Initiative `Dudelstopp - Wollen wir Friedhofsruhe ?´Initiative `Dudelstopp - Wollen wir Friedhofsruhe ?´



Eine Handvoll Initiativen fordert neuerdings die Einschränkung oder das Verbot kostenlos bereitgestellter Musik
im öffentlichen Raum. Bedenken diese Profilneurotiker und Sonderlinge eigentlich die Folgen ihres Tuns ?
Die Initiative `Dudelstopp - Wollen wir Friedhofsruhe ?´ setzt sich provokativ mit der Frage auseinander,
wie eine Welt aussähe, in der Musik nur noch im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen dürfte.Weiteres zum Selbstverständnis der Initiative `DUDELSTOPP - Wollen wir Friedhofsruhe ?´



Nadia Panknin (für die Initiative 'Dudelstopp')
FREUNDLICHE ÜBERNAHME

Frühere Gegnerin als Förderin von heute

Als im Jahr 2007 die damals frisch gegründete Aktion `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´ gegen Freunde der Hintergrundmusik öffentlich lospolterte und dabei auch noch jede Menge Solidaritätsbekundungen einheimste, hielt Dr. Sonja Peters vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie als eine der ganz wenigen mit guten Argumenten dagegen.

# Hilfe für Verlierer der musikalischen Bereicherung: Ein neu zu gründender Fonds soll versöhnen

# Es gibt längst keine `Klatschweiber´ mehr: Kaufhausmusik kann also auch niemanden stören

# Von wegen `Lärm macht krank´: Frieden und Harmonie mit der Unterhaltungsindustrie




Björn Roth (für die Initiative 'Dudelstopp')
JUGEND

Musikeinsatz und körperliche Gewalt

Die Inhalte von Privatsendern wie RTL2 oder Pro7 lassen die Jugend nicht verrohen und Aggressionen aufbauen, sondern bereiten sie ganz im Gegenteil darauf vor, alltägliche Probleme in zivilisierter Form mit Hilfe von Argumenten in den Griff zu bekommen. Es gibt also ausreichend Grund zur Hoffnung auf weiterhin angemessene Umgangsformen in der Bundesrepublik.

# Überbewertete Kopfschmerzen: Ein weiterer Verein muckt gegen die Musikindustrie auf

# Gegen überzogenen Schutz vor Lady Gaga und Justin Bieber: Einsatz für die lauschende Mehrheit

# Musikeinsatz und mediale Gewalt: Trash-Queen hängt sich an Chansonsängerin




Katharina Gebhard beim legendären ersten Protest vor der Berliner GEMA-Zentrale, 2007
VORWURF

Streit um GEMA-Tarifreform

Durch die geplanten Tarifsteigerungen der Rechtegesellschaft GEMA für das öffentliche Abspielen von Musik sehen sich viele Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Nun geriet auch die Initiative `Dudelstopp´ in die Kritik: Mit ihrem Engagement soll sie den Boden für das umstrittene Vorgehen der Gema bereitet haben. Die Kulturaktivisten weisen die Vorwürfe von sich.

# Unbequeme Wahrheiten eines Historikers ausgelassen: Der hässliche Verdacht der Zensur

# Hier spielt die illegale Musik: Wir lieben Beschallung so sehr, dass wir sie am liebsten klauen

# Sich als Junkies enttarnende GEMA-Gegner: Da fällt einem glatt das Bier aus der Hand !




Bewerber Hardy Klaschka
BEWERBER für Dudelstopp

Hardy Klaschka

Der ehemalige Musiker Hardy Klaschka versucht, unserer Initiative Fördergelder einer Hamburger Stiftung zu sichern. Der mit dem demographischen Wandel aufziehenden Friedhofsruhe will die Bewegung mit einem beherzten Beschallungsprogramm entgegenwirken. So etwas kostet natürlich Geld, denn selbst Konservenmusik ist nicht umsonst.

# Jetzt reicht´s uns aber mit dem demographischen Wandel: Kein Spielen der `Familienkarte´

# Nicht rechtzeitig aufgehört mit der Plattenpresse: Stilistische Entgleisungen


'Dudelstopp' ist eine Initiative der Politik- und Kunstplattform 'moderne21'




Initiative DUDELSTOPP
Impressum, Basis




Aktionsvideo
'Aktionsvideo'
AKTIONSVIDEO

Video
Kritik am alten 'Dudelstopp'-Projekt
KRITIK AN UNS




Interviews über die Dudelstopp-Initiative
Hessischer Rundfunk 2 (4:30 Min)
DLR (Kultur) (6:33 Min)
DLF (5:36 Min)
DLF (Feature) (1:28 Min)




Video
'Gema-Aktion 2007'
GEMA-AKTION

Video
'Zoff in der S-Bahn'
S-BAHN-CLIPP




an dieser Initiative beteiligte Aktivisten und Schauspieler
Katharina Gebhardt,
Nadia Panknin, Udo Wiegand,
Ingmar Skrinjar, Cem Atalay,
Judith Bareiß, Björn Roth.




Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL I

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL II




Information
Tag gegen Lärm 2015: am 29.04.






"Ein paar Verwegene machen den Mund auf." (Der Verein LAUTSPRECHER AUS über Dudelstopp)
"Mit seiner Aktionskunst stößt [H. Lühr] auf viel Wohlwollen" (Manuela Braun in der KÖLNISCHEN RUNDSCHAU-online)
"Dudelstopp fragt provokativ: Wollen wir Friedhofsruhe?" (Sandra Lukosek auf TAGESSPIEGEL-online)




Ingmar Skrinjar (für die Initiative 'Dudelstopp')
AUSGLEICH

Ausbleibende Friedhofsruhe

Mit einer Klaren Kampfansage stellt sich die neue Dudelstopp-Crew gegen allzu platten Populismus im Kampf gegen vermeintliche Rücksichtslosigkeit: Es müsse ein fairer Ausgleich zwischen den Interessen der Musikindustrie und den wenigen Menschen herbeigeführt werden, die ihre Freiheit durch Unterhaltungsprodukte eingeschränkt sähen.

# Oldie-Superstar plant Abgang: Phil Collins erwägt Rückzug aus der Beschallungsindustrie

# Nach langer Zeit der Missharmonie: Schulterschluss mit Muskindustrie scheint möglich




Cem Atalay (für die Initiative 'Dudelstopp')
ZEITDOKUMENT

Die 'böse Musikindustrie'

An dieser Stelle eine larmoyante Polemik der alten 'Dudelstopp'-Besetzung, die behauptet, dass die Entscheidungsträger der Beschallungsindustrie gar nicht daran dächten, die mutwillig losgetretene Lärmlawine aufzuhalten. Der Dudelterror sei daher ein beklagenswertes Symptom für die soziale Verrohung unserer Zeit. Auch und vielleicht gerade in den oberen Etagen.

# International Noise Awareness Day: `Tag gegen Lärm´ sollte inhaltlich weiter gefasst werden

# Die Musikindustrie und der Respekt vor dem Kommerz: Selbstmord oder Leben ?

# Wo sind knappe Steuergelder gut angelegt ? Im `Tokio Hotel´ und in `Toten Hosen´




Katharina Gebhardt (für die Initiative 'Dudelstopp')
UMGANGSFORMEN

Flüche im öffentlichen Nahverkehr

Als die Aktion 'Dudelstopp' noch nicht vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie (VdBsi) beraten wurde, veröffentlichte sie ein grenzwertiges Video, mit dem sie den Bogen eindeutig überspannte. Darin hindert ein jugendlicher Fahrgast eine Frau in der S-Bahn durch überlautes Musikhören daran, ein Buch zu lesen, so dass die Situation eskaliert.

# Hamburger offenbar doch nicht so tolerant, wie stets behauptet: Attacke auf wehrloses Handy

# Völkerverbindende Einkaufsmusik: Egal ob im Bahnhof von Baku oder von Luckenwalde

# Gegen Ästhetik-Fundamentalismus: Kritik an piepsenden und Kehligen Stimmen oft überzogen




Judith Bareiß (für die Initiative 'Dudelstopp')
GESCHICHTE

Was bisher bei 'Dudelstopp' geschah

Zunächst polterte man unter dem Slogan `Musik ohne Zwang´ heftig gegen die Freunde kostenloser Hintergrundmusik und heimste damit zahlreiche Solidaritätsbekundungen überforderter Verbraucher ein. Mit Aussagen wie „unter einem wummernden Kophörer ist selten die Intelligenz, aber um so häufiger das ADS-Syndrom zu Hause“ wurde billiger Beifall eingeheimst.

# Worum es eigentlich gehen sollte: Auf Zickzackkurs hin zum ursprünglichen Anliegen

# Verbraucher-Initiative auf Selbstfindungs-Kurs: Desorientierende Pressemitteilung von 2007

# Erstes Aufflackern von Dudelstopp Anno 1996: Billiges Studenten-Bashing beim Offenen Kanal


Video
Dudelstopper bei der Arbeit
DUDELSTOPPER I

Video
Dudelstopper im ÖPNV
DUDELSTOPPER II




Interviews über die Dudelstopp-Initiative
MotorFM (3:31 Min)
YouFM (3:03 Min)
StarFM (1:42 Min)
InfoRadio RBB (3:11 Min)




Video
Anti-GEMA-Demonstration in Berlin
ANTI-GEMA-DEMO

Empfehlung
Legaler Download eines Hörspiels über die Musikindustrie (empfohlen ab 12 Jahren)
MUSIKBUSINESS







ZIVILGESELLSCHAFTLICHE INITIATIVEN UNTER DEM DACH VON moderne21:

DIE NAMEN DER BETEILIGTEN SIND AUF DEN JEWEILS VERLINKTEN SEITEN AUFGEFÜHRT





EVENTKULTUR

Stellungnahme zum 'Tag gegen Lärm'

Initiative fordert Umweltbundesamt zu Augenmaß gegenüber Musikindustrie auf

Seit sieben Jahren setzt sich die Initiative 'DUDELSTOPP' sowohl politisch als auch künstlerisch mit dem Phänomen unfreiwilligen Musikkonsums auseinander: Als soziale Bewegung, die sich unter anderem mit satirischen Mitteln Gehör verschaffte, engagierte sich `DUDELSTOPP´ zunächst gegen den häufig als aggressiv empfundenen Einsatz kommerziell genutzter Musik im öffentlichen Raum. Ging man anfangs noch davon aus, dass der Widerstand gegen die von vielen als Symptom sozialer Verrohung empfundenen aufgedrängten Tonkonserven wachsen würde, ist man mittlerweile schlauer und bietet sich der Musikindustrie als kompetenter Ansprechpartner an.

LautsprecherAuch in diesem Jahr wird das Anliegen verminderter Musikemissionen unterstützt durch den 'Tag gegen Lärm' ('International Noise Awareness Day') der Deutschen Gesellschaft für Akustik e.V. am 30.April. Gefördert wird die Aktion vom Umweltbundesamt im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Das BMUB wiederum tat sich jüngst hervor, indem es jenseits wissenschaftlicher Neutralität Journalisten mit abweichender Meinung zum Klimaschutz, wie Dirk Maxeiner und Michael Miersch von der WELT, in einer offiziellen Broschüre negativ heraus-, manche sagten auch 'an den Pranger' stellte.
Die Initiative 'DUDELSTOPP', die sich mitnichten - wie mancherorts behauptet - von der Musikindustrie kaufen ließ und die auf ihrem Logo neuerdings provokativ fragt 'Wollen wir Friedhofsruhe ?', möchte den Beamten des BMUB ausdrücklich davon abraten, im Fall des vermeintlichen Musiklärm-Phänomens ebenso unorthodox zu verfahren, wie beim Klimawandel, und Zweifler sowie Abweichler öffentlich abzustrafen.
Vielmehr sollten positive Beispiele besser herausgestellt werden, wie etwa der Hamburger Verein 'PIPEDOWN - Lautsprecher aus', der zwar wenig Sensibilität für die berechtigten Belange der Unterhaltungsindustrie erkennen lässt, jedoch musikgeplagten Bürgern immerhin ein Forum bietet, ihrem Frust Luft zu machen.

Hardy Klaschka von 'Dudelstopp': "Das BMUB hat sich am Beispiel des unleugbaren 'Klimawandels' jüngst einen Namen gemacht, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen geschickt unter seinem Dach zusammenzuführen. Nun ist es allerdings gefordert, beim künstlich aufgebauschten Reizthema 'Musik-Emissionen' Augenmaß zu beweisen und nicht über das Ziel hinauszuschießen."


Befürworter auditiver Selbstbestimmung gehen auf die Industrie zu AUSGLEICH

Fonds für unfreiwillige Musikhörer ?

Die Unterhaltungsindustrie versorgt Musikfreunde mit immer perfekteren Erzeugnissen. Sowohl der öffentliche als auch der private Raum werden folgerichtig seit Jahren zunehmend durch Gesang und anregende Rhythmen bereichert. Die allermeisten Menschen begrüßen dies. Aber auch diejenigen, die den Aspekt der Freiwilligkeit gestärkt und ihre Privatsphäre deutlicher geschützt sehen wollen, erfahren neuerdings Unterstützung. Sowohl durch zivilgesellschaftliche Initiativen als auch durch aufgeschlossene Vertreter der Wirtschaft.

Eine kleine Gruppe von Bürgern sieht ihre Lebensqualität durch die zunehmende Präsenz von Musikprodukten beeinträchtigt. Offenbar wird nicht aktiv nachgefragte Musik von diesen Zeitgenossen zunehmend als Gewalt empfunden, gegen die sie sich kaum wehren können und unter der sie leiden. Zwar wird der von einigen wenigen als aggressiv empfundene Einsatz dieser Erzeugnisse von den Herstellern mit Sicherheit nicht gutgeheißen, aber dennoch fühlt sich eine Minderheit unfreiwilliger Konsumenten in ihrem Bedürfnis nach auditiver Selbstbestimmung von der Gesellschaft und den Anbietern von Unterhaltungselektronik und Gebrauchsmusik alleine gelassen.
Zivilgesellschaftliche Initiativen wie 'Dudelstopp' greifen hier helfend ein, indem sie auf Entscheidungsträger der Industrie zugehen, um sie auf vereinzelte Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Konkret schlagen die 'Dudelstopper' die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds für diejenigen vor, die sich durch den immer häufiger als störend empfundenen Einsatz von Geräten der Unterhaltungsbranche beeinträchtigt fühlen. Damit könnten Lärmschutzmaßnahmen, therapeutische Hilfe und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden. So würde zwischen den subjektiv Leidenden und den berechtigten Interessen der Wirtschaft ein Ausgleich geschaffen.
Die 'Dudelstopp'-Aktivisten bieten an, den Prozess der Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds beratend zu begleiten, da sie bereits seit einigen Jahren mit der Problematik vertraut und für Belange des Minderheitenschutzes sensibilisiert sind.


Cem Atalay (ursprüngliches Projekt 'Dudelstopp') Initiative Dudelstopp

Wollen wir Friedhofsruhe ?

Eine Handvoll Initiativen fordert neuerdings die Einschränkung oder das Verbot kostenlos bereitgestellter Musik im öffentlichen Raum. Bedenken diese Profilneurotiker und Sonderlinge eigentlich die Folgen ihres Tuns ? Das Projekt `Dudelstopp - Wollen wir Friedhofsruhe ?´ setzt sich provokativ mit der Frage auseinander, wie eine Welt aussehen würde, in der Musik nur noch im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen dürfte.

Die Musikproduktion der Bundesrepublik befindet sich im internationalen Vergleich auf hohem Niveau. Der Ausstoß an Tonträgern ist jedes Jahr auf´s Neue rekordverdächtig und der Verfügbarkeit rhythmischer Tonmedien aller Art sind dank mp3-Playern räumlich wie zeitlich kaum noch Grenzen gesetzt. Natürlich kommt es im Tonträgergewerbe, an dem nach neuesten Schätzungen rund 300.000 Arbeitsplätze hängen, mitunter auch zu Fehlentwicklungen und negativen Auswüchsen. Diese werden von der Industrie sehr ernst genommen und einzudämmen versucht, auch wenn sie nur eine verschwindend geringe Zahl sich gestört oder gar belästigt fühlender überempfindlicher Personen betreffen. Letztere werden von der Betroffenheitsindustrie nur zu gerne als Vorwand missbraucht, um die musikalische und rhythmische Untermalung des oft genug grauen Alltags als `Gedudel´ zu diffamieren. Auch die gelegentlich geäußerte Vermutung, die schwindende Rücksichtnahme im täglichen sozialen Miteinander sei auf veränderte Familienstrukturen, in denen immer häufiger Geschwister und Väter fehlen, zurückzuführen, muss bis zur Vorlage eines soliden wissenschaftlichen Beweises zurückgewiesen werden.
Viele Menschen sind allerdings heute bereits von der Tatsache betroffen, dass die Deutschen immer älter und in der Folge auch einsamer werden. Dies sollte eigentlich Grund genug sein, mit Hilfe technisch ausgereifter Erzeugnisse der Musikindustrie gegen die aufziehende Friedhofsruhe anzugehen. Ein tatsächlicher 'Dudelstopp' wäre dabei wenig hilfreich. Pulsierende Lautsprecher hingegen bringen heute schon Leben in die vergreisende Gesellschaft. Totalitäre Ruhe steht für Einsamkeit und Tod.


Nadia Panknin (Projekt 'Dudelstopp') FREUNDLICHE ÜBERNAHME

Frühere Gegnerin als Förderin von heute

Als im Jahr 2007 die damals frisch gegründete Aktion `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´ gegen Freunde der Hintergrundmusik öffentlich lospolterte und dabei auch noch jede Menge Solidaritätsbekundungen einheimste, hielt Dr. Sonja Peters vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie als eine der ganz wenigen mit guten Argumenten dagegen. Heute betreut sie in führender Position die neue Aktion `Dudelstopp´.

Über ihre Vorgänger sagt sie: „Bei den Gründern von Dudelstopp handelte es sich um verantwortungslos handelnde Akteure mit wirtschaftsfeindlichen Tendenzen, die offenbar ein Problem mit der gesellschaftlichen Realität der Bundesrepublik des Jahres 2007 hatten. Ihr Hauptfehler lag in der Verwechslung von Ursache und Wirkung: Geben Sie einem Gewalttäter ein Küchenmesser, woraufhin er jemanden damit ersticht - dann ist nicht der Hersteller des Messers Schuld an der Tat. Für die Musik in Händen von hyperaktiven Zappelphilippen ohne häusliche Ansprache aber dafür mit nervendem mp3-Player sind nicht die Produzenten von Musikerzeugnissen verantwortlich. Ebenso wenig für die rapide wachsende Zahl von Freizeithedonisten mit Aufmerksamkeitsdefizit und wummerndem Autoradio. Und erst recht nicht für Verkaufsleiter im Einzelhandel, die ihren Ramsch mit Produkten der Beschallungsindustrie aufzuwerten hoffen."
Im Juli 2007 nahm Frau Dr. Sonja Peters die Einladung des Dudelstopp-Projekts für eine Podiumsdiskussion im Berliner Kunsthaus Tacheles an, obwohl sie damals eigentlich gerade sehr ausgelastet war mit der Öffentlichkeitsarbeit für das VDBSI-Projekt einer Hundert-Bahnhöfe-Beschallungsinitiative. Bei dieser Gelegenheit übernahm sie das Ruder von den sichtlich überforderten Dudelstopp-Gründungsaktivisten und sorgt seither mit Geschick und Eleganz für eine ausgewogenes und politisch korrektes Auftreten des Projekts.


WIE ALLES BEGANN I

Ausbleibende Friedhofsruhe

Leo Greller (Initiative 'Dudelstopp' und ADS-Kandidat)Das Projekt 'Dudelstopp' beschäftigt sich mit Gratismusik im öffentlichen Raum. Zunächst polterte man unter dem Slogan `Musik ohne Zwang´ heftig gegen die Freunde kostenloser Hintergrundmusik und heimste damit zahlreiche Solidaritätsbekundungen überforderter Verbraucher ein. Mit Aussagen wie „unter einem wummernden Kophörer ist selten die Intelligenz, aber um so häufiger das ADS-Syndrom zu Hause“ wurde billiger Beifall eingeheimst. Einer differenzierten Betrachtung der komplizierten Problematik um Hintergrundmusik, die für viele die Lebensqualität erhöht und sie für wenige reduziert, war das alles eher hinderlich.

Die Stopper führten Musikkonservenattacken von Jugendlichen -beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr- als Beleg für die Entzivilisierung junger Menschen an: Heranwachsende wüssten durch das immer häufigere Fehlen von Geschwistern oder Vätern in der typischen modernen Familie mit Werten wie `Rücksicht´ nichts mehr anzufangen. Aussagen dieser Art mussten ohne ausreichende wissenschaftliche Beweise haltlos bleiben und stießen verständlicherweise bei den Redakteurinnen der öffentlich-rechtlichen Massenmedien auf wenig Gegenliebe. Die Aktion drohte für die Öffentlichkeit in Vergessenheit zu geraten.
Gegen die viel zu einseitige Vorgehensweise der Dudelstopper wandte sich Dr. Sonja Peters aus München-Schwabing: „Es muss ein fairer Ausgleich zwischen den Interessen der Musikindustrie und den wenigen Menschen herbeigeführt werden, die ihre Freiheit durch umsonst bereitgestellte Unterhaltungsprodukte aus welchen Gründen auch immer eingeschränkt sehen.“ Mit dieser klaren Kampfansage gegen allzu platten Populismus auf dem Rücken der durch die negativen sozialpsychologischen Begleiteffekte des demografischen Wandels ohnehin schwer angeschlagenen Jugend setzte sich die smarte BWL-Dozentin aus Bayern durch und wird in Zukunft das Image von Dudelstopp weiter entradikalisieren. Peters´ neuer Slogan für das Projekt lautet „Wollen wir Friedhofsruhe ?“.


EN DETAIL

Was bisher bei 'Dudelstopp' geschah

Die Projektreihe 'Dudelstopp' ist das älteste, der vier gesellschaftspolitischen Unternehmungen der freien Kunst- und Politikplattform moderne21 aus Berlin. Es startete unter großer öffentlicher Anteilnahme bereits im Frühjahr 2007 und nähert sich seither auf Zickzackkurs seinem eigentlichen Anliegen.

Unter der Erstbesetzung des Projekts ging man bei den damaligen 'Dudelstoppern' alles andere als zimperlich mit Andersdenkenden um. So wurde trotz der Brisanz des Themas selbst vor polemischen Slogans wie `Unter einem wummernden Kopfhörer steckt selten ein wacher Geist´ nicht zurückgeschreckt. Im Internet kursierte ein leider sehr populärer Videoclip zum Thema. Im August 2007 fand ebenfalls noch unter der alten Projektleitung im Berliner Kunsthaus Tacheles eine Podiumsdiskussion zum überambitionierten Thema `Musik ohne Zwang´ statt. Hierbei war glücklicherweise erstmals auch die offizielle Vertreterin der deutschen Beschallungsindustrie zugegen, Frau Sonja Peters, die heute übrigens unser neuausgerichtetes Projekt mit Rat und Tat unterstützt. Der `Verband der deutschen Beschallungsindustrie´ (VDBSI) reagierte damals offiziell auf das Dudelstopp-Projekt: In einer Presseerklärung wurde den damaligen Dudelstopp-Mitgliedern unfairer Umgang mit der Musikindustrie vorgeworfen. Auf den Dudelstopp-Essay `Wer nicht hören will muss leiden´ konterte VDBSI mit dem Text einer fähigen Mitarbeiterin. Im Mai 2008 wurde der polemische Dudelstopp-Clipp "Zoff in der S-Bahn wegen Musik" (bzw. 'Hater gegen Tussi') veröffentlicht und im Berliner `Kunsthaus Tacheles´ vorgestellt. Mit diesem auf jugendliche Internetsurfer ausgerichteten Clipp hatte man eindeutig überzogen, was die Beschallungsindustrie den damaligen 'Dudelstopp'-Verantwortlichen glücklicherweise nachhaltig deutlich machen konnte. Seither steht das Projekt unter neuer Aufsicht durch Frau Sonja Peters.
Für 2010 sind nun weitere konstruktive und mit der Musik- und Unterhaltungsindustrie abgestimmte Aktionen geplant, bei denen auf den zwanglosen Ausgleich zwischen der großen Masse der Musikbefürworter und der kleinen Minderheit von Musikabstinenzlern abgezielt werden wird. Die aggressiven und provokativen Töne aus den frühen Tagen des Projekts 'Dudelstopp' gehören hierbei ganz bewusst der Vergangenheit an. Ein harmonisches Miteinander scheint nach langer Zeit des Missvergnügens auf beiden Seiten möglich.


VORWÜRFE

Initiative `Dudelstopp´ dementiert Einflussnahme auf Gema

`Dudelstopp´-Sprecher dementiert Einflussnahme auf GemaDurch die geplanten Tarifsteigerungen der Musikrechtegesellschaft Gema für das öffentliche Abspielen von Musik sehen sich viele Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Nun geriet auch die Initiative `Dudelstopp´ in die Kritik: Mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement gegen unfreiwilligen Musikkonsum im öffentlichen Raum soll sie den Boden für das radikale Vorgehen der Gema bereitet haben. Die Kulturaktivisten weisen die Vorwürfe von sich.

Es wird erwartet, dass die enormen Tarifsteigerungen der Gema die Verbreitung von Musik für kleine und mittelständische Unternehmungen nahezu unbezahlbar machen würden: Große Handelsketten könnten sich die extrem verteuerten Klangerzeugnisse vermutlich weiterhin leisten, die gerade bei jungen Leuten beliebten Discotheken und Clubs gerieten hingegen voraussichtlich wirtschaftlich ins Straucheln.
Daher wird gemeinnützigen Vereinen wie `Pipedown´ aus Hamburg und musikkritischen Initiativen wie `Dudelstopp´ aus Berlin in diesen Tagen unterstellt, sie würden das Unglück der Club- und Diskothekenbetreiber hinter vorgehaltener Hand begrüßen. Schließlich führten die Pläne der Gema mit den aus ihnen resultierenden Kostensteigerungen für das Unterhaltungsgewerbe vielerorts de facto zur Unbezahlbarkeit von Musik in der Öffentlichkeit - `Pipedown´ und `Dudelstopp´ hätten ein wichtiges Teilziel ihrer jeweiligen Agenda erreicht.

Um diesen unguten Eindruck entgegenzutreten, stellt der Sprecher Jens-Martin Scharf für die Initiative `Dudelstopp´ klar: `Unsere zivilgesellschaftliche Bewegung hat zu keinem Zeitpunkt politischen oder finanziellen Einfluss auf die Gema ausgeübt, um den öffentlichen Raum in der Bundesrepublik zu beruhigen.´ Daher ruft Scharf zur Teilnahme an der für den 25. Juni geplanten Protestkundgebung vor dem Frannz-Club im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg auf, wo die Gema ein Mitgliederfest veranstaltet.


NOISE AWARENESS DAY

`Tag gegen Lärm´ sollte inhaltlich weiter gefasst werden

Frieden, Ruhe, AusgeglichenheitAm Mittwoch, den 27.04.2011, fand der diesjährige `Tag gegen Lärm´ der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) statt. Aus diesem Anlass plädiert die zivilgesellschaftliche Initiative `Dudelstopp´ dafür, den Kampf gegen auditive Emissionen auch auf unerwünschte Musikbeschallung im öffentlichen Raum auszudehnen: Man wisse um das gewachsene Problembewusstsein bei der Musikindustrie sowie den einschlägigen Verwertungsgesellschaften und hielte die Thematisierung aggressiver Musik-Emissionen am `Tag gegen Lärm´ daher für zukunftsweisend.

Die zivilgesellschaftliche Initiative `Dudelstopp´ aus Berlin geht auf Entscheidungsträger der Musikindustrie zu, um sie auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Konkret schlagen die mitunter auch auf satirische Aktionsformen zurückgreifenden Dudelstopper die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds aus Abgaben auf Musikprodukte für diejenigen vor, die sich durch die Geräte der Unterhaltungsbranche beeinträchtigt fühlen. Mit relativ geringem finanziellen Aufwand könnten Schutzmaßnahmen vor Lärm und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden. Auf diese Art würde zwischen den subjektiv Leidenden und den legitimen Interessen der Wirtschaft ein Ausgleich geschaffen. Die Dudelstopper sind optimistisch, dass die Musikindustrie ihrer Verantwortung für die Lebensqualität einer großen Zahl von Menschen gerecht werden und früher oder später auf die berechtigten und moderaten Forderungen eingehen wird.
Mehrere konkrete Anfragen bezüglich des vorgeschlagenen Hilfsfonds beim Bundesverband Musikindustrie e.V. blieben allerdings bisher unbeantwortet. Daher begrüßt `Dudelstopp´-Aktivistin Sonja Peters den International Noise Awareness Day: „Der `Tag gegen Lärm´ wird die Professoren und Doktoren aus den Vorständen der organisierten Musikprofiteure möglicherweise noch einmal an ihre Verantwortung gegenüber der kleinen Minderheit von Menschen erinnern, die ihr Recht auf auditive Selbstbestimmung gestärkt sehen wollen.“


NEUE WELT

Völkerverbindende Einkaufsmusik

Innehalten und Lauschen im EinkaufsstressDie sich immer wieder durch kontroverse Diskussionsbeitäge ins Spiel bringende Initiative `Dudelstopp´ profilierte sich jüngst sowohl als Fürsprecherin für freie unternehmerische Entfaltung als auch für gegenseitiges interkulturelles Besingen im Dienste des Weltfriedens.

Kampagnenaktivisten und Sympathisanten der Linzer Hörstadt haben sich erneut angemaßt, Geschäftstreibende dafür zu kritisieren, die Kunden in ihren Läden mit Gratismusik zu versorgen. Die zweifelhafte Auszeichnung als 'Zwangsbeschaller des Jahres 2011' ging dem Vernehmen nach an ein spanisches Modeunternehmen in Österreich, bei dem durchgeführte Schallpegelmessungen im Testkaufverfahren am Westbahnhof in Wien einen durchschnittlichen Schallpegel von 81 Dezibel und Spitzen bis zu 101 Dezibel ergaben. Die Initiative `Dudelstopp - wollen wir Friedhofsruhe ?´ verurteilt die Attacke auf den Servicegedanken als markt- und konsumfeindlich und sieht - verursacht durch fanatische Musikgegner - bereits weiteren Sturm aufziehen:
Es bedarf nämlich leider durchaus keiner prophetischen Fähigkeiten um vorherzusagen, dass der dieses Jahr in Aserbaidschan - genauer in dessen Hauptstadt Baku - stattfindende European Song Contest ebenfalls wieder einmal die Gegner unfreiwilligen Musikkonsums auf den Plan rufen könnte. Diesmal wird ihr nerviges Agieren jedoch - so ist zu hoffen - besonders wirkungslos verpuffen, denn niemand kann abstreiten, dass dem Gesangswettbewerb ein eindeutig völkerverbindender Aspekt bei aller Kritik am vermeintlich konformen Plastik-Folklore-Sound der Veranstaltung ernsthaft nicht abzusprechen ist. Bleibt nur zu hoffen, dass keiner der Kritiker den unschönen Gedanken ins Spiel bringen wird, die autoritär regierte vorderasiatische Kaukasus-Republik Aserbaidschan gehöre geographisch und kulturell nicht wirklich zu Europa. Das würde möglicherweise ein wenig Luft aus der ganzen gut gemeinten Veranstaltung nehmen, die die Aktivisten der Initiative `Dudelstopp´ ausdrücklich aus vollem Herzen unterstützen.


COURAGE

Handyraub im Elbvorort

In der Idylle der Hamburger Elbvororte geschah das Unfassbare In einer Hamburger S-Bahn wurde kürzlich einer lautstark telefonierenden Frau ihr etwa 700 Euro teures Smartphone von einem 46jährigen Fahrgast entrissen und aus dem Fenster geworfen.

Dem Vernehmen nach hatten mehrere Mitreisende die offenbar unter Alkoholeinfluss stehende Dame vergeblich darum gebeten, ihre Stimme während des Telefonats zu senken. Die S-Bahn wurde unmittelbar nach dem Vorfall angehalten, woraufhin die Bundespolizei erfolglos mit mehreren Beamten die Gleise nach dem kostspieligen Gerät absuchte. Vier weitere Züge fuhren wegen des Zwischenfalls mit Verspätungen. Gegen den mutmaßlichen Gewalttäter wurde Strafanzeige gestellt.

Die S-Bahn der Linie 1 war am frühen Freitagmorgen offenbar auf dem Weg von Altona nach Wedel als sich der Zwischenfall ereignete. Damit befand sich der Unglückszug in unmittelbarer Nähe zur Heimat des Initiators der zivilgesellschaftlichen Initiative `Dudelstopp - wollen wir Friedhofsruhe ?´ Hartmut Lühr, der sich daher zu einer kurzen Stellungnahme veranlasst sah:
"Die Medien sollten den äußerst bedenklichen Vorfall nicht zu einem Akt vermeintlich bürgerlicher Zivilcourage hochstilisieren: Nach allem, was wir wissen, handelt es sich um eine Straftat. Wenn ich mich in die Lage der Frau versetze, der ihr teures Handy entwendet wurde, wobei ihr angetrunkener Zustand in besonders perfider Manier ausgenutzt wurde, wird mir ganz anders. Hier sieht man einmal mehr, wozu die Verfechter von mehr Stille und Ruhe im öffentlichen Raum hinter der Maske der Rücksicht und vermeintlichen Toleranz fähig sind. Wenn charakterlich ungeeignete Personen versuchen, das - in diesem Fall redselige - Naturell der Menschen zu verändern, endet das schnell in Anarchie oder Faschismus.
Die Menschen in Deutschland dürfen von den Bewohnern der Hamburger Elbvororte kein falsches Bild bekommen, daher sollten der mutmaßliche Täter hart bestraft und das Opfer großzügig entschädigt werden. Ich betone noch einmal: DER Täter und das Opfer - nicht etwa DIE Täterin und das Opfer. Wir leben schließlich in Deutschland."


NIVELLIERUNG

Rote Rosen sollen für alle regnen

Irgendein Gewächs, das herhalten muss, bis wir uns an dieser Stelle richtige Rosen leisten könnenWie weit die Demokratisierung - böse Stimmen sprechen auch von Vulgarisierung oder Sozialdemokratisierung - der elektronischen Massenmedien mittlerweile fortgeschritten ist, konnte kürzlich im Fernsehen bestaunt werden - bei einer 90minüten Dokumentation (`Hilde Knef - Ein Weltstar aus Berlin´) von Jens Rübsam über das Leben von Hildegard Knef, der bislang letzten deutschen Diva in den Bereichen Schauspiel, Gesang und Literatur.

Anlässlich ihres zehnten Todestages berichteten Freunde, Verwandte und Wegbegleiter der Legende aus dem westlichen Nachkriegsdeutschland, wie Schauspielkollege Thomas Fritsch, Musiker Till Brönner, Tochter Christina Palastanga ihre Eindrücke und Erinnerungen. Daneben durfte auch der bunte Paradiesvogel Hella Von Sinnen - offensichtlich bar aller Selbstzweifel, ob sie stilistisch oder gar `künstlerisch´ überhaupt etwas mit der Knef verbindet - Stellung zu Lebensstationen der Diva beziehen. Es ist bemerkenswert mutig vom öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen, bisherige Standards in punkto Niveau so offensiv abzusenken und damit auch hinsichtlich ihres Bildungsstands benachteiligten und ausgegrenzten Gebührenzahlern die Möglichkeit zu geben, sich an das kulturelle Zeitgeschehen vergangener Jahrzehnte `von einer der ihren´ heranführen zu lassen.
Womöglich wäre dieses Experiment noch vielversprechender ausgegangen, wenn man neben den Auslassungen Von Sinnens auch Kommentare von Trash-Ikonen wie Vera Int-Veen oder Barbara Salesch zugelassen hätte. Es war natürlich auch unvermeidlich, dass Kai Havaii in der Dokumentation erscheinen durfte. Der Sänger der NDW-Band Extrabreit hatte zu einem Zeitpunkt, zu dem die Diva altersbedingt offenbar schon nicht mehr über aureichend Widerstandskraft verfügte, mit ihr gemeinsam ihren größten Plattenerfolg Für mich soll´s rote Rosen regnen marktkonform `verdudelt´ beziehungsweise `verrockt´ und somit weit mehr als `nur´ das Spaßpublikum von der Hamburger Reeperbahn mit den Klängen der menschenverachtenden Vor-68er-Ära versöhnt.


ÄSTHETIK

Kritik an Piepsstimmen ist frauenfreindlich

Frauen mit unzumutbarer Stimme dürfen massenmedial nicht ausgegrenzt werdenDie ganz überwiegende Mehrheit der Bundesdeutschen hat sich längst daran gewöhnt, bei der medialen Präsenz weiblicher Darstellerinnen, Politikerinnen oder Expertinnen über deren teilweise als sehr unangenehm empfundenen Sprechstimmen `hinwegzuhören´. Auf dem Weg zu einer gerechteren Mediengesellschaft ohne Diskriminierungen ist diese Entwicklung zweifellos zu begrüßen.

Durften Zuschauerinnen und Zuschauer, Zuhörerinne und Zuhörer von Fernseh- und Radioprogrammen seit Beginn der elektronischen Massenmedien hierzulande bis in die Achtziger Jahre hinein die wohlklingenden Stimmen von Dagmar Berghoff, Angelika Unterlauf oder Karin Anselm angenehm auf sich wirken lassen, so haben sie heute mit den enervierenden verbalen Emmissionen von Barbara Salesch, Heidi Klum oder Charlotte Roche zu leben gelernt.
Lange vorbei sind die Zeiten als nur Frauen mit einer angenehmen Stimme es in die Programme der Fernseh- und Radiosender schafften und solche mit einem entsprechenden landläufig als unangenehm empfundenen `schrillen´ oder `piepsigen´ Organ empfohlen wurde, ihrem für andere unzumutbaren Manko mit Hilfe einer logopädischen Behandlung zu Leibe zu rücken.

Die von einer politisch unkorrekten und möglicherweise latent frauenfeindlichen Minderheit als unangenehm empfundenen Sprechstimmen gewisser Schauspielerinnen, Journalistinnen und anderer Aktricen des medialen und öffentlichen Lebens signalisieren dem modernen Teil der Bevölkerung, dass die Angleichung der Geschlechter auf einem guten Weg ist, wenn von weiblichen Menschen nicht mehr automatisch erwartet wird, angenehm auf ihre Umwelt zu wirken. Die Sozialdemokratisierung der elektronischen Medien seit der Einführung der Privatsender hat ihren Beitrag dazu geleistet. Das einst schöne und ästhetisch anspruchsvollere Geschlecht hat sich besonnen und tritt mittlerweile zum Glück ebenso aggressiv und bisweilen eben auch `nervig´ auf, wie das ehemals `starke´ Geschlecht.


ENGAGEMENT

Einsatz für die lauschende Mehrheit

Um konkrete Verbesserungen im Verhältnis zwischen Produzenten und freiwilligen als auch unfreiwilligen Konsumenten von Musikprodukten zu erreichen, wirbt die Initiative 'Dudelstopp' für die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds durch die Unterhaltungsindustrie. Er ist für diejenigen gedacht, die sich durch den zunehmenden Einsatz vermeintlich allgegenwärtiger Abspielgeräte beeinträchtigt fühlen. Mit Hilfe eines geringen finanziellen Beitrags der Hersteller von Unterhaltungselektronik könnten bereits in naher Zukunft Lärmschutzmaßnahmen, therapeutische Hilfe und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden.

Es handelt sich dabei nicht um den ersten Vorschlag der 'Dudelstopper': In der Vergangenheit forderten die Satire-Aktivisten bereits die Umkehr des Vergütungsprinzips der Gema und wollten so den Geldstrom weg von den Musikern in Richtung der Hörer umleiten. Obwohl die Gema allgemein als modern und aufgeschlossen gilt, wurde diese Idee bisher nicht aufgegriffen. Auch eine für die Hersteller von Abspielgeräten angeregte spezielle 'Dudelstopp'-Taste für DVD-Player zum An- und Ausschalten von Filmmusik wurde bisher nicht realisiert.
Die Akteure der Initiative 'Dudelstopp' verblüffen unterdessen mit ungewöhnlich offenen und ehrlichen Positionen: So vertreten sie die These, dass die Bereitstellung von Gratisbeschallung im öffentlichen Raum ein Segen für alle diejenigen ist, die sich teure Musik nicht leisten könnten – hiermit wird nicht zuletzt eine Lanze für Millionen Hartz IV-Abhängige gebrochen. Übersensitiven Musikgegnern halten sie unterdessen vor, dass diese weitaus mehr Toleranz einfordern als Menschen mit einem gesunden Bedürfnis nach musikalischer Untermalung und Akzentuierung ihres Alltagslebens.
Auch Verschwörungstheorien wird eine klare Absage erteilt, wenn die Aktivisten um Dr. Sonja Peters und Hartmut Lühr bestreiten, dass durch das Zusammenspiel funktioneller Musik und zugegebenermaßen penetranter Stimmen beispielsweise von Radiomoderatorinnen altmodische und übertriebene Qualitätsansprüche abgesenkt werden sollen, um die Verbraucher abstumpfen und unkritischer werden zu lassen. Stattdessen werden konsequent alle Versuche zurückgewiesen, die freie Persönlichkeitsentfaltung, die einst hart erkämpft wurde, in Sachen Musik wieder zurückzuschrauben.


BEHARRLICHKEIT

Gegner aggressiven Musikvertriebs legen nach

Auch der Hamburger Verein `Lautsprecher aus!´ kritisiert die schädlichen Auswüchse der UnterhaltungsindustrieDer Hamburger Verein `Lautsprecher aus!´ unterstützt als Teil der weltweiten `Pipe down´- Bewegung die Initiative `Dudelstopp´ bei ihrem Vorstoß, den `Bundesdeutschen Musikverband e.V.´ (BVMI) zu einer Zusammenarbeit für mehr Verbraucherschutz zu bewegen. Der BVMI ignoriert bisher das Angebot der zivilgesellschaftlichen Initiative 'Dudelstopp', gemeinsam die Einrichtung eines Hilfsfonds für die Opfer aufgedrängter Musik im öffentlichen Raum voranzutreiben. Das Gesprächsangebot an den BVMI wird weiterhin aufrecht erhalten.

Durch die Solidarität des gemeinnützigen Vereins `Lautsprecher aus!´ mit dem Vorstoß der Dudelstopper erfahren diejenigen, die das Recht auf auditive Selbstbestimmung gestärkt sehen wollen, zusätzliche Unterstützung. Dietrich Claus vom Verein `Lautsprecher Aus !´, dessen Ziele unter anderem von Justus Franz, Kurt Masur und Dieter Hallervorden befürwortet werden, sieht sich dem `11.Gebot – Du sollst nicht lärmen!´ des Schriftstellers Robert Gernhardt verpflichtet: „Unfreiwillige Verbraucher sind letztendlich ebenfalls Verbraucher, denen ein Mindestmaß an Schutz nicht länger vorenthalten werden darf. Wir unterstützen daher das Vorgehen der Initiative `Dudelstopp´, die mit satirischen Mitteln ein Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, unter dem eine wachsende Anzahl von Menschen leidet.“
Die zivilgesellschaftliche Initiative `Dudelstopp´ sieht ihre Aufgabe darin, auf Entscheidungsträger der Musikindustrie zuzugehen, um sie auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Konkret schlagen die Dudelstopper die Einrichtung eines freiwilligen Hilfsfonds aus Abgaben auf Musikprodukte für diejenigen vor, die sich durch die Geräte der Unterhaltungsbranche beeinträchtigt fühlen. Mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand könnten Lärmschutzmaßnahmen und öffentliche Aufklärungsarbeit finanziert werden. Auf diese Weise würde zwischen den subjektiv Leidenden und den berechtigten Interessen der Wirtschaft ein Ausgleich geschaffen. Die Dudelstopper sind zuversichtlich, dass die Musikindustrie sich ihren berechtigten und zudem maßvollen Forderungen nicht mehr lange entziehen kann.


Musikkritiker als Wutbürger auf einer Demonstration 2007 in Berlin (Foto: Daniel Fallenstein) HARMONIE

Frieden mit der Unterhaltungsindustrie

'Dudelstopp' ist eine zivilgesellschaftliche Initiative der offenen Politik- und Kunstplattform moderne21. Sie thematisiert die Zunahme der Musikbeschallung im öffentlichen als auch im privaten Raum und nutzt dabei satirische Mittel.

Die Mitstreiter werben zwar um Rücksicht für die kleine Minderheit von Menschen, die sich durch aufgedrängte Musik beeinträchtigt fühlt - im Supermarkt, durch Wohnungswände hindurch, im Wartezimmer. Hierbei treten sie aber auch für die berechtigten Interessen der Unterhaltungsindustrie und gegen die Verteufelung offensiven Musikkonsums ein, kurz: Die 'Dudelstopp'-Initiative setzt sich provokativ mit der Frage auseinander, wie eine Welt aussähe, in der Musik nur noch im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen dürfte.

Hinter 'Dudelstopp' stehen zum einen Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen wollen, die bevorzugt einen statt zu spalten, und das lieber als Gut- denn als Wutbürger. Zum anderen wird die Initiative von aufgeschlossenen Vertreterinnen und Vertretern der Industrie unterstützt, wie dem Verband der deutschen Beschallungsindustrie (VdBsI) mit der rastlosen Dr. Sonja Peters. Bei 'Dudelstopp' will man schlichten zwischen Menschen mit einer Abneigung vor den Musik-Emissionen anderer und Menschen mit einer Stille-Phobie, man will vermitteln zwischen der Unterhaltungsindustrie und vermeintlichen Musikopfern. Ziel ist ein Ausgleich zwischen subjektiv Leidenden und berechtigten Wirtschaftsinteressen.
Eine Thematisierung der gesellschaftlichen Ursachen für schwindende Rücksichtnahme sowie der wachsenden Furcht vieler Bürger vor Stille und damit assoziierter Einsamkeit will 'Dudelstopp' vermeiden, denn die Veränderungen des Sozialverhaltens durch den demographischen Wandel gelten in den Massenmedien zu Recht als Tabu. Darüber hinaus ist es nicht bewiesen, dass das immer häufigere Fehlen von Geschwistern oder Vätern in der typischen modernen Familie automatisch zu egoistischerem Verhalten oder gar der Verrohung junger Menschen führt. Wissenschaftliche Beweise hierfür stehen aus oder werden aus guten Gründen nicht veröffentlicht.


Musik als Waffe ? ANTWORT AUF ZEITDOKUMENT

Selbstmord aus Angst vor dem Leben ?

Einst kämpfte man für die freie Persönlichkeitsentfaltung – heute will man sie in Sachen Musik wieder zurückschrauben ... ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ist die Individualisierung nun eine gute Sache oder neuerdings wieder nicht ? Akzeptieren wir musikbejahende Lebensstile als gleichberechtigt oder wollen wir vielleicht doch lieber ein bisschen gleicher sein als andere ?

Neue soziale Bewegungen, zu denen sich auch die Gruppe `Dudelstopp´ zählt, sind traditionell von fortschrittlicher Gesinnung. Dennoch bringen es die Musikfeinde fertig, die Angehörigen des in ihren Augen besonders rücksichtslosen 68er-Milieus, also unbestritten die Ziehväter und Ziehkinder moderner Protestinitiativen, als Unruhestifter in den Chefsesseln der Unterhaltungsindustrie auszumachen. Was die Dudelstopp-Aktivisten nicht wahrhaben wollen: Nicht der Lärm nimmt zu – wir haben es jedoch häufiger mit übersensitiven Personen zu tun ! Und anders als umgekehrt verhalten wir uns denen gegenüber tolerant: Der VDBSI versucht nicht Menschen, die die modernen Zivilisationsgeräuschen ablehnen, daran zu hindern, in Meditationsworkshops, Schweigeseminaren oder Klosterklausuren nach Stille suchen. Wir Musikbefürworter müssen übrigens ebenfalls ungefragt zuhören, wenn die Massenmedien über populistische Bürgerbewegungen wie Dudelstopp berichten und sind trotzdem souverän genug, hier nicht unsererseits einen Betroffenheits- bzw. Laberstopp zu fordern.
Zum Totschlag-Argument 'Guantanamo': Musik kann also auch als Waffe eingesetzt werden ? Welch atemberaubende Erkenntnis ! Wie meinte Loriot doch einst: Marzipan in großen Mengen sei mindestens ebenso unbekömmlich wie konventionelle Schützenpanzerwagen ... Wir geben gerne zu, dass dies sicher auch für große Mengen an Gebrauchsmusik gilt. Aber wer bitte verbringt denn tatsächlich mehr als ein paar Stunden pro Woche in Warenhäusern oder musikbeschallten Wartezimmern von Arztpraxen ? Und ist Musik als Waffe -wenn sie denn als solche missbraucht wird- nicht tatsächlich anderen Gewaltmitteln vorzuziehen ? Ist ihr Einsatz nicht sympathischer als mit Messern aufeinander loszugehen und somit gar als zivilisatorischer Fortschritt zu sehen ? Eine solche Sichtweise erschließt sich einem allerdings nur dann, wenn man nicht hoffnungslos in der eigenen Opfermentalität verfangen ist. Hier ist der VDBSI bei den Dudelstopp-Sympathisanten leider wenig optimistisch. Aber wir wollen gerne weiter hoffen.