Initiative `Dudelstopp - Musik ohne ZwangInitiative `Dudelstopp - Musik ohne Zwang



JUGENDGEWALT

Musikeinsatz und körperliche Gewalt

Als die Aktion 'Dudelstopp' noch nicht vom Verband der deutschen Beschallungsindustrie (VdBsi) beraten wurde, veröffentlichte sie ein grenzwertiges Video, mit dem sie den Bogen eindeutig überspannte.

Im Video hindert ein jugendlicher Fahrgast eine junge Frau in der S-Bahn durch überlautes Musikhören daran, ein Buch zu lesen. Als diese ihm sein Fehlverhalten verdeutlichen will, bedroht er sie wiederholt, so dass sie schließlich den Sitzplatz wechseln muss. Man wollte mit Hilfe des Clipps, vermutlich Verständnis wecken für Menschen mit so wenig Selbstbewusstsein, dass ein junger Mann einen mit seiner offen zur Schau getragenen Liebe zur Musik ausfallend werden lässt. Die damaligen Dudelstopper verstiegen sich sogar zu der völlig unhaltbaren These, der gesellschaftliche Wandel mit seinen Auswirkungen auf die Familienstrukturen würde die Menschen im direkten Umgang miteinander rücksichtsloser agieren lassen. Diese Single-feindliche Unterstellung wurde jedoch schnell anhand der Zuschauerkommentare widerlegt:
Darsteller von der Initiative 'Dudelstopp'"Wenn mich in der Bahn jemand mit seinen Handy stört, dem nehm ichs weg und dann gibts von mir was in die Fresse ",
"die frau hat prügel verdient. nur weil er musik hört und etwas schrof reagiert als sie sich beschwert, geht sie davon aus dass er aus 'zerrütteten verhältnissen' stammt. was soll das denn? ...",
"unnötig das is so unnötig in wirklichkeit hätte sie schon fäuste kassirt und wär schon längst zerfetzt unötig",
"Solche leute habe ich gern die immer wollen das man sie in ruhe lässt und selber immer die anderen vertig machen wollen!" ...


Diese Zitate belegen, dass es um die Diskussionskultur in diesem Land längst nicht so schlecht bestellt ist, wie uns Kulturpessimisten dies seit Jahren einreden wollen. Die Inhalte von Privatsendern wie RTL2 oder Pro7 lassen die Jugend eben gerade NICHT verrohen und Aggressionen aufbauen, sondern bereiten sie ganz im Gegenteil darauf vor, alltägliche Probleme in unaufgeregter Form mit Hilfe von Argumenten in den Griff zu bekommen. Es gibt also ausreichend Grund zur Hoffnung auf weiterhin zivilisierte Umgangsformen in der Bundesrepublik - egal, ob junge Menschen in altmodischen Familien aufwachsen oder schon früh autonom auf sich selbst gestellt sind. Das Selbstverständis des neuen Projekts 'Dudelstopp' berücksichtigt diese Einsicht bei ihren für die nahe Zukunft geplanten Aktionen.


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COURAGE

Handyraub im Elbvorort

In der Idylle der Hamburger Elbvororte geschah das Unfassbare In einer Hamburger S-Bahn wurde kürzlich einer lautstark telefonierenden Frau ihr etwa 700 Euro teures Smartphone von einem 46jährigen Fahrgast entrissen und aus dem Fenster geworfen.

Dem Vernehmen nach hatten mehrere Mitreisende die offenbar unter Alkoholeinfluss stehende Dame vergeblich darum gebeten, ihre Stimme während des Telefonats zu senken. Die S-Bahn wurde unmittelbar nach dem Vorfall angehalten, woraufhin die Bundespolizei erfolglos mit mehreren Beamten die Gleise nach dem kostspieligen Gerät absuchte. Vier weitere Züge fuhren wegen des Zwischenfalls mit Verspätungen. Gegen den mutmaßlichen Gewalttäter wurde Strafanzeige gestellt.

Die S-Bahn der Linie 1 war am frühen Freitagmorgen offenbar auf dem Weg von Altona nach Wedel als sich der Zwischenfall ereignete. Damit befand sich der Unglückszug in unmittelbarer Nähe zur Heimat des Initiators der zivilgesellschaftlichen Initiative `Dudelstopp - wollen wir Friedhofsruhe ?´ Hartmut Lühr, der sich daher zu einer kurzen Stellungnahme veranlasst sah:
"Die Medien sollten den äußerst bedenklichen Vorfall nicht zu einem Akt vermeintlich bürgerlicher Zivilcourage hochstilisieren: Nach allem, was wir wissen, handelt es sich um eine Straftat. Wenn ich mich in die Lage der Frau versetze, der ihr teures Handy entwendet wurde, wobei ihr angetrunkener Zustand in besonders perfider Manier ausgenutzt wurde, wird mir ganz anders. Hier sieht man einmal mehr, wozu die Verfechter von mehr Stille und Ruhe im öffentlichen Raum hinter der Maske der Rücksicht und vermeintlichen Toleranz fähig sind. Wenn charakterlich ungeeignete Personen versuchen, das - in diesem Fall redselige - Naturell der Menschen zu verändern, endet das schnell in Anarchie oder Faschismus.
Die Menschen in Deutschland dürfen von den Bewohnern der Hamburger Elbvororte kein falsches Bild bekommen, daher sollten der mutmaßliche Täter hart bestraft und das Opfer großzügig entschädigt werden. Ich betone noch einmal: DER Täter und das Opfer - nicht etwa DIE Täterin und das Opfer. Wir leben schließlich in Deutschland."





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