moderne21 - Politik, Satire, Zivilgesellschaft




MACHTSPIELE

Ehrlicher Gestank oder politische Hygiene ?

Tacheles-Künstler und Sympathisanten im Berliner Landgericht, das kurz darauf die Bedürfnisse von Spekulanten über das Gemeinwohl stellte Erklärte Gegner des weltbekannten `Kunsthauses Tacheles´ aus dem politik- und wirtschaftsnahen Umfeld werfen dessen Betreibern gerne den unfeinen Zustand der Berliner Institution vor. Es verhält sich jedoch so, dass vor einigen Jahren den subventionsfreien Tachelesen von einem gewissen mit Steuergeldern unterstützten und eigentlich dem Gemeinwohl verpflichteten norddeutschen Kreditinstitut aus purer Bosheit das Wasser abgedreht wurde. Das Haus sauberzuhalten ist seither deutlich schwieriger geworden und eine enorme Knochenarbeit für die Betroffenen. Manche Touristen benehmen sich eben leider nicht sehr vornehmen. Jetzt den Künstlern aus dem vermeintlichen Gestank einen Strick drehen zu wollen, wirkt daher auf unvoreingenommene Betrachter etwas zynisch - zumal dies wunderbar ins Konzept der erwähnten Bank passen würde.

Im Streit um den Vorsitz der Euro-Gruppe zwischen Berlin und Paris, zeichnet sich ein fauler Kompromiss ab: Offenbar ist geplant, dass zunächst Finanzminister Schäuble die Nachfolge für den Luxemburger Juncker übernehmen soll und danach sein französischer Kollege Moscovici.
Minister Schäuble verzichtet entgegen dem Rat des Bundes der Steuerzahler auf Rückforderungen in Millionenhöhe für die Insolvenz rund um das Berliner Tacheles-Areal vom bekannten Pleite-Investor August Schadfeld (Name geändert). Dies geht nicht nur auf Kosten der Künstler der weltbekannten Berliner Institution (die jetzt vermutlich zwangsgeräumt werden müssen) sondern auch auf Kosten der Hamburger und Schleswig-Holsteiner Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Wenn der Mann im Kleinen - es handelt sich `nur´ um einen zweistelligen Millionenbetrag - nichts für die Bürger zu tun bereit ist, wieviel Schaden kann er dann im Großen auf europäischer Ebene anrichten ?
Die `Piraten´ waren immerhin die einzige Partei in Berlin, die sich gegen das abgekartet anmutende Plattmachen des weltbekannten Kunsthauses Tacheles eingesetzt haben. Leider umsonst. Von den vermeintlichen Oppositionsparteien `Grüne´ und `Linke´ kam jedenfalls keinerlei Hilfe.


BESCHALLUNG

Hier spielt die Musik

Politiker der Piratenpartei in einer öffentlich-rechtlichen Veranstaltung (hoffentlich ordnungsgemäß angemeldet bei der GEMA) Ein Hamburger Nachrichtenmagazin veröffentlichte kürzlich ein Streitgespräch zwischen dem als `Musiker´ titulierten Hamburger Jan Delay - der vermutlich mit einem Dolmetscher ins Redaktionsbüro kam - und dem Berliner Abgeordneten der Piratenpartei Christopher Lauer, in dem diese um die Frage stritten, ob Musik im Internet straf- und kostenlos herunterzuladen sei. Im Zuge der Unterhaltung offenbarte der von den Mainstreammedien hochgeschriebene und bejubelte Delay sein Kunstverständnis folgendermaßen: "Ich bin HipHopper. Wir malen nachts Züge an ! Wir klauen Musik und machen daraus neue Musik ! Das ist unsere Kunst." - eine Äußerung des allem Anschein nach unter Dysglossie leidenenden Delay, bei der alle sozialkritischen Spiegel- und Zeit-Journalisten sowie natürlich sämtliche Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen aus den feinen Hamburger Stadtteilen Eppendorf und Winterhude ins Schwärmen geraten sein dürften. Zum Abschluss des Gesprächs verkündete Delay, der Vertreter der Piratenpartei habe sich eine Abmahnung eingehandelt, da er im Verlauf des Gespräches zugegeben habe, illegal eine Folge von `Family Guy´ aus dem Netz heruntergeladen zu haben. Dass die Schilderungen des Kunstverständnisses des Medienlieblings Delay `Wir malen nachts Züge an !´ irgendwelche rechtlichen Konsequenzen haben könnten, davon ist indes nicht auszugehen.

Mit Freude haben indes die Aktivisten der Musikindustrie aufgenommen, dass Wirtschaftsminister Philipp Rösler Mitglied des ZDF-Fernsehrats wird. Es sei davon auszugehen, dass der FDP-Experte seinen Einfluss geltend mache und die Programmmacher in ihrem bisherigen Tun und Machen für ein konstruktives und staatsbejahendes Fernsehen bestärken werde. Vermeintlich bedenkliche musikalische Sendereihen wie `Willkommen bei Carmen Nebel´ oder der `Eurovision Song Contest´ im `Schwesterkanal´ ARD hätten vom ehemaligen Gesundheitsminister Rösler nichts zu befürchten - schon gar nicht, dass Argumente, sie schadeten der Gesundheit vieler Menschen (Blutdruck, psychische Störungen etc.) über Gebühr Einzug in die Expertengremien der Fernsehverantwortlichen fänden. Auch für das in libertären Kreisen gerne bemühte Schreckensbild eines mit Hilfe der GEZ finanzierten Zwangsgebühren-Fernsehens zeigte sich der Minister der ehemals `liberal´ gescholtenen freidemokratischen Partei bisher glücklicherweise nicht anfällig.


POLITIK

Walpurgisnacht in Nord-Korea ?

Der real existierend Sozialismus ist erfahrungsgemäß reich an Zäunen. Na und ? Während hochbezahlte Experten warnen, das Grönland-Eis werde komplett abschmelzen, wenn die Menschen der nördlichen Hemnisphäre sich nicht endlich unter ein striktes Öko-Regime begeben, sind von verantwortungslosen Zeitgenossen Statements zu vernehmen, wie: "Unsere tägliche Katastrophenmeldung gebt uns heute, liebe Experten ! Mit Dank von jemandem, den ihr in seiner Jugend mit den Meldungen vom unausweichlichen Waldsterben kirre gemacht habt."

Die Planungen zur antikapitalistischen `Walpurgisnacht´ (`Gegen Rassismus und Ausgrenzung - für eine solidarische Gesellschaft´) im ehemaligen Arbeiter-(und jetzt HartzIV-)Stadtteil Berlin-Wedding wurden dieses Jahr leider von billiger Polemik begleitet. So wurde etwa gefragt: `Wenn man den Sozialismus wirklich authentisch im Wedding simulieren wollte, müsste man noch eine Mauer um den Ortsteil ziehen. Denkende und arbeitende Menschen verlassen nämlich erfahrungsgemäß spätestens nach ein paar Jahren ein Land, wenn dort weltfremde gesellschaftspolitische Menschenexperimente durchgeführt werden, bei denen einige wenige Bonzen auf Kosten der anderen leben wollen.´ Gemeinheit ! Auch die Beispiele der jeweils für ihre Bürger ausreisesicheren letzten realsozialistischen Staaten Nord-Korea und Kuba sind an dieser Stelle durchaus nicht hilfreich.

Im ARD-Presseclub diskutieren wöchentlich und geschlechterparitätisch besetzt jeweils zwei Journalistinnen und zwei Journalisten über aktuelle politische Themen. Nun kursieren Gerüchte, parallel solle auf einem Ausweichsender unabhängig politisch korrekter Quotierungen eine formal gleiche Sendung mit repräsentativer Journalistenbeteiligung gesendet werden, was de-facto zwar keine Journalistinnen ausschlösse, vermutlich über dennoch überwiegend auf Männerrunden hinausliefe. Als krudes Argument wird das im Gegensatz zum Anschein, den öffentlich-rechtliche Sendungen wie der Presseclub aus guten Gründen erwecken, lebensweltlich faktisch weit geringere Interesse von Frauen an politischen Themen angeführt. Auch die geringere Aggressivität und größere Konformität von Pressemitarbeiterinnen wie Merlind Theile oder Ines Pohl gegenüber Gabor Steingart oder Henning Krumrey spielten demnach eine Rolle, warum die überwiegend männlichen Zuschauer von Polittalk beim Anblick zu vieler Quoten-Journalistinnen den Kanal wechselten. Dennoch ist die Einführung eines vermeintlich `repräsentativen´ Presseclubs der Einschaltquote oder der Unterhaltung der Zuschauer wegen abzulehnen. Sie würde nur dazu führen, dass unzutreffende Vorurteile mangelnden weiblichen Politikinteresses verstärkt werden könnten.


COURAGE

Handyraub im Elbvorort

In der Idylle der Hamburger Elbvororte geschah das Unfassbare In einer Hamburger S-Bahn wurde kürzlich einer lautstark telefonierenden Frau ihr etwa 700 Euro teures Smartphone von einem 46jährigen Fahrgast entrissen und aus dem Fenster geworfen.

Dem Vernehmen nach hatten mehrere Mitreisende die offenbar unter Alkoholeinfluss stehende Dame vergeblich darum gebeten, ihre Stimme während des Telefonats zu senken. Die S-Bahn wurde unmittelbar nach dem Vorfall angehalten, woraufhin die Bundespolizei erfolglos mit mehreren Beamten die Gleise nach dem kostspieligen Gerät absuchte. Vier weitere Züge fuhren wegen des Zwischenfalls mit Verspätungen. Gegen den mutmaßlichen Gewalttäter wurde Strafanzeige gestellt.

Die S-Bahn der Linie 1 war am frühen Freitagmorgen offenbar auf dem Weg von Altona nach Wedel als sich der Zwischenfall ereignete. Damit befand sich der Unglückszug in unmittelbarer Nähe zur Heimat des Initiators der zivilgesellschaftlichen Initiative `Dudelstopp - wollen wir Friedhofsruhe ?´ Hartmut Lühr, der sich daher zu einer kurzen Stellungnahme veranlasst sah:
"Die Medien sollten den äußerst bedenklichen Vorfall nicht zu einem Akt vermeintlich bürgerlicher Zivilcourage hochstilisieren: Nach allem, was wir wissen, handelt es sich um eine Straftat. Wenn ich mich in die Lage der Frau versetze, der ihr teures Handy entwendet wurde, wobei ihr angetrunkener Zustand in besonders perfider Manier ausgenutzt wurde, wird mir ganz anders. Hier sieht man einmal mehr, wozu die Verfechter von mehr Stille und Ruhe im öffentlichen Raum hinter der Maske der Rücksicht und vermeintlichen Toleranz fähig sind. Wenn charakterlich ungeeignete Personen versuchen, das - in diesem Fall redselige - Naturell der Menschen zu verändern, endet das schnell in Anarchie oder Faschismus.
Die Menschen in Deutschland dürfen von den Bewohnern der Hamburger Elbvororte kein falsches Bild bekommen, daher sollten der mutmaßliche Täter hart bestraft und das Opfer großzügig entschädigt werden. Ich betone noch einmal: DER Täter und das Opfer - nicht etwa DIE Täterin und das Opfer. Wir leben schließlich in Deutschland."


GESELLSCHAFT

Mit der Quote ins Krankenhaus

Gefahren des nicht ausreichend der Quote unterworfenen Gesundheits- und Sozialwesens Laut eines Langzeitvergleichs zufolge ist die Zahl der Krankschreibungen insbesondere bei Frauen wegen psychischer Erkrankungen in der Bundesrepublik deutlich gestiegen. Als Gründe werden erhöhte Eigenverantwortung, höhere Flexibilitäts-Anforderungen im Arbeitsleben und nicht-kontinuierliche Beschäftigungsverhältnisse genannt. Die Bundestagsabgeordnete der sogenannten `Linken´ Krellmann forderte als Konsequenzen eine Anti-Stress-Verordnung sowie die Eindämmung von befristeten Verträgen und Leiharbeit. Vom Vorschlag einer Geschlechterquote für Frauen in Führungspositionen von Unternehmen (im Volksmund: `Tussi-Quote´) soll dennoch nicht abgerückt werden.
Hierzu meinte Anke Holpert-Mang von der zivilgesellschaftlichen Initiative `Wahlzusage´, es würde allen vernunftbegabten Menschen und Menschinnen unschwer einleuten, dass eine von Lehrerinnen und Lehrern oder von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern gesteuerte quotenoptimierte Ökonomie selbstverständlich für ein besseres Klima und damit auf lange Sicht auch für bessere volkswirtschaftliche Ergebnisse sorgen würde. Wer sich dieser Einsicht mutwillig verschließe - etwa aus ideologischen oder rationalen Gründen - der oder die handele unverantwortlich und schade der Gerechtigkeit nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in der Europäischen Union.

Junge, moderne und dynamische Unternehmensberaterinnen werden häufig zitiert mit ihrem Wehklagen darüber, dass Kinderkriegen wegen mangelnder Unterstützung seitens der allzu häufig abwesenden Großeltern nahezu unmöglich gemacht werde. Wir von der Initiative fragen uns hierbei `Wo sind die Alten eigentlich alle hin ?´ Diese Frage ist tatsächlich schwer zu beantworten. Wir werden doch zum einen angeblich immer älter. Also muss es doch zum anderen auch mehr Großeltern geben (gab´s beispielsweise in den 70er Jahren zu Hauf - die waren nett und haben sich gerne gekümmert) ... Sind die Senioren heutzutage alle auf Malle ? Oder lassen die sich von Politik und Medien ihre Wichtigkeit einreden und machen noch ein Spätstudium respektive schreiben Bücher, die niemand lesen will ?



GEWALT

Von Breivik bis Spartacus

Medienarbeit Um ein Haar wäre der norwegische Terrorist Anders Behring Breivik vor seinem Prozess bezüglich der berserkerhaften Abschlachtung von 77 Menschen von einem rechtspsychiatrischen Gutachten für nicht zurechnungsfähig aufgrund einer paranoiden Schizophrenie erklärt worden. Diese Diagnose hätte sich vermutlich mit dem Empfinden einer Mehrzahl von Europäerinnen und Europäern gedeckt. Aber wäre die norwegische Justiz dieser Einschätzung gefolgt, hätte dies die internationale Medien- und Politikbranche um eine wunderbare Chance zur Selbstdarstellung gebracht. Dass ein zweites Gutachten kurz vor Beginn des Prozesses dem ersten widersprach, hat das gigantische Medienereignis für die Zuschauer und die internationale Angst-Industrie (Vgl. `Church of Fear´ von Christoph Schlingensief) zum Glück noch gerettet.

Na, toll - mit Spartacus - Blood and Sand gibt´s jetzt eine weitere brutal anmutende Serie aus den USA, die es zu uns über den großen Teich geschafft hat. Morde en masse zur besten Sendezeit - Gewalt geht eben immer. Auf dass unsere Sender auch weiterhin bloß keine intelligenten TV-Produkte aus England oder Frankreich für den Rest der bundesdeutschen Mittelschicht synchronisieren !

Im April 2012 entschied das Landgericht Karlsruhe, dass vier Sicherheitsverwahrte, die länger im Gefängnis verweilen mussten als es ihrem Strafurteil entsprach, Anspruch auf Entschädigung haben. Das Gesamt-Schmerzensgeld beträgt über 200000 Euro. Nur gut, dass das Landgericht den Opfern von Gewaltverbrechen sowie von vermeintlich mangelnden staatlichen Engagement bei der Kriminalitätsbekämpfung nicht ebenfalls Entschädigungsansprüche attestierte. Das hätte teuer werden und zu Unrecht ein schlechtes Licht auf staatliche Sicherheitsinstitutionen werfen können, die im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten alles tun, um die körperliche Unversehrtheit der Bürger zu schützen.



RÜCKSICHT

An die Alster mit dem Schienenersatzverkehr

Schienenersatzverkehr à la Hamburg Unerwähnt lässt ein ansonsten sehr schöner und realistischer Artikel (z.B. die Aussage, dass auch die Hamburgerinnen an der Alster längst lieber Hunde als Babys großziehen) über den überbordenden und unbequemen Schienenersatzverkehr in der deutschen Hauptstadt leider die Belange derjenigen Fahrgäste, die sich während der Fahrt nicht von Musikkonserven volldudeln lassen wollen, aber von Mitfahrern nicht selten dazu gezwungen werden. Zivilgesellschaftliche Initiativen ziehen seit Jahren dagegen zu Felde, mit wenig Unterstützung durch die Medien.

Die Initiative gegen aufgedrängte Musik im öffentlichen Raum `Dudelstopp´ macht vielen Menschen Mut, beklemmende Alltagserscheinungen nicht einfach so hinzunehmen. Außerdem wird sie einerseits viel angefeindet und andererseits von den Massenmedien - vermutlich in Hinblick auf potentielle Werbekunden sowie die politische Räson einer Allparteienkoalition - beinahe hundertprozentig erfolgreich totgeschwiegen. Das spricht vermutlich für sie.

Zur Frage, was gute Blockbuster-Movies ausmache, äußerte sich ein Vertreter der Initiative `Dudelstopp´: `Gute Filme mit einem starken Drehbuch zeichnen sich durch den knappen und pointierten Einsatz von Hintergrundmusik aus. Wenn im Hintergrund eine halbe Oper abgedudelt werden muss, um von fehlender Dramatik abzulenken, hat jemand seine Arbeit nicht erledigt.

Rocko Schamoni, Charlotte Roche und andere haben sich gegen eine Aufweichung des Urheberrechts ausgesprochen. Sie sind Künstler - unter ihnen auch Musiker - aus der Kreativen Mitte der Gesellschaft und wirken daher im Gegensatz etwa zu der Piratenpartei sehr glaubwürdig in ihrem Engagement gegen die Aufweichung des Urheberrechts. Dumm nur, dass die Piraten gar nicht vorhaben, was man ihnen permanent unterstellt. Im Gegenteil: Von der durch sie ins Spiel gebrachten Kultur-Flatrate würden eher auch weniger prominente Schaffende profitieren.



GESELLSCHAFT

Mit Charlie Harper in den Supermarkt

Konsumieren gegen die Armut (Hier: auf dem Berliner Alexanderplatz) Im Zusammenhang mit immer neuen Hiobsbogtschaften von den Protagonisten der bundesdeutschen Armutsforschung mahnen die moderne21-Experten lebensnahere Maßstäbe an: Das tiefrot eingefärbte Berlin platze an den allermeisten Stellen vor lauter materiellem Überfluss aus allen Nähten - und nicht nur im bürgerlichen Wilmersdorf oder Steglitz sondern auch und gerade in Neukölln und Kreuzberg (neueste Handys, große Karrossen, Plasma-Fernseher etc). Etwas ganz anderes und viel Beunruhigenderes sei die zwischenmenschliche Verwahrlosung. Die habe aber weniger mit fehlendem Geld als mit mangelnder Zeit und Aufmerksamkeit zu tun. Und desaströsen Medieninhalten im Unterschichten-TV. Welch ein Unsinn !

Bei der Schlecker-Insolvenz scheint sich die Frage nach den richtigen Prioritäten zu stellen: Wenn die schnäppchenversessene Kundschaft bereits früher konsequent die Drogerie-Filialen dieses Konzerns gemieden hätte, dann wären die unwürdigen Zustände dort vielleicht noch rechtzeitig genug auf´s Tablett gekommen, um umzusteuern und eine Insolvenz zu umgehen. Aber in Deutschland gilt Einkaufsvergnügen als wichtiger als soziale Empathie mit Angestellten.

Bigotte Meinungsmacher sollten nicht versuchen, dem Rausschmiss von Charlie Sheen alias `Charlie Harper´ bei der Sitcom Two and a half Man irgendetwas Positives, womoglich gar Emanzipatorisches, abzugewinnen: Sie würden heucheln, wenn sie vorgäben, dass sie nicht von einer Naturbegabung in Provokationskunst, wie Charlie Sheen, total abhängig wären. Früher gab es immerhin noch Kinski oder Schlingensief. Heute ist da niemand mehr - Bushido vielleicht oder Sido mit ihrem Kleine-Jungen-Gerüpel ? Das ist doch nichts.

In Bezug auf die Kritik an den Acta-Gegnern wird vielleicht auch Herr Fleischhauer bald einsehen, dass Sozialismus im Internet nichts ist, wovor er sich fürchten muss. Die `Wir-sind-wichtig´-Generation, die die Piratenpartei hervorgebracht hat, wird sich aller Voraussicht nach als großzügiger Sieger im ideologischen Streit um die Urheberrechte gerieren.



POLITIK

Aus dem Badezimmer nach Neukölln

Berliner Zentrale der SozialdemokratieDer sich völlig zu Recht zur männlichen Geschlechtskategorie zählende saarländische SPD-Politiker Heiko Maas sollte vor publizistischen Schmähungen in Schutz genommen werden, die sich darüber lustig machen, dass er es selbst im dritten Anlauf nicht zustande brachte, den Regierungschef im unbedeutendsten Bundesland zu stellen. Dass er dann ausgerechnet noch gegen eine CDU-Politikerin mit dem skurrilen Namen (dies ist ebensowenig Satire wie "Sabine Leutheusser-Schnarrenberger") Annegret Kramp Karrenbauer unterlag, lässt seine verbliebene Männlichkeit in unseren Augen dennoch unbeschädigt. Die bundesdeutschen Sozialdemokraten sind in dieser Beziehung ausgesprochen leidensfähig - gemeine Scherze verbieten sich dennoch.

Den Umstand, dass Frau Käßmann offenbar Bibelverse in ihrem Badezimmer plaziert hat, könnte man als Anlass für eine uneigennützige Empfehlung nehmen: Die Kirchenfrau sollte sicherheitshalber vielleicht auch ein paar Bibelverse in ihrem Auto anbringen, falls sie - durch äußere Einflüsse bedingt - kurzfristig mal wieder alle christlichen Vorsätze über den Haufen wirft und sich in Hannover volltrunken hinters Steuerrad setzt. Ob nun begleitet vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder oder nicht bleibt dabei vollkommen unerheblich.

Die legendäre britische Baroness Margaret Thatcher (sowohl bekannt als Solistin wie auch durch ihre Zusammenarbeit mit Ronald Reagan) wird von ihrem Parteifreund und Vertrauten Baron Michael Spicer im `Sunday Telegraph´ sinngemäß zitiert mit den Worten `Wenn ich mich noch einmal zu entscheiden hätte, würde ich nicht erneut in die Politik gehen. Denn leider hat das meine Familie zersrtört.´ Immerhin scheinen deutsche kinderlose Politiker wie Angela Merkel, Jürgen Trittin oder Claudia Roth diese bittere Erfahrung ihrer konservativen Gegnerin in ihre eigene Biografie integriert zu haben, jeder Demografie-Strategie zum Trotz.


VORWÜRFE

Initiative `Dudelstopp´ dementiert Einflussnahme auf Gema

`Dudelstopp´-Sprecher dementiert Einflussnahme auf GemaDurch die geplanten Tarifsteigerungen der Musikrechtegesellschaft Gema für das öffentliche Abspielen von Musik sehen sich viele Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Nun geriet auch die Initiative `Dudelstopp´ in die Kritik: Mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement gegen unfreiwilligen Musikkonsum im öffentlichen Raum soll sie den Boden für das radikale Vorgehen der Gema bereitet haben. Die Kulturaktivisten weisen die Vorwürfe von sich.

Es wird erwartet, dass die enormen Tarifsteigerungen der Gema die Verbreitung von Musik für kleine und mittelständische Unternehmungen nahezu unbezahlbar machen würden: Große Handelsketten könnten sich die extrem verteuerten Klangerzeugnisse vermutlich weiterhin leisten, die gerade bei jungen Leuten beliebten Discotheken und Clubs gerieten hingegen voraussichtlich wirtschaftlich ins Straucheln.
Daher wird gemeinnützigen Vereinen wie `Pipedown´ aus Hamburg und musikkritischen Initiativen wie `Dudelstopp´ aus Berlin in diesen Tagen unterstellt, sie würden das Unglück der Club- und Diskothekenbetreiber hinter vorgehaltener Hand begrüßen. Schließlich führten die Pläne der Gema mit den aus ihnen resultierenden Kostensteigerungen für das Unterhaltungsgewerbe vielerorts de facto zur Unbezahlbarkeit von Musik in der Öffentlichkeit - `Pipedown´ und `Dudelstopp´ hätten ein wichtiges Teilziel ihrer jeweiligen Agenda erreicht.

Um diesen unguten Eindruck entgegenzutreten, stellt der Sprecher Jens-Martin Scharf für die Initiative `Dudelstopp´ klar: `Unsere zivilgesellschaftliche Bewegung hat zu keinem Zeitpunkt politischen oder finanziellen Einfluss auf die Gema ausgeübt, um den öffentlichen Raum in der Bundesrepublik zu beruhigen.´ Daher ruft Scharf zur Teilnahme an der für den 25. Juni geplanten Protestkundgebung vor dem Frannz-Club im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg auf, wo die Gema ein Mitgliederfest veranstaltet.



GLEICHBERECHTIGUNG

Moderne Frauen

vornehmlich weiblicher MenschWer würde nicht auf Dauer Verhärmt oder frustriert, wenn einem immer wieder der zustehende Respekt und die verdiente Anerkennung für geleistete Arbeit und für Opfer vorenthalten werden ? Moderne Frauen jedenfalls widerstehen dieser Versuchung - auch wenn sie vielfach gegen bösartige Klischees ankämpfen müssen, die von `glücklichen´ Familienmüttern oder konservativen Männern in die Welt gesetzt wurden, um den fortschrittlichen Liliths ihr selbstbestimmtes Leben zu versauern.

Auf musikalischer Ebene legten vor 16 Jahren die frechen Tic Tac Toe in der Bundesrepublik den Grundstein für gleichberechtigtes Gedudel. Sabrina Setlur, deren feminine Ausstrahlung durch ihre Vorliebe für Fäkalausdrücke keinen Schaden nahm, konnte erfolgreich darauf aufbauen. Vollendet wurde diese Entwicklung schließlich von der pornorappenden Lady Bitch Ray. Die Multikulti-Gesellschaft bescherte damit diesem Land eine Reihe ausgezeichneter Sängerinnen, die ihren Macho-Kollegen kein bisschen nachstehen.
Auch im Privatleben sehen sich in Karriere und Beruf erfolgreiche Frauen häufig von fortschrittsblinden Männern ignoriert oder mit der `Begründung´ zurückgewiesen, dass `man(n) sich lieber an das Original halte´, seine Freizeit daher bevorzugt mit seinen Kumpels verbringe und seine übrigen sexuellen Bedürfnisse mit Hilfe von Liebesarbeiterinnen bewältige. Da Prostitution hierzulande anders als im fortschrittlicheren Schweden für die männlichen Freier noch nicht strafbar ist, muss diese Haltung als diskriminierend gesehen werden.

Militärisch ist es ein Fortschritt, wenn Feinde der offenen Gesellschaft künftig von Frauen und Männern gleichermaßen staatlich angeordnete körperliche Gewalt zugefügt bekommen. Die geringere Kampfkraft von Frauen, die Jahrtausende bei der Kriegführung berücksichtigt wurde, ist im High-Tech-Zeitalter obsolet geworden. Moderne Frauen sind damit nicht nur die besseren, die `neuen´ Männer, sondern auch die vollkommeneren Kämpferinnen.
Schließlich tritt dadurch, dass die harmonische Konsensfindung zunehmend an Bedeutung gewinnt, die harte Konfrontation zwischen unterschiedlichen Meinungen immer mehr in den Hintergrund. Die Political Correctness - gestützt von den Expertinnen und Experten aus Brüssel - setzt sich auf allen Ebenen immer mehr durch und auch die Politik in Deutschland wird dank Quotenregelungen erfreulicherweise immer femininer.


GLEICHSTELLUNG

Moderne Männer

vornehmlich männlicher MenschMit wem sollen moderne Frauen im Einklang die Basis für eine gerechte und gute Gesellschaft legen, wenn nicht mit einer neuen Generationen fortschrittlicher Männer ? Diese sehen sich allerdings immer noch häufig Schmähungen und Spott von Seiten nach wie vor dem Patriarchat höriger altmodischer Frauen sowie sogenannter `richtiger´ Männer ausgesetzt, die Gender-Mainstreaming fälschlicherweise für einen ganz schlechten Scherz und Frauenbeauftragte für die Rache enttäuschter `Emanzen´ halten.

`Was sind das für altmodische Männer, die im öffentlichen Raum andere anherrschen, ihre Musik leiser zu stellen ? Auf was für ungute Normen und Werte aus düsteren deutschen Zeiten berufen sie sich ? Waren das nicht sehr autoritär - also patriarchalisch - geprägte, unmenschliche Zeiten ?´, fragen sich fortschrittliche Männer heutzutage zu recht. Deshalb haben sie für Appelle [ein Ausdruck aus dem Militär-Jargon] an die `Rücksicht´ vornehmlich vaterlos aufwachsender junger und hoffnungsvoller Störenfriede wenig bis kein Verständnis.
Moderne und gerechte Gesellschaften haben kein Problem mit dauerpubertierenden, erwachsenen Männern, die sich mit Computerspielen und Jugendfilmen vor gereifter Verantwortung `drücken´: Besser, die erwachsenen männlichen Bürger der Bundesrepublik bleiben `große Jungs´ als dass sie `echte Männer´ werden - mit allen negativen Begleiterscheinungen. Volker Beck und Andrea Nahles würden dieser Einsicht sicher nicht widersprechen.

Völlig überbewertet werden verantwortungsvolle Berichte der Boulevardmedien, nach denen häusliche durch Frauen ausgeführte Gewalt gegen Männer ein nicht zu unterschätzendes Problem in der Bundesrepublik darstellt, das den Blick auf das Gesamtphänomen `Macht´ nachhaltig verändern dürfte. Die Tatsache, dass diese vermeintliche Form von Gewalt kaum in einschlägigen Statistiken auftaucht, hat mit Sicherheit nichts mit tradiertem männlichen Schamgefühl in dieser Beziehung zu tun.
Seit Jahrhunderten schließlich hat von Männern dominierte Politik überwiegend Unglück vor allem über Frauen gebracht. Mit der neuen Quotenpolitik, die von der politischen Linken bis zur politischen `Bürgerlichen´ (um an dieser Stelle kein vollkommen zu recht diskreditiertes Adjektiv zu verwenden) unterstützt wird, neigt sich diese Ära ihrem Ende entgegen. Es wird eine Zeit folgen, die vollständig vom exakten Gegenteil geprägt sein wird.


MEINUNGSFREIHEIT

SOS-Mordbank knippst Politikplattform Licht aus

Hatten im Gegensatz zu mutmaßlichen Wirtschaftskriminellen einen schweren Stand vorm Berliner Landgericht: Unterstützer des Kunsthauses TachelesDie im Zuge der Finanzkrise mit Steuergeldern in Milliardenhöhe von den Bundesbürgern gerettete SOS-Mordbank hat den Protagonisten des weltbekannten Berliner `Kunsthauses Tacheles´ die Stromzufuhr gekappt. Nachdem die Zwangsverwalter der eigentlich dem Gemeinwohl verpflichteten ehemaligen Landesbank die Künstler bereits seit Jahren damit schikaniert hatte, ihnen das Wasser und die Heizung abzustellen, wird damit auch den einzelnen Gruppen und Initiativen, wie der Politikplattform moderne21, das Engagement im Haus nahezu unmöglich gemacht.

Anscheinend braucht es in Deutschland des Jahres 2012 nur den zu allem entschlossenen Zwangsverwalter einer in der Öffentlichkeit nicht nur unter ihrem ehemaligen Vorstandsmitglied Wonnenmacher als marode geltenden Bank und eines zweifelhaft agierenden `Security´-Dienstes, um die unbequemen Wahrheiten einer unabhängigen zivilgesellschaftlichen Kunst- und Politikplattform einen wichtigen Pfeiler ihrer Präsenz im öffentlichen Leben der Berliner Republik zu entziehen. Weder Kultursenator Klaus Wowereit noch dessen Staatssekretär André Schmitz hielten es bisher für nötig, die Gewalt gegen das Kunsthaus und die in ihm seit Jahren wahlbeheimateten Einzelkünstler und Gruppen beim Namen zu nennen, noch zu verurteilen, noch gar zu bekämpfen. Weil man ebenfalls ein Interesse hat am Verstummen namentlich der Initiativen `Gewalt geht immer´, `Wahlzusage´, `Dudelstopp´, `Wir sind wichtig´ sowie der Bündnisse `Berliner Mehrwert´ und `Kreative Mitte´ ? Man möchte diesen Gedanken am liebsten nicht zu Ende denken.

Gegen die SOS-Mordbank und deren Zwangsverwaltung wurde im Mai dieses Jahres Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Aachen wegen Insolvenzverschleppung und schwerem gewerbsmäßigen Betrug im Zusammenhang mit dem geplanten Quartier am Tacheles in Berlin-Mitte gestellt. Laut eines Hamburger Nachrichtenmagazins will die Hamburger Staatsanwaltschaft Anklage gegen ehemalige Vorstände der maroden SOS-Mordbank erheben.

Einige Namen und Bezeichnungen wurden aus rechtlichen Gründen verändert


ÄSTHETIK

Kritik an Piepsstimmen ist frauenfreindlich

Frauen mit unzumutbarer Stimme dürfen massenmedial nicht ausgegrenzt werdenDie ganz überwiegende Mehrheit der Bundesdeutschen hat sich längst daran gewöhnt, bei der medialen Präsenz weiblicher Darstellerinnen, Politikerinnen oder Expertinnen über deren teilweise als sehr unangenehm empfundenen Sprechstimmen `hinwegzuhören´. Auf dem Weg zu einer gerechteren Mediengesellschaft ohne Diskriminierungen ist diese Entwicklung zweifellos zu begrüßen.

Durften Zuschauerinnen und Zuschauer, Zuhörerinne und Zuhörer von Fernseh- und Radioprogrammen seit Beginn der elektronischen Massenmedien hierzulande bis in die Achtziger Jahre hinein die wohlklingenden Stimmen von Dagmar Berghoff, Angelika Unterlauf oder Karin Anselm angenehm auf sich wirken lassen, so haben sie heute mit den enervierenden verbalen Emmissionen von Barbara Salesch, Heidi Klum oder Charlotte Roche zu leben gelernt.
Lange vorbei sind die Zeiten als nur Frauen mit einer angenehmen Stimme es in die Programme der Fernseh- und Radiosender schafften und solche mit einem entsprechenden landläufig als unangenehm empfundenen `schrillen´ oder `piepsigen´ Organ empfohlen wurde, ihrem für andere unzumutbaren Manko mit Hilfe einer logopädischen Behandlung zu Leibe zu rücken.

Die von einer politisch unkorrekten und möglicherweise latent frauenfeindlichen Minderheit als unangenehm empfundenen Sprechstimmen gewisser Schauspielerinnen, Journalistinnen und anderer Aktricen des medialen und öffentlichen Lebens signalisieren dem modernen Teil der Bevölkerung, dass die Angleichung der Geschlechter auf einem guten Weg ist, wenn von weiblichen Menschen nicht mehr automatisch erwartet wird, angenehm auf ihre Umwelt zu wirken. Die Sozialdemokratisierung der elektronischen Medien seit der Einführung der Privatsender hat ihren Beitrag dazu geleistet. Das einst schöne und ästhetisch anspruchsvollere Geschlecht hat sich besonnen und tritt mittlerweile zum Glück ebenso aggressiv und bisweilen eben auch `nervig´ auf, wie das ehemals `starke´ Geschlecht.


ZUKUNFT

Betreutes Wohnen mit und ohne Quote

In Hamburg wird an allen Ecken gebaut - aber für wen eigentlich ?Wenn sich Kanzlerin Merkel und CSU-Chef Seehofer jetzt auf eine Flexi-Quote geeinigt haben, um gesetzlich mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen und damit die Gegner des Betreuungsgelds zu besänftigen, können wir von der Initiative `Wahlzusage´ nur festhalten `Wie erfreulich: Dann bekommen wir also über die Hintertür des erfreulichen Betreuungsgeldes die noch erfreulichere Frauenquote für die Industrie verpasst. Nur gut, dass unsere Politiker nicht daran arbeiten, die Demokratie abzuschaffen. Unsere Stimmen bei der nächsten Wahl haben sie.´

Mit der Industrie und der Wirtschaft ist es allerdings so eine Sache - ob sie tatsächlich immer logisch und rational agieren, wie man es in einer relativ freien Marktwirtschaft eigentlich unterstellen dürfte, ist in Zeiten von Banken- und Finanzkrise fraglich geworden:
Das Monatsmagazin des Hamburger Grundeigentümervereins fragt seine Leser im Juli 2012 besorgt, welche Gründe es geben könnte, warum trotz niedriger Zinsen und trotz eines für Anbieter positiven Immobilienmarktes kaum nennenswerte Neubautätigkeiten in der Hansestadt zu verzeichnen sind. Vermutlich zielt der rhetorische Vorstoß darauf ab, dass die Politik den potientiellen Bauherren ihre Tätigkeit durch zu viele Vorschriften und Reglementierungen unzumutbar erschwert. Dass die ausbleibenden Bautätigkeiten mit einer Geburtenrate von unter einem Kind pro Frau zusammenhängen könnten und dies auch bei notorischen Optimisten Zweifel säen könnte, wer in den vermeintlich benötigten Zehntausenden neuen Wohneinheiten eigentlich in zehn oder zwanzig Jahren noch leben soll außer alleinstehenden Greisen und jeder Menge Haustieren, darüber verliert der Autor des entsprechenden Artikels zum Glück keine überflüssigen Worte.
Womit sollen zukünftige Mieter eigentlich ihre Verbindlichkeiten gegenüber den Wohnungseigentümern begleichen, wenn der Euro erst einmal abestürzt, gecrashed und entwertet sein wird ? Möglicherweise mit den von der Europäischen Union zum Abschuss frei gegebenen und streng verbotenen Glühbirnen als neue Währung ?


STEUERN

Akzeptanz von Steuern in Gefahr

Immer mehr Menschen wollen dem Staat das ihm zustehende Geld vorenthaltenWie sich sehr positive und humanistische Phänomene durch destruktive Kräfte in ihr Gegenteil verkehren lassen, ist gegenwärtig anhand eines unschönen Phänomens zu beobachten: Öffentliche ideologische Bekenntnisse von Bürgern und Prominenten. In Deutschland trat unterstützt durch die Sozialdemokratie in den siebziger Jahren eine beachtliche Anzahl von Frauen ins Rampenlicht der Massenmedien mit dem engagierten und mutigen Bekenntnis, abgetrieben zu haben. So weit so gut für die gerechte Gesellschaft.

Nun sehen sich neuerdings jedoch ermutigt durch den politischen Liberalismus (Wahlkampfslogan `Mehr Netto vom Brutto´) hierzulande Normalbürger verstärkt dazu berufen, ihren Unmut gegenüber einer vermeintlich zu hohen Steuerlast hierzulande kundzutun. Noch haben sich mit dem für seine politischen Geisterfahrten bekannten Provokationskünstler Leo Greller (`Ich würde meine Steuergelder lieber für mich selbst ausgeben´) allenfalls Prominente der `D-Kategorie´ zu diesem gefährlichen Irrsinn bekannt - aber es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann auch höherwertige Personen des öffentlichen Lebens diesem unguten Trend folgen werden. Glücklicherweise haben sich für ihren eigenen Kopf und Starrsinn bekannte Persönlichkeiten wie etwa Karl Lagerfeld, Henryk M. Broder, Dieter Bohlen oder Robert Geiss zum Thema `Lebensfreude durch Steuernzahlen´ geäussert - dies scheint jedoch erfahrungsgemäß nur eine Frage der Zeit zu sein.

Daher erscheint es notwendig, eine Ächtung oder auch eine juristische Generalprävention gegen die Gefährlichkeit des öffentlichen Leugnens der Notwendigkeit, Steuern an den (Sozial-)Staat zu zahlen, ins Leben zu rufen. Es wäre zu überlegen, sogar von mentaler Gewalt - ähnlich wie bei Rufmord oder Beleidigung - zu sprechen, wenn Menschen öffentlich erklären, dass sie wichtige und von verlässlichen Steuereingang abhängige Funktionen des Staates nicht mehr unterstützen möchten, wie die Beseitigung der Ungleichheit zwischen den Menschen, die Stärkung der Europäischen Einheit in Brüssel, die Unterstützung neuer vielfältiger urbaner Lebensstile und die Integration von Migranten. Es muss vorbeugend dagegen vorgegangen werden, dass solche menschenverachtenden Ansichten verstärkt in Umlauf gebracht werden.