Initiative `Wir-sind-wichtig - Der Wirtschaft zuliebe !´Initiative `Wir-sind-wichtig - Der Wirtschaft zuliebe !´



INITIATIVE 'WIR-SIND-WICHTIG'

Stellungnahme zum 'Internationalen Tag des Glücks'

Eine wachsende Zahl von Menschen tritt wegen ihrer subjektiv empfundenen beruflichen Unentbehrlichkeit in ihrem Sozialleben immer kürzer. Unabhängig davon, ob sie tatsächlich unersetzbar sind oder nicht, bringen sie große Opfer für das Funktionieren der Wirtschaft und damit das Gemeinwohl. Der daraus sehr häufig resultierende Verzicht auf Familienleben, elementare Glücks-erfahrungen und emotionale Stabilität ist nicht zu leugnen.

Die Millionen Einzelkämpfer müssen daher von Initiativen wie 'Wir-sind-wichtig' gewürdigt, ermutigt und getröstet werden. Den Menschen soll ihr Unbehagen genommen und mit Hilfe von Diskussionen, satirischen Aktionen und der Dokumentation moderner Biographien gezeigt werden, dass sich Glück, Individualisierung und Marktwirtschaft bestens miteinander vereinbaren lassen.

Glückliche Single-Frau im ParkHinter 'Wir-sind-wichtig' stehen neben Vertretern aus Politik, Single-Industrie und Gewerkschaften Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen und gleichzeitig der Notwendigkeit ihrer Opfer für die Wirtschaft vergewissern wollen. Es sollte vor allem von der Politik aufrichtiger als bisher kommuniziert werden, dass beruflicher Erfolg nun einmal der Fetisch der modernen Zeit ist, dessen Nebenerscheinungen wie Einsamkeit und familiäre Entwurzelung adäquat durch Geld, Sozialarbeit oder Haustiere zu lösen sind.
Durch Konsumchancen können Einsamkeitsgefühle kompensiert werden, beruflicher Erfolg kann fehlende Bestätigung im sozialen und familiären Bereich ersetzen und damit ausbleibendes Glück synthetisieren.

Den Menschen wird heute statt zu Hause in ihren Unternehmen vermittelt, dass sie einzigartig und wichtig sind. Sie fühlen sich bei der Erwerbsarbeit unabkömmlich und wollen nicht riskieren, ihre Lebenskraft und ihre Kreativität für anfällige soziale Bindungen drohendem Verschleiß auszusetzen. Diese sich in der wachsenden Single-Gesellschaft verbreitende Haltung gilt es besonders am `Tag des Glücks´ zu thematisieren und zu fördern.


REALISMUS

Ein flatterhaftes Phantom namens 'Glück'

Die Initiative „Wir-sind-wichtig!“ setzt sich nicht, wie man durchaus vermuten könnte, in erster Linie für ein glücklicheres Leben ein. Sie legt vielmehr den modernen Menschen nahe, zum Wohle gesellschaftlichen Fortschritts, der eng mit ökonomischen Fortschritt verflochten ist, das Primat des `Glücks´ zu überwinden. `Glück´ erweist sich ohnehin nur allzu oft als flatterhaftes Phantom.

Von Metall am Finger versprechen sich manche abergläubischen Menschen GlückHier und dort mag der Eindruck entstehen, dass in einer auf Leistungsfähigkeit und Verwertbarkeit ausgerichteten Gesellschaft die Bürger permanent ihre Nützlichkeit für den Arbeitsmarkt unter Beweis stellen müssen. Die Forderung danach, dass die Menschen gegenüber dem Staat ihre Existenz stärker rechtfertigen müssen, ist allerdings überzogen. Es sollte vielmehr von der Politik aufrichtiger als bisher kommuniziert werden, dass beruflicher Erfolg nun einmal der Fetisch der modernen Zeit ist, gegen dessen Nebenwirkungen, wie Einsamkeit und familiäre Entwurzelung, also vermeintlich ausbleibendes Glück, es durchaus Gegenmittel gibt: So können etwa durch erweiterte Konsumchancen Einsamkeitsgefühle kompensiert werden und beruflicher Erfolg vermag fehlende Bestätigung im sozialen und familiären Bereich weitgehend zu ersetzen. Eine weiteres Hilfsmittel, von dem in den städtischen Ballungsräumen zunehmend und deutlich sichtbar Gebrauch gemacht wird, sind Haustiere.

Den Menschen wird heute statt zu Hause in ihren Unternehmen vermittelt, dass sie einzigartig und wichtig sind. Sie fühlen sich dort unabkömmlich und wollen nicht riskieren, ihre Lebenskraft und ihre Kreativität für anfällige soziale Bindungen drohendem Verschleiß auszusetzen. Gegen diese Einsicht spricht auf den ersten Blick das Phänomen der Burn-Out-Kranken. Bei ihnen liegt das Problem jedoch eher darin, dass sie über gesellschaftskonforme Normen hinausschießen wollen. Sie sollten sich in ihrem verbleibenden Privatleben in stärkerem Maße dem Freizeitmarkt zuwenden.


SURREALISMUS

Ignoranz der Kritiker

Wenn wir feststellen, dass erhöhte Konsumchancen ausbleibendes Glücksbefinden kompensieren können, ernten wir dafür natürlich Kritik. Der Konsumgesellschaft wird unterstellt, sie erzeuge Entsolidarisierung, Vereinsamung und Entfremdung.

Pack den Einkaufswagen ein ...Den erwähnten Kritikern muss entgegengehalten werden, dass sie mit ihren Unterstellungen zweifellos recht haben, dass sie aber bitte das regelmäßige Votum der Bürger bei politischen Wahlen für die Systemparteien respektieren mögen, die ohne Ausnahme seit Jahrzehnten - und das gilt auch für vermeintlich 'linke' Parteien - wirtschaftliche Aspekte in der Vordergrund politischer Gestaltung stellen.
Auch Menschen, die die eigene Berufung und Selbstverwirklichung einem Engagement mit dem Arbeitsmarkt vorziehen, können gesellschaftlich integriert werden: Jede auf den ersten Blick auch noch so exotisch erscheinende neuartige `Berufung´ lässt sich mit etwas Geschick und guter Beratung - wenn es gar nicht anders geht auch durch die Jobcenter - in den Arbeitsmarkt integrieren. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist die logische Konsequenz aus längst eingeleiteten gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Entwicklungen sowie eine unverzichtbare Voraussetzung für die weitere Individualisierung der Gesellschaft und daher zu befürworten.

Kapitalismuskritikern, die vor der Ökonomisierung aller Lebensbereiche warnen und weltweit agierenden Protestlern und Aktivisten, für die 'Karriere' ein kapitalistischer Kampfbegriff ist und die das Primat der Wirtschaft brechen wollen, ist zu sagen: „Ihr habt einen wunderschönen Traum, den wir Euch aus vollem Herzen gönnen. Aber Politik, Medien und Wirtschaft werden zumindest hierzulande zum Wohle der Menschen und ihren legitimen Konsumbedürfnissen dafür sorgen, dass er im bestehenden System niemals Wirklichkeit wird.“


MARKTKONFORMISMUS

Glück als Alibi

Der Erfahrung der Aktivisten von 'Wir-sind-wichtig' nach sind keinerlei Kunstgriffe nötig, um den Menschen die Notwendigkeit stabiler sozialer Bindungen zu vermitteln. Jeder Mensch, sofern keine pathologischen psychischen Störungen vorliegen, weiß das aus seiner eigenen Biografie heraus. Und zwar unabhängig davon, ob die eigenen kindlichen Bindungen subjektiv als ausreichend oder ungenügend empfunden wurden. Unsere Initiative verwendet lediglich eine direktere und mit Satire-Elementen versetzte Rhetorik, um alltägliche Sachverhalte darzustellen, als man es aus anderen Medien gewohnt ist.

Glücklicher Politiker Der Clou der sich als 'staatsnah' bezeichnenden Satiren von 'Wir-sind-wichtig' besteht darin, offizielle Definitionen aus der Politik zu übernehmen, die sich de facto sehr stark an beruflichem und wirtschaftlichem Erfolg orientieren, und deren Unzulänglichkeiten aufzuzeigen. Den Äußerungen der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Bundestages anlässlich des 'Internationalen Tags des Glücks' etwa kann man daher wohl lediglich einen Alibi-Charakter mit Feigenblattfunktion attestieren. Auch hohe Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben haben ein nachvollziehbares Bedürfnis nach einem guten Gewissen – auch wenn sich dieses lediglich an einem Tag im Jahr zu Wort melden darf. Unsere Initiative nutzt diesen Tag dennoch gerne als Gelegenheit, das untrennbare Miteinander von Individualisierung und Marktwirtschaft zu thematisieren.

Das beschriebene Zusammenspiel erscheint mit Hinblick der längeren Erfahrungen des Westens und neueren Erfahrungen in den sogenannten 'Schwellenländern' den auf Wachstum ausgerichteten Gesellschaften immanent. Hieran ist nichts zu kritisieren, aber mehr Ehrlichkeit und weniger Scheuklappen im Umgang mit kritischen Folgen der marktkonformen Individualisierung wären sicher wünschenswert.


VERWECHSLUNGSGEFAHR

Glück, Politik und Satire

Nach sechs Jahren des Bestehens unserer Initiative schält sich ein Grundmotiv der Menschen, die sich für uns interessieren, heraus: Es scheint vielen von ihnen darum zu gehen, sich der Notwendigkeit der eigenen oft sehr bewusst empfundenen Opfer für die Wirtschaft zu vergewissern.

Geld macht sowas von glücklich !In ihrem Inneren ahnen die Menschen, dass Karriereorientierung und private Glückserfahrung nur höchst selten Hand in Hand gehen. Sie suchen daher 'händeringend' nach glaubwürdigen Instanzen, die ihnen bestätigen 'Ja, es ist richtig, dass Du Dein persönliches Glück wirtschaftlichen Zusammenhängen unterordnest.' Sie bekommen diese Bestätigung bereits seit Jahren von Politik und Medien frei Haus geliefert, aber sie benötigen immer mehr davon, da die Zweifel offenbar doch sehr tief sitzen. Also suchen sie jetzt auch verstärkt bei Kunst und Kultur danach. Da landen sie mitunter eben auch bei sich satirischer Mittel bedienender Initiativen, wie der unsrigen. Wobei möglicherweise seelsorgerische Mittel der Ernsthaftigkeit der Anliegen angemessener wären. Diese können wir jedoch leider (noch) nicht bieten.

Es stellt sich allerdings die Frage nach der Wirksamkeit von 'Satire' und ob ernster Protest sich nicht eigentlich seriöser präsentieren müsste. Durch stetig sinkende Schamgrenzen nähert sich die Politik seit Jahren unfreiwillig stetig der Satire an. Bei der Satire werden Missstände in überspitzter Form thematisiert, durch den wachsenden Zynismus in der Politik entstehen neue Missstände. Als jüngstes Beispiel kann der geplante Wechsel des ehemaligen Kanzleramtsministers Pofalla in den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn dienen, der zunächst ebenfalls von vielen als Satire interpretiert wurde. Politik und Satire nähern sich also seit Jahren immer mehr aneinander an. Mediennutzer fragen sich immer häufiger 'Ist das jetzt eigentlich noch Politik oder bereits Satire ?'. Das ist einerseits aus demokratietheoretischer Sicht erschreckend, andererseits kann der gesellschaftspolitische Wirkungsgrad der Satire gegenwärtig gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Als Bürger ist mir diese Entwicklung unheimlich, als Satiriker kommt sie mir natürlich sehr gelegen. Man ist als Satiriker heute wichtiger als man eigentlich sein sollte.





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