es einen Toten zu beklagen gab. Da einige der maßgeblichen Aktivisten von 'Gewalt-geht-immer' sowie Frau Dr. Hochkamp selbst in Berlin wohnen, nahm sich das Projekt dieses traurigen aber auch interessanten Falles an und stellte ihn in den Mittelpunkt der diesjährigen Aufklärungsarbeit gegen fehlgeleitete Gewalt.

Keinesfalls gemein machen wird sich unsere Initiative mit literarischen Machwerten à la `Die Lust am Bösen - Warum Gewalt nicht heilbar ist.´ von Eugen Sorg aus der hochgerüsteten und minarettfeindlichen Schweiz.